Frage von TUAKA, 86

Kennt sich jemands mit Philosophie aus?

Also Sartre und seiner Behauptung "Existenz geht Essenz voraus".
Bräuchte da Hilfe

Antwort
von Rosenblad, 38

Erst ausgehend seiner Existenz, definiert der Mensch sich in seinem Sein oder wie Sartre es selbst formuliert: „…..der Mensch ist nichts anderes als, wozu er sich macht“. „Der Mensch ist grundlegend Entwurf, individuelles, konkretes und auf die Zukunft ausgerichtetes Streben und Wollen, und nichts, auch keine Menschennatur, existiert vor diesem [Seins-]Entwurf.“ (Dorothea Wildenburg „Jean-Paul Sartre“, Campus – Verlag, 2004, S.108)


Antwort
von Grautvornix16, 30

Hi,- wie ich es sehe: die Existenz  (das Da-Sein) geht der Essenz (dem Wesen) eines Menschen/eines Dinges voraus. Oder mit K. Marx gesagt: Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Oder Neu-Deutsch: Das Deseign bestimmt das Bewußtsein. (Schäärz).

Soll heißen. Das Wesen eines Dinges/eines Menschen wird von den (Umgebungs-) Bedingungen geprägt in denen es existiert. Das Wesen von Etwas wird also durch die Umgebungszustände in denen es existiert und in Beziehung steht dominiert.

Oder: In der Beziehung Ding - Umwelt ist nach Satre die Umwelt der dominante Aspekt zur Entstehung, Erklärung, Entwicklung, Wahrnemung oder Wirkung eines Objektes/Subjektes.

Gruß

Kommentar von Ottavio ,

Zwischen Sartre und Marx gibt es mindestens einen entscheidenden Unterschied. Bei Sartre ist es der Mensch selbst, der in Freiheit sein Wesen bestimmt - nicht die Umstände.

Kommentar von Grautvornix16 ,

Hallo Ottavio, deine Anmerkung ist teilweise berechtigt. Es wäre sicher sinnvoll gewesen, Satre erstmal für sich selbst sprechen zu lassen, um erst dann auf einen, aus meiner Sicht bestehenden Denkfehler bei ihm aufmerksam zu machen anstatt alles sofort zusammen zu einer Antwort zu verarbeiten. Als eine der führenden Figuren des Existentialismus basiert Satres Widerholung der schon vor ihm in der Philosophie formulierten Ansicht, dass die Existenz der Essenz vorausgehe, vor allem auf der Beschreibung der menschlichen Existenz als ein "In die Welt geworfen sein". Diese Aussage formuliert menschliche Existenz aus der Sicht des Existentialismus als ein Ausgesetzt-Sein in ein Leben aus Zufall und Spiel, also den Menschen als "Spielball" der Umstände in welche er hineingeboren wird. Der Mensch "entsteht" eben niemals bei "Null". Hieraus entwickelt der Mensch zwar in individueller Weise eine Vorstellung von sich selbst. Und dies muß er auch tun, um eine Ich-Perspektive entwickeln zu können. Er muß sich mit den individuellen Umständen seines "In die Welt geworfen seins" ins Verhältnis setzen in dem er sich von diesen abgrenzt. Somit ist er zu einer Freiheit verdammt deren Preis für Individualität das "allein sein mit sich selbst" ist. Doch gleichzeitig ist er eben aber auch immer ein Wesen besonderer individueller "Startbedingungen". - Wenn also gesagt wird, dass die Existenz der Essenz vorausgeht so läßt sich dies unschwer dahigehend übersetzen, dass der Mensch seinem Wesen nach niemals als "abstraktes Potential" oder gattungsbegriffliche Vorstellung von dem besteht was er insgesamt sein könnte sondern diese "Ahnung" von sich selbst immer in der Auseinandersetzung mit seinem individuellen Dasein als ein konkretes So-Sein erfährt. Der Mensch erfährt somit Freiheit nicht als ideales Faktum sondern als ein Streben nach dem was nach Satre seiner "Natur" entspräche, welches wiederum der Motor dafür ist, sich in der individualisierten Auseinandersetzung mit seinem Eingebunden-Sein in bestehende Eingrenzungen und den daraus resultierenden Prä-Dispositionen als Individuum zu erfahren und zu konstituieren. Und genau hier setzt Marx an wenn er auf den feinen Unterschied zwischen >Entäußerung< und >Entfremdung< hinweißt und diese Schwachstelle des Menschen als den Kalkül von Ausbeutung als System identifiziert. Wenn es also stimmt, dass die Existenz als konkretes So-Sein der Essenz als Abstrahierung des Begriffes "Mensch" vorausgeht so ist damit die Verbindung zwischen Marx und Satre gegeben und beide sind gar nicht so weit auseinander.  Aus meiner Sicht jedoch ist Satre da über den "schmutzigen Alltag" des Mensch-Seins mit einem großen intellektuellen Bogen hinweggeflogen während Marx das Ganze vorher schon ins Konkrete gebracht hat.

Gruß 

Antwort
von Karamelldeckel, 52

Meiner Meinung nach, lässt es sich folgendermaßen interpretieren : Bevor wir an die Essenz, also an die Wesensbestimmung  des Menschen gelangen, müssen wir schon existieren ( Dasein ), nämlich als biologisches Subjekt .Einfacher ausgedrückt: Bewusstsein und Denken erfordern Materie.

Kommentar von TUAKA ,

Hab einen Text bekommen aber verstehe deine Argumentation nciht ganz und was er letztendlich damit sagen will :/

Kommentar von Karamelldeckel ,

Ich meine damit, dass der Mensch erst auf die Welt kommt , also in seine Existenz eintritt , ohne dass sein Wesen, seine Essenz also, schon vorbestimmt ist. Diese Essenz, muss jeder im Laufe seines Lebens selbst entwickeln. Das heißt: Es gibt keine einheitliche Definition des Wesen des Menschen, dieses ist ganz individuell. Jeder hat die Freiheit, diese Essenz so zu gestalten, wie er es möchte. 

Kommentar von Ottavio ,

Man sollte zur Begründung ergänzen: Dies ist so, weil Gott (bedauerlicherweise) nicht existiert.

Kommentar von Karamelldeckel ,

Stimmt.Das ist die Grundlage des atheistischen Existentialismus.

Antwort
von ulrich1919, 36

Meine Interpretation:

Exsistenz = das Bestehen

Essenz = das Wesentliche.

Das Bestehen geht dem Wesentlichen voraus: Zuerst muss ein Gegenstand bestehen, bevor wir über das Wesen dessen diskutieren können.

Bin gespannt auf andere Antworten und Kommentare.

Kommentar von TUAKA ,

Hätte da eher fragen bezüglich eines Textes und bräuchte da Hilfe

Kommentar von ulrich1919 ,

Siehe Antwort von gromio.

Antwort
von gromio, 38

DAs dürfte Dir helfen, ganz gut zusammengefasst:

http://www.wissen57.de/rupert-m-scheule-existenzialismus.html

cheerio

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