Frage von IdasLeon, 80

Können sich Tiere (außer der Mensch) Gedanken über die Zukunft machen?

Können andere Säugetiere einen Prozess sehen und sich vorstellen wie er in der Zukunft fortgeführt wird?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 9

Angeborene Verhaltensweisen und Nachahmung gegen bewusstes Handeln abzugrenzen, ist meistens sehr schwer, aber auch den meisten als mäßig intelligent geltenden Tieren kann man Lernverhalten und manchmal abstraktes Denken nachweisen.

Hunde und Katzen sind nicht die Intelligenzbestien des Tierreiches, überraschen ihre Halter aber trotzdem oft genug. Nicht nur, dass sie einzelne Ereignisse in Zusammenhang stellen können (der Nachweis der klassischen Konditionierung und später des Placebo-Effekts erfolgte ja an Hunden), bis zu einem gewissen Grad scheinen sie auch planen zu können, wenn es darum geht, an Futter zu kommen (z.B. durch Betteln oder bei Katzen auch oft durch Randalieren) und die Kommunikation zwischen Mensch und Haustier erfolgt auch nicht nur einseitig.

Für ihre Intelligenz bekannt sind hingegen Affen im Allgemeinen und die übrigen Menschenaffen neben dem Menschen im Speziellen, außerdem Rabenvögel, Papageien, Delfine, Elefanten und Tintenfische. Viele Arten dieser Gruppen benutzen Werkzeuge, beweisen beim Spiegeltest, dass sie sich ihrer selbst bewusst sind und lösen komplexe Denkaufgaben, die Abstraktion und Planung voraussetzten, und einige, darunter Menschenaffen und Krähen müssen darauf nicht einmal trainiert werden.

Ein paar Beispiele, die ich besonders spannend finde: Bei einer Gruppe von Makaken in einer Forschungseinrichtung in Wisconsin wurde ein Pärchen beobachtet, dass sich zum Kopulieren vom Rest der Horde abgesetzt hat, weil das Männchen zu tief in der Rangfolge stand, sodass es ihm nicht erlaubt war, sich zu paaren. Das Erstaunliche ist, dass die beiden sich offenbar der Konsequenzen ihres Handelns bewusst waren, denn das Weibchen hinderte das Männchen durch Blicke und Gesten daran, beim Orgasmus laut zu grunzen, offenbar aus Angst, entdeckt zu werden.

Auch bei Krähen sieht es so aus, als könnten sie sich in andere Individuen hineinversetzen. Es wurde beispielsweise beobachtet, wie Krähen ihr Futter versteckten, während sie von anderen Vögeln beobachtet wurden. Sobald das andere Tier aber kurz nicht hinsah, versteckten die Krähen ihr Futter an anderer Stelle und beobachteten dann, wie ihre Konkurrenten vergeblich beim ersten Versteck nach Futter suchten. So eine Verhaltensweise setzt ein großes Maß an Planung und sozialer Intelligenz voraus.

Auch scheinen außer dem Menschen zumindest manche andere Affenarten und Elefanten das Prinzip des Todes erfassen zu können. Wenn Schimpansenmütter ihren verstorbenen Nachwuchs herumtragen und pflegen, bis er vollständig verwest oder Elefanten ihre toten Gruppenmitglieder immer wieder aufsuchen und betasten, lässt sich dass entweder dahingehend deuten, dass sie nicht verstehen, was Tod bedeutet, oder dass sie auf diese Weise Abschied nehmen. Eindeutiger sind da die Beobachtungen an einer Gruppe von vier gefangenen Schimpansen, die mehrere Jahrzehnte zusammenlebten. Als eines der alten Gruppenmitglieder im Sterben lag, wurde es von den übrigen tagelang vermehrt gelaust und gestreichelt, womit sie kurz nach Eintritt des Todes aufhörten. Stattdessen schlief einer der Schimpansen in direkter Nähe zum toten Artgenossen, obwohl er das sonst nie getan hatte. Auch einige Zeit nachdem der Leichnam durch Forscher entfernt wurde, gaben die übrigen Affen sich vermehrt Zuneigung, was man als Tröstungsversuche interpretieren könnte. Eine solche Suche nach Trost bei Artgenossen ist auch von anderen Affenarten bekannt.

Kommentar von DiegoderAeltere ,

Danke für den Stern!

Antwort
von Trashtom, 28

Ich denke da ist ein gewisses Level an Selbstbewusstsein und damit verbundene Intelligenz erforderlich.

Möglicherweise die üblichen Verdächtigen wie Affen, Delphine und Co..

Ein Eichhörnchen, dass für den Winter vorsorgt – klingt zwar für uns nach Zukunftsdenken, aber ich denke das ist instinktgesteuert und passiert quasi automatisch.

Antwort
von MarkusKapunkt, 19

Das können sogar sehr viele Tiere. Sogar ein Hund: nimm einen Ball und tu so, als ob du ihn wirfst. Der Hind wird glauben, du willst mit ihn spielen, und auch dann losrennen, wenn du gar nicht wirklich geworfen hast. Der Hund hat deine zukünftige Handlung also vorausgesehen und erwartet (nur dass sie eben nicht eingetreten ist, er hat sich also geirrt).

Auch langfristige Zukunftsplanungen kommen vor, denn viele Tiere legen wie zum Beispiel das Eichhörnchen Vorräte für den Winter an. Ob dies aus einem Gedanken heraus entsteht oder einfach nur Instinkt ist, ist natürlich eine andere Frage.

Allerdings denken schon die wenigsten Menschen darüber nach, wie die Zunkunft in mehreren Jahren wohl aussehen wird - ein Tier mit einer oft viel geringeren Lebenserwartung wird sich darüber dann wohl ebenfalls keine Gedanken machen.

Antwort
von Fuchssprung, 26

Es gibt einige Tiere, die sich die nahe Zukunft vorstellen können. Elefanten brechen an einem Ort auf und kommen Wochen später in einer Region an, in der es geregnet hat, wo das Land grün ist. Das wäre nicht möglich, wenn sie keine Vorstellung von der Zukunft hätten. Ob sie jedoch darüber nachdenken, wie ihr Leben in den nächsten 40 Jahren aussieht, kann man sie leider nicht fragen. Möglich wäre es jedoch. Denn warum sollten sich sonst junge Elefantenkühe bereitwillig um die jungen Kälber ihrer Tanten kümmern, wenn sie sich nicht selbst irgendwann in der Rolle einer Mutter sehen würden. Aber das ist Spekulation und keine gesicherte Erkenntnis.

Antwort
von valvaris, 35

Ich glaube, es gibt nur ganz wenige Arten von Tieren, die sich irgendeine Art von Zukunft überhaupt vorstellen können. Wenn sie planen, dann aber auch nicht besonders weit.
(http://www.berliner-zeitung.de/auch-tiere-haben-eine-vorstellung-von-der-zukunft...)

Es gibt wohl laut der Berliner Zeitung eine Studie, dass sich Vögel schon am Abend vorher mit Futter für den nächsten Morgen eingedeckt haben (Der frühe Vogel kann wohl auch die Vögel mal)
Andererseits sind wohl einige Affenarten in der Lage, die nähere Zukunft zu planen (siehe hier http://www.tierschutznews.ch/tiere/tierwelt/1220-ein-affe-plant-den-aufstand-.ht...)

Also etwas Weitblick haben die tierischen Mitbewohner unseres Planeten durchaus, aber ich bezweifle, dass sie sich Gedanken über ihre Sterblichkeit machen.

Kommentar von IdasLeon ,

Sorry wollte eigentlich Pfeil nach oben klicken. Sehr gute Antwort danke!

Antwort
von Tokeh, 3

Ja klar, sonst wären viele schon lange ausgestorben! Sie werden sich keinen festen Plan machen was sie wann tun, aber einige Beispiele habe ich hier:

  • diverse Putzerfische sind bei eigenen Putzstationen friedlich, beissen jedoch auf fremden Stationen die "Kunden". Sie können kapieren dass es schlechte Folgen für die eigene Station hätte, würden sie dort beissen
  • viele Tiere lassen sich trainieren. Sie wissen, dass wenn sie etwas toll machen, mit Lohn zu rechnen ist. Also denken sie an die nahe Zukunft.
  • Tiere die Winterruhe halten, sammeln Futter. Man kann es instinktgesteuert nennen, aber im Prinzip ist auch unser Denken Instinkt
Antwort
von jens79, 19

Vergraben Eichhörnchen Nüsse? Sammeln
Bienen Honig? Bauen Vögel Nester und Spinnen Netze?

Es gibt auch Ameisen, die Hefepilze in ihrem Bau züchten und diese immer gut nähren, damit auch in Zukunft noch etwas zu essen für sie da ist!

Kommentar von JensHermann01 ,

gute beispiele aber ich glaube sie meint auch so was wie können Tiere über den tod oder den nächsten tag denken ?

Kommentar von matmatmat ,

Sowohl als auch. Was den Tod angeht kann ich auf das Trauerverhalten von Elefanten und die übrigen Menschenaffenarten (der Mensch ist ja eine weitere) verweisen. Die wissen was Tod ist...

Kommentar von GanMar ,

Ja, aber basiert das auf Überlegungen der Tiere, die sich einen Plan machen? Oder handelt es sich dabei um instinktive Handlungen?

Kommentar von matmatmat ,

Vielleicht solltest Du mal "Instinkt" nachschauen, die Wortbedeutung scheint nicht ganz klar zu sein. Ein (Jagdt)Hund hat den Instinkt etwas hinter her zu rennen, wenn es von ihm wegrennt. Er kann aber planen wo er hin geht um etwas zu fressen zu finden.

Antwort
von Ashuna, 27

Laut Studien sollen Kühe oft über ihre Zukunft nachdenken. Also Ja. :)

Kommentar von IdasLeon ,

Haha wie hat man das denn rausgefunden?

Kommentar von Ashuna ,

Man hat sich Kühe angeschaut und deren Gehirnfrequenzen gemessen (soweit ich weis) kannst danach Googlen.

Antwort
von matmatmat, 16

Ja, natürlich können sie das - und nicht nur Säugetiere - wie sonst sollten sie planen?

Kommentar von GanMar ,

Es ist die Frage, ob sie tatsächlich etwas planen oder lediglich Instinkten folgen.

Kommentar von matmatmat ,

Natürlich planen die. Vielleicht nicht die nächsten 10 Jahre, das geht aber auch beim Mensch fast immer schief...

Schimpansen zum Beispiel bauen Werkzeuge, der eine Schimpanse mehrere feste, angsepitze Stöcke zum graben, der andere Schimpanse vorne aufgefaserte Stöcke zum Ameisen angeln. Dann tauschen sie, so daß jeder einen Stock von jeder Sorte hat und laufen den halben Tag durch den Wald bis zur stelle wo sie wissen, das es Ameisen gibt.

Die planen also nicht nur eindeutig, sie bauen sogar die für den Tag passenden Werkzeuge.

Unsere Umgebung wahrzunehmen und sie uns räumlich und zeitlich im Kopf vor zu stellen und Handlungen zu planen (in die Zukunft zu denken) ist eine grundlegende Funktion von Tieren. Ohne könnte keine Jagdspinne da hin springen wo sich 1/2 Sekunde später die Fliege befindet...

Ob die Spinne allerdings ihren Schulabschluß oder die übernächste Woche plant ist zu bezweifeln...

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community