Frage von Pretan4, 110

Könnte man dieses Phänomen als globale Doppelmoral bezeichnen?

"Jedes (vergleichbare) Menschenleben ist gleich viel wert"

Diesem Satz würden Sicher > 80% Der Menschen zustimmen ...(besonders in Europa)

Wenn jemand sagt, mein Leben ist mehr wert als das von anderen, wird er oft als Egomane oder "Ars*hloch" bezeichnet.

Jeder gesunde Mensch hat aber mittlerweile dank Moderner Medizin die Chance mehrere Menschen mittels Organspende zu Retten.

Demnach wäre es nur "gerecht", sich selbst umzubringen, um das Leben von >1 Personen zu retten....

Somit ist doch klar bewiesen, dass jeder Mensch, der obiges behauptet ein Heuchler ist....und eigentlich jeder Mensch ein Egoist.... oder ?

Antwort
von Tasha, 45

Seien wir ehrlich: Es niemals für jemanden jedes Leben den gleichen Wert. Das sieht man schon in den Nachrichten: Da ist ein Flugzeug in Bangladesch abgestürzt... mit 5 DEUTSCHEN an Bord! Die anderen Passagiere interessieren erst mal nicht. Warum? Wenn ein Verwandter oder Bekannter eines Deutschen an Bord war, ist die Chance hoch, dass er auch Deutscher war. Und das interessiert die Zuschauer hier: 

Waren da Leute drin, die ich kannte, um die ich jetzt Angst habe oder trauere?Und wir alle wissen: Stirbt ein Familienmitglied, trauern wir. Stirbt ein Freund, trauern wir auch, aber oft nicht so intensiv. Stirbt ein Nachbar oder Kollege, sind wir betroffen. Gab es einen Verkehrsunfall mit 2 Toten, die wir nicht kannten, sind wir vielleicht erschrocken, aber nicht traurig. In Kanada sind 5 Leute im Fluss ertrunken? Schade, aber uns egal, die kannten wir nicht!

In Kriegsgebieten sind Menschen zu Tode gekommen? Ja, das kommt in Kriegsgebieten vor - die sind weit weg, wir waren da noch nie, fremde Kultur, unbekannter Krieg/ unbekannte Kriegsumstände - uns egal.

Also hat für uns nicht jedes Menschenleben gleich viel wert, noch nicht mal jedes Leben von Menschen einer Kategorie (Freunde, Familie, Deutsche etc.).

Würde man jemanden fragen, ob man seine Mutter/ seinen Sohn/ seinen Ehemann oder seinen Nachbar retten sollte, fiele die Wahl der meisten auf die erstgenannten Personen. Würde man fragen, ob man seinen Kollegen oder einen Unbekannten der Konkurrenzfirma retten sollte, würden die meisten auch eher zum bekannten Kollegen tendieren. 

Einen Deutschen oder einen Japaner? Schon schwieriger, denn so sehr identifizieren wir uns als Deutsche nicht. Ich könnte das nicht entscheiden, allein aufgrund dieser Information. Meine deutsche Freundin oder eine Japanerin gleichen Alterns? Meine Freundin! Was aber, wenn die Japanerin alleinerziehende Mutter ist? Schwierig. Die Freundin steht mir immer noch näher, aber mit dem Tod der Japanerin leidet mindestens ein Kind.Usw. 

Es sind nicht alle Menschen gleich wert, nicht, wenn man von ihrem Wert für unterschiedliche Personen ausgeht, nicht, wenn man von ihrem Arbeitswert ausgeht, nicht, wenn man von ihrem Erziehungswert (Kinder großziehen) ausgeht, nicht, wenn man fragt, wofür sie sich einsetzen oder womit sie ihre Freizeit verbringen (ehrenamtliches Engagement oder nur zocken etc.).

Nicht ohne Grund gibt es strenge Vorschriften über Organspenden, denn jeder hat diese unterschwellige Angst: Was, wenn mein Verwandter/ Freund sterben gelassen wird, damit "wichtigere" Menschen seine Organe bekommen?

Kommentar von Pretan4 ,

Meine deutsche Freundin oder eine Japanerin gleichen Alterns? Meine Freundin!

echt ?  ich würde den zufall entscheiden lassen..

könntest du echt damit leben ? wissentlich jemanden in den Tod zu schicken, um jemand anderen zu retten ?

Kommentar von Tasha ,

Wenn du einen davon persönlich kennst und den anderen nicht, würdest du nicht denjenigen nehmen, den du persönlich kennst? Wenn du bspw. nach einem Autounfall entscheiden müsstest oder über eine Nierenspende entscheiden dürftest?

Bei demjenigen, den man persönlich kennt, würde man sich später immer Vorwürfe machen, ihn nicht gerettet zu haben, bei dem Fremden wären die Vorwürfe nur vorübergehend, denn den kannte man ja nicht.

Kommentar von Pretan4 ,


Bei demjenigen, den man persönlich kennt, würde man sich später immer Vorwürfe machen, ihn nicht gerettet zu haben



Nein, der Zufall hat doch entschieden, nicht ich.


Angenommen dein Angehöriger stirbt 2 wochen nachdem du ihn "gerettet" hast, sogar noch wegen drogenmissbrauch, dann würde ich mir Vorwürfe machen.

Aber per Zufall, kann mir niemand was vorwerfen, beide hatten die selben chancen.

Antwort
von wozueinname88, 43

Es gibt einige bekannte Gedankenexperimente, eins zB das von einem Zug handelt der auf ein Baby und dessen Vater, die auf den Gleisen feststeckt, zurast. Hierbei ist deine einzige Möglichkeit einen älteren Mann, der einen geringen Wert für die Gesellschaft hat, vor den Zug zu stoßen sodass dieser gebremst wird. Wie handelst du?

Eine unlösbare Frage (zumindest nicht allgemein lösbar, persönlich schon)

In allen Fällen in denen ich davon gelesen habe (Fiktion) ist das System das auf dem größten gesellschaftlichen Nutzen basiert gescheitert...

Antwort
von Nicodemus0815, 12

Das Bundesverfassungsgericht hat ein Gesetz verhindert, das es erlauben würde ein, von Terrorristen gekapertes Flugzeug abzuschießen, wenn damit evtl. das Leben von anderen Menschen geschützt werden kann, da solch ein Gesetz die Würde des Menschen verletzen würde.

Das bedeutet, das Leben von Menschen gegeneinander aufzuwiegen, verletzt die Würde des Menschen.

Eine gute und richtige Entscheidung des BVG!

Kommentar von Pretan4 ,

richtige Entscheidung

bitte sag sowas nicht...

Absolute Korrektheit liegt ausserhalb der Naturwissenschaften immer im Auge des Betrachters.

-Pretan4

Antwort
von regex9, 40

Im obigen Satz geht es um den Vergleich zweier unterschiedlicher Menschenleben und nicht um den Vergleich zwischen einem Menschenleben mit einer größeren Menge von anderen Leben.

Und welche Kriterien werden beachtet, im Vergleich zweier Leben? ("vergleichbare Menschenleben"). Wenn die Gesundheit dazu gehört, dann ist ein gesunder Mensch mit einem kranken Mensch nicht vergleichbar.

Antwort
von selector, 47

Zumindest könnte man den zu Tode verurteilten und hingerichteten Schwerverbrechern in den USA doch sämtliche Organe entnehmen, um damit anderen Menschen das Leben retten. Das wäre doch auch eine Art Wiedergutmachung ...

Kommentar von Pretan4 ,

"Wiedergutmachung"

Machste ein Fenster Kaputt, und baust ein neues ein   ,  dann ist das eine Wiedergutmachung

Tötest du jemanden und rettest  jemanden,  ist das ganz was anderes

Antwort
von Lichtpflicht, 27

Was ist mit den Leben, die durch deinen Mord (Selbst-Mord) dann zerstörst? Deine Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte etc die danach damit klar kommen müssen und vielleicht daran zerbrechen, an einem Herzinfarkt sterben, schwere Depressionen, ewige Fragen und Verlust... Was ist mit den Kindern, die du dann niemals haben wirst und die so niemals leben werden?

Was genau ist daran gerecht und wie willst du das messen oder vergleichen?

Das wären meine Fragen zu der These.

Kommentar von Pretan4 ,

Wohingegen natürlich die anderen angehörigen von den Organempfängern nicht existieren ?

Kommentar von Lichtpflicht ,

Doch natürlich. Aber was willst du tun, abzählen und pro Kopf entscheiden? Das ist Utilitarismus, und dieser ist zurecht als ekelhaft verrufen, weil er davon ausgeht dass der Wert des einzelnen Menschen nicht unendlich ist, sondern begrenzt und somit anrechenbar ist.

Gott sei Dank hat unser Verfassungsgericht schon 2003 entschieden, dass eine solche zahlenmäßige Aufrechnung pro Kopf nicht zulässig ist und gegen unsere Verfassung verstößt!

Deine Kommentare zeigen eher, dass du um jeden Preis provozieren willst aber nicht bereit bist, Argumente anzuerkennen.

Kommentar von Pretan4 ,

Einem Menschenleben kann ein Wert zugerechnet werden,  und er liegt nicht im Unendlichen.

Das ergibt keinen sinn.

Ansonsten wäre ein Mensch so viel wert wie alle anderen, und das würde ganz viele einfache Paradoxa mit sich bringen ..

z.B. Darf man einen Geiselnehmer erschießen ?

Mathematisch gilt vielleicht:
∞ = ∞+∞

Aber so würden wohl mehr Leute sagen :

1Person  <  2 Personen

Gesetze kann man festlegen, dass bedeutet nicht, dass sie in der mehrheit zustimmung finden, geschweige denn Immer gelten.

Es gibt genug Fälle von erschoßenen Geiselnehmern.

Antwort
von GangsterToast12, 59

Das eine lässt sich doch nicht mit dem anderen vergleichen. Jeder Mensch ist gleich viel wert. Also hat auch MEIN Leben einen gewissen wert.

Bei einer Organspende ist nicht sicher, dass man Menschen wirklich rettet. Alles ein wenig unschlüssig.
Klar denken Menschen an sich, wenn es ums Leben geht

Kommentar von Pretan4 ,

Doch ? du kannst genug "Material" spenden um im Schnitt mehr als eine Person zu retten.

Kommentar von GangsterToast12 ,

Vielleicht rettet man auch keine. Man weiß es nicht. Vielleicht ist man ja selbst krank.

An sein eigenes Leben zu denken, bevor man anderen hilft ist normal und auch evolutionstechnisch zu erklären. Das heißt aber nicht, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun

Kommentar von versus00 ,

@Pretan4 Na und?

Kommentar von Pretan4 ,

worauf bezieht sich deine Frage ?

Antwort
von versus00, 51

Auch das eigene Leben hat ja einen Wert... Insofern: Nein.

Kommentar von Pretan4 ,

Auch das eigene Leben hat ja einen Wert

Hab nie was anderes gesagt, und sehe nicht, inwiefern das die Frage beantwortet..

Kommentar von versus00 ,

Dann ist Dir nicht zu helfen

Kommentar von Pretan4 ,

Was soll so eine stumpfe, verallgemeinernde Unterstellung jetzt ?

Kommentar von versus00 ,

Gut, ich hätte "in diesem Fall" dazu schreiben sollen. Fühle Dich nicht grundsätzlich angegriffen.

Antwort
von ShoXeD420, 42

Ich gehöre dann wohl zu den 20%.

Die Doppelmoral ist meiner Meinung nach eher in dem Zitat, welches nur in klammern aussagt das jedes (vergleichbare) Menschenleben gleich viel wert und somit doch das eine übers andere stellt. 

Kommentar von Pretan4 ,

mit vergleichbare meinte ich aber nur die extremfälle

(14 Jähriger gesunder Junge > Totkranker 80 jähriger)

Kommentar von ShoXeD420 ,

Also stellst du das Leben des 14 jährigen gesunden Jungen über das von dem tot kranken 80 Jährigen.
Egal wie rum du das jetzt drehen willst, das was das Zitat aussagen will kann hier nicht erreicht werden.

Kommentar von Pretan4 ,

Jap, ohne weitere Informationen würde ich den Jungen eine Transplantation eher geben, als dem 80 Jährigen....

wie wohl jeder hier...

Kommentar von ShoXeD420 ,

Also ist das Leben des Jungen mehr Wert, das Zitat erreicht nicht was es erreichen soll, wie gesagt.

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