Frage von Kleinge, 87

Klein-/Nebengewerbe als allgemeiner Assistenz?

In den letzten Tagen kam mir die Idee, ein Kleingewerbe bzw Nebengewerbe zu gründen als "Allrounder/Assistenz für alltägliches" (keine Ahnung wie das heißt was ich vorhabe) Dabei geht es darum, dass ich Hilfe anbiete in alltäglichen Dingen wie im Haushalt (Putzen, Einkaufen, Kochen... va für Senioren), Person A nach B fahren, Dolmetschen bis hin zur Nachhilfe. Das ganze soll klein anfangen mit höchsten 1 oder 2 angestellten Freunden. Ist sowas generell möglich oder muss man sich beim Neben-/Kleingewerbe auf eine Sache "spezialisieren"? Das ganze würde neben dem Studium laufen und wie gesagt ganz klein anfangen, ohne dass ich mir am Anfang das große Geld dadurch erhoffe. Da ich 0 Ahnung von der Materie habe, würde ich mich auf Antworten von Leuten freuen, die Plan davon haben.

Danke schonmal!

Antwort
von Griesuh, 16

Es gibt KEIN Kleingewerbe. Es gibt ein Gewerbe, in deinem Fall Dienstleistungen. Das meldest du beim örtl. Gewerbeamt an.

Du bekommst dann vom FA einen Fragebogen, dort kannst du beantragen, ob du die Kleinunternehmerreglung nach § 19 UstG anwenden willst oder nicht.

Du bist dadurch lediglich von der Umsatssteuer ( Mehrwertsteuer, bis zu einem Jahresbruttoumsatz von bis zu 17.500€ von der Umsatzsteuer

freigestellt. Mehr nicht.

Alle andern Steuerarten und Abgaben bleiben davon unberührt.

Das wird aber dein geringstes Problem sein.

Weiter benötigst du eine Betriebsnummer, gibt es beim Arbeitgerservice der Arge, du benötigst Beriebsrechtschutz und Betriebshaftpflichtversicherungen. Benötigst evtl. eigene Dienstfahrzeuge. Und da du die Hilfebedürftigen gewerblich mit einem PKW von A nach B befördern willst, benötigst du auch noch einen Personenbeförderungsschein.

Aber deine Probleme gehen weiter:

Da du von keiner Pflege  - und Krankenkasse eine Zulassung erhalten wirst um deine Leistungen mit den Kassen abrechnen zu können, könntest du nur privat mit denen Kunden abrechnen.

Und da gehen die Probleme weiter:

Dein Stundensatz müsste mindst. 25-30€ betragen, denn du musst mit diesem Geld deine kompl. Betriebskosten abdecken, musst deine eigene Steuer und deine eigenen Sozialabgaben tragen.

Mit weniger als diesen 25€/h kommst du nicht weit.

Deine " Angestelten" könntest du ersteinmal auf 450€ Basis beschäftigen. Diese musst du dann bei der Knappschaft anmelden.

In der Pflege gilt der Mindst. Lohn von derzeit 9,75€.

Nun gehen deine Probleme weiter:

Wer als Rentner kann sich erlauben 25-30€ die Stunde zu bezahlen um Hilfe im Haushalt oder für haushaltsnahe Leistungen oder Fahrdienste auf zu bringen?

Und warum sollten Hilfebedürftige Menschen, die eine Pflegestufe haben die Leistungen bei dir privat bezahlen, wenn zugelassene Pflegeeinrichtungen, diese Leistungen über die Kombileistung der Pflegestufe und die zusätzlichen Entlastungsleistungen direkt mit der Pflegekasse abrechnen können und der Hilfebedürftige dadurch nur geringe private Zuzahlungen hat.?

Mein Rat: besuche unbedingt einen Kurs für Existenzgründer, damit du zumindest die wichtigsten Grundlagen, steuerlicherliche Belange, Vorgaben und Gesetze zur Selbstständigkeit kennenlernst.

Meine Meinung dazu: ohne deine Idee schmälern zu wollen ----

es wird in die Hose gehen, da du kaum oder keine Aufträge auf dieser Basis erhalten wirst.

Kommentar von Kleinge ,

Danke für die ausführliche Antwort!

Antwort
von Messkreisfehler, 75

Zunächst mal solltest Du ein Existenzgründungsseminar bei der IHK besuchen...

Ein Gewerbe bei dem Du direkt Personal einstellen willst ist auch alles andere als "klein anfangen", dir ist schon klar, dass Du deine Freunde dann auch anmelden musst, Sozialabgaben zahlen musst, usw?

Bevor Du Leute einstellst solltest Du erst mal so viele Aufträge haben, dass Du es alleine nicht mehr schaffst diese zu erledigen.

Antwort
von chanfan, 69

1. Das nennt sich Service & Dienstleistung.

2. Das mit den Angestellten kannst du höchstwahrscheinlich vergessen. Die müssen mindestens bei der Knappschaft angemeldet werden. (ca. 20 bis 25% von dem was du zahlen willst. Allerdings weiß ich jetzt nicht wie es nach der Einführung des Mindestlohn ist.)

Kommentar von wurzlsepp668 ,

die Knappschaft hat doch bezüglich des Mindeslohnes nix zu tun ....

bytheway: die Abgaben an die Mini-Job-Zentrale betragen 30% zuzüglich der Umlage 1 und Umlage 2 und einmalig im Jahr die Berufsgenossenschaft

Kommentar von chanfan ,

das bezog sich auch mehr auf "das was du zahlen willst". Und davon bekommt anteilsmäßig die Knappschaft einen Beitrag.

Ob der Satz also "das was du zahlen willst" nach dem Mindestlohn noch gültig ist, weiß ich nicht. Wenn der Mindestlohn bei 8,50€ liegt, dann ist nichts mehr mit 5€. (So meinte ich das.)

Nachfrage: Was ist jetzt noch Umlage 1 und 2?

Meine letzten Erfahrungen mit der Knappschaft liegen jetzt gute 7 bis 8 Jahre zurück.

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