Frage von BeStorm21, 261

Klinik verschlampt Fötus nach Fehlgeburt - Was tun?

Hallo,

meine Cousine hatte eine Fehlgeburt. Am Montag wurde ihr der Fötus ausgeschabt/ entfernt (Abort in der SS9). Für den Befund wird der Fötus untersucht und anschließend an die Frauenärztin weitergegeben, sodass sie mit der Mutter ein Gespräch führen kann, was im Befund steht (wenn die Mutter was wünscht).

Bei meiner Cousine aber ist der Fall, dass der Fötus nie bei der Pathologie angekommen ist. Keiner weiß wo der Fötus ist. Der Fötus kann somit auch nicht auf einem speziellen Friedhof für Sternenkinder begraben werden. Ein Befund wird es nie geben können. Auf die (zugegeben harte) Frage, ob "Sie den Fötus das Klo runtergespült hätten", antwortet die Klinik "So genau können wir das nicht mehr sagen". Meine Cousine ist fix und fertig. Die Fehlgeburt hat sie soweit gut verarbeitet und jetzt das. Meine Frage: Wie schwer wiegt so ein Fall? Passiert das ständig? Oder ist das schon ne harte Nuss? Wie ist das aus rechtlicher Sicht einzuschätzen, wenn ein Klinikum den Fötus einer Mutter verschlampt?

Expertenantwort
von isebise50, Community-Experte für Schwangerschaft & schwanger, 96

Leider enden über 10% der festgestellten Schwangerschaften vorzeitig. Nicht immer entwickelt sich aus der Verschmelzung einer Ei- und einer Samenzelle ein gesunder kleiner Mensch. Die meisten Fehlgeburten werden durch eine grundlegende Störung bei der Befruchtung oder bei der Einnistung verursacht. Bei Unregelmäßigkeiten im „Bauplan“ (Chromosomenfehler) des Embryos bricht die Entwicklungsarbeit meist kurzerhand ab. Man vermutet, dass etwa die Hälfte aller Frühschwangerschaften unbemerkt endet, weil der Embryo nicht überlebensfähig gewesen wäre. Die Ursachen können ganz unterschiedlicher Natur sein. Bedauerlicherweise bleiben sie häufig auch mit Untersuchung im Dunkeln.

Es gibt mehrere Formen der Fehlbeburten; die Missed Abortion ist eine Form der Fehlgeburt, bei der die Fruchtanlage abgestorben ist, aber nicht spontan aus dem Uterus ausgestoßen wird. Der Abortus completus ist die vollständig abgelaufene Form der Fehlgeburt. Der Abortus incompletus ist eine Form der Fehlgeburt, bei der die Fruchtanlage nicht komplett ausgestoßen wird. Im Prinzip wird bei jeder Form der Aborte eine Ausschabung gemacht.

Je nachdem wie es bei deiner Cousine gewesen ist, war vielleicht auch nicht viel Untersuchungsmaterial zu erkennen. Klinikpersonal geht auch nicht leichtfertig oder pietätslos mit Fehlgeburten um (meine sowohl persönliche als auch berufliche Erfahrung), jedoch machen Menschen manchmal einfach Fehler. Im Krankenhaus wiegen diese allerdings schwerer als bei deinem "Bäcker"-vergleich bei Miesepriem. Nichtsdestotrotz hätte das Krankenhaus gut daran getan, sein Fehlermanagement offensiver zu handhaben und sich bei deiner Cousine entschuldigt.

Zusammengefasst möchte ich dir sagen, dass auch eine histologische Untersuchung nicht zwingend eine Erklärung für die Fehlgeburt geliefert hätte oder der Befund wichtig für folgende Schwangerschaften gewesen wäre. Verlust von "Material" kommt im Krankenhaus vor, aber nicht ständig. Zur rechtlichen Situation kann ich nichts sagen. Jedoch würde ich deiner Cousine raten, nochmal das Gespräch mit der Klinikleitung, Verwaltungsdirektor oder dem Chefarzt zu suchen, allein schon, damit sie mit der Sache abschließen kann.

Alles Gute für dich und deine Familie!


Antwort
von rommy2011, 159

ich kann dir nur sagen, dass ich das sehr traurig finde und ich würde das mal mit der frauenärztin besprechen (wobei denk daran: eine krähe hackt der anderen krähe kein auge aus..)

Antwort
von Arckanum, 130

Ich würde den Fall der Klinikleitung mitteilen. 1. werden die davon informiert und können evtl heraus finden wie es dazu kommen konnte. 2. Kann so etwas in Zukunft vielleicht vermieden werden. Es ist nicht im Sinne einer Klinik das sich so etwas mehrt oder nach außen dringt. Eine pathologische Untersuchung(was ja jetzt wegfällt) ist in so einem Fall sinnvoll und war ja auch vorgesehen. Deiner Cousine hilft es wahrscheinlich im Moment nicht aber ich würde es definitiv nicht unter den Tisch fallen lassen. 

Kommentar von BeStorm21 ,

Danke. Das sind gute Hinweise und eine nachvollziehbare Ansicht. Da muss es ja nur einen Mitarbeiter geben, der häufiger mal etwas verschlampt. Eine Meldung an die Klinikleitung kann hier ja schon Wunder bewirken, sofern die Meldung dann auch ernst genommen wird. Ich werde das versuchen, danke.

Antwort
von eostre, 61

Ist keine harte nuss, wie du es beschreibst. Eventuell war vorher keine pathologische Untersuchung angeordnet oder der fötus bei der ausschabung schon nicht mehr in ihr oder zu wenig Material vorhanden. 

In diesem Stadium gibt es nicht viel zu untersuchen. Ich hatte selbst 2 fehlgeburten in etwa diesem Stadium, dafür findet man selten Gründe.

Antwort
von beman, 63

Hallo BeStorm,

. Meine Frage: Wie schwer wiegt so ein Fall? Passiert das ständig? Oder ist das schon ne harte Nuss? Wie ist das aus rechtlicher Sicht einzuschätzen, wenn ein Klinikum den Fötus einer Mutter verschlampt?

So ein Fall ist normal, es passiert häufiger, es ist keine harte Nuß. Die Klinik hat den Fötus auch nicht verschlampt.

Wie Dir isebise schön erklärt hat, ist bei einer Ausschabung manchmal nicht viel Material zur Verfügung. Es wird auch nicht jedesmal eine Histologie erforderlich. Wenn also der Operateur keine histologische Untersuchung anordnet, wird auch keine in Auftrag gegeben.

Ich denke Du solltest Deine Cousine positiv unterstützen und keine Rachepläne schmieden. Geh zur Tagesordnung über... Je schneller sie den Verlust verarbeiten kann umso besser.

Kommentar von isebise50 ,

Ich gebe dir in allen Punkten absolut recht beman, jedoch habe ich die Informationen in der Frage so verstanden, dass eine fetopathologische Untersuchung klar erwünscht und besprochen wurde (ob nun sinnvoll oder nicht), dann jedoch dies, aus welchen Gründen auch immer, versäumt wurde.

Antwort
von Herb3472, 103

Es gibt doch sicher auch in Deutschland sowas wie einen Patientenanwalt. An den würde ich mich in diesem Fall wenden.

Kommentar von BeStorm21 ,

Das dachte ich auch zuerst. Die Frage ist halt, ist das aus rechtlicher Sicht "überhaupt der Rede wert". Die emotionale Sicht interessiert ja leider nicht, auch wenn es dem Anwalt sicher auch leid tut. Aber du hast Recht, vielleicht sollte ich mal konkret danach suchen und anrufen.

Kommentar von Herb3472 ,

Die Frage ist halt, ist das aus rechtlicher Sicht "überhaupt der Rede wert".

Das denke ich ja doch, dass das "der Rede wert ist"!

Kommentar von BeStorm21 ,

Ok, danke.

Antwort
von Miesepriem, 42

Ich bezweifle, das etwas von dem "Fötus" übergebleiben ist.... eine Fehlgeburt in den ersten Wochen ist häufig. Und mal ehrlich, was will sie denn begraben? ( Hört sich jetzt vielleicht gefühllos an)

Lies mal hier nach:

http://www.mein-sternenkind.de/fehlgeburt/ausschabung/

Kommentar von BeStorm21 ,

Ich weiß, viel mehr als ein emotionaler Abschluss wäre so ein Begräbnis nicht. Was mich persönlich mehr stört (das gilt mehr für mich als für meine Cousine), ist, dass ihr die Möglichkeit genommen wurde über eine pathologische Untersuchung ggfs. mehr über die Gründe des Abbruchs zu erfahren. Mal salopp gesagt, weil ein Mitarbeiter seinen Job nicht ernst nimmt, fehlen ihr jetzt wichtige Informationen für eine möglicherweise spätere Schwangerschaft. 

Das geht halt eigentlich bei so nem Thema gar nicht. Einem Bäcker gehen vielleicht drei Brötchen verloren, wenn er von der Backstube zur Theke läuft. Gut. 3 Brötchen. Aber einem Wärter gehen keine Häftlinge verloren, auf dem Weg zurück in die Zelle. Und einem Mitarbeiter im Krankenhaus doch keine ungeborenen Kinder?!?!

Kommentar von Miesepriem ,

Entschuldige, das "Kind" ist so groß wie eine Weintraube. Ca. 2cm....

Kommentar von Herb3472 ,

das "Kind" ist so groß wie eine Weintraube. Ca. 2cm..

Das lässt natürlich die Angelegenheit in einem anderen Licht erscheinen.

Kommentar von Miesepriem ,

Mal ehrlich, das "Kind" war vermutlich nicht lebensfähig, denn sonst hätte der Körper es nicht "abgestoßen". Oftmals bekommt man zu der Zeit eine starke Periode und merkt nichtmal dass da etwas war. Und bitte, was willst du da von einem Pathologen für Gründe hören? Vorallem was nützt es? Garnichts. Das ist meine Meinung dazu. Sie muss dir ja nicht gefallen.

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