Frage von anja04329, 204

Kleingewerbe und Festanstellung, Nachzahlung schon bei 2000€?

Hallo zusammen,

kurz zur Situation: Ich bin voll Berufstätig und habe seit Mitte 2015 noch zusätzlich ein Kleingewerbe angemeldet als Fotograf. Nun wollte ich eben meine Steuererklärung für 2015 machen und bin fast vom Hocker gefallen :-( Das Kleingewerbe hat in dem halben Jahr ca. Einnhamen von 2000€ gebracht, welche ich als solche aufgelistet habe, neben meiner normal Lohnsteuererklärung, als Einnhame aus selbstständiger Tätigkeit. Nun soll ich aber laut der Rechnung tatsächlich nachzehlen ans FA. Aber warum erklärt sich mir nicht, ich war der Meinung wenn das zusätzliche Einkommen 1700€ im Jahr nicht übersteigt darf ich den Gewinn 1:1 einbehalten. Wo ist denn mein Fehler im Denken? Ohne das Kleinunternehmen hätte ich fast 700€ zurück bekommen, wie jedes Jahr.

Besten Dank und Lg

Antwort
von NickgF, 109

Aber warum erklärt sich mir nicht, ich war der Meinung wenn das
zusätzliche Einkommen 1700€ im Jahr nicht übersteigt darf ich den Gewinn
1:1 einbehalten. Wo ist denn mein Fehler im Denken?

Im Denken weniger, mehr im Wissen...

Es gibt für Arbn mit Zusatzeinkünften tatsächlich eine Freigrenze. Sie liegt aber nicht bei 1.700 € (wo hast du die nur her?) sondern bei nur 410 €/Jahr. Betragen die Nebeneinkünte 411-820 €, erfolgt die volle Besteuerung nicht schlagartig sondern stufenweise durch eine Härteausgleichs-Regelung [§§ 46 Abs. 5 EStG, § 70 EStDV].

http://www.steuernsparen.de/steuerwiki/index.php/H%C3%A4rteausgleich
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Einnahmen von 2000€ gebracht

Dass du davon noch deine betrieblichen Kosten (=Betriebsausgaben) abziehen darfst, dürfte dir bekannt sein, bspw. Aufwendungen für Kamera/Zubehör, Speicherkarten, Compi/Drucker/Fotopapier, Fahrtkosten, Telefon uvm.

Antwort
von siola55, 129

Aber warum erklärt sich mir nicht, ich war der Meinung wenn das zusätzliche Einkommen 1700€ im Jahr nicht übersteigt darf ich den Gewinn 1:1 einbehalten. Wo ist denn mein Fehler im Denken?

Dein Fehler liegt in der "Kleinunternehmer-Regelung", welche du total falsch verstanden hast:

  1. Beträgt die Grenze nicht 1.750 € sondern 17.500 € im Jahr Umsatz und
  2. betrifft dies nicht die Einkommensteuer sondern, nur die Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer-Regelung!


Natürlich mußt du deine Gewerbeeinnahmen bzw. den Gewinn voll versteuern!

Gruß siola55

Kommentar von siola55 ,

Wer ein Gewerbe oder Freiberuf angemeldet hat,
ist zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet
.

Aus dem Gewerbe ergibt sich ein Gewinn bzw. ein Verlust.
Im einfachsten Fall wird diese eine Zahl in die erste
Zeile der Anlage G (bei Gewerbe) oder Anlage S (bei freiberuflichen Tätigkeiten) zur Einkommensteuererklärung eingetragen.
Bei komplizierteren Fällen sollte man das FA oder einen Steuerberater befragen.

Gewinn führt zu höheren Steuern im Steuerbescheid.
Die bisherigen geliebten Steuerrückzahlungen werden geringer oder
es kann eine Steuernachzahlung entstehen.
Verlust senkt die Steuern, es kann eine Steuerrückzahlung entstehen.

Dringende Empfehlung:

Ich sollte mir unbedingt von meinem Gewinn das Geld,
das später für die Einkommensteuer gebraucht wird,
(z. B. auf einem Extrakonto) zurücklegen,
um später nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten!

Antwort
von Bakaroo1976, 117

Haben Sie denn bei den Einnahmen tatsächlich nur die eingenommene Summe angegeben oder auch Ihre Ausgaben abgezogen?

Versteuert werden nämlich nicht die Einnahmen, sondern die Einkünfte. Vereinfacht: Einnahmen - Ausgaben = Einkünfte.

Möglicherweise können Sie im Rahmen eines Einspruchs gegen Ihren Steuerbescheid den Nachzahlungsbetrag reduzieren.

Kommentar von siola55 ,

Versteuert werden nämlich nicht die Einnahmen, sondern die Einkünfte. Vereinfacht: Einnahmen - Ausgaben = Einkünfte.

Der Gewinn muß versteuert werden - es gibt ja auch noch beim Gewerbe die jährl. Abschreibungen usw. welche steuerlich geltend gemacht werden können...

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Deshalb schrieb ich "Vereinfacht:". Sonst hätte ich ja gleich die steuerrechtlichen Arten der Gewinnermittlung in Ihrer erquicklichen Länge erklären können.

Aber auf Klugsch... kann ich auch machen:

Auszug:

§ 2 EStG

Der Einkommensteuer unterliegen(...)

2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb, (...)
Kommentar von siola55 ,

anja04329 muß trotzdem den Gewinn in der Anlage G bei ihrer Einkommensteuererkärung angeben und nicht die Einkünfte...

Antwort
von siola55, 127

Hi anja04329,

da hast du leider was mißverstanden! Es gibt kein "Kleingewerbe" im deutschen Steuerrecht: Du meinst wohl das Gewerbe im Nebenverdienst, da du ja voll berufstätig bist!?!

Diese "Kleinunternehmer-Regelung" wie du sie meinst, betrifft nur die Regelung mit der Umsatzsteuer/Mehrwersteuer usw. (den Link hierzu siehe im Kommentar)

Natürlich mußt du deine Gewerbeeinnahmen versteuern, und zwar nicht nur mit deinem Durchschnitts-Steuersatz, sondern immer mit dem höheren Grenzsteuersatz, welcher natürlich wesentlich höher ist!

Gruß siola55

Kommentar von siola55 ,

Hier der Link von klicktipps.de unter dem Punkt Eigenes Gewerbe gründen :

www.klicktipps.de/gewerbe-faq.php#kleinunternehmer_sinnvoll

Kommentar von siola55 ,

Hier noch der Link zum Einkommensteuergesetz:

www.gesetze-im-internet.de/estg/__15.html

Antwort
von grubenschmalz, 101

Ist auch korrekt, weil alles zusammen mit deinem normalen Einkommen in einen Topf geworfen wird.

Antwort
von MenschMitPlan, 116

ich war der Meinung wenn das zusätzliche Einkommen 1700€ im Jahr nicht übersteigt darf ich den Gewinn 1:1 einbehalten.

Woher kommt diese Meinung? Wenn du eh schon (Lohn-)steuer zahlst, wirkt sich jeder weitere Gewinn auch steuerlich aus.

Antwort
von MarieAdler, 113

Hast du Kleingewerbe oder nebenGewerbe angekreuzt bei der Gründung?

Kommentar von MenschMitPlan ,

Welche Rolle spielt das?

Kommentar von siola55 ,

Es gibt kein "Kleingewerbe", sondern nur eine Kleinunternehmer-Regelung  die Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer betreffend!

Jedes Gewerbe muß versteuert werden...

Kommentar von MarieAdler ,

ja aber man muss auch ankreuzen ob es haupt oder nur Nebenverdienst ist! hatte selber bereits welche deswegen kenne ich die anträge

Kommentar von wurzlsepp668 ,

auf die Steuer hat das Neben oder Hauptgewerbe KEINE Auswirkung ....

Kommentar von siola55 ,

... ja liebe MarieAdler, da hast du Recht, aber in der Einkommensteuererklärung spielt dies keine Rolle - versteuert werden muß ab dem 1. € - egal ob das Gewerbe im Haupt- oder Nebenverdienst ausgeübt wird!

Kommentar von MarieAdler ,

scheinbar ja doch sonst hättest das Problem ja jetzt nicht!

Kommentar von wurzlsepp668 ,

marie: ich bin im steuerlichen Bereich tätig und kann Dir versichern, für die Steuererklärung ist es schnurzpips egal, ob Haupt- oder Nebengewerbe ....

die Gründe für die Nachzahlung kann hier niemand seriös beantworten, da hierzu noch einiges an Infos fehlen ...

Kommentar von MarieAdler ,

wen du doch eh alles weist wozu fragst du dann?

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich hab doch nicht gefragt ......

und ich würde nie im Leben behaupten bzw. sagen, dass ich alles weis ...

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