Frage von Rosaliie1510, 32

Können meine Pflegeeltern mich noch adoptieren trotz Volljährigkeit?

Hallo, also langsam bin ich echt mit meinen Latein am Ende. Ich lebe, seitdem ich 3 Monate alt bin, bei meinen Pflegeeltern, die eigentlich meine Tante und Onkel sind. Meine Pflegeeltern haben lediglich mein Aufenthaltsbestimmungsrecht, kein Sorgerecht und nichts. Seit 2 Jahren versuche ich Bafög zu beantragen - und auch sonstige Formulare bekomme ich nicht ohne Probleme ausgefüllt, da ich andauernd irgendwelche Unterlagen von meiner leiblichen Mutter brauche, die dafür ehrlich gesagt nicht zu gebrauchen ist, da sie andauernd das falsche verschickt usw. Andauernd bekomme ich deshalb Stress mit irgendwelchen Ämtern, die irgendwelche Lohnabrechnungen und sonstiges von ihr wollen, obwohl ich keinerlei Kontakt zu ihr habe.

Nun meine Frage, besteht irgend eine Möglichkeit, dass meine Pflegeeltern für all das aufkommen? Also das ich lediglich Abrechnungen von den beiden brauch und nicht andauernd meiner Erzeugerin hinterher laufen muss? Adoption? Oder sonst irgendwas? Bin volljährig und ich und meine Pflegeeltern wissen echt nicht weiter, da wir nur noch Probleme auf Grund dessen haben.

Würden uns über schnelle und hilfreiche Antworten sehr freuen! Danke im Voraus! "

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Rosaliie1510,

Schau mal bitte hier:
Adoption Pflegeeltern

Antwort
von EgonL, 25
Adoption eines Erwachsenen

Die Adoption eines Erwachsenen ist möglich, dazu wendet man sich an einen Notar, der mit den Beteiligten einen notariellen Vertrag aufsetzt und über alle Rechtsfolgen (§§ 1754, 1755 BGB) aufklärt. Nachdem der Vertrag geschlossen wurde, stellt der Notar beim örtlich zuständigen Amtsgericht den Antrag, die Adoption zu beschließen. Kommt das Amtsgericht zu dem Schluss, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist, kann es den beantragten Beschluss fassen. Wenn die volljährige Person bereits verheiratet ist, ist der Ehepartner auch beteiligt am notariellen Vertrag und muss einwilligen nach § 1749 Abs. 2 BGB.

Die Adoption eines Volljährigen richtet sich nach den §§ 1767 und 1770 BGB. Es gibt verschiedene Varianten dieser Adoption:

Volladoption eines Volljährigen nach §§ 1767,1772 BGBVolladoption eines Volljährigen durch Verwandte oder Verschwägerte §§ 1767, 1772, 1756 Abs. 1 BGBVolladoption eines volljährigen Kindes eines Ehegatten, dessen frühere Ehe durch Tod aufgelöst ist, durch den anderen Ehegatten §§ 1767, 1772, 1756 Abs. 2 BGBVolladoption eines volljährigen Kindes eines Ehegatten, dessen frühere Ehe auf andere Weise als durch Tod des früheren Ehegatten aufgelöst ist, durch den anderen Ehegatten §§ 1767. 1772, 1754 BGB

Nachdem das Gericht die Adoption beschlossen hat, schickt es eine Mitteilung an das Geburtsstandesamt. Das Standesamt schreibt einen sogenannten Randvermerk zum Geburtseintrag des Adoptierten mit der Folge, dass nun in der Geburtsurkunde die Adoptiveltern stehen. In der Abstammungsurkunde bleiben es immer die leiblichen Eltern. Die Abstammungsurkunde muss man zum Beispiel vorlegen, wenn man heiraten möchte, damit das Standesamt feststellen kann, ob die Heiratswilligen nicht miteinander verwandt sind (leibliche Verwandtschaft).

Die unterhalts- und erbrechtlichen Ansprüche gegenüber der alten Familie bleiben bestehen. Grundsätzlich hat der adoptierte Volljährige gleichsam zwei Elternpaare, wobei im Fall von Unterhalt die Adoptiveltern vor den leiblichen Eltern haften.

Im Gesetzeslaut:

§ 1767 (Voraussetzungen; anwendbare Vorschriften) BGB

 (1) Ein Volljähriger kann als Kind angenommen werden, wenn die Annahme sittlich gerechtfertigt ist; dies ist insbesondere anzunehmen, wenn zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis bereits entstanden ist. (2) Für die Annahme Volljähriger gelten die Vorschriften über die Annahme Minderjähriger sinngemäß, soweit sich aus den folgenden Vorschriften nichts anderes ergibt.

§ 1768 (Antrag)

 (1) Die Annahme eines Volljährigen wird auf Antrag des Annehmenden und des Anzunehmenden vom Vormundschaftsgericht ausgesprochen. §§ 1742, 1744, 1745, 1746 Abs. 1, 2, § 1747 sind nicht anzuwenden. (2) Für einen Anzunehmenden, der geschäftsunfähig ist, kann der Antrag nur von seinem gesetzlichen Vertreter gestellt werden.

§ 1769 (Kinder)

 Die Annahme eines Volljährigen darf nicht ausgesprochen werden, wenn ihr überwiegende Interessen der Kinder des Annehmenden oder des Anzunehmenden entgegenstehen.

§ 35 (Sachliche Zuständigkeit) FGG

Für die dem Vormundschaftsgericht obliegenden Verrichtungen sind die Amtsgerichte zuständig.

§ 36 (Örtliche Zuständigkeit)

 (1) Für die Vormundschaft ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Mündel zu der Zeit, in der die Anordnung der Vormundschaft erforderlich wird oder in der die Vormundschaft kraft Gesetzes eintritt, seinen Wohnsitz oder bei Fehlen eines inländischen Wohnsitzes seinen Aufenthalt hat. Wird die Anordnung einer Vormundschaft über Geschwister erforderlich, die in den Bezirken verschiedener Vormundschaftsgerichte ihren Wohnsitz oder ihren Aufenthalt haben, so ist, wenn für einen der Mündel schon eine Vormundschaft anhängig ist, das für diese zuständige Gericht, anderenfalls dasjenige Gericht, in dessen Bezirk der jüngste Mündel seinen Wohnsitz oder seinen Aufenthalt hat er, für alle Geschwister maßgebend. (2) Ist der Mündel Deutscher und hat er im Inland weder Wohnsitz noch Aufenthalt, so ist das Amtsgericht Schöneberg in Berlin-Schöneberg zuständig. Es kann die Sache aus wichtigen Gründen an ein anderes Gericht abgeben; die Abgabeverfügung ist für dieses Gericht bindend. (3) Ist der Mündel nicht Deutscher und ist eine Zuständigkeit nach Absatz 1 nicht begründet, so ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk das Bedürfnis der Fürsorge hervortritt. (4) Für die Vormundschaft über einen Minderjährigen, dessen Familienstand nicht zu ermitteln ist, ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Minderjährige aufgefunden wurde.

Quelle:  http://www.adoption.de/info_adoerw.htm

Kommentar von Rosaliie1510 ,

Vielen lieben Dank, die Antwort hat mir wirklich sehr geholfen!

Antwort
von silberwind58, 32

Wenn Du damit eiverstanden bist ,können Dich die Pflegeeltern als Erwachsene auch noch adoptieren.

Kommentar von Rosaliie1510 ,

Und können Sie mir sagen, ob ich dann trotzdem noch die ganzen Unterlagen von der leiblichen Mutter brauch? Und/oder an wem ich mich da wenden muss? Komme aus Hildesheim/Hannover

Kommentar von silberwind58 ,

Kann ich nicht genau sagen ,ich denke aber nicht.Das Amt,das die Adoption durchführt,könnte da genauere Angaben machen.

Kommentar von EgonL ,

Beim Amtsgericht gibt es Rechtspfleger, die geben sicher gerne weitere Auskünfte

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