Frage von fabimu, 50

Klassische oder akustische Gitarre?

Hi, ich spiele seit zehn Jahren klassische Gitarre damit aber gemischte Stücke also von Klassik bis zu Popsongs mit Akkorden. Nun habe ich mir eine relativ teure akustische Gitarre für ca 800€ gekauft, da ich mir so eine holen wollte. Nun merke ich aber langsam, dass sich die Stahlsaiten nicht so gut anfühlen wie Nylonsaiten und obwohl ich extra Stahlseidesaiten gekauft habe die ersten beiden Saiten (die nur aus Stahl bestehen) vom Klang her viel zu schrill finde und ich den meiner alten Gitarre präferiere. Meine alte Gitarre hat aber "nur" 320 € gekostet und ist auch vom ganzen Klangbild her der akustischen unterlegen (bis auf die beiden ersten Saiten). Außerdem habe ich gemerkt dass schnelle Stücke zum Problem werden könnten, zumindest die die ich bisher gelernt habe. Nun bin ich ernsthaft am überlegen die Gitarre zurückzugeben und mir eine klassische Gitarre in dem Preissegment zu kaufen. Was ich aber bisher so gelesen habe benutzt eigentlich jeder eine Stahlsaitengitarre um moderne Songs zu spielen und dies war auch einer meiner Kaufgründe. Eigentlich fand ich dass Popsongs nie schlecht auf der klassischen Gitarre geklungen haben aber dachte dass sie dort besser klingen. Da ich die klassische aber besser finde, sollte ich mir so eine holen und denkt ihr ich kann auf dieser auch ganz normal alle Genres spielen oder ist dafür meine akustische einfach besser ?

Danke für Antwort

Antwort
von oetschai, 16

Abgesehen davon, dass auch deine "klassische" Gitarre eine akustische - also UNverstärkt - ist... ich gehe mal davon aus, dass du dir eine sogen. "Westerngitarre" gekauft hast, mit der du jetzt nicht wirklich zurande kommst, weil du einfach das Spiel auf der klassischen gewohnt bist.

Selbstverständlich lassen sich so ziemlich alle Genres - mittlerweile beginne ich eine ziemliche Abneigung gegen diesen Begriff zu entwickeln. Musik in bestimmte Schubladen zu stecken ist zwar irgendwie typisch für den "westlich" denkenden Menschen, aber (so empfinde ich jedenfalls) dem Wesen von Musik eigentlich nicht entsprechend - mit klassischer Gitarre interpretieren.

Wenn du dir dann doch die "bessere" Klassische zulegst, dann würde ich dir empfehlen, deine "alte" klassische mal mit Saiten von Philppe Bosset z. B die "Prestige" zu bestücken - die haben eine höheren Diskantanteil und klingen damit so irgendwie zwischen Nylon und Stahl. Lass dich überraschen...

Sind übrigens auch nicht teurer als "herkömmliche" Marken; ein Versuch lohnt sich also allemal. Und: nein, ich krieg keine Provision... ;-)

Antwort
von hoermirzu, 13

In der Entwicklungsgeschichte von Gitarren, auch von Klavieren, kommt man immer zum Punkt, wo die Instrumente für ein größeres Auditorium zu leise wurden und man sich deswegen an der Konstruktion zu schaffen machte. So hat man versucht Gitarren erst durch das lautere Banjo, dann Stahlsaiten, ..., Spinett über einige Zwischenkonstruktionen bis zu den heute bekannten Konzertflügeln von Bösendorfer, Steinway, Yamaha, ..., umzubauen.

Stahlsaiten sind auch unbedingt notwendig, für die Abnahme mit Magnettonabnehmern; Piezzos klangen in ihren "Kindertagen" sehr bescheiden.

Selbstverständlich hat sich mit der höheren Lautstärke, anderer Anschlagtechnik, Rahmen, Resonanzkörper, ..., auch der Klang verändert.

Ein lieber Freund aus Kindertagen, ist nach "Ausflügen" mit Stahlsaitengitarren wieder zu einer Konzertgitarre von Larivee zurückgekehrt. 

Expertenantwort
von Mediachaos, Community-Experte für Gitarre & Musik, 18

1) Begriffsbestimmung: Klassische oder Konzertgitarren sowie Westerngitarren sind beides akustische Gitarren. 

2) Der Klang einer Western hängt von vielen Faktoren ab. Korpusform und -größe, (Decken-)Holz (Zeder klingt z.B. meist etwas weicher/wärmer als Fichte), natürlich von den Saiten und auch sehr stark von Deiner Spieltechnik.

3) Ich vermute, es macht Sinn, mal andere Saiten auszutesten. Allerdings stimmt es, das der Klangunterschied zwischen verschieden Typen und Marken bei den beiden hohen Saiten  nicht so gravierend ausfällt. 

4) Es kann sogar sein, dass die Silk+Steel Saiten den Eindruck noch verstärken, da die umsponnenen Saiten recht weich klingen, die nicht umsponnenen im Gegensatz dazu aber vielleicht noch heller wahrgenommen werden. 

5) Auf jeden Fall wäre es vermutlich hilfreich, dass Du an Deiner Spieltechnik arbeitest, denn der Anschlag kann einen großen Unterschied machen. Workshops bei guten Profis können hier sehr viel weiter helfen. 

6) Lass' Dir Deine Gitarre mal von einem, der es kann, vorspielen, begib Dich in die Position des Publikums. Der Klangeindruck könnte für das Publikum ein ganz anderer sein als für Dich als Spieler. 

7) Geschwindigkeit kommt mit der Zeit, eine korrekte Technik und gute Einstellung der Gitarre vorausgesetzt. Deshalb die Gitarre zu wechseln, macht wenig Sinn. 

8) Letztlich bist Du es, der sich entscheiden muss. Allerdings funktionieren manche Stücke tatsächlich auf Stahlseiten besser oder vielleicht sogar auf Nylonsaiten gar nicht. Stücke in alternativen Stimmungen (DADGAD) könnten schwieriger werden, Stücke, die auf ein längeres Sustain aufbauen etc...., Slides, Bendings (z.B. im Blues) finde ich auf Nylonsaiten schwieriger und klanglich unbefriedigend etc...

Kommentar von Mediachaos ,

zu 8) natürlich Stalsaiten.

Kommentar von hoermirzu ,

An Stallseiten sollte man Bruthilfen für Schwalben anbringen!

Auch Musiker dürfen tierlieb sein; was macht Dein (Gibson) Kater?

Kommentar von Mediachaos ,

Au weia. Ein Flüchtigkeitsfehler jagt den nächsten... Anyway: Hab' keine Gibson, aber  Taylor und Breedlove. Beiden geht es gut, nur spiele ich momentan zu wenig. 
Im Februar Workshop mit Dave Goodman. Freu' mich schon. http://www.awo-bb-tue.de/images/0217_davegoodman.pdf

Antwort
von Willy1729, 21

Hallo,

auf Stahlsaiten wird meist mit einem Plektrum gespielt, was eine völlig andere Technik als das klassische Gitarrenspiel ist. Klassische Gitarrentechnik und Stahlsaiten passen nicht gut zusammen.

Entweder lernst Du also das Spiel mit einem Plektrum oder Du tauschst die Gitarre um.

Herzliche Grüße,

Willy

Kommentar von fabimu ,

Eigentlich gibt es doch ziemlich viele Gitarristen, die Fingerstyle auf Stalsaiten spielen siehe z.B. Andy McKee ?

Kommentar von Willy1729 ,

Die sind das auch gewohnt und haben lange dafür geübt. Ich spiele selbst klassische Gitarre. Wollte ich auf Stahlsaiten umsteigen, müßte ich von vorn anfangen und mir eine völlig andere Technik aneignen.

Kommentar von Mediachaos ,

Ja, und? Das bedeutet aber nicht, das man eine Westerngitarre unbedingt mit dem Plektrum spielen MUSS. 

Kommentar von Mediachaos ,

Komplett falsch. Nur ein paar wenige Namen, die Du Dir vielleicht mal auf YouTube anschauen könntest: Peter Finger, Jacques Stotzem, Ulrich Uhland Warnecke, Tony McManus, der bereits genannte Andy McKee, Tommy Emmanuel etc......

Antwort
von ElBarto90, 16

Vielleicht einfach andere Saiten, Nylon zum Beispiel

Kommentar von Mediachaos ,

Aber nicht auf einer Westerngitarre. Das funktioniert klanglich gar nicht. 

Kommentar von ElBarto90 ,

ok, kann ja sein. aber es wird doch wohl auch für eine Western Gitarre weichere Saiten geben

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