Frage von bachforelle49, 159

Können überforderte Ärzte Flüchtlinge abweisen?

Wartezimmer übervoll, wie jeder weiß, da kann man sich an drei Finger ausrechnen, daß Emotionen freiwerden, wenn jetzt jeder Flüchtling eine Gesundheitskarte bekommt, was ja nur allzu menschlich ist. Aber die Ärzteschaft ist überfordert und hat immer weniger Zeit für ihre Stammkundschaft übrig bzw. zur Verfügung. Dabei kostet die Mitgliedschaft zur KK allein schon dem Staat wenigstens 200 Euro mtl., frag mich, wer das alles bezahlen soll? Was geschieht, wenn jetzt großes Schlange stehen vor den Praxen angesagt ist? Können bzw. Werden Ärzte ihre neue Kunden ablehnen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 1988Ritter, 92

Gemäß dem hippokratischen Eides ist dies grundsätzlich nicht möglich.

Allerdings kann ein Arzt nicht über seine Leistungsfähigkeit hinaus gehen. Wenn der Arzt selbst eine körperliche Erschöpfung feststellt, dann sollte er um Fehler zu vermeiden, den Laden einfach dicht machen.

Deine Frage beinhaltet aber einen anderen gravierenden Punkt. 

Aufgrund der politisch verursachten Überproportionierung der möglichen Kranken, ist die Überforderung des Gesundheitssystems absehbar. Daraus kann das Zweiklassen-System (Privatpatient, Kassenpatient) gedrittelt werden. Dies wäre fatal, da schon das Zweiklassen-System bedenklich ist. 

Kommentar von 1988Ritter ,

Vielen Dank für die Auszeichnung.

Antwort
von Arckanum, 33

Unser Gesundheitssystem ist schon lange Sanierungsbedürftig, vielleicht kracht es ja endlich mal richtig. Ich bin gespannt wie Frau Merkel das schaffen will. Aber um auf deine Frage einzugehen : viele Ärzte haben seit Jahren schon überfüllte Praxen und Patienten werden abgewiesen. Also theoretisch müssten auch Flüchtlinge abgewiesen werden. Man darf gespannt sein wann Deutschland aus seinem Dornröschen Schlaf erwacht... 

Antwort
von Nunuhueper, 70

Bisher erfolgt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz die medizinische Versorgung der Flüchtlinge.  Hier bezahlen Bund, Länder und Kommunen die medizinische Versorgung.

Kassenleistungen aber ohne Beitragszahlung, wie jetzt gefordert wird, halte ich für sehr problematisch für die Solidargemeinschaft.

Die Beiträge für alle zahlenden Kassenpatienten werden angehoben werden müssen, weil die Kassenausgaben größer als die Einnahmen werden, es auch keine Arbeitgeberbeiträge gibt. 

Wer nicht versichert ist, muss seine hohen Arztrechnungen ja selbst bezahlen, das gilt bisher für alle Menschen. Jetzt aber wird es immer mehr Ausnahmen geben.

Ich denke daran, dass z.B. eine Traumatherapie sehr kostenaufwändig ist, die Wartezeit für Patienten beträgt außerdem schon jetzt ein halbes Jahr. Hier in Bad-Württemberg läuft ein Programm für traumatisierte Jesidinnen, denen man mit bis 30 Millionen Euro helfen will. Bisher betrifft das etwa 150 Frauen, 1000 werden insgesamt erwartet.

Antwort
von marylinjackson, 46

Zur Notfallbehandlung ist jeder Arzt verpflichtet.Doch nicht alle Patienten im Wartezimmer sind Notfälle. Wenn ein Flüchtling als Notfall ärztlich behandelt wird, müssen selbstverständlich die anderen Patienten das respektieren und längere Wartezeiten auf sich nehmen.

Antwort
von violatedsoul, 82

Das tun sie doch schon lange! Ich hab für meine Tochter bei einem anderen FA keinen Termin bekommen, ich solle mit ihr zu meiner FÄ gehen.

Und so läuft es auch bei anderen Ärzten. Die erste Frage heißt immer "Waren Sie schon mal bei uns?"

Da muss kein Flüchtling auftauchen, um das Problem zu benennen.

Kommentar von Pestilenz2 ,

Aber die frage "waren sie schon mal bei uns" habe ich nicht in diesem kontext aufgenommen. 

Ich sag dann immer nein (bei wechsel) und bis jetzt hat nur eine gefragt warum ich nun hier bin. 

Na weil ich umgezogen bin und ich nicht wuer durch wien fahre wenn ein hausarzt ein stock unter mir "praktiziert"

:-)

Kommentar von violatedsoul ,

Bei Umzug ist das auch ein richtiger Grund.

In meiner Stadt ist beispielsweise besonders bei Augenärzten und Orthopäden kaum ein Reinkommen. Und wenn manche Ärzte auch noch einen schlechten Ruf haben und man da nicht mehr hin will und auch etwas außerhalb sucht, wird immer gesagt: "In Ihrer Stadt gibt es genug dieser Ärzte, melden Sie sich da."

Es interessiert keinen Arzt. Oder kaum einen.

Kommentar von Pestilenz2 ,

Wow, schon so schlimm bei euch ?

Dauert also auch nicht mehr lange bis es bei uns immer schlimmer wird.

Obwohl, beim augenarzt sind termine von 3-6 monaten normal. Aber abgelehnt oder blöde sprüche habe ich noch nie bekommen.

Na das sind aussichten.

Kommentar von violatedsoul ,

Das ist schon seit Jahren so. Obwohl irgendwo mal eine Aussage getätigt wurde, dass Facharzttermine innerhalb eines Monats vergeben werden müssen im Akutfall.

Aber genau da fängt das Problem schon an. Ärzte mögen es nicht, wenn man als Patient auch eine Meinung hat. Ich hatte mir vor einigen Jahren im Garten ein Patellaspitzensyndrom zugezogen. Laufen, gehen, sitzen, liegen, nichts ging oder nur für wenige Minuten.

Meine Hausärztin überwies mich umgehend zum Orthopäden, in dessen Praxis ich mehr kroch, als lief. Dort musste ich mir sagen lassen, dass ich das "dringend!" auf der Überweisung selbst draufgeschrieben habe und der Herr Doktorius dann erst mal Urlaub macht. Zu seinem Kollegen in der Gemeinschaftspraxis kein Zuweisen drin.

Ich hab mich dann mithilfe netter Apothekerinnen und Selbsterhaltungstrieb selbst behandelt, sodass ich irgendwann wieder weiter als zwei Meter und aufrecht laufen konnte. Beim Termin sagte mir der Arzt, dem ich meine Meinung sagte und mein Knie nicht mehr behandeln lassen brauchte, dass ich eine Therapie verweigere und dass ja jeder kommen könnte, dass es dringend wäre.

Zum Glück ist der Vogel mittlerweile in Rente oder sonstwo. Anfang Januar hab ich bei seinem Kollegen einen Termin, aber wegen anderer Geschichten.

Ein sehr netter Orthopäde bekommt dagegen keine Zulassung für Kassenpatienten, weil es da in meiner Stadt eben 4 Stück gibt. Komischerweise hat dieser Arzt die besten Bewertungen. Und ich selbst weiß, dass er saunett ist, denn er hat sich mal das MRT meiner LWS angeschaut. Nur behandeln darf er mich eben nicht.

Und bei Augenärzten dasselbe in grün. Meine Tochter hatte mal so schlimme Kopfschmerzen und Sehprobleme. Mein Vater kurze Zeit zuvor an einem Gehirntumor verstorben. Natürlich musste das nicht sein, aber wissen tut man es ja nie. Ich bekam keinen Termin vor einem viertel Jahr. In dieser Zeit war mein Vater damals gesund-krank-tot.

Leider spielen viele Ärzte gerne Gott. Und daran wird sich auch nicht viel ändern.

Antwort
von dasaIoch, 40

Klar, immer mit Hinweis auf die bald endenden Sprechzeiten. Außerdem behandeln manche Ärzte nur Privatpatienten. Zusätzlich kann wegen dringenden Notfällen der Arzt zu anderen Patienten gerufen werden. Auch wären Missverständnisse aufgrund sprachlicher Barrieren möglich.

Antwort
von fds16, 74

Nein Ärzte können und sollten keine Flüchtlinge abweisen! 

Ob sie Menschen unterdenen auch Flüchtlinge sein könnten abweise weis ich nicht. Aber ja das ist ein Problem das uns Fachkräfte in diesen Bereichen fehlen. Aber die Lößung ist nicht unmenschlich zu werden.   Ich bin bei solchen Fragen immer ein bisschen angespannt weis ja nicht wer sich dahinter verbirgt ein Rechter oder jemand der sich einfach damit auseinandersetzt und die Komplexität des Problems und für den wie für mich eine Rechte Partei keine ALTERNATIVE ist. Auch wenn wir Alternativen brauchen. 

Kommentar von bachforelle49 ,

bin kein Rechter, bin links und schon mit den + während der 68ern gegen schnellen Brüter mitmarschiert - aber mich stört, daß es unter Ärzten zB keine Ehrenämtler gibt... (nur immer dicke und fette Knete ist angesagt..)

Kommentar von fds16 ,

Ja so funktioniert unser System wer Geld hat gewinnt wer nicht verliert. Entweder man spielt mit oder man geht unter

Kommentar von Nunuhueper ,

Du bist sehr ungerecht oder einfach nicht informiert, bachforelle?

 Viele Ärzte arbeiten ehrenamtlich im Urlaub, sie helfen in armen Ländern bei der medizinischen Versorgung vor Ort. Ganz ohne fette Knete.

Kommentar von fds16 ,

Das stimmt auch wieder gibt auch da solche und solche

Kommentar von whabifan ,

Auch Ärzte müssen überleben. Kannst doch nicht von einem Menschen erwarten dass er ein Jahrzehnt studiert, was zzgl Abitur und Grundschule einen Bildungsweg von 20 bis 25 Jahren darstellt kostenlos arbeiten geht. Was ist das denn für eine Logik. Auch ein Arzt will Mittags was essen und ein Dach über dem Kopf haben. So gut verdienen Ärzte übrigens nicht, wenn man bedenkt wie lange, wie teuer und wie schwer ihr Studium ist. Ausserdem haben sie einen Job wo sie die Verantwortung für Menschenleben tragen. 

Kommentar von fds16 ,

stimmt auch wieder klar    auch wenn es teilweise schon ein bisschen teuer ist aber das hängt ja auch mit der Pharmaindustrie zusammen 

Antwort
von DerAlfonso, 60

Selbst Flüchtlinge können abgelehnt werden.

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