Frage von GAnno22, 71

Klingen Schallplatten besser?

Hallo Leute, ich bin 16 und habe mir vorhin einen Plattenspieler gekauft. Nun hab ich ihn angeschlossen und bin der Meinung, dass dieser besser klingt als eine Digitale Audiodatei. Ist das nur Einbildung oder ist dies wirklich so, dass Vinyl besser klingen kann? Mfg GAnno

Antwort
von dalko, 25

Hallo GAnno22,

Ich versuch dir mal zu erklären, wovon die Klangqualität einer Aufnahme abhängt und wie der klangliche Unterschied zwischen Vinyl und CD bzw. Analog und Digital herrührt.

Vor dem Beginn der digitalen Tontechnik wurden Tonaufnahmen mit hochwertigen Mikrofonen (wie heute auch) auf hochwertige Bandmaschinen mehrspurig aufgenommen. Davon wurde ein Master hergestellt und damit eine Schneidemaschine angesteuert, die mit einem Stichel in einen Rohling die fortlaufende Tonspur geschnitten hat. Davon wurden Pressrohlinge vervielfältigt und die Schallplatte wurde gepresst.

Dieser ganze Weg vom Instrument, schwingende Luft, Mikrofon, magnetische Aufzeichnung, Rückwandlung in eine mechanische Schwingung und Konservierung in Vinyl war über viele Jahre so hervorragen perfektioniert worden, dass auf diesem Weg das Originalsignal fast nicht verändert wurde, es blieb zu annähernd 100% Originalgetreu.

Wenn nun bei der Wiedergabe ebenso kompromisslos zurückgewandelt wurde und keine Verzerrungen hinzugefügt wurden, war das klangliche Ergebnis immer besser als das selbe Stück über CD abgespielt. Außerdem mussten die Schallplatten äußerst pfleglich behandelt werden und es wurde der Nass-Abtaster erfunden, der sogenannte Lenco Clean, der Staub in der Flüssigkeit aufnahm, die Reibung des Abtastdiamanten in der Rille reduzierte und Knistergeräusche waren damit auch verschwunden. Ich taste meine LPs seit mehr als 40 Jahren nass ab und sie klingen heute noch wie neu.

Die Regel war aber, dass die meisten Leute nicht die Kohle hatten, in eine gute Anlage das notwendige Geld zu investieren, und die meisten Bestandteile einer Anlage waren eher minderwertig. Für diese Leute war die CD eine große Verbesserung und sie profitierten von der Einführung der CD.

Besonders wichtig für die mögliche Wiedergabequalität war ein hochwertiger Plattenspieler mit folgenden Merkmalen

  • schwerer Plattenteller, um einen guten Gleichlauf zu erzielen
  • Vibrationsfreier Antrieb, denn jede Vibration würde sich auf das Tonabnehmersystem übertragen
  • hochwertiges Plattenteller-Lager
  • Resonanzarme Tonarmkonstruktion, geringste Lagerreibung, perfekte Skatingkompensation
  • ein Tonabnehmersystem (MM - Moving Magnet oder MC - Moving Coil) mit hoher Nadelnachgiebigkeit, linearem Frequenzgang, optimalem Schliff des Diamanten usw... ich möchte dich nicht langweilen.
  • Ein guter, rauscharmer Entzerrervorverstärker, der die beim Schneidevorgang absichtliche Verzerrung der Amplitude des Signals spiegelbildlich aufhebt. Tiefe Frequenzen wurden in der Amplitude verkleinert, um mehr Information in eine nicht zu breit werdende Rille zu bekommen und um die Auslenkung in der Rille nicht zu groß werden zu lassen. Hohe Frequenzen hingegen wurden hingegen in der Amplitude vergrößert, um leise hohe Frequenzen deutlich über ein immer vorhandenes Rauschniveau zu heben.https://de.wikipedia.org/wiki/Schneidkennliniehttp://www.thel-audioworld.de/module/phono/RIAA.htm

Unterschied zur CD:

Bei der Digitalisierung des analogen Signals wird es etwas über 44.100 mal  pro Sekunde abgetastet und in einen 16-Bit-Zahlenwert gewandelt, indem die gesamte Information über Lautstärke, Frequenz... enthalten ist. Diese AD-Wandlung macht kein 100%iges Abbild des Originals, bei der Rückwandlung im CD-Player in ein Analoges Signal addieren sich wieder sehr feine Abweichungen. Wiedergegeben über eine hochwertige Anlage macht im direkten Vergleich mit einer Vinylkonserve sofort einen Unterschied hörbar, ist die Anlage nicht hochwertig, wird der Unterschied immer kleiner bis hin zu nicht hörbar.

Erst moderne, Jitter-freie AD-Wandler mit viel höheren Sample-Raten (96 kHz oder 192 kHz) und einer größeren Bitbreite (24 Bits oder höher) kommen dem Original sehr nahe und klingen viel besser als das, was auf den alten CDs gespeichert wurde.

ich bin 16

dann dürftest du noch sehr gute Ohren haben, du hörst noch viel feiner und bemerkst Unterschiede, die ein älterer Mensch nicht mehr hört.

Ist das nur Einbildung oder ist dies wirklich so, dass Vinyl besser klingen kann?

Nein ist keine Einbildung, und ja, Vinyl kann besser klingen.

Viel Spaß am neuen Plattenspieler

Grüße, Dalko

Antwort
von RonnyFunk, 9

Es ist so, dass der Klang von Vinyl einem besser gefällt, auch wenn es technisch nicht das bestmögliche darstellt.

Vor der CD gab es ja kein Medium, das den Klang des Masterbands unverfälscht transportieren konnte. Vorbespielte Spulentonbänder mit 19 cm/s gab es kaum, die anderen hatten 9,5 cm/s, setzten sich aber nicht durch.

Einzige Programmquellen waren Schallplatte und Radio, wobei die meiste Musik im Radio auch von Schallplatten war.

Dass die CD öfters als schlechter empfunden wird, liegt am Mastering, am tot komprimieren, manchmal auch daran, dass das Masterband schlecht oder gar nicht erhalten ist und die einzige einigermaßen brauchbare Quelle eine abgenutzte Vinylplatte ist.

Ansonsten gibt es zum Thema auch einige Infos hier:

http://www.hifimuseum.de/test-schallplatten.html

"Seine eigene Frequenzgang-Testplatte von vor 15 Jahren hatte er in zweistelliger Stückzahl pressen lassen und dann festgestellt, daß bei einer Auflagekraft von 2 Pond schon nach dem 5 Male Abspielen die Höhen über 14 kHz deutlich abgenommen haben, daß also der bei der Aufnahme kalibrierte und auch geschnittene Nenn-Pegel um satte 3 dB gegenüber der jungfäulichen Platte geschrumpft ist.

Nach dem 10. Male Abspielen sei sie für Meßzwecke nahezu unbrauchbar (mehr als 6dB Abweichung = meßbarer Pegelverlust). Er macht auf dem jeweiligen Cover jeweils Strichlisten bis maximal "20", dann wird die jeweilige Platte "ausgemustert" (also entsorgt)."

Eben deshalb konnte auch diskrete Quadrophonie mit Platten nicht funktionieren, weil nach wenigen Wiedergaben die codierten 2 zusätzlichen Kanäle rausgefräst waren und die SQ Quadrophonie litt daran, dass die Tonqualität der Schallplatte dafür nicht gut genug war und Parameter, die beim normalen Stereohören ausreichten, in diesem Falle das korrekte Funktionieren des Verfahrens verhinderten.

Hier noch zwei interessante Artikel:

http://www.hifimuseum.de/schallplatten-und-ebay.html

http://www.hifimuseum.de/schallplattentechnik-1978.html

Antwort
von Thorsten667, 15

Im Prinzip hat dalko schonmal eine schöne technische Antwort gegeben.

Auf das Hauptproblem ist diese Antwort allerdings nicht eingegangen.

Dieses ist das Totkomprimieren des Audiomaterials im finalen Mastering der CD Produktion - auch Loudness War genannt.

Seit Mitte der 90er Jahre begannen die Label zu glauben, daß ihre Musik sich am Markt besser durchsetzt wenn sie lauter ist. Es begann eine stärkere Komprimierung im Mastering. Die Grundlautstärke wurde immer weiter angehoben - noch nicht so sehr übertrieben klang das für nicht audiophile Ohren durchaus erstmal lauter und wuchtiger.

Leider wurde das immer weiter auf die Spitze getrieben - und heute wird man von der "Wall of Sound" erschlagen - findet aber keinerlei Dynamik und Headroom mehr in der so bearbeiteten Musik.

Und genaugenommen darf man auch gar nicht mehr von CDs sprechen. Da sich seit geraumer Zeit nicht mehr an die in den "Books" festgelegten Parametern der Compact Disc gehalten wird welche bei ihrer Erfindung festgelegt wurden.

Das Emblem "Compact Disc" ist nicht etwa nicht mehr auf den Scheiben aufgedruckt weil es altmodisch wäre - nee - da hat mal jemand geklagt, daß CDs ja gar keine CDs mehr sind und natürlich Recht bekommen.

Wir sprechen, wenn wir heute von CDs reden, also eigentlich nur noch über Silberscheiben.

Kommen wir nun zum Punkt: In der Vinylherstellung ist eine derart hohe Komprimierung produktionstechnisch nicht möglich. Es gibt also für die Schallplatte ein extra Mastering welches viel milder ist als das der Silberscheiben.

Und genau DAS macht heute den Unterschied und viele Audiophile gehen DESHALB zurück zur Schallplatte - weil im Vergleich eine Platte heutzutage mehr Leben hat.

Ich kann jedem nur mal empfehlen sich diverse YouTube Videos zum Thema "Loudness War" anzuschauen.

LG Thorsten

Antwort
von Lazarius, 26

Die Schallplatte kann erst mal gar nicht klingen. Es kommt immer auf die Anlage mit ihren Lautsprechern an, was am Ende als Klang heraus kommt.

Eine CD klinkt technisch sauber und hat keine Störgeräusche wie Knacksen und Rauschen. Eine Schallplatte hat aber einen wesentlich wärmeren Klang.

Eine qualitativ gute Schallplatte mit einer teueren Anlage abgespielt, kann besser klingen wie eine CD.

Antwort
von Coffeman444, 43

Naja ich selbst habe 2 Schallplattenspieler im Haus und ich denke das sich die Musik durch den Plattenspieler irgendwie realer anhört, kommt davon das der Schalltrichter beim Plattenspieler den Effekt bereitet.

Also.. ja ich bevorzuge es schon bestimmte Lieder über die Platte zu hören :)

LG

Antwort
von healey, 5

Mir hat hier mal jemand geschrieben das digitale Musik irgendwie steril Klingt. Ja, mit Vinyl bisste besser dran !

Antwort
von yoda987, 48

Ja, sie klingen besser, das liegt u.a. an dem gerät selber und an der Größe der Schalplatte

Kommentar von Coffeman444 ,

Wie kann die größer der Schallplatte den Musikklang beeinflussen?...

Kommentar von yoda987 ,

Ich glaube es ist für die Qualität besser, da sich die Platte langsamer dreht als ne Cd

Kommentar von dalko ,

überhaupt nicht, diese Antwort ist purer Unsinn.

Kommentar von yoda987 ,

Nein nicht ganz

Kommentar von RonnyFunk ,

Die durchschnittliche Durchlaufgeschwindigkeit der Nadel durch die Rille ist größer, wenn die Platte größer ist. Deswegen hat eine große Platte bei den ersten Stücken einen besseren Klang.

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