Frage von Jackunzel, 91

Klischees in Büchern, welche sind gut, welche nerven?

Ich schreibe schon lange, viel und gerne und versuche normalerweise in meinen Geschichten/Büchern, Klischees zu vermeiden. Doch neulich wurde ich von einem meiner Leser darauf angesprochen, dass nach seiner Ansicht genau das Gegenteil der Fall ist. Da heutzutage das Wort Klischee ziemlich negativ bewertet wird, wollte ich einfach mal fragen, welche Klischees in Büchern ihr gut, schlecht, nervend oder romantisch findet? Freue mich über jede Antwort!!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von lillian92, 48

Falls du mehr Meinungen willst – gib mal auf Youtube "book tropes" oder "character tropes" ein. Es gab in beide Richtungen einen Top-5-Wednesday und dementsprechend viele haben dazu Videos hochgeladen ;)

Meine "roten Flaggen":

  • "Special Snowflake Syndrom" – ich hasse Prophezeiungen in Büchern und Charaktere, auf denen das Schicksal der Welt liegt, weil sie die "Stärksten der Welt" sind oder sonst irgendeine spezielle Spezialgabe haben. Einfach nein.
  • "Ich bin kein typisches Mädchen"-Charaktere – geht oftmals Hand in Hand mit dem "Special Snowflake Syndrom", aber wenn für mich ein Charakter sagt, "ich bin kein typisches Mädchen/typischer Junge" oder "ich bin kein typisches XY", dann hat es sich der Autor mit mir verscherzt. Wenn man das darstellen will, dann bitte zeigen, aber nicht sagen. Aber bitte auch nicht, indem man alle anderen Mädchen/Jungs/XY genau dem Klischee entsprechen lässt, nur damit der Charakter anders ist.
  • Dreiecksbeziehungen – nicht nur seit Twillight, das ist einfach ein NEIN für mich. Man kann auch anderes Drama in Liebesgeschichten bringen und es wäre mal schön, mehr Paare zu sehen, die nachdem sie zusammengekommen sind, auch gemeinsam an einem Strang ziehen und nicht von einem Eifersuchtsdrama ins nächste rutschen…
  • Elternlose Charaktere, nur um die Eltern aus dem Weg zu haben – vor allem in der Jugendliteratur und auch im YA-Bereich gibt es mir ein Mal zu viele Waisen. Kann ein Charakter nicht mal ein gesundes Netzwerk an Familie und Freunden haben?
  • Situationen, in der der Charakter eigentlich draufgehen könnte, aber man genau weiß, dass er es doch nicht tut, weil das Buch noch 200 Seiten hat und die Geschichte nur aus seiner Perspektive geschrieben ist. Ich hasse es. Das nimmt die ganze Spannung raus
  • diverse ungesunde Beziehungen

Was ich mag: Alles, was gut und möglichst realistisch gemacht ist.

  • Charaktere, die mal Langzeitfolgen von Kämpfen haben (lese sehr viel Fantasy)
  • Charaktere, die ein normales Umfeld haben und mit diesem agieren. Ich mag komplexe, soziale Geflechte!
  • Generell komplexe Charaktere, die mehr als nur absoluter Bad Boy oder Gutmensch sind. Ich mag es, wenn ein Charakter auch mal Mist baut, weil er sich zu sehr von Emotionen leiten lasst/sich von außen beeinflussen lässt/zu rational handelt
  • Einen oder mehrere Antagonisten, aus deren Sicht man die Geschichte genauso gut erzählen könnte, ohne dass man sich denkt "was für ein Unmensch" – sprich Antagonisten, die genausogut als Protagonisten funktionieren könnten.
  • Eine Geschichte, in der das unerwartete passiert. Twists, Mysterien und einem vielschichtigen Konflikt!
Kommentar von Jackunzel ,

Danke für deine Antwort! Du hast mir sehr geholfen und danke, dass du so ausführlich warst!! :)

Antwort
von Fragental, 25

Hallo,

ich schreibe auch und ich möchte dir an dieser Stelle die Website TV Tropes empfehlen. Im Grunde ist das ein Wiki für "Klischees", aber nicht im negativen Sinn. Während manche Artikel sich mit "Tropes" befassen, die über die Jahre vollkommen durchgekaut wurden und deshalb langweilig geworden sind, sind die meisten wirklich interessante Handlungs- und Charakterelemente, bei denen ich mir oft denke "Ui, so was will ich jetzt auch in meine Geschichte einbauen". Außerdem tauschen die Leute sich auch darüber aus, wie man alte Tropes auf interessante Art variieren kann.

Das Wiki ist allerdings weitgehend auf Englisch.

http://tvtropes.org/

Kommentar von Jackunzel ,

Vielen lieben Dank! Und das mit dem Englisch ist kein Problem, ich bin zweisprachig aufgewachsen ;)

Kommentar von Fragental ,

Ui, gut. Dann wünsche ich dir viel Spaß! :-)

Antwort
von Bethmannchen, 26

Wenn der Autor jedes Subjektiv, jedes Objekt im Satz zwanghaft mit mindestens einem Adjektiv spickt, jedem Verb noch ein Adverb beifügen muss, wird die beste idylle kitschig und jede Handlung abgewürgt. 

Antwort
von Marieashlefd, 54

Also kommt auf das Buch an aber bei denn meisten Liebesbüchern die ich gelesen habe immer so ein reiches Mädchen und ein ärmerer junge begegnen sich oder umgekehrt.Streiten sich und hassen sich aber am ende heiraten sie hahahah 

Kommentar von Jackunzel ,

Das stimmt, fehlt nur noch, dass er aus irgendwelchen Gründen von ihr fern bleiben muss ;)

In meiner Geschichte geht es um ein blindes Mädchen, das eine gefeierte Violinistin ist, aber ohne ihre Schwester völlig hilflos wäre. Sie sieht ihre Umwelt buchstäblich mit anderen Augen und verliebt sich nach einem Unglück in den Freund ihrer Schwester, der sich nicht sonderlich für sie interessiert bzw. nicht zu mögen scheint, was weniger daran liegt, dass er Vorurteile gegenüber Blinden hat, sondern mehr, weil er vor Jahren seinen blinden Bruder versehentlich umgebracht hat, als er diesem einen Streich spielen wollte.

Vielen Dank für deine Antwort!!

Kommentar von Marieashlefd ,

Wow scheint sehr interessant zu sein,ich mag's !! :))

Kommentar von Jackunzel ,

Vielen lieben Dank! Die Geschichte wird bald veröffentlicht, würde mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn du sie lesen würdest :D

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten