Könnte meine Matrix/Tabelle - der entfernten Terzverwandtschaften - manchem Komponisten (der tonal komponiert) eine kleine, übersichtliche Hilfe sein?

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2 Antworten

Problematik:

Deine Tabelle enthält einige grundlegende Missverständnisse denen viele Autoren ebenso aufgesessen sind wenn es um die Analyse etwa spätromantischer (etwa ab Brahms) Werke, echter Jazz-Kompositionen oder auch modaler Groove-Songs geht:

1. Die Dominante hat nur in ganz seltenen Fällen tatsächliche "Vertreterklänge" (z.B. bei V  III-  V = D Dp D). Die III. Stufe in Dur hat das Problem dass sie ein Molldreiklang ist und daher von Natur aus nicht dominantisch ist (Dominanten sind immer Dur!). Die VII. Stufe ist als verminderter Dreiklang kein Vertreter der Dominante, denn Vertreter können nur selbständige Dreiklänge (= reiner Quintrahmen) sein (s. auch II. Stufe in Harmonisch Moll bzw. III. Stufe in Harmonisch bzw. Melodisch Moll) . Sie ist vielmehr als verkürzter (= ohne Grundton) Dominantseptakkord eine "Variante" der Dominante.

2. Die bVII ist alles andere als dP, sie ist SS (Doppelsubdominante!). Zudem hat eine "Moll-Dominante" nichts mehr mit Funktionalität (und damit mit Funktionssymbolen) zu tun sondern stammt u.a. aus der Modalität.

3. Dasselbe gilt für alle Kombinationen von zwei Klein- oder zwei Grossbuchstaben. Solche Verbindungen sind mediantisch (chromatisch terzverwandt) und daher ebenso wenig funktional.

Konsequenzen:

Es gilt also erstens grundsätzlich zu unterscheiden zwischen Varianten (selber Grundton) und Vertretern (anderer Grundton).

Zweitens eignen sich Funktionssymbole generell nur (!) zur Beschreibung von Dur/Moll-tonalen Akkordfolgen und sind ausserhalb dessen (z.B. Pentatonik, Modalität, Mediantik, Expressionismus, Freitonalität und weite Bereiche des Free Jazz) blosse Zeichen ohne echte Aussagekraft bezüglich der tatsächlichen musikalischen Zusammenhänge. Genau aus diesem Grund sind etwa die guten Bücher zur Jazz-Harmonik schnell von den Funktionssymbolen abgegangen und verwenden nur noch Stufensymbole.

Und drittens noch ein kleiner aber nicht ganz unwesentlicher Tip: Tauchen bei einer funktionalen Analyse plötzlich gehäuft tonal entferntere Symbole auf (oder werden die leitereigenen Dreiklänge gar zu Randerscheinungen) so ist das ein deutlicher Hinweis dafür dass entweder eine Modulation stattgefunden hat oder aber der Bereich der Funktionalität verlassen wurde.

Ich hoffe sehr dass du deine dennoch lobenswerte Arbeit noch einmal dahingehend überdenkst :-) LG Max

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Kommentar von grubenhirn
30.03.2016, 20:00

Interessante Antwort, danke.

Das was du schreibst, muss man bei der Tabelle natürlich berücksichtigen, die ist auch nur insofern brauchbar, schnell einen Überblick für die harmonische Analyse zu haben. Und auch nur für die Werke bis etwa 1900. Für die Musik danach eignet sie sich nicht mehr.

Mir ist allerdings nicht ganz klar, welche Stelle ich wie ändern sollte.

Doppeldominante & Doppelsubdominante habe ich auch extra nicht beschriftet.

Die Bezeichnungen hatte ich von Thomas Krämers "Harmonielehre im Selbststudium" + Thomas Krämers "harmonische Analyse" übernommen, dort wurde aber nichts in einer Tabelle sorgfältig zusammengefasst, deshalb habe ich das übernommen.

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Ich mach seit 20 Jahren Musik... und check es nicht. Ich hab Harmonielehrer studiert oO

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Kommentar von grubenhirn
28.03.2016, 17:29

Hi, vielleicht hätte ich noch die Abkürzungen erläutern sollen:

T=Tonika; D=Dominate; S=Subdominante; (großer Buchstaben Dur, kleiner Buchstaben Moll)

G=Durgegenklang; g=Mollgegenklang; P=Durparallele; p=Mollparallele

1.)Zusammengesetzt Beispiel: Tp = (Dur)-Tonikamollparallele

2.)Zusammengesetzt Beispiel: tP = (Moll)-TonikaDurparallele


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