Frage von LeMarco, 130

Kirchenaustritt bei Jugendlichen (katholisch) in NRW?

Hallo, ich bin 14 Jahre alt, getauft, hatte die Kommunion, wohne in NRW und möchte aus der katholischen Kirche austreten. (Ich möchte Atheist werden.)

Wieso? Wir haben in letzter Zeit im Religionsunterricht viel über den katholischen Glauben geredet. Und ich finde es wirklich „unschön“, dass ich mir meine Konfession nicht selber aussuchen durfte, da mir der katholische Glaube gar nicht gefällt. Ich möchte nicht katholisch sein, wenn ich diesen Glauben nicht vertreten kann. Das macht doch Sinn, oder?

Dazu habe ich ein paar Fragen: -Wo muss ich das melden? -Muss ich zu der Kirchengemeinde auch etwas schreiben? Und was? -Wie viel sollte das ungefähr kosten? (Bearbeitungsgebühr?) -Werde ich dann vom Religionsunterricht ausgeschlossen bzw. muss diesen nicht mehr machen? -Mit was für Folgen muss ich rechnen? -Muss ich wenn ich 18 Jahre alt bin dann noch Kirchensteuern zahlen?

Ich habe im Internet gesucht aber nicht wirklich viel gefunden; vielleicht kennt sich ja jemand hier aus und kann mir helfen.

Danke für eure Hilfe!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Remmelken, 65

Du erklärst deinen Kirchenaustritt beim örtlichen Amtsgericht. Der Kirchengemeinde musst du nichts schreiben, das wird vom Gericht erledigt.. Die Austrittsgebühr beträgt 30 Euro. Näheres kannst du auf http://www.kirchenaustritt.de/nrw erfahren.

Die Austrittsbescheinigung musst du gut aufbewahren um deinen Kirchenaustritt nachweisen zu können wenn eine Kirchengemeinde irrtümlicherweise meint du seiest Mitglied.

Wenn du nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen möchtest kannst du dich bei der Schulleitung davon abmelden. Du bist dann aber verpflichtet den Ethik-Unterricht zu besuchen. Das ist aber unabhängig von deinem Kirchenaustritt.

Die Folge des Kirchenaustrittes ist das du nicht mehr Kirchensteuerpflichtig bist. Wenn du später mal für einen kirchlichen Arbeitgeber arbeiten möchtest kann es erforderlich sein das du wieder in die Kirche eintrittst. Es könnte auch schwierig werden wenn du eine kirchliche Hochzeit wünschst. Ansonsten gibt es keine Folgen.

Antwort
von implying, 57

ich bin auch atheist, trotzdem bin ich offiziell noch katholisch, solange ich keine kirchensteuer zahlen muss. einfach weil ich denke, es wäre schade, wenn ich später einmal heirate, nicht in einer kirche heiraten zu können. denn das geht wohl nicht, wenn man konfessionslos ist. und einfach der tradition wegen, würde ich das schon gerne tun. es ist ja auch nichts weiter als eine formalität. du kannst ja trotzdem deinen unglauben vertreten, dass du ausgetreten bist interessiert die leute nämlich genausowenig wie ob du noch mitglied bist.

Kommentar von LeMarco ,

Ja ich verstehe Deine Ansicht. Aber ich möchte einfach nicht auch auf dem Papier als katholisch gelten, das ist halt einfach so. Klar, ich kann es einfach sein lassen und sagen:„Ich glaube nicht an Gott“, und trotzdem katholisch sein, doch ich finde das (für mich persönlich) nicht richtig. Aber trotzdem danke.

Kommentar von drachenfreund ,

Es ist natürlich Deine eigene Entscheidung, wenn Du in einer Kirche heiraten willst, aber ich finde es schon etwas komisch als Atheist. Da redet vor Dir ein Pfarrer über den "Bund vor Gott", "heilige Ehe" (besonders ärgerlich für wiederverheiratete Katholiken), spricht vielleicht noch das Glaubenskenntnis, usw.

Falls Dein Partner/Deine Partnerin gläubig wäre würde ich es diesbezüglich noch verstehen, aber bei 2 mehr oder weniger Ungläubigen muss das wirklich nicht sein.

Es gibt so schöne Locations, sei es ein altes Schloss, eine romantisch-rustikale Bauernscheune, irgendwo im Freien, ja selbst sogar alte nicht mehr benutze Kirchen (die nicht mehr im Kirchenbesitz sind), wo man heiraten kann ohne Gottes Segen.

Einfach nur der Tradition wegen wäre mir zu scheinheilig. Ich wünschte es würden mehr Leute offen zu ihrem Unglauben stehen. Aber wie gesagt: Deine Entscheidung.

Kommentar von implying ,

ich stehe ja bei jeder gelegenheit dazu ^^ ich möchte mir lediglich diese option offen halten, falls meine zukünftige und/oder die familie wert darauf legt. ist für mich kein problem dem bissel geschwafel zuzuhören

Antwort
von Garfield0001, 38

Wenn du nicht an Gott (oder jemand anderen) glaubst, BIST du Atheist. Egal ob du in irgendeiner Kirche Mitglied bist oder nicht.

Ich werde ja auch kein Cheeseburger, nur weil ich mal bei McDonalds bin

Kommentar von LeMarco ,

Ja stimmt, hast Recht. Aber schriftlich bin ich noch katholisch - und das möchte ich halt ändern.

Antwort
von Bernerbaer, 55

ab 14 Jahren kannst du selbst wählen ob du in der kirche bist oder nicht. Den Kirchenaustritt musst du auf der Gemeinde (Bürgerbüro) beantragen. In Nedersachsen kostet das 25,- Euro. Näheres kannst du hier nachlesen: http://www.kirchenaustritt.de/

Wenn du aus der Kirche ausgetreten bist musst du auch später ( ab eigenem Verdienst) keine Kirchensteuer zahlen.

Am Religionsunterricht musst du zwar nicht mehr teilnehmen aber im Normalfall gibt es einen Ersatzunterricht (Ethik).

Folgen: Wenn du heiraten willst wird es Probleme mit einer kirchlichen Trauung geben.

Kommentar von LeMarco ,

Danke!

Antwort
von Flexoff, 65
Kommentar von LeMarco ,

Danke

Antwort
von piumjupp, 58

Hi,

also ich kann Dich voll und ganz verstehen. Ich wurde zwar ev.prot. getauft un d musste Reli mitmachen. Bei uns lief das so das man  erst mit 18 Jahren sich entscheiden kann auszutreten. 

Das hat damit zu tun das man erst mit 18 Jahren alle Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers hat, na ja heisst wohl die geistige Reife hat und das nicht aus einer "Bierlaune" heraus macht.

Dazu geht man zum Kirchenamt eurer Gemeinde, die ist im Rathaus oder Stadthaus/Gemeindehaus. Dort bekommst Du einen Antrag, den füllst Du aus und fertig. Das kostet nichts. Deiner Kirchengemeinde wird das dann automatisch mitgeteilt. Fertig. Begründen musst Du auch nichts. Wir leben in einem demokratischen Staat mit Religionsfreiheit und dazu gehört auch das man sich zu keiner Religion bekennen muss.

Kirchensteuern musst Du dann auch nicht mehr zahlen.

Die Folgen:

Ich wollte als Org.-Programmierer beim Rechenzentrum der ev. Kirche NRW arbeiten und wurde abgelehnt weil ich halt nicht mehr in der Kirche war. Das dürfen die leider auch verlangen das in Ihren Betrieben - und dazu gehören ja auch Kindergärten Altenheime Krankenhäuser Hospize etc. - nur gläubige Mitarbeiter sind. 

Und sonst gibt es nur Theater wenn Deine zukünftige Frau unbedingt kirchlich heiraten will - das geht dann nicht mehr es sei denn Du konvertierst wieder und selbst dann müssen siedas nicht erlauben.

Hoffe Du siehst jetzt schon mal etws klarer

Gruss

Michael

Kommentar von LeMarco ,

Ja, danke. Ich mache das trotzdem. Vielleicht ist es naiv gedacht, aber ist bei einer Beziehung nicht die Liebe wichtig? Kommt es denn so sehr auf die Hochzeit an? Das ist ja nur meine persönliche Meinung. Ich kann Dich verstehen.

Antwort
von rubicon66, 38

hey, marco,

juristisch gesehen bräuchtest du gar nicht auszutreten, denn als  mit der taufe dein beitritt zu dieser kirche von deinen eltern bestimmt wurde, warst du noch nicht 'geschäftsfähig'..also ist dieser 'vertrag' null und nichtig!

Kommentar von Remmelken ,

Die Eltern sind die gesetzlichen Vertreter des Kindes und können für das Kind Verträge schließen, so auch die Taufe und den damit verbundenen Eintritt in die Kirche. Erst wenn das Kind 12 Jahre alt ist können die Eltern den Kircheneintritt nicht mehr gegen den Willen des Kindes veranlassen, ab 14 Jahren ist das Kind religionsmündig.

Kommentar von rubicon66 ,

@remelken. kannst du mir mitteilen, wo solchen verfasst steht???

Kommentar von rubicon66 ,

.. hallo,remmelken!!

Kommentar von capi89 ,

Im KErzG steht das. Das hat übrigens nur bedingt etwas mit Vertragsrecht zu tun.

Kommentar von rubicon66 ,

§ 4 des RelKErzG legt fest, dass Verträge über die religiöse Erziehung eines Kindes "ohne bürgerliche Wirkung" sind, also allenfalls im Innenrecht einer Religionsgemeinschaft (Kirchenrecht) Rechtsfolgen haben können.....verstehe ich das denn so falsch??

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