Kennt jemand Zitate mit Beschreibung des Äußeren aus der klassischen Literatur?

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4 Antworten

In den Romanen wichtiger Autoren des 19. Jh's (Fontane, Stifter, Keller...) finden sich Beschreibungen von Landschaften, Herrenhäusern ... aber auch von der Bekleidung der Ptotagonisten. Versuch's mal mit "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller ;-)

In einer Inhaltsangabe des ersten Kapitels von Effi Briest heißt es z. B. : Effi trägt recht kindliche Kleidung, worüber sie sich zwischenzeitlich bei ihrer Mutter beschwert. Auf Nachfrage dieser verneint sie es aber genauso, Kleidung einer Dame tragen zu wollen.

http://www.rither.de/a/deutsch/fontane-theodor/effi-briest/inhaltsangaben/kapitel-1/          (Abschnitt 3)


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Ich wage mich lediglich gerne, Dich mit der mir heiteren Erinnerung an Thomas Manns Zauberberg betrauen zu wollen, kraft dessen höchst hypotaktischer Wortgewalt nicht nur das Vestimentum oder Äußere von Dingen und Menschen, sondern auch geradezu jedwede, der Missachtung leicht anheimfallenden Zartgliedrigkeit in derart ausnehmenden Sätzen entfächert und aufbewahrt wurde, dass den Leser die Wahrhaftigkeit hätte beschleichen können, es gäbe keine Gegenwart, die jemals sorgfältiger gewesen wäre. 

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Kommentar von Agnodike
20.11.2016, 13:03

Ein etwaiges von vielen Beispielen:

(Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1952 [1924], S. 34/35

Dr. Krokowski begrüßte den neuen Hausgenossen mit einer gewissen heiteren, stämmigen und aufmunternden Herzhaftigkeit, als wollte er andeuten, daß Aug in Auge mit ihm jede Befangenheit überflüssig und einzig fröhliches Vertrauen am Platze sei. Er war ungefähr fünfunddreißig Jahre alt, breitschultrig, fett, bedeutend kleiner als die beiden, die vor ihm standen, so daß er den Kopf schräg zurücklegen mußte, um ihnen ins Gesicht zu sehen, - und außerordentlich bleich, von durchschei-nender, ja phosphoreszierender Blässe, die noch gehoben wurde durch die dunkle Glut seiner Augen, die Schwärze seiner Brau-en und seines ziemlich langen, in zwei Spitzen auslaufenden Vollbartes, der bereits ein paar weiße Fäden zeigte. Er trug einen schwarzen, schon etwas abgenutzten Sakkoanzug, schwarze, durchbrochene, sandalenartige Halbschuhe zu dicken, grauwollenen Socken und einen weich überfallenden Halskragen, wie Hans Castorp ihn bis dahin nur bei einem Photographen in Danzig gesehen hatte und welcher der Erscheinung Dr. Krokowskis in der Tat ein ateliermäßiges Gepräge verlieh. Herzlich lächelnd, so daß in seinem Barte die gelblichen Zähne sichtbar wurden, schüttelte er dem jungen Manne die Hand, indem er mit baritonaler Stimme und etwas fremdländisch schleppenden Akzenten sagte: »Seien Sie uns willkommen, Herr Castorp! Möchten Sie sich rasch einleben und sich wohlfühlen in unserer Mitte. Sie kommen zu uns als Patient, wenn ich mir die Frage erlauben darf?«

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Wahrscheinlich nicht unbedingt das, was Du suchst - aber weil ich nach dem Lesen deiner Worte spontan daran denken musste, nenne ich hier mal den (wahrscheinlich bekannten) Klassiker:

Gottfried Benn - Nachtcafe

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