Frage von KartonApfel, 28

Kinder/Jugendheim oder betreutes wohnen?

Also ich muss vielleicht bald ins Heim, (die Gründe möchte ich jetzt nicht erklären.) Ich bin 15 Jahre alt, komme ich ins Heim oder ins betreute wohnen? Wie sieht es dort aus? Im Heim bekommt man nur ein Zimmer neber vielen anderen? Im betreuten wohnen eine kleine Wohnung?

Und wie könnte ich eher ins betreute wohnen anstatt ins Heim, denn ich kann nicht mit kleineren Kindern umgehen unter 14 und die über 14 machen mir eher Sorgen (hab nicht viel Selbstbewusstein) wäre mir echt wichtig eher meine eigene kleiner Wohnung zu haben!!

Und was darf man mitnehmen, wie lange draußen bleiben, bekommt man W-Lan, bekommt man Taschengeld? Wie sieht es mit dem einkaufen/kochen aus? Wie sieht es mit den Freizeiten aus?

Wie sieht der Gerichtsprozess aus, wo "verhandelt" wird wohin ich komme?

Mit wie viel Jahren kommt man ins Kinderheim und wann ins Jugendheim?

Und was genau sind dann "Pflegeeltern"?

Würde mich über Antworten freuen, danke.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Sanja2, 16

Ganz schön viele Fragen. Wenn das schon so sicher ist, dann müsste doch da ein Jugendamt sein, dass dir alle diese Fragen beantworten kann.

Ich versuche mal ein wenig was dazu zu schreiben.

Ob Heim oder betreutes Wohnen wird anhand der Gründe entschieden die dafür sorgen das du zu Hause nicht mehr sein kannst. Da du dazu nichts schreibst ist es schwer das zu beurteilen.

Es gibt auch reine Jugendwohngruppen, da hast du keine kleinen Kinder um dich herum. Du kannst dir normalerweise eine Wohngruppe vorher anschauen und all deine Fragen stellen und vielleicht sogar Probewohnen.

Du darfst eigentlich alles mitnehmen außer größerer Möbel. In manchen Wohngruppen musst du deinen Laptop abgeben und das Handy vielleicht über Nacht. WLAN gibt es meist nicht, aber einen GruppenPC an dem du auch Internet nutzen kannst.

Taschengeld bekommst du

einkaufen kochen etc. ist je nach Betreuungsform sehr unterschiedlich von es wird für dich gekocht bis du kochst alles selbst.

Was meinst du mit Freizeiten?

Warum muss es einen Gerichtsprozess geben? Bei den meisten Kindern und Jugendlichen die im Heim leben haben die Eltern weiterhin das Sorgerecht, da muss kein Gericht entscheiden. Ansonsten kann man auch dazu wenig sagen, denn ich weiß ja nichts über deine Geschichte.

Pflegeeltern sind Familien die sich entschieden haben ein Kind aufzunehmen und wie ein eigenes Kind bei sich zu Hause zu betreuen. Allerdings werden hier meist nur jüngere Kinder untergebracht, selten Jugendliche.

Wenn du tatsächlich über einen Gerichtsbeschluss in eine WOhngruppe gehst, dann kann es auch sein, dass du zunächst in einer Inobhutnahmegruppe landest und von dort aus erst entschieden wird wo du dann langfristig wohnen sollst.

Jedes Heim hat unterschiedliche Aufnahme Alter. Das kann man also nicht so pauschal beantworten. Das Heim in dem ich arbeite nimmt Kinder von 6-18 Jahren auf. Wir haben 3 Gruppen in denen die Kids dann ungefähr im gleichen Alter zusammen kommen. In der Wohngruppe in der ich vorher gearbeitet habe durften wir von 8-18 aufnehmen. Hier hatten wir sowohl einen 10 jährigen und einen 18 jährigen in der Gruppe und alle Altersklassen dazwischen. Du musst dir hier also wieder die einzelne Gruppe anschauen, weil das sehr unterschiedlich ist.

Wenn du noch Fragen hast kannst du sie gerne stellen.

Kommentar von KartonApfel ,

Ist das betreute wohnen so, wie ich mir es vorstelle? Eine Art Haus/Hochhaus etc. mit Zigwohnungen und in eine davon käme man beim betreuten wohnen rein? Oder wie genau läuft das ab? Muss man sich dann jeden Morgen und Abend melden, oder wohnt man gezwungen in einer Art WG oder so mit anderen Jugendlichen? Sorry wenn ich vielleicht ein paar Rechtschreibfehler mache, aber ich bin letzte Zeit echt gestresst.

Kommentar von KartonApfel ,

Und im Heim, hat man da ein EIGENES Zimmer oder muss man vielleicht sogar eins teilen? 😩

Kommentar von Sanja2 ,

betreutes Wohnen sind in der Regel EinzelAppartments in einem ganz normalen Wohnhaus, also nicht mit vielen anderen Jugendlichen drum rum. Man hat einen Betreuer der für einen zuständig ist und mit dem muss man Absprachen treffen wann er kommt, wann du dich meldest, was du für Aufgaben hast etc.

In Wohngruppen und Heimen gibt es Einzelzimmer und Doppelzimmer, das ist sehr unterschiedlich.

Kommentar von Sanja2 ,

Ich habe vergessen zu erwähnen, dass es im einzelbetreuten Wohnen auch 3 Zimmer Wohnungen gibt die man dann zu Zweit bewohnt.

Antwort
von norbert9014, 9

Das sind alles Fragen, die Du eigentlich dem Dich betreuenden Jugendamt stellen solltest: Weil die Angebote und Bedingungen grundsätzlich von Region zu Region auch unterschiedlich sind.

Grundsätzlich: In ein betreutes Wohnen kommst Du noch nicht: das ist Jugendlichen vorbehalten, die sich verselbständigen, die vor ihrem Schul- oder meist dem Berufsabschluss stehen, oder sie schon länger betreut werden und eine hohe Zuverlässigkeit gezeigt haben: Du glaubst doch nicht, dass Du "Party,Party,Party"... finanziert kriegst, all Deine Kumpel und Kumpelinen sich in Dein hübsches Appartement fletzen und das Jugendamt die Mücken für Strom, Kost und Logis auf den Tisch legen?

In eine betreute Wohnform kommt man, weil man irgendwelche Probleme hat: Und in der Regel ist der betreffende Jugendliche ein erheblicher Teil des aktuellen Familienproblems. Egal ob es eine Schulverweigerung ist, oder grundsätzliche Schwierigkeiten sich an häusliche und allgemein gesellschaftliche akzeptierte Regeln und Werte zu halten.

Den Anspruch müssen die Eltern nach Beratungsgesprächen mit dem JA erst einmal selber stellen: Das JA wird dann aktiv und überlegt weitere Hilfsmöglichkeiten:

Das heißt: Eltern stellen fest: Mein Kind (der Jugendliche... gilt also im Folgenden weiter automatisch gesetzt... o.k,.?)   entzieht sich mir/uns,- wir kommen nicht mehr an das Kind (Jugendlichen)  hin. >> Wir wissen nicht mehr weiter:

- Beratung mit dem JA

- und nun gibt es folgende Hilfsangebote: Gespräche im Amt, Gespräche zu Hause... jemand kommt nach Hause und guckt sich an, wie der Alltag der Familie läuft... evtl. kommt er öfters, 1x wöchentlich, oder alle 2 Wochen... und wenn das immer noch nicht hilft kann man über enger betreute Schulformen nachdenken: Hort, Tagesstätten etc.  >> Und dann sind wir schnell in der stationären Jugendhilfe.. also: Heim!

Du siehst selber: In der Regel ein langer Weg bis dorthin. Das geht sehr stufig, und jede Stufe kostet mehr Geld, aber auch mehr Einsatz der Dich unterstützen wollenden Einsatzkräfte.

Ziel aller Maßnahmen ist in der Regel immer: Rückführung in ein sich selbst organisierendes Familiensystem: man lernt wieder miteinander umzugehen... Umgangsformen und Regeln abzusprechen... und wieder mit einem Lächeln auf den Lippen miteinander umzugehen.

Natürlich sind manche Eltern schwieriger als andere... aber in der Regel erlebe ich Eltern als an ihrem Kind interessiert und um das Kind besorgt.

Die oben beschriebenen Stufen könne natürlich auch abgekürzt werden: Wenn man merkt, dass das Kind schon sehr im Widerstand ist oder die ersten Stufen nicht wirklich hilfreich sein mögen sollte man Nägel mit Köpfen machen: Wenn Du einen Blinddarmdurchbruch hast setzt man auch nicht erst Teewasser auf und holt die Wärmeflasche: Da muss man dann wohl operieren.

Das heißt für mich aber auch: Du hast Dich kaum kooperativ verhalten. Sonst stündest Du nicht vor dieser Entscheidung!

Wer sollte Dir da den Schlüssel für ein Appartement in die Hände drücken?

Aber halb so wild: Wo Du Möglichkeiten hast, untergebracht zu werden: Sprich mit Deinem Jugendamt und arbeite einfach mit offenen Karten

Ja, Du kriegst Taschengeld: Wird für alle Jugendlichen gleich festgelegt... und wenn deine Eltern was dazugeben sollte das nur offen angesprochen werden: Damit keine illegalen Geschäfte laufen: Je nach dem wie vertrauenswürdig Du Dich erweist wirst Du Dein Geld mehr oder weniger offen, aber selbst verwalten können.

Sind wir beim Ausgang: Zuerst kommt eine Eingewöhnungsphase: damit Du die Einrichtung und Leute kennenlernen kannst... und selber die Chance hast ein Bild von Dir abzugeben. Je nach Vertrauen( s.o.) bekommst Du Ausgang... und Heimfahrten zu Wochenenden und in den  Ferien.

Und "verhandelt".. wird an Deinem zuständigen JA ... etwa alle halbe Jahr ein großes Gespräch mit Einrichtung, Eltern JA und Dir und ggfs. Lehren und Psychologen >>> da wird dann Dein Fortschritt festgestellt... und was Du fürs nächste Halbjahr für eine gute Entwicklung brauchst.

Wenn Du also zu Hause Probleme hast.. warum auch immer: Vielleicht liegt hier eine Chance für Dich` Manchmal braucht man etwas Hilfe... das braucht jeder! 

Egal wie... es wird wohl irgendwie kommen: Dann mach was draus

.. oder arbeite dagegen... das kann Dir keiner abnehmen

Die daraus folgenden Konsequenzen aber auch nicht >>> Du bist für Dich verantwortlich, und wenn Du das bisher so noch nicht sehen konntest, ... dann mach die Augen auf und übernimm die Verantwortung für Dich selbst!

Wenn Du das nicht tust... tun das andere für Dich... vor einem ähnlichen Ergebnis stehst Du gerade

Die Frage ist: Wie geht es für Dich weiter?

Sincerely, Norbert

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