gioia am 07.10.2007 um 22:05 Uhr
Hab vor kurzem mal wieder "Romeo und Julia" gesehen und (nur ein Beispiel), das Fest der Capulets bei dem beide sich erstmals begegnen, wurde allein dargestellt mittels einer Polonaise und die 30 Statitsten hopsten und sangen mind.5 Minuten lang die "Polonaise Blankenese". Verfälschen moderne Regieanweisungen und Aufführungen den Charakter des Stücks oder ist es einfach eine andere Art der Darstellung? Wie denkt ihr?

Ich halte die "modernen" Inszenierungen für eine Verirrung, für Selbstdarstellung von oft egozentrischen Regisseuren und für völlig verfehlt. Aber ich verstehe auch viel Kunstwerke auf der Dokumenta nicht. Vielleicht bin ich einfach ein ewig Gestriger? Dann bin ich es gern.

Natürlich sind die klassischen Stücke tausendmal besser. Man muss schon arg als Regisseur aufpassen, wenn man klassische Stücke auf moderne Art aufführt. Kann schnell sehr albern wirken. Ich habe aber mal als Beispiel "sämtliche Werke Shakespears" gesehen, und das widerum war wirklich klasse.

Da gab es vor einem knappe Jahr mal ein Spiegel-Feature darüber, in dem ein zeitgenössischer Autor Aufführungen quer durch die Republik besuchte. Er kam zum Resümee, dass jeder Regisseur, der etwas auf sich hält, heutzutage seine Darsteller wenigstens einmal unbegründet nackt über die Bühne laufen lässt und, wenn es nur irgendwie geht, ihn auch davor / dabei / danach in die Ecke pinkeln lässt.
Ich selbst haben einmal Othello gesehen, da wurde Desdemona nackt quer über die Bühne gejagt und Jago trat mit Schwimmflügelchen auf.
In der gesamten Bizarrheit fand ich den Abend damals unglaublich komisch, ich bin mir nur heute nicht mehr sicher, ob das eigentlich intendiert war.
Auch die Fledermaus habe ich schon einmal gesehen, in die Nazizeit versetzt. Beschwingte Melodien in SS-Kostümen. Ich habe es bis heute nicht verstanden, warum.
Insgesamt kann ich mir sehr gut experimentelle Bühnen vorstellen, an denen so experimentiert wird, kann aber unmöglich verstehen, warum jedes lokale Staatstheater so einen Bockmist braucht.

Solange "fortschrittliche Regisseure" mit öffentlicheln Mitteln unterstützt werden, wird immer wieder so ein Bockmist verzapft. Wie Wolfgang F. richtig bemerkte (s.o.): Sollen die doch selber mal ein Stück schreiben! Nee, dazu sind die zu dumm, außerdem wollen die wahrscheinlich das Publikum vera....en! War früher oft in Vorstellungen klassischer Stücke, insbesondere Opern. Solch eine Verhohnepiepelung tue ich mir nicht an.
Na, dann fühl ich mich jetzt ein bisschen weniger allein mit meiner (angeblich) antiquierten Meinung. ;-)
Lass Dir nichts einreden. Diejenigen, die die alten Meisterwerke verfälschen, sind genau die, denen selbst nichts eigenes einfällt. Sollen Sie doch selbst mal ein Stück schreiben, statt immer nur die Stücke Anderer kaputt zu machen. Vielleicht geschieht es ja auch aus Neid auf die Schriftsteller, denen selbst etwas eingefallen ist... der Gedanke kommt mir gerade ...