Frage von ntp13, 76

Könnte eine Stadt mit ihren Bewohnern nach z.b. Apokalypse noch funktionieren und sich weiter entwickeln?

Ich würde gerne jede Meinung dazu lesen. Was meint Ihr, könnte eine große Stadt, wie z.b. Sao Paulo oder Peking, mit ihren Bewohnern nach z.b. einer Apokalypse noch funktionieren und sich sogar weiter entwickeln? Nicht Hightech pur, einfach so wie jetzt, nur in einer Stadt, zwar groß genug für ein normales Leben, aber eben ohne Kontakt zur Außenwelt, weil diese nach einer Katastrophe nicht mehr da ist. Auch keine anderen Städte, oder nur wenige, die gleich funktionieren. Die Stadt ist dann wie ein Ikubator, eine Welt für sich, alles spielt innerhalb ihrer Grenzen. Ein Selbstversorger. Könnte das aus gesellschaftlicher Sicht ohne ins Totalitarismus zu stürzen, und aus Sicht des Stadtmanagements funktionieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, 17

Könnte eine Stadt mit ihren Bewohnern nach z.b. Apokalypse noch funktionieren und sich weiter entwickeln?

Ganz klares und absolutes "Nein, völlig ausgeschlossen".

Solche Städte funktionieren nur mit strengen gesellschaftlichen Regeln. Wenn die "Basis-Versorgung" (Lebensmittel, Wasser, Ordnung) zusammenbricht, dann bricht zugleich das Chaos aus. Raub, Mord und Totschlag - und zwar schon wegen ein paar Dosen Nahrungsmittel - wären binnen kürzester Zeit die Folge. 

Wenn überhaupt, dann haben Kleinst-Städte (bis vielleicht 2.000 oder 5.000 Einwohner) eine Chance, sich so zu organisieren, wie du dir das vorstellst. Vorausgesetzt, es gelingt ihnen, eine stabile Nahrungsversorgung zu etablieren.

"Weiterentwickeln" würde sich aber niemand. Auch eine Kleinst-Stadt nicht. Im Gegenteil: Da Nahrung die oberste Priorität erhielte, würde praktisch jeder "zivilisatorische Fortschritt" aufgegeben werden (müssen). Schon die nachfolgende Generation würde nicht mehr wissen, wozu all die Geräte in den Krankenhäusern dienten. Und die dritte Generation würde selbst so simple Dinge, wie "Strom" oder "Autos" nicht mehr kennen...

Es gäbe auch keinen Totalitarismus (jedenfalls nicht in den ersten Jahrzehnten). Vielmehr gäbe es "totale Anarchie", bestenfalls Banden, die über einzelne Stadtteile herrschen würden. Aus diesen würde möglicherweise irgendwann nach langen und blutigen Streitigkeiten eine totalitäre "Regierung" hervorgehen, die sich auf das Recht des Stärksten beruft und mit diesem Recht unterdrückt. Doch all das wäre durch die Grundversorgung beschränkt.

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Dystopische Sci-Fi-Romane mit solchen Themen gehen daher immer davon aus, dass die Grundversorgung "irgendwie" gesichert ist. Wahlweise durch Nahrungsreplikation; alternativ auch durch die Züchtung von Nahrungskonzentraten aus Algen, etc. Autoren, die darüber gar nicht nachdenken wollen, erfinden dann gern eine "Mana-Maschine", also eine "Nahrungsversorgung aus dem Nichts".

Doch so weit ist die Menschheit noch nicht. Zum heutigen Zeitpunkt bräche die Zivilisation also vollständig zusammen, wenn so ein Ereignis einträte. Und die größten Überlebenschancen hätten die Menschen in kleinen Gruppen auf dem Land. Je weiter weg von Städten und anderen Menschen, desto größer...

Kommentar von ntp13 ,

Aber hat denn eine Großstadt mit 10 Millionen Einwohnern nicht mehr Überlebenschancen als eine Kleinstadt mit ein paar Tausend? Es gibt doch dann mehr Fläche und mehr Abwechslung für Menschen, gesellschaftliche Vielschichtigkeit. Und die Nahrung in der Stadt kann, so wie jetzt in manchen Modellen, zentral angebaut werden, Wasser- und Stromversorgung lassen sich doch auch autonom und zentral bereitstellen, in manchen Städten jetzt auch schon. Wenn die Stadt sich vor einer totalen Katastrophe gut vorbereitet. Kann denn die Gesellschaft dann nicht weiter funktionieren und sich weiter entwickeln. Nur dass man aus der Stadt nicht raus kommt. Eine in einer Stadt konzentrierte Welt.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Aber hat denn eine Großstadt mit 10 Millionen Einwohnern nicht mehr Überlebenschancen als eine Kleinstadt mit ein paar Tausend?

Wenn du sie alle versorgt kriegst; und wenn du es schaffst, Zivilisationsstrukturen, wie öffentliche Ordnung, aufrecht zu erhalten: Ja. Doch das gelingt dir nicht. Der Aufwand ist gigantisch. Und das notwendige Einzugsgebiet riesig.

Und die Nahrung in der Stadt kann, so wie jetzt in manchen Modellen, zentral angebaut werden, Wasser- und Stromversorgung lassen sich doch auch autonom und zentral bereitstellen, in manchen Städten jetzt auch schon.

Nein. Es gibt derzeit keine "völlig autarken" Städte. Das ist immer noch Zukunftsvision. Was du derzeit erlebst, ist "Zusatzversorgung", die in aller Regel noch nicht einmal ausreicht, einzelne Familien vollständig zu versorgen; geschweige denn Millionen von Menschen auf so engem Raum.

Und, glaube es: Die Grundversorgung ist das wichtigste Element. Bricht sie weg, hungern, dursten oder leiden deine Menschen, werden selbst die friedlichsten Menschen rebellieren. 

Abgesehen davon bekämst du es mit "machtgeilen" Typen zu tun, die schnell Banden um sich scharen würden. Deine Stadt würde unter entsetzlichem Terror leiden und "Kriegsgebiet" werden, was die Versorgung der Menschen noch schwieriger machen würde.

Außerdem vernachlässigst du die "Außenabhängigkeit".

Deine Stadt müsste ALLE INDUSTRIE beherbergen. Stahlwerke, Metallbau-Firmen, ... hunderte Firmen und Industrie-Zweige, die am Ende dann "Stromgeneratoren", "Wasserfilter" und all die anderen "zivilisatorischen Notwendigkeiten" ausspucken müssten. Derzeit ist das noch auf den ganzen Planeten verteilt. All das müsste dann aber in deiner Stadt Platz finden. 

Und wenn du jetzt über Handel nachdenkst: An dieser Nahtstelle könnten sich "Erpresser" festsetzen: Sie verhindern einfach deinen Nachschub und hungern dich aus. Wie im Mittelalter. 

Dann gehen dir binnen weniger Wochen Strom, Wasser, Lebensmittel, etc. aus. ... Und das wäre wieder das Ende deiner Stadt. Ganz ohne "Angriff". Einfach nur, weil die Bedürfnisse so vieler Menschen auf so engem Raum eine starke Angriffsfläche bieten, die viele Wege der "Erpressung" aufmacht...

Kommentar von ntp13 ,
Bleiben wir doch bei einer Stadt ohne Aussenlieferanten und Bedrohung von Aussen. Angenommen es gibt sie gar nicht mehr. Nur eine Stadt, egal welche deprimierende Auswirkung anfangs auf die übrig gebliebenen Menschen es hat. Es gibt nur diese Menschensgruppe, eine Gesellschaft und sonst keine anderen in der Umgebung. Und sie rechnen nicht einmal mit Hilfe oder Versorgung von Aussen. Sie sind ganz auf sich alleine gestellt, wissen das ganz genau und müssen sich trotz der schwierigen Lage zusammen reißen, Aufgaben sinnvoll verteilen und ausführen. Es müsste doch so eigentlich gut funktionieren. Wie ein lebender Mechanismus. Natürlich nicht ohne Überwachung, Kontrolle und klarer Regeln. Aber, wenn allen bewusst ist, sie sind  ein Teil vom Ganzen, und außerhalb der Stadt gibt es nichts, dann ist doch auch so ein durchaus gutes gesellschaftliches Leben mit Anpassung und Entwicklung möglich. Ohne Banden, extremer Kriminalität und Kampf um die Resoursen.
Kommentar von Unsinkable2 ,

Bleiben wir doch bei einer Stadt ohne Aussenlieferanten und Bedrohung von Aussen.

Eine Millionen-Stadt, in der alles "durch wundersame Fügungen" geschieht? Tja, in so einer Stadt könnte auch die Gesellschaft "durch wundersame Fügungen" geprägt werden...

Doch was soll das? Hast du nicht ursprünglich nach einem realistischen Szenario gefragt?

Und in der tatsächlichen Realität bedeutet Isolation IMMER Rückschritt. Ausnahmslos. Immer. 

Deine Stadt wird also schrittweise in die Steinzeit zurückfallen. Und jede Generation wird weniger wissen und weniger können, als die vorangegangene Generation. Bis sie irgendwann nur noch "Urmenschen" sind, die in lockeren Clans durch die Stadt streifen und Nahrung suchen...

Punkt. Ende. Aus. 

Denn alles darüber hinaus ist pure Fiktion. Und dort kannst du jedes beliebige Szenario entwickeln. Auch eines, in dem alle Menschen zu Göttern werden und nie wieder essen oder trinken müssen...

Kommentar von ntp13 ,

Vielen Dank!

Es hat mir sehr gefallen dich zu lesen. Eine klare und verständliche Argumentation deiner Meinung, die nicht unbedingt mit meiner zur Funktionalität einer Stadt nach einem Weltuntergang übereinstimmt. Aber es hat mir viel Spass gemacht mit dir darüber zu diskutieren. Es sind mir auch einige Punkte klar geworden, die ich bei meiner Vision nicht bedacht habe, nur ich behalte sie für mich und danke dir ganz herzlich dafür.

Antwort
von pharao1961, 10

Ich weiß nicht, was du genau unter einer Apokalypse verstehst...

Wenn es z.B. keinen Strom mehr gibt, dann definitiv nein! Denn damit wird alles geregelt, die PC`s die die Gas- und Wasserversorgung regeln, Telefone usw...

Antwort
von TechnologKing68, 48

Eher nicht, heute sind wir zu verweichlicht dafür.

Kommentar von ntp13 ,

Nur einige. In einer Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern ist das auch nur ein Teil.

Kommentar von TechnologKing68 ,

Ok, nehmen wir an, der durchschnittliche Deutsche hätte ab Morgen kein fliesend Wasser, keinen Strom und keine Nahrung mehr, was würde wohl passieren?

Kommentar von ntp13 ,

Und wenn er das hätte, ist ja heutzutage auch möglich, was dann?

Kommentar von TechnologKing68 ,

Eben, dann würde alle durchdrehen und die Menschheit würde zu Grunde gehen.

Kommentar von ntp13 ,

Aber es gibt dann Wasser und genug Nahrung. Die Grundbedürfnisse sind als erstes gestillt.

Antwort
von thefreack03, 39

Ich glaube man würde wie im Mittelalter leben. Die einen sorgen für's Essen, die anderen für alles andere möglich. Elektrizität gäbe es dann wohl erstmals lange Zeit.

Kommentar von ntp13 ,

Ja, eine klare Rollenverteilung wäre für das Weiterleben aller Überlebenden auch in einer großen Stadt wichtig.

Und über die Windräder könnte die Stadt mit Strom versorgt werden.

Kommentar von Marco350 ,

Man müsste als erstes Brunnen bohren

Antwort
von poppedelfoppe, 31

nein ,weil ich oder du und auch viele andere würden plündern und auch gewalt anwenden um an wasser zu kommen oder Nahrung ,da würde nichts mehr normal ablaufen

Kommentar von ntp13 ,

Aber mal angenommen die Nahrung wird intern produziert, und Wasser wird gesammelt und gefiltert.

Kommentar von poppedelfoppe ,

ich glaube aber trotzdem das es viele leute gibt die dann durchdrehen und gewalt begehen

Kommentar von ntp13 ,

Wäre nicht ungewöhnlich. Gibt es auch jetzt schon. Höhe Kriminalitätsrate, Gewaltbereitschaft, Leistungsdruck und allgemeine Depressionen.

Antwort
von hydrahydra, 35

Das könnte schon aus wirtschaftlicher Sicht nicht funktionieren. Woher soll denn z.B. die Nahrung kommen?

Kommentar von ntp13 ,

Es gibt jetzt schon Hochhaus-Bauernhöfe und Treibhäuser. Daher zum Beispiel.

Kommentar von hydrahydra ,

Die Fläche reicht aber bei weitem nicht aus, um eine Stadt zu versorgen.

Dann ist da noch die Frage der Wasserversorgung, der Müll- und Abwasserentsorgung, und und und...

Kommentar von ntp13 ,

Die Versorgung der Stadt könnte aber auch in der Stadt selbst abspielen.

Kommentar von hydrahydra ,

Wie das? 'Stadt' bedeutet ja, dass da eben keine Felder sind, auf denen man was anbauen könnte.

Kommentar von ntp13 ,

Ich meine die Ver- und Entsorgung der Stadt könnte aber auch in der Stadt selbst abspielen. Die Stadt als Ikubator und Selbstversorgen. Und Müll kann zum größten Teil wiederverwertet werden.

Antwort
von Marco350, 5

Sicher , so wie eine ameisenkolonie

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