Frage von KSchnecke, 87

KKomplettes Gehalt nicht bekommen?

Ich bin in einem Arbeitsverhältnis (aber noch in der Probezeit) und war wegen zwei verschiedenen Erkrankungen krankgeschrieben (ca. 2,5 Wochen) und nun 1 Woche Urlaub (was auf dem Dienstplan eingetragen ist, wegen Umzug) mir wurde aber von meinem Gehalt noch nicht mal die Hälfte überwiesen (nur 500euro - sonst waren es ca. 1200euro) - dürfen die es so einfach machen

Als ich mich krank gemeldet habe meinte sie zu mir es herrscht Notstand und ob ich mir es nicht noch mal durch den Kopf gehen lassen könnte ob ich die erste Woche komplett krankgeschrieben sein muss. Und mein Freund hatte die Folge AU zu denen gebracht und da waren die nicht begeistert - aber hatte schlechte Laborwerte und musste ein Antibiotikum einnehmen

Das Gehalt bzw der Anteil kam auch 5 Tage später sonst kam es immer zum 15 des Monats

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Antwort
von Unsinkable2, 29

dürfen die es so einfach machen

Nein, dürfen sie nicht. Sie schulden dir das volle Gehalt.

Das Gehalt bzw der Anteil kam auch 5 Tage später

Das dürfen sie, wenn besondere Umstände vorliegen. Du müsstest beweisen, dass diese nicht vorgelegen haben. (Und das wird dir schwer fallen.)

aber hatte schlechte Laborwerte und musste ein Antibiotikum einnehmen

Du konntest wegen der Einnahme eines Antibiotikums nicht arbeiten?

Als ich mich krank gemeldet habe meinte sie zu mir es herrscht Notstand und ob ich mir es nicht noch mal durch den Kopf gehen lassen könnte

Richte dich schon mal darauf ein, dass du dir spätestens nach der Probezeit einen neuen Job suchen musst. Und - mein Tipp - lass dir KEIN ARBEITSZEUGNIS geben, denn das dürfte verheerend ausfallen.

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Grundsätzlich gilt zwar, dass es kein Job dieser Welt wert ist, seine Gesundheit zu ruinieren; aber das ist längst nicht bei jedem Arbeitgeber angekommen.

Und ausgerechnet in der Probezeit gleich so massiv draufzuhauen - erst krank, dann den Urlaub einfordern; obwohl die Firma auf dem Zahnfleisch kriecht - wird alles andere als gute Stimmung unter Kollegen und Vorgesetzten erzeugen. 

Du hast ihnen also schon mal ein halbes Dutzend gute Kündigungsgründe frei Haus geliefert...

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Weiß auch garnicht was ich so genau machen soll

Der harte Weg:

Da es sowieso schon verkackt ist und du diesen Job wohl nicht behalten wirst, kannst du auch ganz draufhauen. 

Setze den Arbeitgeber in Verzug. Teile ihm schriftlich mit, dass du bis zum ... (Datum einsetzen) ... die Restzahlung des Lohns in Höhe von ... (Restzahlungssumme) ... erwartest. Anderenfalls wirst du rechtliche Schritte gehen.

Wenn du richtig garstig sein willst, weise ihn im Schreiben noch darauf hin, dass er damit auch mit Sozialabgaben und Steuern in Verzug ist und du dich dementsprechend genötigt siehst, im Falle weiteren Verzugs Anzeige zu erstatten.

Der softe Weg:

kann ich zum Arbeitsamt und sagen hier das ist passiert

Können kannst du durchaus. Insbesondere, wenn dir der Job durch das Amt vermittelt wurde, wäre es durchaus auch angebracht.

und würden die dann mir Alg 1 zahlen oder werde ich da gesperrt?

Weder noch. Die Firma ist in Verzug. Und der ist noch nicht einmal besonders groß. Insofern ist es zunächst einmal deine eigene Sache, dich darum zu kümmern.

ALG bekommst du nicht. Du kannst aber ein Darlehen (etwa in Höhe von ALG 2) beantragen, das du später zurückzahlst, wenn du deinen Restlohn bekommen hast. (SGB X, § 115)

Und wenn du auf das Darlehen abstellst: Geh schnell hin! Die berechnen das Darlehen meist nicht rückwirkend.

Kommentar von KSchnecke ,

Bin aber seit 2011 nicht mehr beim Arbeitsamt gewesen 

3 Jahre Ausbildung

1 Jahr dort gearbeitet wo ich gelernt habe und dann eben wo anders befristete Stellen gehabt 

Und hatte mich selber beworben und war nicht beim Amt

Kommentar von KSchnecke ,

Zudem war es eine eitrige Angina die auf den Herzmuskel gegangen ist und da ich bereits was am Herzen habe - geht für mich mein Leben und meine Gesundheit immer vor

Kommentar von KSchnecke ,

Wenn ich aber meinen Anspruch rechtens mache und mein Freund( durch den Umzug haben wir noch Rücklagen), also ich könnte sogar die drei Monate für eine Sperrung über die Runden kommen und habe ja über 365 Tage gearbeitet dann würde mir doch Alg 1 zustehen nach der sperrung 

Kommentar von Unsinkable2 ,

"Gesperrt" wirst du nur, wenn Eigenverschulden vorliegt. Ob und inwieweit das der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Das hängt von der Einlassung des Arbeitgebers und deinen Möglichkeiten/Fähigkeiten, das ggf. zu widerlegen, ab.

Objektiv sind "Krankheit" und "Urlaub" kein "Eigenverschulden"; auch, wenn deine Einstellung es dir auch zukünftig wohl nicht sonderlich leicht machen wird. Aber, wie gesagt, das hängt letztlich von den Einlassungen (und vom Sachbearbeiter im Amt) ab.

Und zum Amt kannst du JEDERZEIT gehen. Ganz egal, wann du zum letzten Mal da warst; und ob die Stelle vom Amt vermittelt wurde oder nicht.

Entscheidend ist aber, dass dir offensichtlich noch nicht gekündigt wurde. Insofern bist du noch bei der Firma angestellt. Das Amt kann dich also nur unterstützen (etwa mit einem Darlehen und/oder der Vermittlung neuer Stellen) und beraten.

Wenn du also jetzt selbst kündigst, dann IST das "Eigenverschulden" und die Sperre setzt ein...

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeit, 22

Vermutlich hast du noch keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung, leider hast du in deiner Frage nicht angegeben, seit wann du dort im Arbeitsverhältnis stehst.

Nach § 3 Abs.:3 Entgeltfortzahlungsgesetz entsteht der Anspruch auf Entgeltzahlung durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit erst nach vier Wochen ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses.

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Gerade habe ich deinen Kommentar gelesen , nachdem du dort seit Februar beschäftigt bist.

Dann gilt alles,was ich bisher geschrieben habe nicht.Du kannst die Restzahlung schriftlich anmahnen mit einer Frist von sieben bis zehn Tagen mit dem Hinweis, dass du dir bei Nichtzahlung rechtliche Schritte vorbehälst.

Solltest du die Zahlung nicht bekommen ,dann geh zum Arbeitsgericht und verklage den Arbeitgeber auf umgehende Zahlung des ausstehenden Entgeltes.

Antwort
von Spirit528, 45

Notstand? Das spielt keine Rolle. Lass Dich nicht auf Reduzierungen des Gehalts ein, die Du nicht verkraften kannst. Natürlich muss Dir das volle vereinbarte Gehalt gezahlt werden. Wenn die Firma es nicht kann, dann sollen sie es halt gleich ganz bleiben lassen und Du findest auch andere Jobs.

Du kannst fehlendes Gehalt noch 3 Jahre lang einfordern, solltest es aber trotzdem zeitnah machen.

Dein Gehalt ist immer zum vereinbarten Zahlungstag in voller Höhe fällig. Du bist als Arbeitnehmer in Vorleistung gegangen (erst Arbeit, dann Geld) und kannst daher Verzugszinsen von bis zu ca. 14% verlangen.

Andererseits ist es schon heftig 2,5 Wochen krank geschrieben zu sein und dann Urlaub zu machen... trotzdem muss voll gezahlt werden. Für den Urlaubszeitraum kann in der Probezeit ein leicht verringertes Gehalt vereinbart sein, aber Lohnfortzahlung im Krankheitsfall muss mindestens die ersten 6 Wochen ab Erkrankung vom Arbeitgeber kommen. Moralisch besonders dann wenn die Erkrankung durch die Arbeit entstand...

http://www.focus.de/finanzen/karriere/arbeitsrecht/tid-32332/ausgebrannt-am-arbe...

Kommentar von KSchnecke ,

Weiß auch garnicht was ich so genau machen soll, weil kann ich zum Arbeitsamt und sagen hier das ist passiert und würden die dann mir Alg 1 zahlen oder werde ich da gesperrt?

Kommentar von Spirit528 ,

Das weiß ich nicht. Wenn ein Arbeitgeber in Insolvenz geht oder eine sonst plötzlich kündigt, kann man ja nicht 2 Monate vorher dem Arbeitsamt Bescheid gesagt haben. In solchen Fällen denke ich nicht, dass man gesperrt werden kann weil man das nicht frühzeitig meldete. Wenn man dann aber arbeitslos wird sollte man das direkt am nächsten Tag (wenn nicht noch am gleichen Tag) melden. 

https://www.afa-anwalt.de/arbeitsrecht-ratgeber/insolvenz-und-entgeltrueckstaend...

Inwiefern Du wegen der Rückstände Anspruch auf Arbeitslosengeld hast, musst Du beim Arbeitsamt fragen..

Kommentar von Unsinkable2 ,

Verzugszinsen von bis zu ca. 14%

Setze ihr keinen Floh ins Ohr! Aktuell sind 4,17% Verzugszinsen realisierbar. (BGB 288 (1): 5 Prozent über dem Basiszinssatz, der lt. Bundesanzeiger derzeit bei -0,83 liegt) Es sei denn, im Arbeitsvertrag stehen höhere Verzinsungen bei Verzug. Doch das dürfte hier wohl nicht zutreffen.

Kommentar von Spirit528 ,

Ja schrieb ich doch. 4,1%!?

Oh.... Verzeihung. Da hatte ich mich vertippt. 

Antwort
von Feuerhexe2015, 29

kann es sein das du innerhalb der ersten 4 Wochen krank geschrieben warst?

Wenn ja gibt es keine Lohnfortzahlung, da mußt du dir das Geld von der Krankenkasse holen.

Kommentar von KSchnecke ,

Nein bin seit Februar dort

Antwort
von Snowwhitesbitch, 15

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