Frage von KS1987, 39

Knieprobleme beim Wandern - Orthopäde nicht hilfreich - was tun?

Hallo zusammen!

Ich gehe seit ein paar Jahren regelmäßig zum Wandern. Habe langsam angefangen und mich dann gesteigert. Mittlerweile sind auch längere Touren von Kondition und Kraft her kein Problem mehr.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich dann das erste Mal ein Problem mit meinem linken Knie. Es war eine ganz normale Tagestour mit vielleicht 2 bis 2,5 Stunden Aufstieg zum Gipfel. Die erste halbe Stunde Abstieg danach war kein Problem, aber dann hatte ich auf einmal einen stechenden Schmerz im linken Knie. Der hat sich innerhalb weniger Minuten so gesteigert, dass ich Tränen in den Augen hatte und schlicht nicht mehr weitergehen konnte. Ich habe mich dann hingesetzt und - sofort war der Schmerz weg. Das Knie hat sich nicht einmal komisch angefühlt, nichts. Also bin ich nach fünf Minuten weiter gelaufen, da war der Schmerz auch sofort wieder da. So habe ich mich etwa eine halbe Stunde Meter für Meter vom Berg gequält. Jedes Mal wenn ich saß, dachte ich "das ist doch lächerlich. Soo schlimm kann das doch nicht sein, da musst jetzt halt drüber stehen und trotzdem runter laufen". Aber sobald ich los gelaufen bin, war der Schmerz so unerträglich, dass ich es schier nicht ausgehalten habe. Im Endeffekt habe ich mich an diesem Tag bis zur Fahrstraße geschleppt und von dort ist mein Papa dann voraus gelaufen und hat das Auto geholt.

Gleich die Woche drauf habe ich einen Termin beim Orthopäden ausgemacht. Da war ich dann etwa anderthalb Wochen nach dem Erlebnis. Mein Knie wurde geröntgt, ich kam zur Ärztin, sie sagte die Röntgenbilder seien unauffällig und sie würde mir jetzt etwas spritzen. Ich habe gefragt, was sie denn spritzen möchte. Sie sagte, es sei ein Schmerzmittel. Da habe ich protestiert, denn ich hatte keine Schmerzen und da finde ich eine riskante Injektion in ein Gelenk doch reichlich sinnlos. Sie meinte außerdem es läge an der fehlenden Muskulatur im Knie. Sie hatte dann doch noch eine andere Idee und hat mir eine Art Manschette verpasst, die ich im Akutfall tragen kann, die das Knie entlastet. Seither trage ich die immer, sobald ich beim Abstieg das geringste spüre. Oft nehme ich zusätzlich Schmerzmittel (Ibuprofen), da das die einzige Möglichkeit ist, noch vom Berg runter zu kommen. Die Orthopädin meinte, ich solle eben nur noch auf Berge gehen, von denen eine Bahn runter fährt. Aber das ist nun wirklich keine Option.

Eigentlich fahre ich mittlerweile ganz gut mit der Kombi aus Manschette und Schmerzmitteln. Ich dachte aber, dass sich die fehlenden Muskeln irgendwann aufbauen müssten. Das ist aber nicht der Fall. Es kann doch nicht sein, dass ich mit Ende zwanzig schon derartige Verschleißerscheinungen habe, dass ich dauerhaft auf Manschette und Schmerzmittel angewiesen bin, oder? Ich weiß nur nicht, was ich machen soll. Wenn ich wieder zur Orthopädin gehe, wird die mir nichts anderes erzählen können als letztes Mal.

Hat jemand Erfahrungen mit solchen Problemen? Könnt ihr mir weiterhelfen, was ich machen kann?

Danke!

Antwort
von jovoHamburg, 7

Aufgrund meiner langjährigen Führungen als Bergwanderführer kenne ich bei Teilnehmern das Knieproblem, insbesondere beim Abwärtsgehen. Die Ursache liegt meistens bei gesunden Menschen an zwei Faktoren: Zuerst die noch schwachen nicht austrainierten Muskeln und Sehnen, was bei dir nach deinen Angaben aber wohl nicht der Fall ist? Eine weitere Ursache liegt darin, dass wir beim normalen Gehen/Wandern üblicherweise über die Hacke abrollen. Geht es aber abwärts, staucht diese übliche Gangart derartig insbesondere auf die Knie, sodass es bald schmerzt. Richtig abwärts gehen bedeutet w e i c h in den Knien zu federn. Da das aber wieder ganz andere Muskeln in Anspruch nimmt, sind diese schnell ermüdet und man fällt wieder in die andere unzweckmäßige bald Schmerzen verursachende Gehart zurück. Also: Bitte schon auf normalen Strecken die weiche Gehart trainieren; sieht komisch aus, hilft aber meistens. -- Ansonsten evtl. eine zweite Arztmeinung einholen. Vorsicht vor Ibuprofen u.ä. Salben. Für kurzfristige Hilfe bei akut auftretenden Schmerzen vor Ort meist o.K; auf Dauer aber Nebenwirkungen!

Kommentar von KS1987 ,

Danke für deine Antwort!

Ich weiß es eben nicht, ob es noch an den Muskeln liegen kann. Anfangs war das bestimmt ein Faktor, aber soo lange brauchen Muskeln ja nun auch wieder nicht zum Aufbauen. Ich gehe außer zum Wandern auch regelmäßig ins Fitnessstudio und habe den Trainern dort von meinem Problem berichtet. Die haben das also beim Erstellen meines Traningsplanes berücksichtigt. 

Also wenn ich drüber nachdenke, gehe ich abwärts eigentlich schon immer dauerhaft leicht in die Knie. So ein bisschen als hätte man sich in die Hose gemacht halt ;) Das macht man ja fast automatisch, weil man sonst bei jedem Schritt die Erschütterung in den Knien merkt und das finde ich unangenehm. Außerdem hat man damit ja mehr Halt, grad wenns nicht auf einer Fahrstraße runter geht sondern über einen Steig. Also das geht dann anfangs ziemlich in die Oberschenkel. Hast du das gemeint? Oder nochmal anders?

Ich hatte gehofft, dass jemand wie du antwortet, der Erfahrung mit sowas hat. Haben die Leute, die du kennen gelernt hast und die dieses Problem haben irgendwann Fortschritte damit gemacht? Also ist es bei denen irgendwann, irgendwie besser geworden? Und wenn ja: einfach so oder haben die speziell was gemacht?

Das mit den Ibuprofen: ich hatte halt gehofft, wenn ich ein paar Mal den Schmerz "ausschalten" kann und die Berge trotzdem runter laufe, wird sich dadurch genau die Muskulatur aufbauen, die mir fehlt. Es ist ja auch nicht jedes Mal. Eher jedes zweite bis dritte.

Antwort
von netcx, 8

Für jeden Sport gilt eigentlch, dass man bei Schmerzen besser aufhören sollte. Wenn man trotzdem weitermacht verlängert sich die Regenerationszeit. In deinem Fall könnten neue Schuhe mit guter Dämpfung helfen. Oder du steigst vorübergehend auf was anderes um wie Radfahren oder schwimmen. Wenn du mit Schmerzen einen Berg besteigst wird es nicht besser. Bis das vollständig ausgeheilt ist können Monate vergehen. Wenn man aber immer wieder belastet, auch wenn es nur ein einziges Mal ist, dann wird es nicht beeser.

Kommentar von KS1987 ,

Danke für deine Antwort!

Also Schuhe habe ich eigentlich sehr gute. Aber das ist natürlich ein Faktor, klar. Vielleicht schaue ich da mal nochmal im Sportgeschäft vorbei.

Hätte ich jetzt ein dauerhaftes Problem, würde ich es bestimmt auch sein lassen. Aber es ist eben nicht immer. Im Sommer war ich auf einer mehrtägigen Tour von Hütte zu Hütte und habe am ersten Tag gar nichts gemerkt. Erst am zweiten Tag kamen bei etwa der Hälfte der Etappe die ersten Probleme - dann halt massiv. Und: es ist immer sofort wieder weg, sobald die Belastung endet. Will sagen: mit Knieschmerzen würde ich nie auf einen Berg steigen, die kommen ja dann immer erst irgendwann.

Ich frage mich nur, wenn es wirklich "nur" an der fehlenden Muskulatur liegt, dann muss ich die doch irgendwie aufbauen, oder? Also wenn ich jetzt nicht mehr in die Berge gehe, dann wird sich doch an diesem Problem nix ändern, oder sehe ich das falsch? Ich muss es irgendwie schaffen, die fehlende Muskulatur aufzubauen und da das in diesem Fall eine sehr spezielle zu sein scheint (sonst hätte ich ja im täglichen Leben auch Knieprobleme), kann ich das wohl nur durchs Wandern!?

Kommentar von netcx ,

Ja aber auch wenn man keine akuten Schmerzen mehr hat, sollte man trotzdem ein paar Wochen Auszeit nehmen, zumindest ist das meine Erfahrung. Weiß nicht ob das an der fehlenden Muskulatur liegt, aber vielleicht solltest du dich vorm gehen etwas die beine dehnen das kann wunder wirken, natürlich nicht die Gegend um das Knie das vorbelastet ist. Also ich z.B. fahre viel Mountaibike, das ist halt auch belastend fürs Knie, aber weniger Stoßbelastung sondern eher gleichmäßig. Muskelaufbau kann man aber definitiv betreiben und glaube es hilft schon Belastungen besser zu verkraften, aber deswegen wird man auch immer noch Probleme in Gelenken haben.

Antwort
von potzjunkeli, 7

Bei Problemen solcher oder ähnlicher Art gehe ich immer zuerst zu meinem Osteopath. In den meisten Fällen konnte er mir selber helfen oder hat mich dann an einen entsprechenden Facharzt verwiesen. Beim Bergwandern abwärts sind die Knie besonders gefordert. Entsprechend gute Ausrüstung ist besonders wichtig. Ich empfehle dir für den Abstieg zur Entlastung Trekking-Stöcke zu verwenden. Auch ein schwerer oder ungeeigneter Rucksack kann auf die Knie einen negativen Einfluss haben. 

Kommentar von KS1987 ,

Danke für den Tipp, zum Ostheopathen könnte ich auch mal noch gehen!

Stöcke verwende ich eh (fast) immer wenn ich in die Berge gehe, außer es geht wirklich nur eine simple Fahrstraße nach oben. Und selbst da nehm ich sie zur Sicherheit immer für den Weg nach unten mit, falls Probleme auftreten (manchmal benutze ich sie dann echt wie Krücken). 

Mein Rucksack ist in der Regel nicht besonders schwer, das schwerste, das ich bislang getragen habe, war im Sommer bei einer viertägigen Tour und selbst da hatte ich "nur" 7 kg dabei. Habe einen Deuter, mit langen Beckenflügeln, der eigentlich gut auf mich eingestellt ist (und grad mal 22 Liter hat).

Antwort
von SahrieMarie, 3

Hallo, 

also Schmerzmittel dauerhaft zu nehmen ist keine Lösung, die schädigen auf Dauer deine Nieren. Das wird mit Sicherheit eine Überanstrengung sein. Vielleicht solltest du es etwas langsamer angehen und nicht jeden Tag zig Kilometer wandern. Oder du lässt dir mal Magnesium verschreiben, das hilft den Muskeln auch immer sehr gut. Nehme regelmäßig vor dem Sport Magnesium. 

VG

Kommentar von KS1987 ,

Hey,

danke für deine Antwort.

Nein, das ist mir schon klar, dass Schmerzmittel kein Dauerzustand sind. Mir ging es ja nur darum eine Zeit zu überbrücken, bis die Muskeln sich soweit aufgebaut haben, dass es keine Schmerzen mehr gibt.

Und jeden Tag gehe ich ja nicht wandern. Einmal in der Woche etwa, ich muss ja auch ab und zu mal arbeiten, so von Montag bis Freitag ;)

Magnesium nehme ich bereits hochdosiert, aus zwei anderen Gründen.

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