Bei uns im Haus wohnt ein Kind im Alter meines Sohnes (9 Jahre). Aus "erwachsener" Sicht habe ich Mitleid mit dem Kind, die Mutter ist von morgens bis abends nur am meckern und motzen, er wird nicht wirklich betreut, ist komplett hinterher was Rhetorik im weitesten Sinne angeht und hängt jeden Tag vor der PS. Als Mutter bin ich total angenervt, wenn das Kind ständig bei uns vor der Tür steht und mit meinem Sohn spielen will, da es nur Chaos und Streß gibt. Entweder fehlt Spielzeug meines Sohnes oder sie stellen zusammen Unsinn an, rennen auf Strümpfen raus, schmeißen Sachen vom Balkon etc. Mein Sohn ist kein Engel, aber zusammen mit diesem Exemplar artet es total aus. Kann und sollte ich diesen Umgang verbieten oder wird es dadurch nur interessanter?
Es ist auch nur ein Kind, was nichts dafür kann. Setz dich mit den Kindern hin und erkläre ganz einfach mal die Regeln bei dir zu Hause. Was erlaubt ist und was nicht. Unterbinden soll man es nicht, der Kleine kann nichts dafür.
" Spiel nicht mit dem Schmuddelkind
und sing nicht ihre Lieder"
Hast Du diesen Song schon mal gehört???
Genauso reagierst Du. Dein sohn ist mit 9 Jahren durchaus in der Lage, sich für Freunde zu entscheiden. Mit welchen Worten würdest Du Deinem Sohn erklären wollen, daß er nicht mehr mit seinem Freund spielen darf???
Ich finde Deine Einstellung unter aller S..!!!
Und ein Kind ist ein Kind und kein Exemplar
Doch, ich kenne das Lied und mag es sehr gerne. Du scheinst Dich nicht in meine Situation reinversetzen zu können, wenn Du so scharf reagiertst. Ich bin alleinerziehend, habe zwei Kinder, studiere und jobbe nebenbei. Ich habe wenig Zeit und ehrlich gesagt auch wenig Lust, diese Zeit mit der Erziehung fremder Kinder zu verbringen. Dieses Kind braucht auf jeder Ebene jemanden, der sich um ihn kümmert, er hat keinerlei Manieren beim Essen, im normalen Umgang etc. Ständig fehlt etwas, wenn er da war. Er tut mir aufrichtig leid, aber ich kann und will nicht seine Sozialarbeiterin sein. Und ich möchte NICHT, dass mein Sohn sich solche Sachen abguckt. Er sucht sich den Jungen, weil er im gleichen Haus wohnt, er hat auch andere Freunde, die ich liebenswert und nett finde. Die Frage ist doch, warum diese Kontakte stattfinden und was man tun kann, um diese zu steuern. Und wie ich vorhin schon einmal sagte: "Exemplar" ist nicht negativ besetzt, dass sind Deine eigenen Erfahrungen, die Du da reinbringst.
Ja, genau, es sind eigene Erfahrungen, die ich da einbringe.
Ich selbst war alleinerziehende Mutter zweier Söhne und voll berufstätig.
Mein Jüngster war auch mit einem solchen Kind (Du würdest "Exemplar" sagen) befreundet. Es war sicherlich etwas schwierig, aber durch Bemühungen meinerseits hat es wundebar funktioniert.
Da ich sowieso mit meinen Beiden abends Hausaufgaben machen mußte, saß der Freund meines Sohnes mit am Tisch und hat mitgelernt.
Das Ergebnis war langfristig, daß der Freund meines Sohnes als Einziger in seiner Familie auf das Gymnasium gewechselt hat und heute noch habe ich einen sehr engen Kontakt zu ihm ( Er ist mittlerweile 27 und hat ein Studium in Sozialwissenschaft beendet). Sehr oft hat er mir schon gesagt, daß sein Leben sicher anderst verlaufen wäre, wenn auch ich ihm den Umgang verboten hätte.(Ablehnung hatte er genügend erlebt)
Und ich habe das damals nicht als Sozialarbeit verstanden, sondern aus der Freundeswahl meines Sohnes das Beste gemacht.
Mein Sohn hat durch diese Erfahrung gelernt, weitgehendst Vorurteilsfrei durchs Leben zu gehen.
Und wenig Zeit??? Auch für mich war Zeit ein kostbares Gut.
Malkia am 10. Dezember 2008 12:49 @pacole1, das ist auch meine Meinung.
Das war eine sehr schöne Antwort! Vielen Dank!
@Divine Ich freue mich sehr darüber, daß Du meinen Kommentar nicht einfach verrissen hast. Das zeigt mir, daß ich es mit einer Frau zu tun habe, die über das Leben nachdenkt. Ich bin ehrlich sehr beeindruckt von Dir, denn Du läßt ohne "Häme" andere Meinungen gelten. Dafür möchte ich Dir ein dickes DH geben. Das ist hier leider eine Seltenheit.
Liebe Grüße pacole1
Verbieten bringt gar nichts. Der "schlechte Umgang" von vor 20 Jahren ist heute noch meine beste Freundin. Lade doch einfach auch andere Jungs ein und bringe ihn zum Turnverein, damit er möglichst viele andere Kontakte aufbauen kann.
Das macht ja Mut :-) Ich glaube nicht, dass es eine wirkliche Freundschaft ist, wir wohnen einfach im gleichen Haus. Zum Sportverein geht er schon.

Würde ich nicht machen, also verbieten, dadurch wird es - wie Du schon erkannt hast - nur interessanter für Dein Kind. Ich würde versuchen, den Kontakt zu anderen Kindern zu forcieren, sodass für besagtes Kind keine Zeit mehr bleibt!

Natürtlich verbieten! Lass´soweit wie möglich keine schlechten Einflüsse an Dein Kind heran! Es kommen noch genügend Situationen, die Du nicht beeinflussen kannst. Im privaten Umfeld besteht diese Möglichkeit.

Versuche doch mal die beiden so zu beschäftigen das sie gar keine zeit haben blödsinn zu machen. Lass sie zb irgendetwas bauen.
Das ist eine gute Idee, aber die sind neun Jahre alt und spielen auch draußen und alleine. Da ist nix mit Beschäftigung. Und mir fehlt auch die Zeit, mich konsequent darum zu kümmern.
kleinmue am 10. Dezember 2008 09:47 Besorg ihnen doch irgendeinen Bausatz
tja die Kinder von heute, genau das gleiche hatte ich auch, öfter mal klares Wort sprechen und zurechtweisen der Kinder. Ansonsten nichts ändern!

Nimm dir die zwei doch mal zur Brust und rede mit ihnen, das es nicht so toll ist wenn sie Blödsinn machen. Eventuell mal Spiele mit ihnen machen, die auch die Rhetorik des Freundes mit verbessern.
Exemplar? Schäm dich.
Wofür? Das Wort "Exemplar" ist nicht negativ besetzt. Vielleicht hast Du da andere Vorstellungen.

Ich würde den Umgang mit solchen "Assi" Familien (sorry für die Ausdrucksweise, aber es hört sich danach an) auf jedenfall unterbinden.
Ich bewundere deine Durchsicht:-))
Malkia am 10. Dezember 2008 09:31 Was kann das Kind dafür, es kennt ja nichts anderes. Wenn er einen anderen (besseren) Umgang hat, vielleicht bessert sich sein Verhalten. Kinder sind Lernwillig- und auch fähig.
Das sehe ich im Prinzip auch so. Aber als Mutter sehe ich in erster Linie, dass mein Sohn sich nach unten orientiert und ich habe weder Zeit noch Lust als Sozialarbeiterin zu fungieren.
Malkia am 10. Dezember 2008 09:37 Na ja, wenn du meinst. Traurig. Irgendetwas ist wahr an der Kinderfeindlichkeit in Deutschland, wenn man Kinder auch schon als "Assi" betitelt.
Traurig, das ist wahr!
Ich habe das Kind nicht als "Assi" betitelt. Ich bin alleinerziehend, studiere und jobbe nebenbei. Da ist nur noch wenig Platz für "Fremdkinder" oder andere Projekte.
Eine gute Frage, in der ich mich gut wiederfinde. Wir haben eine ähnliche Situation. Für das Nachbarkind ist der Kontakt zu deinem Sohn die einzige Alternative zum Alleinsein. Damit kannst du arbeiten, denn er wird lieber deine Regeln befolgen, als den Kontakt zu verlieren. Ich würde den Kontakt für eine definierte Zeit (Woche, zwei)unterbinden, wenn Dinge passieren, die du nicht tolerierst und das (wichtig) vorher auch als Strafe ankündigen. Wenn Dinge fehlen, gibt es erst wieder ein Treffen, wenn die wieder da sind usw. Allerdings muss man damit sehr vorsichtig sein, wir hatten auch schon manchmal den Verdacht, dass andere Kinder etwas mitgenommen haben und dann tauchte es doch wieder auf.

wenn in deiner familie alles soviel besser ist, als bei nachbars, kannst du das ja deinem sohn in aller ruhe erklären und ihm klar machen, dass du es lieber sehen würdest, wenn er sich andere freunde suchen würde. vielleicht nimmt er dann abstand vom nicht so beliebten nachbarskind. den umgang zu verbieten, halte ich für die schlechteste lösung
Natürlich kannst Du das! Aber erkläre deinem Kind ganz genau die Beweggründe dafür. Habe es damals auch mit meinem sohn gemacht. er war noch 5 und hat es verstanden. ich habe Ihm erklärt, das ich das nicht wünsche weil.....

in kleinen Mengen verabreicht wird es ihm bestimmt gut tun und sein Selbstbewusstsein gegenueber anderen staerken!
Der Kleine tut mir auch aufrichtig leid. Aber ich kann und möchte auch nicht jedes Spiel beaufsichtigen. Wenn die beiden draussen spielen kann ich darauf warten, dass sich jemand beschwert...
Wir haben hier manchmal meinen Neffen, der ist absolut unbändig und sehr frech. In dem ich ihm knallhart Grenzen aufgezeigt habe, funktioniert es einwandfrei. Falls er die Grenzen übertritt, muss er auf der Stelle heim. Sofort. Dann ist erst mal Funkstillstand und nach ein paar Tagen kommt er wieder, jedesmal wird es immer besser.
Jep, so kenne ich das auch. Kinder wollen und brauchen Regeln. Zuhaus wird das Kind wohl keine haben, also sollten ihm andere ab und an mal zeigen, was Sache ist.