Frage von hourriyah29, 73

Wie läuft die kindliche Entwicklung zwischen 3 und 5 Jahre?

Hallo liebe Kinderkenner!

unsere Tochter war von 1,5-3,5 Jahren in einer Tagesmuttergruppe mit maximal 9 Kindern und maximal 3 Kindern pro Tagesmutter. Sie hat sich in der Zeit gut entwickelt und war ein sensibles, hilfsbereites und freundliches Kind. Sie hat z.B. gerne geteilt (Essen und Spielzeug), hat mit jüngeren und älteren Kindern problemlos zusammengespielt, war mir gegenüber ziemlich folgsam, hatte Freude daran Sachen selbst zu machen (z.B. Anziehen), mir zu helfen (z.B. Backen) und zusammen mit mir etwas zu machen (z.B. Basteln, Spielen).

Seit 3,5 war sie im Kindergarten mit ca. 20 Kindern und maximal 3 Erzieherinnen. Bald wird sie 5 und seit einigen Monaten finde ich viele "Lebensaspekte" immer schwerer.

Sie teilt z.B. nicht mehr (weder Spielzeug noch Essen), man muss sie immer überreden z.B. nicht alles auf ihren Teller zu laden oder mit Freundinnen zu teilen. Sie will nicht mehr gerne selber machen (z.B. Anziehen, Sachen holen), will gerne "bedient" werden. Helfen klappt auch nicht mehr, weil sie nicht will oder weil sie alles nach ihrer Art will und das geht z.B. beim Backen nicht oder beim Aufräumen. Sie ist nicht mehr so geduldig und schneller wütend. Aufforderungen werden mit Widerwillen, Gegenfragen oder Motzen beantwortet. Gemeinsam mit ihr etwas machen ist für mich kein Vergnügen mehr - sie will prinzipiell alles nach ihrem Kopf machen wodurch Basteln mit einem Ziel oder Spiele mit Regeln nicht mehr funktionieren. Und beim Zusammenspiel mit Kindern gibt es bei jedem Besuch mehrmals Ärger (Streit um Spielzeug, Schmerzen beim Toben, Uneinigkeiten im Spiel, jeder will "anschaffen").

Die Erzieherinnen im Kiga und andere Mütter loben weiterhin meine Tochter wie gut sie erzogen sei und wie höflich und freundlich. Im Vergleich mit anderen ist sie das wohl auch noch. Aber trotzdem finde ich den Alltag oft anstrengend!!!! Besonderst jetzt in den Ferien.

Jetzt die Frage... Entspricht das der normalen Entwicklung durch das Alter? Oder liegt es an der weniger intensiven Betreuung?

Ich glaube am Erziehungsstil gibt es nicht viel zu verändern. Wir erziehen mit viel Liebe, Geduld aber auch mit Grenzen und viel sprechen. Über Tips bin ich dankbar!

LG, Hourriyah

Antwort
von maulmau, 27

Zufällig habe ich vor kurzem mit einer befreundeten Mutter über das Phänomen gesprochen, wenn Kinder zu Hause kleine "Teufel" sind und in anderer Umgebung plötzlich wie ausgewechselt. Grund dafür kann sein, dass das Kind sich in der Gegenwart seiner Bezugspersonen sicher fühlt und sich traut dort impulsiv und unüberlegt zu handeln. Das Kind ist sicher: auch wenn ich nicht so handele, wie es erwartet wird, liebt mich meine Mama. Und probiert eben aus, was bestimmte Verhaltensweisen bewirken. Die "fremde" Erzieherin in der Kita kann das Kind nicht wirklich einschätzen, es ist nicht sicher, ob sie das Kind noch mag, wenn es sich schlecht verhält und wählt lieber den einfachen Weg, um nicht auf Ablehnung zu stoßen. Nicht zu unterschätzen ist es wohl auch, wie anstrengend es für ein Kind ist, ständig artig zu sein und sich zusammenreißen zu müssen, da wird zu Hause zum Ausgleich dann über die Strenge geschlagen.
Für mich klingt es richtig, wie ihr euer Kind behandelt und würde euch raten, weiter durchzuhalten. Mir scheint, sie probiert jetzt Verhaltensweisen aus, die sie vorher nicht "geübt" hat, du schreibst ja, dass sie sich bisher immer vorbildlich verhalten hat. Bleibe konsequent, damit sie lernen kann, welche Verhaltensweisen richtig sind und was falsches bewirken kann.

Antwort
von hertajess, 13

Jo. Emotionale Ablösung von Dir. Entdeckung des eigenen Ich. Ausprobieren des eigenen Ich in seiner Begrenztheit. Was sind Grenzen? Wozu sind sie da? Nehme ich gerade meine oder Deine Grenze wahr?

Und so fort. Früher wurde diese Entwicklungsphase auch Trotzphase genannt. Was einfach falsch ist. 

Wenn wir Menschen auf die Welt kommen sind wir von Natur aus gefühlsmäßig mit unserer wichtigsten Bezugsperson verbunden. Nachdem sich dann verschiedene grundlegende Dinge entwickelt haben seit unserer Geburt sind wir vorbereitet das eigene Ich zu entwickeln. 

Du hast also jetzt die Idee Dein Kind solle heute essen was gestern lecker war. Aber womöglich hat sich über Nacht - das kann auch innerhalb von kurzer Zeit tagsüber vorkommen - der Geschmack geändert. Dieser Prozess verläuft in der Regel während der Ich-Entwicklungsphase mit ab. Für Dich und Dein Kind ist es nun nur Stress nicht darauf einzugehen. Es gibt extra Kochbücher für diese Phase. Schaue mal in der öffentlichen Bibliothek vorbei, bei youtube nach, den vielen anderen Rezeptseiten. 

Anders ist die Situation wenn es um die Bekleidung geht. Hier entstresst die Möglichkeit der Auswahl durch das Kind. 

Zähneputzen macht Probleme? Ok. Wie wäre es wenn das Kind so lange dafür brauchen darf bis es fertig ist? Denn womöglich will es erst mal ausprobieren ob es nicht eine eigene, bessere Vorgehensweise erfindet. Das ist einfach der Drang der Natur. 

Nein, die Zahnbürste soll nicht da hin sondern da hin? Ok. An dieser Frage scheitern durchaus Ehen. Und zwar immer dann wenn zwei Sturköpfe aufeinander treffen. 

Du wirst auf youtube einige gute Kanäle finden die von Fachmenschen für Eltern erstellt wurden. Nutze einfach mal die Suchfunktion da. Solche Kanäle haben manchen Vorschlag um diese natürlichen Abgrenzungen des sich entwickelnden Ich vom Du stressfrei bewältigen zu können. 

Es ist eine durchaus sehr wichtige Phase. Das richtige Maß zu finden zwischen einerseits Halt geben und andererseits Raum bieten sich abgrenzen / finden zu können ist durchaus eine Kunst. Eine Kunst die stark beeinflusst wie später die Pubertät verläuft. 

Ich-Botschaften machen nun einigen Sinn. Ebenso Zuverlässigkeit - schätze versteht sich nenne ich aber dennoch - . 

Diese Entwicklungsphase kann uns durchaus so verwirren dass wir scheinbar aggressiv werden. Die Betonung liegt auf scheinbar. In dem Fall das Kind möglichst von hinten daran hindern sich zu verletzen und die Ruhe bewahren. Wenn nötig an den Oberarmen festhalten, ruhig bleiben. - Oh ja, ich weiß wie anstrengend es ist dann womöglich sogar Gelassenheit auszustrahlen. Wirkt aber Wunder. 

Ich hatte da mal einen Fall von einer verzweifelten Mutter zeitweise bei mir. Bei ihm habe ich festgestellt dass die Tatsache dass ich tagsüber darauf bestand sich für eine Weile hinzulegen - obwohl er nicht müde war - und ich mich so an seinen Rücken legte dass ich ihn zwar nicht berührte aber spürte positiven Einfluss hatte. 

Du schreibst Dein Kind überlädt den Teller. Dann würde ich unbedingt einen ganz eigenen Bereich einräumen für das Kind. 

Antwort
von LisaDackBlagger, 25

Hallihallo!
Zu Anfang würde ich sagen, dass solche Entwicklungen nicht  an einer weniger intensiven Betreuung liegen, bzw. dass es nicht sinnvoll ist, diese durch eine intensivere Betreuung zu verhindern. Da ja auch bald die Grundschule kommt, und da so eine enge Betreuung einfach nicht vorgesehen ist , ist es durchaus sinnvoll, wenn ein Kind im Laufe der Zeit so zur "unintensiven" Betreuung hingeführt wird.

Hier einige Stichpunkte aus einem Seminar zur mor. Entwicklung von Kindern (Fach Psychologie)

Ab ca. 4 Jahren:

• Körperliche Aggression nimmt stetig ab, verbale Aggression nimmt zu.

• Ursachen:

-Sprachentwicklung

-Fähigkeiten Impulse zu hemmen und Bedürfnisse aufzuschieben

-Emotionsregulation

-Einfluss anderer Gleichaltriger

-Perspektivenübernahme und Empathie

• Auslöser

-„alltägliche Verpflichtungen“ (z.B. Zähneputzen, Anziehen, Schlafen gehen)

- Konflikte mit Gleichaltrigen

- Streit um Besitz

• Große Geschlechtsunterschiede:

-Jungen beteiligen sich mehr in Auseinandersetzungen

- Jungen zeigen mehr aggressives Verhalten

• Aggression: häufig instrumentell

Ich würde sagen, dass diese Entwicklungen also alle im Rahmen sind, v.a. da sie ansonsten ja nicht negativ aufzufallen scheint. In den nächsten Jahren wird sich das alles höchstwahrscheinlich nochmal wieder sehr verändern.

Trotzdem auf keinen Fall nachgiebig werden (z.B.: sie will nicht aufräumen, ihr habt keine Lust die ganze Zeit mit einem quengligen dickköpfigen Kind darüber zu diskutieren, und räumt letztendlich selbst auf) und hartnäckig bleiben, auch wenn es anstrengend ist. Kinder sind da oft sehr clever und merken sich, dass sie ja sowieso damit durch kommen, solange sie lang genug meckern.

Ich hoffe das konnte (auch wenn es sehr theoretisch ist) etwas helfen :-)

Antwort
von Hannibu, 21

Ich schätze es ist einfach der Einfluss, den man durch andere nun mal hat. Es wäre bestimmt gut Spieletreffen mit anderen Kindern zu machen, mit denen sie sich gut versteht und da dann gezielt die Wichtigkeit von Teilen und Höfkichkeit in den Vordergrund stellt. Außerdem braucht sie bestimmt Bestätigung, wenn sie etwas selbstständig macht. Im Kindergarten gibt es ja bestimmt Kinder, die weniger allein machen und dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen, dafür wird Selbstständigkeit vermutlich eher als 'normal' behandelt. Der Neid ist unter Kindern vielleicht auch allgemein größer, wenn die Gruppen größer und das Spielzeug begrenzt sind...

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