Frage von Horst9, 71

KFZ - Gutachten richtig ?

Hallo. Mein Sohn fährt einen 19 Jahre alten Opel Corsa. der Wagen hat 102.000 km gelaufen. Der Wagen ist technisch absolut okay. Auch die Karosserie weist keine Durchrostungen auf. Allerdings ist er optisch keine Schönheit, da Unfallschäden nicht gerade optimal repariert wurden. Im Februar fuhr jetzt jemand hinten auf. Der Wagen hatte zu diesem Zeitpunkt nur 1 Monat TüV. Ein Gutachter der gegnerischen Versicherung hat den Schaden weit über 1000.-- € geschätzt und den Wert des Kfz auf 300.-- €. Wir sind im März dann zum TüV gefahren und haben mit sehr geringen Aufwand wieder 2 Jahre TüV bekommen. (270.-- € incl. aller TüV- Gebühren). Frage: Ist der Restwert mit 300.-- nicht zu niedrig angesetzt ? Das ist ja eigentlich nur der Schrottwert. Aber das Auto hat jetzt doch wieder neu Tüv bekommen und ist meines Erachtens jetzt wieder mindestens 800.-- € wert. Wer kann mir hier kompetente Auskunft geben ? Gruss. Horst

Antwort
von borrisberlin, 33

Guten Morgen Horst,
du schreibst einmal "Wert des Kfz 300,- €" und ein andermal "Restwert 300,- €".
Der Gutachter der Versicherung muss dir den Wiederbeschaffungswert für dein Fahrzeug ermitteln, und das tut er im besten Falle nicht nur durch einen Blick in die DAT oder Schwacke-Liste, sondern durch Recherche in deinem regionalen Markt.

Ein Problem mit Gutachtern der Versicherer das wir immer wieder mitbekommen ist, dass diese Festangestellten zu Gunsten ihres Arbeitgebers kalkulieren und Fahrzeuge schnell und gerne "tot rechnen".

Das bedeutet, dass sie den Schaden im Rahmen ihrer Möglichkeiten möglichst hoch rechnen und den Wiederbeschaffungswert so niedrig wie möglich ansetzen. Dadurch kommt die Versicherung zu einem Wirtschaftlichen Totalschaden.

In diesem Fall muss bzw. darf der Gutachter auch noch

Restwertangebote

einholen (wie viel zahlt ein Schrotthändler noch für dein Fahrzeug) und darf diesen Wert auch noch von dem sowieso niedrigen Wiederbeschaffungswert abziehen.

Beispiel

Reperaturkosten: 1.000,- €

Wiederbeschaffungswert: 300,- €

Höchstes Restwertangebot: 75,- €

dann bekommst du von der Versicherung ganze: 225,- €

Deswegen ist unser Tipp immer sich gleich an einen unabhängigen Sachverständigen zu wenden und auch möglichst früh einen Fachanwalt für Verkehrsrecht mit einzuschalten. Bezahlt ja beides die gegnerische Versicherung (Siehe "Recht auf Waffengleichheit").

Viel Erfolg bei einer gerechten Regulierung deines Schadens.

Antwort
von WosIsLos, 34

Gutachter gehen nach Tabellen von Dienstleistern vor.

Der Gutachter hat den auslaufenden TÜV bestimmt nicht zu deinen Lasten berücksichtigt.

In den Tabellen gibt es keine Unterscheidung mit oder ohne TÜV. Es wird bei Marktwerten stets von einem funktionsfähigen Zustand ausgegangen.

Klar ist es nicht ausgeschlossen, bei echtem Verkauf einen höheren Preis zu realisieren, das findet aber in einem Gutachten leider keine Anwendung.

Ich empfinde es auch als sehr unfair, jemand, dem ein Schaden zugefügt wurde, diesen nicht zu ersetzen, sondern auf dem Markt ein "hypothetisches" Ersatzfahrzeug kaufen zu lassen.

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