Frage von 2terziegenpeter, 108

Können wir in Deutschland auf fossile Brennstoffe verzichten?

Die Energieversorger wie zum Beispiel RWE behaupten folgendes: Wenn wir auf die Verbrennung von Kohle verzichten, wird es in Deutschland ein schleichendes Industriesterben geben. Laut ihrer Aussage wird der Lebensstandard in Deutschland sinken, unser Wohlstand wird geringer, Renten werden gekürzt und die Arbeitslosigkeit wird größer werden. Ist das wirklich so? Wird es tatsächlich ein Industriesterben geben, wenn wir statt fossiler Kohle erneuerbare Energien nutzen? Wird unser Lebensstandard sinken? Wird der Staat wirklich Sozialleistungen kürzen müssen? Wird es dann mehr Arbeitslose geben?

Oder ist es vielleicht ganz anders? Kann es sein dass viel mehr Menschen eine gut bezahlte Arbeit finden, wenn wir erneuerbare Energien verwenden und dass der Staat damit ebenso viele Steuern einnimmt wie bei der Verbrennung von Kohle?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von torfmauke, 108

Die Frage ist nicht mehr, ob wir können, sondern wir werden in kürzester Zeit müssen!

Es ist keine Frage der Möglichkeiten sondern eine Frage der Kosten oder besser gesagt, fehlender Profite, wenn wir das durchziehen. Klar das RWE da was gegen hat, denn wenn jeder Haushalt seinen Strom selber herstellt, bleibt für die nix mehr zu verdienen!

Ich finde persönlich, dass wir eigentlich schon viel weiter sein müssten!

Kommentar von GuenterLeipzig ,

Sorry - aber ganz so einfach, wie geschrieben, ist die Angelegenheit nicht.

Es geht technisch einfach nicht, zu sagen: "Ab morgen machen wir einen auf Energiewende".

Der notwendige Umbau der technischen Systeme und die Schaffung neuer Infrastrukturen im Kommunikatiosbereich dauern Jahrzehnte und ist ohne die Energiewirtschaft nicht zu stemmen.

Momentan sind die alternativen Energien nicht grundlastfähig, da diese nun mal nicht zur Verfügung stehen wenn mal gerade die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht in einer lauen Sommernacht mit ortsfester Hochdruckwetterlage.

Noch bearf es ein gehörig Maß an Regelenergie, um den Bedarf unter Beachtung von Lastspitzen zu decken.

Das Argument Wasserkraft zieht in Deutschland nicht, da dessen Anteil nur 5 % ausmacht und davon nur 3 % Pumpspeicherkraftwerke darstellen, letztere an bestimmte geographische Gegegbenheiten gekoppelt sind. Die Wasserkraft kann man in Deutschland bestenfalls als Regelenergie einstufen.

Auch muss Energieerzeugung und Energiebedarf und das auch noch mit Regionalbezug sich stets in einem Gleichgewicht befinden, da sonst das Netz kollabiert. Das wird zum größten Problem erwachsen, da die derzeitigen Strukturen nur bedingt auf die Regelbarkeit dezentraler Erzeugung ausgerichtet ist.

Von den notwenigen Kommunkationsnetzen, die in der Lage sind, diese Daten in nahezu Echtzeit zu übertragen, sind wir derzeit Lichtjahre entfernt.

Das hat alles nichts damit zu tun, ob da jemand irgendwo Gewinn macht oder nicht, das ist reinweg Technik, von denen so manche Traumtänzer wenig Ahnung haben.

Im Übrigen ist es aus meiner Sicht nicht verwerflich, wenn ein Unternehmen, egal was es produziert oder leistet, Gewinn macht, denn nur dann ist es lebensfähig.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns eine nicht lebensfähige Energiewirtschaft wünschen.

Günter

Kommentar von torfmauke ,

Diese Aussagen sind auch alle nur bedingt richtig, denn es gibt eine klimaneutrale Energieerzeugung, auf die wir verzichten wollen, obwohl sie bei richtiger Handhabung eigentlich sehr sicher und schnell bereit zu stellen wäre, nämlich die Kernenergie. Tschernobyl und Fukushima sind schlechte Vorbilder für die Notwendigkeit einer kompletten Abschaffung.

Stattdessen sollten marode Kraftwerke langsam zurückgebaut und moderne, sichere Kraftwerke gebaut werden, die auch die strahlenden Altlasten in Stoffe mit erheblich kürzeren Halbwertszeiten zurückführen können, statt sie unsicher zu beerdigen. Ich bin davon überzeugt, dass der verantwortungsvolle Umgang mit den modernen Möglichkeiten der Kernenergie ein erheblich geringeres Risiko darstellt, als das weltweit massenhafte Abbrennen von Braunkohle.

Auch wird der Entwicklung alternativer Energiequellen noch lange nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt und auch nicht entsprechend darin investiert, denn alle jetzigen Investitionen in fossile Energien werden unseren Kindern und Enkeln noch ein Vermögen kosten. Die Umwandlung von Sonnenenergie in Strom durch Erhitzung und Verflüssigung von Salz mit großen Brennspiegeln in den Wüstenzonen der Erde zur Erzeugung von hochverdichtetem Dampf, mit dem Turbinen auch noch über Nacht betrieben werden können, wenn die Sonne nicht scheint, haben sich bereits im Großversuch als praktikabel gezeigt, aber es geht einfach nicht weiter, weil sich die Politiker von den Lobbyisten der Firmen beeinflussen lassen, die sich mit billiger Braunkohle Profite verschaffen wollen, die Schäden, die diese Energieerzeugung am Klima anrichtet, aber vermutlich den Steuerzahlern überlassen werden:


Im Übrigen ist es aus meiner Sicht nicht verwerflich, wenn ein Unternehmen, egal was es produziert oder leistet, Gewinn macht, denn nur dann ist es lebensfähig.


Für mich sind die Praktiken etlicher Betriebe durchaus verwerflich, zumal sie durch gezielte Aktionen und Lobbyismus die "CO2-Aktien" im Keller halten, um sich ihre riesenhaften Gewinne nicht durch Ausgaben schmälern zu lassen, die für einen gerechten CO2-Ausgleichsabbau normalerweise erforderlich wären.

Natürlich darf man nichts aufs Spiel setzen, aber alle Knüppel, die durch verantwortungslose Staaten, Betriebe und Lobbyisten in den Weg geworfen werden, um die Energiewende zu entschleunigen, sollten doch vorrangig aus dem Weg geräumt werden. Aber offenbar ist den wenigsten Menschen bewusst, was da auf uns und vor allen Dingen auf unsere Kinder und Enkel zukommt.

Da darf ich mit Fug und Recht sagen, dass es lächerlich ist, wie lange sich die Politiker mit der Lösung schon herumschlagen und wie wenig trotz allem dabei herausgekommen ist.

Kommentar von torfmauke ,

Ach ja, hinzu kommt noch, dass das Lamento, es würde ja alles mit der Umstellung garnicht so schnell funktionieren, bzw. manche Behauptung, es würde alles gar nicht so schlimm kommen und Klimawandel habe es schon immer gegeben, nicht nur von denen kommt, die an der Verbreitung von CO2 sehr gut verdienen, von "etwas" kann da wirklich keine Rede sein, sondern auch von denen, die auf nichts verzichten wollen.

Es muss unbedingt ein Porsche oder SUV sein, um Gottes Willen doch kein sparsames - oder gar ein Elektroauto. Und auf jeden Fall ein neues Smartphone und ein neuer Computer, wenn die alten Geräte nach wenigen Monaten durch solche mit ein klein wenig mehr Leistung am Markt ersetzt werden.

Manchmal reicht es schon, wenn die Versionsnummer um eins steigt: "mein Nachbar hat das 6i - ich nur das 5i, dass geht doch aber gar nicht". Bloß den Lebenswandel nicht ein klein wenig einschränken müssen, dann lass es doch lieber unsere Kinder und Enkel ausbaden. Sollen die sich doch mit unseren Hinterlassenschaften abplagen scheint die Devise!

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 33

Das Problem ist nicht auf die Verbrennung von Kohle udn Öl zu verzichten, sondern wieviel die Kostenbelatung unserer Unternehmen, gegenüber denen in anderen Ländern das bringt und welche Wettbewerbsnachteile.

Leider wollen nicht alle Länder unser Tempo in dieser Sache.

Kommentar von torfmauke ,

Was ist denn mit den Wettbewerbsnachteilen, die durch die Folgen der Klimaerwärmung entstehen? Seriöse Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass die dann auf uns zukommenden Kosten um ein Vielfaches größer sein werden.

Ganz abgesehen davon wird jenes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil haben, dass am schnellsten auf klimafreundliche Energieformen umstellen kann. Wir waren schon auf einem guten Weg mit der Subventionierung von Kraftwärmekopplungsmaschinen in den Haushalten mit der erforderlichen Produktion von Wärme und Warmwasser preisgünstigen Strom quasi als Abfallprodukt zu erzeugen, statt nur den Überschuss an Energie durch den Schornstein zu jagen.

Aber die Lobby der Stromerzeuger hat diese Subventionierung durch die üblichen Eingriffe in die Politik bzw. Beeinflussung der Politiker in der Versenkung verschwinden lassen.

Antwort
von Agronom, 75

Würden wir das in nächster Zeit tun, so würde es vermutlich ähnlich ablaufen. Um unseren Bedarf jetzt mit ausschließlich regenerativer Energie zu versorgen, müssten unglaublich hohe Investitionen getätigt werden. Zum einen müssten wegen der niedrigeren Effizienz extrem viele Anlagen gebaut werden und zum anderen müsste das gesamt Netz neu strukturiert werden, denn die Stromerzeugung wird dadruch komplett dezentralisiert. Zudem sind die meisten effektiv nutzbaren Formen der regenerativen Energie nicht stetig auf gleichem Niveau und dazu fehlt es noch an passender großtechnischer Speichertechnologie.

Langfristig sehe ich da auf jeden Fall nur positive Folgen, aber kurz- und mittelfristig kann es zu Problemen führen. Wir werden noch lange auch Gas/Kohle als Energiequelle angewiesen sein.

Kommentar von torfmauke ,

Die negativen Folgen der Erderwärmung durch Kohlendioxyd werden erheblich teurer kommen, als der schnelle Anschub erneuerbarer Energien! Da nutzt es auch nix, dass Indien schon einen 3.000 Km langen Zaun auf die Grenze zu Bangaladesh gebaut hat. Der wird die Abermillionen Klimaflüchtlinge sicher nicht aufhalten, wenn das Land im Meer versinkt. Auch die Klimaflüchtlinge aus Afrika und Südamerika werden nicht aufzuhalten sein. Es wird über kurz oder lang Bürgerkriege um Wasser, Lebensmittel und Lebensraum geben, wenn wir uns nicht bald umstellen!

Kommentar von Agronom ,

Da möchte ich auch nicht widersprechen. Die Konzerne, die das in der Hand haben, können sich das aber nicht/nur schwer leisten kurz- und mittelfristig solche Investitionen zu tätigen, welche sich erst in ferner Zukunft rentieren.

Kommentar von Nomex64 ,

Die CO2 Emissionen in Deutschland sind im Vergleich zu dem Emissionen der Welt im Bereich des Rechenfehlers.  Einsparungen an CO2 Emissionen werden nichts bringen weil dann die CO2-Zertifikate an andere Länder verkauft werden Es wird da mächig Unsinn erzählt. Es gibt eine Frau die Physik studiert hat, berechtigter weise, also wer davon wirklich Ahnung hat, gesagt das AKW´s sicher sind. Sicherer als jede andere Technik der Welt.Selbst fliegen ist dagegen ein eher unkalkulierbares Risiko. Blöd nur das man seit Jahren schon nicht mehr auf die Fachleute höhrt.

Kommentar von torfmauke ,

Natürlich müssen schon alle mitmachen, aber wenn die Hochtechnologieländer es nicht vormachen, werden die Schwellenländer es erst recht nicht tun. China ist inzwischen ja schon Nr. 1 beim CO2-Ausstoss und Indien rückt auch kräftig nach vorne.

Was Sicherheit von Kernspaltungskraftwerken angeht, dass haben wir ja in Fukushima und Tschernobyl gesehen, von den vielen Beinahe-GAUs, auch in unseren Kraftwerken, mal ganz abgesehen. Ein zusätzliches Problem ist derzeit noch die Verbringung von Atommüll in Endlager, wo es noch für Jahrtausende vor sich hin strahlt und vielleicht mal bei einem Erdbeben, Vulkanausbruch oder der Suche nach Bodenschätzen einige unsere Nachfahren umbringen.

Wenn man wenigstens mit der Kernfusion weiterkäme, aber solange das alles noch so unsicher ist, bleiben uns nur die regenerativen Energien.

Antwort
von wombatsupply123, 58

Auf kurze bis mittlere Sicht haben die Konzerne durchaus recht.
Dabei ist weniger die Erzeugung elektrischer Energie das Problem, sondern die Verteilung. Windkraftanlagen laufen am besten im Norden, wo es windig ist. Soweit ganz logisch. Leider gibt es in Norddeutschland kaum Industrie. Diese konzentriert sich in Süddeutschland.
Um die Energie also von der Küste nach Bayern und BW zu bringen sind Trassen notwendig, die einmal quer durchs Land gezogen werden müssen. Das kostet einen Haufen Geld und die Umweltschützer gehen auch noch auf die Barrikaden.
Wirkliche Alternativen zur Windenergie gibt es hier allerdings nicht, da die Sonneneinstrahlung in unseren Breiten viel zu schwach ist, um wirtschaftlich genutzt zu werden.
Wenn wir jetzt also die Kohlekraftwerke so kompromisslos abschaffen, wie die KKW´s wird die Industrie in die Knie gehen und mit ihr die Wirtschaft.

Kommentar von torfmauke ,

Sagen die Profiteure. Der Ausbau der Verteilung unterirdisch wird zwar teuer und auch die Speicherung für die windlosen Zeiten ist noch nicht grade gut ausgebaut und wird noch einiges kosten! Viel teurer aber werden die Folgen der Erderwärmung sein, wenn wir es nicht schaffen, das 2°C-Limit zu erreichen!

Kommentar von wombatsupply123 ,

Hat da jemand meinen ersten Satz nicht gelesen? ;)

Das wir von fossilen Brennstoffen wegkommen müssen ist keine Frage, im Moment ist ein Verzicht auf Kohle wegen fehlender Infrastruktur allerdings schlicht unmöglich. Mit irgendetwas muss schließlich auch das Geld zum Netzausbau verdient werden.

Kommentar von torfmauke ,

Leider haben wir die Zeit nicht mehr, wie unabhängige Wissenschaftler warnen! Im ersten Satz finde ich übrigens nur das Credo der Konzerne, die etwas zu verlieren haben.

Kommentar von wombatsupply123 ,

Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel, aber was bringt es uns, wenn die Konzerne jetzt krampfhaft den Netzausbau vorantreiben und daran zugrunde gehen?
Deutschland ist da das geringste Problem. Denk beispielsweise an den mittleren Westen in den USA. Da sinds schonmal 2500km bis zur nächsten Küste. So eine flächendeckende Versorgung kann weder ein Konzern noch ein Staat in kürzerer Zeit tragen.
Wenn die schönen Windanlagen und Solarparks dann vergammeln, weil keiner mehr das Geld hat, sich darum zu kümmern haben wir auch nichts gekonnt.
Ein weiterer Knackpunkt ist der Verbraucher, der zwar gerne grünen Strom haben möchte, aber nicht bereit ist die Mehrkosten zu tragen. Womit wir wieder beim Faktor Geld wären. 

Kommentar von torfmauke ,

Trotzdem macht es keinen Sinn, wenn interessante Technologien finanziel nicht besser unterstützt werden. Da gibt es interessante Ansätze wie technische Photosynthese, Herstellung von Treibstoffen und Gas aus Biomasse und mehr, um ersteinmal die Lücken zu füllen.

Auch könnten wir in den Kohlekraftwerken fast schon besser schnellwachsende Pappeln verheizen, da entsteht zwar auch CO2, das wurde aber vorher von den Bäumen aus der Luft geholt. Ausserdem scheint die interessante Technik der Kraft-Wärmekopplung komplett wieder eingeschlafen, seit die Subventionen in die Solaranlagen umgeleitet wurde.

Dann gäbe es zu entwickeln, wie man den überschüssigen Windstrom, der grade zur falschen Zeit entsteht, so dass er abgeschaltet wird, dazu hergenommen werden könnte, Wasserstoff zu erzeugen, mit dem man in Flauten oder mit Pipelines andernorts Strom erzeugen könnte.

Atomkraft wird unsinnigerweise abgeschaltet, statt neue Technologien zu verfolgen. Von der Weiterentwicklung der Kernfusion hört man auch nix mehr. Vieles Interessante plätschert so vor sich hin, aber bis auf Windparks und Kohlekraftwerke läuft nix wirklich richtig.

Man könnte lachen, wenn es nicht so ernst wäre.

Antwort
von wolfram0815, 53

Bei großen Firmen weiß man nie, ob sie dies nicht aus Eigeninteresse sagen. Derzeit können wir sicher nicht auf Kohle verzichten, da von den erneuerbaren noch zuwenig/zu unverlässlich Strom bekommen. Dies wird aber stetig ausgebaut. Unsere Industrie, dan die viele Arbeitsplätze hängen, sind auf zuverlässige Stromlieferungen angewiesen. Auch muß der Strom im Internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sein.

Antwort
von urwalder, 48

Wir können nicht nur verzichten, wir müssen unbedingt darauf verzichten. Wenn wir das nicht könnten, dann hätten wir in der Zukunft sowieso ein Problem, da, wie es der Name schon sagt, endliche Energieträger nun mal endlich sind und es daher gar keine Alternative zu den unendlichen Energieträger, wie Sonnen-, Wind- und Wasserenergie gibt. Je schneller wir komplett umstellen um so besser für unseren Geldbeutel, Klima und Umwelt!

Kommentar von 2terziegenpeter ,

Auf eine Antwort wie diese habe ich gehofft :) 

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