Frage von AndreasHoeber, 112

Können Flüchtlinge den Antisemitismus anheizen?

Ich habe Bedenken bei der Einwanderung und schlechten Organisation der Flüchtlinge, weil sie aus Ländern kommen, welche Hass auf Juden haben. Kann es passieren, dass der Antisemitismus dadurch angeheizt werden? Bin ich jetzt ein Nazi, nur weil ich etwas gegen Flüchtlinge einzuwenden habe, jedoch auf dieser Grundlage gegen die Ausweitung des Antisemitismus bin? Besteht eine Gefahr, dass der Antisemitismus wieder mehr präsent sein wird (Nicht auf das Niveau des Holocaustes, sondern das Niveau des Mittelalters)?

PS: Ich bin voll und ganz gegen die AFD und werde sie niemals wählen. Ich komme aus der Sowjetunion (Bereich Ukraine/Russland), da leben viele Juden und ich habe auch Freunde und Nachbarn jüdischer Glaubensrichtung.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von vdeparty, 32

Hey Andreas,

man traut sich kaum in der Flüchtlingssache irgendetwas zu hinterfragen.

Tatsächlich ist das Thema "Flüchtlinge und Antisemitismus" aber schon debattiert worden und immer noch aktuell.

Ich las Berichte von ehrenamtlichen jüdischen Flüchtlingshelfern, die nur positive Erfahrungen machten, wobei aber auch nie explizit angesprochen wurde, dass es sich um Juden handelte. Lt. einer Aussage, trug eine Ehrenamtliche immerhin den Davidstern an einer Kette. Für so eine Kette bin ich schon selber beleidigt und bedroht worden, meinerseits aber auch nie von Muslimen sondern eher von Punks oder Skinheads.

Ich las aber auch Berichte über Flüchtlinge, die einen sehr offenen Antisemitismus zu Schau trugen. Bei einer Befreiung einer kurdischen Stadt, die vorher in IS-Gewalt war, wurden Bilder gezeigt von Frauen, die ihre Burka ablegten und rauchten, nebst Videos von Menschen, die ihre wiedergewonnene Freiheit lobten und abschlossen mit den Worten "und vernichte die Juden"...

Ein Teil der Flüchtlinge stammt aus akademischen Kreisen, in denen sowohl der Islam als auch der Antisemitismus keine große Rolle spielt. Wie genau sich das aufteilt, weiß ich nicht und ich behaupte, darüber würde man auch gar keine richtige Aussage treffen können.

Wahrscheinlich ist es auch irrelevant, wie viele Flüchtlinge aus einem von Antisemitismus geprägten Umfeld kommen sondern, ob diejenigen, bei denen das der Fall ist, diesen Antisemitismus weitergeben und hier zum einen offen ausleben und zum anderen weitere Menschen dazu führen ihn auszuleben.

Das Potential ist sicherlich da. Und nicht wenige jüdische Gemeinden haben da Bedenken geäußert.
Sollte man deswegen weniger Flüchtlinge aufnehmen? Meiner Meinung nach: Nein! Die Zahl hat damit nichts zu tun. Wer hilfebedürftig ist, soll angenommen werden. Dazu: Auch Israel nimmt Flüchtlinge auf und betreut an den Grenzen in Judea und Samaria Verwundete in medizinischen Einrichtungen.
Aber: Integration ist wichtig. Egal für wie lange der Aufenthalt in Deutschland andauert, deutsche Gesetze müssen eingehalten werden und gewisse Dinge oder Taten wie Volksverhetzung müssen natürlich genauso bestraft werden. Für mich gelten Ausreden wie "die kennen das nicht anders, deswegen müssen wir Nachsicht haben" NICHT. Meiner Meinung nach sind Menschen, die solche Aussagen treffen rassistischer als sie denken, denn sie gehen davon aus, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht im Stande sind nach einem anderen Standard und mit einer anderen Weltanschauung zu leben bzw. sich dieser anzupassen.
Mir geht es nicht um den Nonsens mit dem Schweinefleisch. Das Zeug esse ich auch nicht. Veganer und Vegetarier ebenso wenig. Und wenn jemand aufgrund seines Glaubens kein Bier trinken will: Glückwunsch. Mir ist ein abstinenter Moslem/Jude lieber als ein besoffener Christ/Atheist/Sonstwas der am Schluss unter Alkoholeinfluss andere in Gefahr bringt.

Die Integration von Flüchtlingen aus antisemitischen Kreisen könnte auch das Gegenteil bewirken: Dass nämlich der Antisemitismus bei diesen Menschen "ausgemerzt" werden könnte.
Wer Wert legt auf unsere Kultur und unsere Gesetze und unsere Diversität, sollte diese weitergeben und sie nicht vorenthalten. Durch/mit Hass und Ablehnung gegenüber einer bestimmten Gruppe entsteht innerhalb der Gruppe Extremismus. Früher hat das Ghetto die jüdischen Gemeinden erst so stark religiös werden lassen. Verfolgte Christen halten erst recht an ihrer Überzeugung fest. Und wenn wir anfangen Moslems bewusst auszugrenzen, welchen Sinn soll es noch für die haben, sich uns anzupassen?
Um gegen den Antisemitismus anzugehen ist es wichtig, offen zu sein. Offen UND standhaft.

Antwort
von Dahika, 17

Nein, im Augenblick eher der Antiislamismus. Aber auch antiislamische Haltung ist rassistisch und in dessen Gefolge zeigt natürlich auch der Antisemitismus sein hässliches Haupt.

Der ist dann allerdings oft getarnt als Antisraelismus und Antiamerikanismus.

Antwort
von Andracus, 62

Kann sein dass die Leute mit solchem Gedankengut hierher kommen... Ich glaube aber dass diejenigen,  die im Land bleiben (sprich den Integrationskurs usw durchlaufen haben) das zumindest für sich behalten/es in einem Ausmaß betreiben,  das auch nicht dramatischer ausfällt als der "übliche" Rassismus. Genau wie bei pauschalen Flüchtlingsgegnern wird es da meiner Einschätzung nach Leute geben, die sich zu wehren wissen. Dass wir zurück ins Mittelalter gehen halte ich für sehr unwahrscheinlich. 

Kommentar von AndreasHoeber ,

Da kommt aber der Punkt der schlechten Organisation der Flüchtlinge. Nicht jeder besucht Integrationskurse. Bei uns in der Straße sitzen die auf dem Boden und geiern WLAN...

Kommentar von Andracus ,

Das mag sein,  aber einen Integrationskurs besucht ja sinnigerweise auch nur, wer ein reelle Bleibechance hat. Die von denen du redest waren sehr wahrscheinlich noch gar nicht bei ihrem ersten Gespräch beim BAMF. Natürlich sind wir organisatorisch noch nicht ideal aufgestellt,  aber im Vergleich zum letzten Jahr hat sich da schon enorm viel gutes getan. Die Burschen werden schon noch versorgt (solang nicht wieder irgendwelche Helden ihre Steuergelder in Form von neuen Heimen niederbrennen). Dass sie in der Zwischenzeit fähig wären,  Deutschland in eine Zeit des selbstverständlichen Antisemitismus zurückzukatapultieren möchte ich bezweifeln,  vor allem nachdem die erste Sorge der meisten der Verbleib ihrer eigenen Familie sein dürfte. 

Antwort
von MAB82, 71

Können Flüchtlinge den Antisemitismus anheizen?

Denke ich nicht, da Antisemithismus sowieso soweit in Deutschland verbreitet ist, dass die wenigsten Juden sich offen zu ihrer Religion bekennen. Ich sehe im Alltag jedenfalls niemanden eine Kippa tragen und das nicht erst seit der Flüchtlingskrise.

Kommentar von AndreasHoeber ,

Gut aber nicht jeder Jude muss eine Kippa tragen, es gibt auch viele, die nicht so streng gläubig sind. Auch nicht jeder Christ trägt eine Kreuz oder geht oft in die Kirche. Aber vielleicht hast du auch Recht, dass sich die Leute nicht trauen...

Kommentar von MAB82 ,

Trotzdem ist es für Juden schon immer riskant gewesen sich in Deutschland zu "outen", das haben die Flüchtlinge jetzt nicht sonderlich schlimmer gemacht. Aus meine Erfahrung sind die alten Ressentiments in der einheimischen Bevölkerung heute nicht weniger geworden als vor 80 Jahren und damit meine ich nicht nur die Verschwörungsspinner.

Kommentar von AkifABl61 ,

Irritierend vor allem an den Kommentaren des Fragestellers finde ich die merkwürdige Grundidee: Ein - der Gefahr, diskriminiert zu werden bewusster - Religionsangehöriger nimmt sich hier eine andere religiöse Gruppe vor, um sie erstmal grundsätzlich des Antisemitismus zu bezichtigen. Das mag nun seiner "Lebenserfahrung" entsprechen.

Aber vielleicht begreift er ja irgendwann auch noch, dass es die willkürliche Zuweisung von Eigenschaften ist, mit man der Minderheiten (und wir alle sind Minderheit) diskriminiert !

Antwort
von Accountowner08, 51

nein, das glaube ich nicht. Dafür haben meiner Meinung nach Flüchtlinge zu wenig aktiven Einfluss auf die öffentliche Meinung.

Vielleicht besteht Terror-Gefahr, aber das ist was anderes...

Kommentar von AndreasHoeber ,

Auf jüdische Schulen... aber die werden von der Polizei bewacht. Da steht ein Polizeihäuschen vor den Eingangstoren.

Kommentar von Accountowner08 ,

Das ist aber nicht erst seit gestern... jüdische Institutionen müssen leider schon seit den 70er oder 80er Jahren ständig bewacht werden, weil seit dieser Zeit eine Welle des Terrors (meist von Palästinensern) gegen Juden in aller Welt stattgefunden hat...

Antwort
von hutten52, 9

Alle wissenschaftlichen Untersuchungen, alle Umfragen und alle Berichte aus Europa zeigen: Unter den Einwanderern aus dem Nahen Osten ist der Antisemitismus deutlich höher als bei der europäischen Bevölkerung. Nach der Koopmans-Studie sagen 45 % der Moslems in Westeuropa, man könne Juden nicht trauen, aber nur 8 % der Nichtmuslime. Der Zentralrat der Juden warnte Juden, in Einwandervierteln deutscher Großstädte die Kippa zu tragen, weil das wegen möglicher Übergriffe zu gefährlich sei. 

Am 18.3.2010 meldete die Badische Zeitung: "An norwegischen Schulen bekommen jüdische Schüler gelbe Sterne auf den Rücken geklebt und müssen hören, dass "alle Juden erschossen" gehören, ohne dass die Lehrer eingreifen. Aus Malmö in Schweden sind im vergangenen Jahr 30 jüdische Familien ausgewandert, weil ihnen die ständigen Schikanen, denen sie ausgesetzt waren, zu viel wurden. "Wir werden angepöbelt, wir werden physisch angegriffen." Es gebe keinen Zweifel, wer hinter den Übergriffen stehe: "Das sind Personen, die aus dem Nahen Osten kommen."

Warum distanzierst du dich von der AfD, als ob sie des Teufels sei? Man kann stehen zu ihr, wie man will, jedenfalls ist sie eine zugelassene demokratische Partei. Wer sie ablehnt soll argumentieren, nicht diffamieren. 

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