Frage von Puzak, 105

Können sich Menschen ändern oder bleiben sie für immer so?

Ich bin in einem sehr schwierigen Elternhaus aufgewachsen und lebe schon seit Jahren unter ständiger Kontrolle und Manipulation. Ich durfte nie etwas eigenes sein und war nur eine Erweiterung meiner Eltern.

Das Problem ist... es hat sich in mir verfestigt... Ich bin genau so wie sie und ich bin nur eine billige Kopie. Ich will nicht mehr so leben und ich fange bald meine Therapie an nur mach ich mir Gedanken darüber ob ich für immer so bleiben muss.

Eigentlich bin ich wie mein Bruder... Der Unterschied zwischen mir und ihm ist, dass ich es zwar angenommen habe, aber nicht so bleiben will.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rosenblad, 29

Ein guter Therapeut wird genau jenen psychischen "Körper" freilegen, der Dir durch Deine Eltern (Muttisystem?) verformt wurde resp. jener Mensch der Du in seinem Selbst, seiner Identität und  Authentizität nicht sein durftest und konntest. Es ist dabei nicht die Frage eines sich ändern, sondern eines Ich-selbst-so-sein. Alle Dir aufgelegten Schematas, Scripts und Muster musst Du mit dem Therapeuten/Therapeutin in "Schwerstarbeit" wegräumen - je nach Deinem Alter wird dies ein langer, aber zugleich ein für Dich und Dein weiteres Leben unvorstellbar befreiender Prozess sein (manches wirst Du auch nicht loslassen können oder wollen, weil es Dir Halt, Bindung und Sicherheit gibt- dann nimm es mit), der natürlich nicht immer geradlinig verlaufen wird. Freu Dich einfach darauf! Bei allen Schwierigkeiten die kommen werden, aber nicht vielen Menschen ist es vegönnt so tief in sich selbst eintauchen zu können.

Kommentar von Rosenblad ,

Vielen Dank für die Auszeichnung, verbunden mit allen guten Wünschen für diesen steinigen, aber enorm wichtigen Abschnitt Deines Lebensweges.

Erlaube mir auf den Satz von @ eleteroj hinzuweisen: "Hilfreich ist, in solchen Denklähmungen, zunächst mal rückzufragen, was
sich bei dir, von Tag zu Tag, Monat zu Monat, Jahr zu Jahr, so alles tatsächlich völlig verändert hat, zum Guten oder zum Unguten."

Vielleicht - wenn ich mich an dieser Stelle nicht zu weit vorwage - wäre eine psychoanalytische Therapie voranzustellen um eine psychische "Bilanz" erstellen zu können.

Antwort
von eleteroj, 18

der erste Denk-Schritt aus diesem Starr-Sinn auszubrechen, ist: nichts, wirklich nichts ist satbil und konstant. Keine menschliche Eigenschaft, weder die Intelligenz noch der Charakter, ist für alle Zeiten invariant.

Das ist die feste Zuversicht zb der Buddhisten: dass es auf jeder Sprosse der Lebensleiter Ausgänge, Eingänge und Auswege gibt.

Auch die Zuversicht der Psychologen, Therapeuten und Klienten einer Therapie: wären die individuellen Eigenschaften unverändlich konstant, wären alle Versuche ihnen zu entwachsen, ja zwecklos. Aber dieses Denken wäre weder hilfreich, noch deckte es sich mit der Erfahrung, sondern es wäre ein religiöser, ungedeihlicher Fatalismsus.

Hilfreich ist, in solchen Denklähmungen, zunächst mal rückzufragen, was sich bei dir, von Tag zu Tag, Monat zu Monat, Jahr zu Jahr, so alles tatsächlich völlig verändert hat, zum Guten oder zum Unguten.

Dann kriegst du eine Empfindung dafür, wie instabil und variabel eigentlich jeder Lebensmoment ist, im Guten und Schönes ebenso wie im Schlimmen und Unbrauchbaren.

Kommentar von Rosenblad ,

In der Psychotherapie werden leider den buddhistischen Zugängen zu wenig Beachtung geschenkt. Du zeigtst in vortrefflicher Weise solche ersten, therapeutisch möglichen Wege skizzenhaft auf!

Antwort
von Suboptimierer, 61

Kleinigkeiten kann man ändern. 

Etwas, das über lange Jahre geprägt wurde, lässt sich nicht so einfach bis gar nicht ändern, schon gar nicht anderen zuliebe.

Sicher spielt es auch eine Rolle, wie viel Zeit du dir dabei lässt.

_______

Ich hätte nicht gedacht, dass eine Therapie erforderlich ist, wenn man so ist wie seine Eltern (es sei denn, sie haben selbst psychische Probleme). Aber schaden kann eine Therapie denke ich in den wenigsten Fällen.

Kommentar von Tischstuhlmein ,

Therapie muss ja nicht immer gleich heißen dass man psychisch krank oder gar gestört ist. Er möchte einfach nur verhinder dass er genauso wird wie seine Eltern, manipulativ etc. und dabei brauch er halt Hilfe und Unterstützung.  

Kommentar von Suboptimierer ,

Hmm. Da hast du auch wieder recht.

Antwort
von Puckig, 12

Natürlich ändern sich Menschen, ich weis das von mir selber. Anderen fällt das vllt nicht unbedingt so sehr auf. Aber man selber merkt wie sich seine Einstellung verändert. Und wie man Dinge auf eine andere Weise sieht. Ich denke bei dir ist es so dass du dich selber richtig finden musst. Aus dir rauskommen und einfach dein Temperament leben. Ich denke durch die Therapie wird die da auch gut geholfen

Antwort
von Tischstuhlmein, 43

Nein Menschen können sich änder. Vielleicht wird es Zeit brauchen und ist manchmal auch noch ganz einfach aber dadurch dass du schonmal eine Therapie anfängst und auch was ändern möchtest, stehen deine Chancen gut. Viel Glück

Antwort
von Unbekannt0211, 30

Keine Sorge, jeder Mensch kann sich mit der Zeit verändern solange man es möchte.

Antwort
von bikerin99, 24

Du bist zwar geprägt und es hat Auswirkungen auf deine Persönlichkeit. Aber Menschen können sich ändern. Dazu 2 Sprüche: "Nichts ändert sich, wenn du es nicht selbst änderst." "Wenn du stets das tust, was du immer getan hast, bleibst du stets der du immer warst."
Finde es gut, dass du dir Unterstützung mit einer Psychotherapie. Überlege dir, was dein Ziel ist. Also nicht: anders als die Eltern werden oder nicht sein wie die Eltern, das wäre so, wie wenn du eine Fahrkarte kaufen willst und sagst, ich will nicht nach Berlin, nicht nach München. Aber der Verkäufer und du wissen noch immer nicht, wohin du fahren willst.
Alles Gute.

Antwort
von Mignon4, 13

Jeder Mensch ist von seinem Elternhaus geprägt. Das ist völlig normal. Mit zunehmendem Alter wird man - wie du jetzt - kritisch, man bejaht einige Einflüsse aus dem Elternhaus lebenslang und andere Einflüsse schüttelt man ab oder bildet sich eine andere Meinung, die sogar konträr zu derjenigen der Eltern sein kann.

Jeder Mensch ist außerdem ein Kind seiner Generation. Dein Umfeld (Schule Spielgefährten, Freunde, Bekannte usw) beeinflußt dich ebenfalls und trägt zu deiner geistigen und psychischen Entwicklung bei.

Alle Menschen sind daher sozusagen eine Mixtur aus elterlichen bzw. familiären und Umfeldeinflüssen, du also auch. Von Kopie deiner Eltern kann keine Rede sein. Möglich ist aber, dass der elterliche Einfluß übertrieben stark war. Das wird in der Therapie korrigiert und du wirst lernen, einige (früh-)kindliche Einflüsse abzulegen. Dir werden neue Perspektiven in Form von differenzierten Denkweisen eröffnet, damit du dir über vieles deine eigene Meinung bilden kannst.

Du hast den ersten richtigen Schritt in die richtige Richtung (= Hilfe durch einen Therapeuten) gemacht und damit gezeigt, dass du lernen und dich ändern möchtest. Das ist die beste Voraussetzung für den Erfolg der Therapie.

Alles wird gut...! :-)

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