Frage von annath182, 73

KFZ-Schadensregulierung: Darf ich den Gutachter für ein Gegengutachten ebenfalls selbst wählen?

Hallo. Eine Frage zur Schadenbearbeitung bei einem kfz-unfall: Im Dezember 2015 bin ich Opfer eines Kfz-Unfalls geworden. Die schuldfrage ist eindeutig geklärt und liegt beim gegnerischen fahrer - die polizei wurde nach beiderseitigem einverständnis nicht verständigt. Im januar habe ich einen gutachter eingeschaltet und das gutachten an die gegnerische versicherung weitergeleitet. Auch sonstige notwendige informationen zur bearbeitung lagen der versicherung vor. Da ich mehrere wochen nichts gehört hatte, meldete ich mich regelmäßig zurück, um mich nach dem stand zu erkundigen - "Die regulierung ist in arbeit" bekam ich meistens zur antwort. Ende märz fragte ich wieder nach. Man glich mit mir die bankverbindung ab, bestätigte mir dass alle nötigen infos vorliegen und sagte mir, dass die zahlung nun angewiesen werde...ENDLICH! da ich auch 2 wochen später weder post noch einen eingang auf dem konto erhielt, meldete ich mich erneut. Auf einmal hieß es wieder, dass der vorgang noch geprüft wird und ein gegengutachten notwendig sei - 4 monate nach dem unfall!!! Ist das rechtens? Mit hilfe eines anwaltes lehnte ich das gegengutachten ab und stellte eine erneute frist zur zahlung - auch diese wurde ignoriert. Dem anwalt sagte man: ohne gegengutachten kein geld... und so hat er uns den fall auch zurückgegeben. nun stehe ich wieder am anfang. Mehr als 5 monate sind vergangen - der schaden nicht repariert und auch habe ich kein geld erhalten. Muss ich das gegengutachten zulassen - nach so langer zeit? Ein gutachten liegt der versicherung ja seit januar vor. Darf sie dieses überhaupt ablehnen? Kann ich auch für das gegengutachten selbst wählen, wer sich das auto anschaut? Vielen dank für eure hilfe...

Antwort
von RudiRatlos67, 33

Als geschädigter hat man das uneingeschränkte Recht, den Gutachter selbst auszuwählen. Dieses muss die gegnerische Versicherung annerkennen oder muss eine Begründung angeben, wesalb sie das Gutachten nicht anerkennt. Eine solche Begründung muss schon in der Sachlage begründet sein und darf nicht aus Willkür (wie in Deinem Fall ) erfolgen.
Nur eine Richterliche Entscheidung kann ein Gegengutachten anordnen sofern es nicht gegen geltendes Recht verstößt.

Dringend zum Fachanwalt für Versicherungsrecht / Verkehrsrecht und nicht nochmal ein halbes Jahr warten. Ausser Du möchtest der Versicherung einen Gefallen tun. Überigens muss die Gegnerische Versicherung auch die Kosten für Deinen Anwalt tragen.

Antwort
von KfzSVnrw, 39

 Ein gutachten liegt der versicherung ja seit januar vor. Darf sie dieses überhaupt ablehnen?

Wenn dieses Gutachten korrekt ist, darf es nicht abgelehnt werden. Die Versicherung muss genau begründen, warum das eingereichte Gutachten zur Schadensabrechnung nicht geeignet ist.

Muss ich das gegengutachten zulassen

Zunächst einmal "nein" siehe oben.

 ohne gegengutachten kein geld... so hat er uns den fall auch zurückgegeben

Das ist keine Begründung, da ein Gutachten offensichtlich vorliegt. Nur wenn dieses zur Abrechnung nicht geeignet wäre bestünde das Recht auf Nachbesserung oder wenn diese nicht erfolgt auf ein weiteres Gutachten.

Ich würde jetzt erst einmal einen fachkundigen und einsatzbereiten Fachanwalt für Verkehrsrecht aufsuchen und mit ihm die Angelegenheit besprechen.

 Im Dezember 2015 bin ich Opfer eines Kfz-Unfalls geworden

So länge hätte ich nicht friedlich gewartet, ich hätte längst die Klage über einen Fachanwalt eingereicht.

Kann ich auch für das gegengutachten selbst wählen

Du darfst den ersten Kfz-Sachverständigen selber wählen und beauftragen. Ein zweiter ist jetzt nicht erforderlich und daher hast du kein Wahlrecht. Beim Gerichtsverfahren darf das Gericht noch einen Sachverständigen beauftragen

Antwort
von Buerger41, 27

Gutachten der Versicherer sind in der Regel Parteigutachten und wie ein Parteivorbringen zu werten.. Wenn Sie dagegen durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen das erste Gutachten fertigen ließen, hat das rechtlich mehr Gewicht.

Ich bewundere Ihren Langmut und hätte schon längst die Forderung rechtshängig gemacht. Da offenbar auch der Unfallgegner mit seinem Haftpflichtversicherer gemeinsame Sache macht, würde ich auch laut darüber nachdenken, den Unfall zur Anzeige zu bringen. Da beschleunigt nach meinen Erfahrungen die Regulierung ungemein.

Nach einer so langen Zeit müssen Sie eine weitere Verzögerung nicht hinnehmen. Die Rspr. hierzu m üsste Ihr Anwalt kennen.

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