Frage von maguru, 66

Kindergarten mit positiver Bilanz?

Ich würde gernen einen Kindergarten gründen aber leider scheitere ich schon daran grob einen Finanzplan zu erstellen, der am Ende des Jahres keine roten Zahlen schreibt.

Als kurzes Bespiel ein Kindergarten mit 50 Kindern: 6 Mitarbeiter (inkl Verwaltung) * 3.000€/Monat = 18.000€ 300m2 (inkl Garten, Sanitär, Büro und Betriebskosten in Wien, gesetzlich min 2m2 pro Kind) = 5.000€/Monat Verbrauchsmaterialien, Versicherungen, etc. 10.000€/Monat

Gesamt 33000€/Monat bei 50 Kindern (exkl Essen, hierfür zahlen Eltern üblicherweise 100€/Monat und Kind extra)

Egal wie ich herum rechne ich komme immer auf einen Betrag zwischen 600-900€ pro Monat und Kind.

In Wien ist es aber üblich, dass die Gemeinde 250€ pro Kind und Monat zahlt und der Kindergarten somit für die Eltern kostenlos ist.

Also habe ich am Ende des Jahres 50 Kinder * 12 Monate * -400€ = -240.000€

Kennt jemand ein Beispiel, das ich online einsehen kann, in dem ein Kindergarten keinen Verlust macht? Oder ist es normal, dass jeder Kindergarten Verlust macht?

Antwort
von NicoleU, 27

Du brauchst ein Netzwerk wo du über spenden Geld bekommst und auch Materialien.
Ich denke es wird von der Stadt bestimmt noch zusätzliche Zuschüsse geben.
Fang doch erstmal mit nur einer Gruppe an - Probier mal ob es dann klappt.

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 17

Man fängt ja eigentlich auch bei den Einnahmen an. Also 250 Euro * 12 * 50 = 150.000 Euro.

Die Verwaltung eines Kindergartens ist auch bei der Größe noch nicht auf eine Vollzeitkraft in der Verwaltung angewiesen. Und verdienen in Österreich die Erzieherinnen so gut?

Hier liegen die im Schnitt wohl bei etwa 2.250 Euro brutto. Dazu kämen etwa 20% für die Sozialversicherung. 2.700 Euro sind damit die Lohnkosten.

Wie kommst Du dann auf einen Raumbedarf von 300 qm? Selbst wenn ich unterstelle, dass die 2 qm pro Kind erstens mindestens sein sollen und sich von mir aus nur auf 'Gruppenräume' beziehen...

Im Grundsatz würde ich Dir hier also eine Arbeitskraft sofort streichen und die Miete etwa halbieren.

Auch Verbrauchsmaterialien usw. mit 10.000 Euro monatlich: Was hast Du vor? Goldschmiedeausbildung wäre billiger! Das allein sprengt ja jeden Rahmen. Fingerfarben, Filz und was man sich sonst so zum Malen und Basteln wünscht, dass kommt nie auf den Betrag.

Selbst mit Versicherungen nicht. Da sollte man dann auch konkret nachfragen. Ob die nicht beispielsweise über eine gemeindliche Unfallversicherung o.ä. nicht schon zum Teil abgesichert sind.

Da solltest Du wirklich genauer kalkulieren. Welche Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben? Was kosten die? Gibt es weitere? Welche sind wünschenswert oder eben nicht? Was kosten die wünschenswerten Versicherungen?

Trotzdem würde ich bereits bei meinen Schätzungen den städtischen Zuschuss sprengen. Käme da bereits auf 162.000 Euro Lohnkosten.

Wenn die Eltern keine Beiträge bezahlen brauchen, dann kann ich mir nur vorstellen, dass weitere Stellen Zuschüsse geben. In Deutschland tragen die Sachkosten die Gemeinden, auch wie bei Euch mit einer Pauschale pro Kind.

Lohnkosten werden hier von den Ländern bezuschusst.

Was mir allerdings noch einfällt: Die Lohnkosten sind m.E. Vollzeit. Wenn der Kindergarten aber nur in Teilzeit geführt wird, dann verringern sich da natürlich auch die Ausgaben. Dann fangen eben zwei ErzieherInnen um 7 Uhr an und machen auf. Gehen dann um 13 Uhr. Die zwei anderen kommen um 8 Uhr und müssen bis 14 Uhr den Schlussdienst machen...

Da käme man langsam in tragbare Verhältnisse. Aber da Du von Mittagstisch berichtest, da scheint das ja auch irgendwie nicht zu passen.

Kleine Zuschüsse zu den Kosten kommen bei Euch augenscheinlich durch das Essensgeld. Wenn selber frisch gekocht wird, dann braucht man bei durchschnittlich 20 Tagen im Monat keine 100 Euro Verpflegungsgeld.

Da gehe ich von der Hälfte aus. Und selbst wenn die Versorgung durch Kantinen erfolgt, dann würde ich für Kindergartenkinder nie so viel Geld bezahlen.

Augenscheinlich sind Deine Schätzungen nicht genau genug. Da brauchst Du richtige Quellen. Also bei der Stadt anrufen und fragen. Die wissen natürlich auch, ob noch andere Stellen an der Finanzierung beteiligt sind.

Und wenn man mal eine Zeit die Bastelmaterialien aufschreibt, dann kann man auch entsprechende Zahlen ermitteln. Sicher gibt es für Kindergärten auch Rabatte. Die würde ich aber aus der Berechnung raus lassen.

Lasse Dich da in Zukunft auch steuerlich beraten, damit bei den Löhnen usw. nichts schief geht. Kostet zwar auch Geld, aber selber machen kann ganz schnell viel teurer werden.

Kommentar von peterklaus57 ,

Super verständlich erklärt!!!

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Meinen herzlichen Dank für dieses positive 'Feedback'.

Antwort
von Lord2k14, 34

Kann nicht für KiTas in Österreich sprechen, aber in Dt. sind es idR keine lukrativen Einrichtungen. Das steht aber auch nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist die Versorgung der Kinder. Kommt dem Staate ja am Ende wieder zu Gute, denn wenn Eltern arbeiten können, erwirtschaften sie Steuern etc.

Kommentar von maguru ,

Es geht mir auch nicht darum Gewinn zu machen.
Aber wie kann ein Kindergarten über Jahre bestehen bleiben, wenn er mehrere millionen Euro Verluste macht?

Kommentar von Lord2k14 ,

Wie gesagt. Es geht eben nur um die Kids. Kosten spielen da eine untergeordnete Rolle.  

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Das ist ein Irrtum - Die Versorgung der Kinder ist zwar das Kerngeschäft, aber der Kindergarten der Verlust macht, der schließt.

Unabhängig wer der Träger ist.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten