Könnt ihr mir folgende Punkte genauer erklären? Es geht um die Gründe für eine Republikflucht in der DDR.

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5 Antworten

Es konnte einem eben passieren, das man trotz guter Noten nicht zur Oberschule durfte. Es wurde verlangt, das man neben den guten Noten gesellschaftlich aktiv war, z.B. eine Funktion in der FDJ-Gruppe hatte. Und es wurde auch auf dem Beruf der Eltern geachtet. Wenn die Eltern Arbeiter waren, hatte man es leichter, als wenn die Eltern der Intelligenz angehörten oder in der Kirche arbeiteten. 

Manche Leute wurden von der Staatssicherheit als IM (inoffizeller Mitarbeiter) angeworben und sollten dann ihre Kollegen oder Nachbarn oder sogar Familienangehörige für die Stasi bespitzeln und verraten. Das wollten viele Leute nicht. 

Mit Verpflichtung zum Eintritt in die Armee ist nicht der Grundwehrdienst (18 Monate) gemeint, den jeder Jugendliche ableisten musste, wenn er gesund war. Man sollte sich da für 5 oder 10 Jahre verpflichten und dann Unteroffizier oder Offizier bei der Armee werden.

Widerstand gegen das Regime bedeutete, das man mit vielem nicht einverstanden war, was in der DDR passierte, z.B. mit der Berliner Mauer, den unfreien Wahlen, das es keine Reisefreiheit und Pressefreiheit gab usw.

In manchen Berufen, z.B. wenn man bei der NVA arbeitete oder in der Forschung, durfte man keinen Kontakt zu seinen Westverwandten haben.

Ein politischer Flüchtling war jemand, der mit seinen politischen Äusserungen und seinem Verhalten schon öfter angeeckt war, also Ärger mit der Polizei oder der Staatssicherheit bekommen hatte.

Verstaatlichung der Wirtschaft heisst, das z.B. kleine Handwerksbetriebe oder Firmen ihren Besitzern weggenommen wurden und verstaatlicht wurden.

Am Arbeitsplatz konnte man auch Schwierigkeiten bekommen, wenn man da Bemerkungen machte, die anders waren, als das, was Partei und Staat so offiziell verkündeten und verbreiteten.

Familienzuführung heisst einfach, das man, wenn Teile seiner Familie (Eltern, Geschwister, Kinder, Enkel) im Westen lebten, man mit denen zusammen leben wollte. Und  fast jeder DDR-Bürger wusste auch, das der Lebensstandard und die Einkommens und Wohnverhältnisse in der BRD besser waren als in der DDR

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Kommentar von Claud18
18.02.2016, 10:55

Im Prinzip hast du vieles schon erklärt, dazu aber noch einige Ergänzungen: Es ging nicht um 5 oder 10 Jahre bei der Armee (als Berufssoldat sozusagen, was durchaus erwünscht war), sondern vor allem um 3 Jahre (der Grundwehrdienst betrug 1,5 Jahre). Wer sich für 3 Jahre verpflichtete, bekam bevorzugt einen Studienplatz oder den gewünschten Ausbildungsplatz (wenn es sich um einen begehrten Beruf handelt).

Dann noch etwas zur Verstaatlichung der Wirtschaft: Es betraf nicht die kleinen Handwerksbetriebe! Diese konnten bis zum Schluss noch privat bleiben bzw. schlossen sich auf Druck von außen in PGH (= Produktionsgenossenschaft Handwerk) zusammen. Verstaatlicht wurden nach Kriegsende zunächst alle Großbetriebe, im Jahre 1972 dann noch die kleineren Betriebe mit bis zu 100 Beschäftigten, die man zuvor in Ruhe gelassen hatt.

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Im Prinzip hast du Alles in Stichpunkte beschrieben.Jeder hatte seine Privatgründe das Land zu verlassen oder Widerstand zu leisten.Politische Häftlinge wurden wegen Familienzusammenführung von der Bundesregierung abgekauft für etwas 60000 DM pro Person. Für Akademiker bekam die DDR Regierung ca 100000 DM pro Person.

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Ein Bekannter von mir wollte gemeinsam mit anderen Leuten fliehen. Sie wurden allerdings an die Stasi verraten. Nach zwei Jahren Gefängnis wurde er vom Westen frei gekauft.

Aber es ging wohl um keinen der genannten Gründe. Besonders einige junge Leute fühlten sich eingesperrt und wollten ihr Leben freier gestalten als dies in der DDR möglich war.

Also eher ein allgemeines Gefühl als konkrete Gründe.

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Für mich wäre einer der bedeutendsten Gründe gewesen: Die Mauer und das damit verbundene Reise- bzw. sogar Kontaktverbot (letzteres betraf allerdings nicht alle, sondern nur bestimmte Berufsgruppen). Dann auch die Zensur von Literatur. Man bekam ja nicht mal alle Bücher von Stefan Heym bei uns.

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