Frage von kackhui, 43

kennt jemand eine Lebenshilfe oder Therapieform die mir helfen könnte?

Ich bin schon seit 2 Jahren in einer ziemlich blöden Situation. Ich bin 18 jahre alt und stecke in Liebeskummer und Depression fest seit ich sechzehn bin. Festgefahrene Denkmuster aus denen ich nicht herauskomme, behindern mich. Das blöde ist ja, dass natürlich ein Teil von mir diese Denkmuster "braucht", sonst würde ich sie nicht den ganzen Tag anwenden. Ich habe mich nach Therapieformen umgeschaut und informiert, wobei mir vieles nicht wirklich zusagt. Die Verhaltenstherapie schaut sich ja überwiegend das Verhalten an, und versucht durch diesen Ansatz den Kreislauf aus Ängsten und Depressionen zu durchbrechen. Doch ich muss sagen, dass ich nicht möchte dass ich durch solch eine Therapie wieder emotional an!Dinge! und Alltag gebunden werde, an DInge die ich als nicht erfüllend bewerte, und von denen ich mich ja selber abgewandt habe. Ehrlich gestanden möchte ich nicht in ein von der Gesellschaft angesehenes Lebenskonzept zurückgebracht werden, und auch nicht lernen mir Ziele wie Erfolg usw zu setzen und ein "problemloses lückenloses" Leben zu führen, wodurch ich als gesund angesehen werde. Man könnte natürlich argumentieren das wäre ein Zeichen der Depression, was diese therapäutische Herangehensweise so undurchdringlich macht, und mich natürlich in meinem Denken abwertet und mir erstens die Verantwortung für mein Denken entzieht, das es ja nur "eine Krankheit" sei, und mir meine Selbstsicherheit nehmen würde..Ich bin auf der Suche nach einer Therapie die mir Energie gibt eigene Wege zu gehen.. Ich möchte nicht als Patient gesehen werden, nicht als krank. Ich möchte mich nicht blind in die Hand eines Menschen übergeben, der mir sagt wie mein unbewusstes Denken aufgebaut ist, und wie es mich im Alltag behindert (Psychoanalyse), ich weiß dass ich mir selber im Weg stehe, aber ich möchte auf diesen Weg nicht zurück. Ich brauche erstens Hoffnung dass es noch andere Qualitäten als Sicherheit und Intellekt gibt, andere Qualitäten als Individuation und der daraus resultierende Identitätskampf.. Zweitens brauche ich Begleitung und Mut in in innere Welten vorzudringen, da ich sehr blockiert bin was das angeht, ich glaube weil ich eine schreckliche psychotische Erfahrung hatte. Ich brauche einen Menschen mit Erfahrung, der mich ernst nimmt, dem ich nicht blind! vertrauen muss. Ich möchte vertrauen. Aber nicht blind. Ich weiß das sind viele Anforderungen, aber ich merke wie ich mich auf eine bestimmte Art immer wieder im Kreis drehe, was sich mitlerweile in allen Lebensbereichen zeigt, mal weniger und mal mehr, doch ich komme nicht vom Fleck. Ich bin oft traurig, sehnsüchtig, verwirrt, zwiegespalten, wie bewegungsunfähig, wenn der gesellschaftliche Druck dazukommt, obwohl ich weiß, dass dieser in meiner "von-außen-gesehen- Situation" vollkommen angemessen ist, fühle ich mich überfordert und ich weiß dass der Druck sich weiterhin verstärken wird .Ích brauche einfach Hilfe und würde mich über Antworten freuen.

Antwort
von amrita1, 15

Ich glaube nicht, dass es die "eine" Lebenshilfe oder Therapieform gibt, die dir helfen kann, sondern verschiedene Formen können dich eine Weile auf deinem Weg begleiten. Muster kannst du erkennen, akzeptieren, dir dafür vergeben und die zugrunde liegenden Programme deaktivieren.

Selbstliebe ist auf dem Weg ein wichtiges Thema und es geht auch um die Heilung des inneren Kindes; trotzdem möchte ich dir raten, einen erfahrenen Psychotherapeuten zu suchen, der auch spirituelle Intelligenz mitbringt.

Antwort
von JaniXfX, 13

Hallo Kackhui,

also um Deinen Text etwas zusammenzufassen: Du möchtest Veränderung, ohne Dich verändern zu müssen, Du möchtest Selbsterkenntnis ohne dass dort jemand sitzt, der Dir dabei hilft, blinde Flecken zu erkennen und Du möchtest etwas für Dich (und nur für Dich tun), Dich entwickeln, ohne individualistisch oder eigennützig zu sein? Soll ich Dir etwas verraten? Das geht nicht.

Um noch etwas zu Verhaltenstherapie und Psychoanalyse zu sagen: Es gibt den Ausspruch "ich bin, was ich tue". Dementsprechend arbeitet die VT an dem, was man tut, versucht Alltagsmuster umzustellen und damit das "ich bin" zu ändern. Die Psychoanalyse schaut detaillierte, wo Probleme herkommen, wie sie sich zusammensetzen und versucht gemeinsam mit Dir eine Lösung für diese problematischen Muster zu erarbeiten. Die Psychoanalyse dauert erheblich länger. Es gibt auch Psychodynamische Verfahren, die zwischen diesen beiden Polen liegen. Psychoanalytiker wissen übrigens keine unbewussten Dinge oder Muster von Dir. Das ist quatsch. Sie arbeiten mit Dir gemeinsam heraus, was das für Muster sind - die kennen sie auch nicht einfach so. In jedem Falle ist die Therapie keine Arbeit des Therapeuten, sondern DU MUSST AN DIR arbeiten - Therapeuten können Dir nur zeigen, WIE Du das machst.

Mal abgesehen davon, dass es nicht leicht ist einen Termin zu bekommen... Du hast jetzt lange recherchiert, um Dir zu beweisen, dass kein Therapeut für Dich geeignet ist - ohne überhaupt einen besucht zu haben. Versuch Dich nicht selbst auszutricksen. Sondern sprich mit Deinem Hausarzt, schildere ihm das Problem und lass' Dir eine Überweisung und ggf. Empfehlung geben. 

Beste Grüße!

Kommentar von kackhui ,

Ich glaube du hast mich etwas missverstanden. 
Ich möchte nicht Veränderung ohne mich zu verändern, ich möchte Hoffnung und somit einen Grund mich zu verändern. 
Dass es den Ausspruch gibt "Ich bin was ich tue" glaube ich gerne, das ist mir aber ein zu eingeschränkter Blick.
Die Psychoanalyse schaut natürlich detailliert wie die Probleme  zusammengesetzt sind, hat mir aber ein zu pessimistisches Menschenbild, bei der der Mensch selbst wenn er gesund ist eine triebgesteuerte, neurotische "Maschine" ist. 
Ich war schon bei ein paar Therapeuten und habe mich sehr in ein Muster gedrängt gefühlt, bzw hatte ich das starke Gefühl dass ich durch eine bestimmte Brille angeschaut wurde, was ja kaum zu vermeiden ist, aber ich hatte eigentlich die Hoffnung dass gerade bei Therapeuten dies so wenig wie möglich da sein sollte. 
Therapeuten haben ein Studium und Ausbildung hinter sich in denen sie lauter Muster gelernt haben (siehe Persönlichkeitsstörungen), und aus diesem Wissen heraus ordnen sie dich ein, weshalb ich es für Quatsch halte dass man "zusammen" etwas macht, da der Therapeut letztendlich dazu da ist dich auf etwas aufmerksam zu machen, was dir selber verschleiert ist, aufgrund von Prinzipien die dir nicht klar sind. Du bist automatisch untergeordnet und somit arbeitet man nicht gemeinsam, was wahrscheinlich auch das ist was mich stört. Sorry für den Roman, du musst es ja nicht lesen. :D Trotzdem danke für die Antwort

Kommentar von JaniXfX ,

Hallo Kackhui, ich gewinne so den Eindruck, dass Du etwas Gefallen daran findest, keinen geeigneten Psychologen zu finden. Damit bist und bleibst Du auch etwas unantastbar - aber das Bein stellst Du Dir selbst. Vor allem habe ich den Eindruck, Du deklarierst alles gleich als etwas nicht funktionierendes. 

Kommst Du mit der "Schieflage" in der Therapie nicht klar, dass der Therapeut möglicherweise etwas weiß oder findet, was Du (noch) nicht siehst? Das ändert trotzdem daran nichts, dass man gemeinsam daran arbeitet. Als Therapeut weist man einen Patienten nicht auf etwas hin. Man fragt nach und hinterfragt an den richtigen Stellen, damit der Klient selbst die Problematik erkennt. Und der Klient selbst muss auch Lösungen für die Probleme finden. Und diese Schieflage scheint zu stören: Du versuchst sogleich den Therapeuten als "Mensch mit eingeschränkter Brille" zu deklarieren, daraus zu schlussfolgern, dass er nicht im Stande ist Dir zu helfen, und eine weitergehende Behandlung abzubrechen.

Ich fürchte, Du wirst es mir nicht ganz glauben, aber ich will noch mal den edukativen Weg wählen: In der Psychoanalyse wird kein Menschenbild verfolgt. Ein Menschenbild enthält nämlich gleich wieder moralistische Wertungen, die dann z.B. pessimistisch sein können. Die Psychoanalyse wertet das nicht. Sie lässt vermeintlich "böse" neben "schönen" Wünschen gleichwertig nebeneinander stehen. Das Freud'sche Modell, welches Du im Kopf hast, besagt lediglich, dass es ES-Wünsche gibt, die durch moralische ÜBER-ICH (gesellschaftliche) Konventionen in Konflikt geraten und nicht gelebt werden können. Gesund wäre dann, wenn ein Modus gefunden wird, mit diesen Wünschen umzugehen und eine gesellschaftlich tragbare Auslebung gefunden wird. Ungesund (z.B. auch bei Depressionen) ist beispielsweise, wenn Klienten in ihrem Alltag Aggressionen verspüren (z.B. auf Geschwister, Vorgesetzte, Familie, etc.) und diese so heftig sind, dass sie sich in keinster Weise trauen sie auszuleben oder gar zu denken - bei solch einer Belastung muss der "Druck" jedoch irgendwo hin und wird dann in verkehrter Weise ausgelebt: so werden depressive oftmals selbstaggressiv: "ich bin nichts wert, ich bin schlecht, alle Welt hasst mich". Das ist ein Beispiel, das trifft nicht immer zu. In der gemeinsamen Arbeit kann man mit dem Klienten schauen, was an Aggressiven Gefühlen OK ist, was man zulassen kann, dass sauer-sein auch mal sein darf und wie man vielleicht auch zukünftig damit Leben kann. Das dauert eine Weile, da diese verkehrten Muster über eine Weile eingeübt wurden und nicht sofort verschwinden.

Mich würde vielleicht noch interessieren: Die Depression ist eine Diagnose. Hat die ein Therapeut gestellt oder Du selbst? Wenn Therapeut, welcher Grad denn? Und dann schreibst Du von einer psychotischen Erfahrung... Was meint das? Meint das etwas Traumatisches, wie z.B. Missbrauch, Vergewaltigung, Unfall? Oder meint das tatsächlich psychotisch im Sinne von Dinge sehen, die nicht da sind (z.B. Ratten, Spinnen) und Stimmen?

Antwort
von Virginia47, 9

Verhaltenstherapie wäre in der Tat nicht das Richtige.

Ich war bei einem Verhaltenstherapeuten und habe nach drei Sitzungen das Handtuch geworfen. Weil es mich keinen Schritt vorwärts brachte. 

Aber vor vielen Jahren war ich bei einem Psychologen, der sowohl analytisch als auch verhaltenstherapeutisch tätig war. Und davon zehre ich noch heute. 

Ich glaube auch, dass du in dieses Form besser aufgehoben wärst. 

Mein Psychologe hatte mir nicht diktiert, was ich zu tun oder zu lassen habe. Sondern hatte mir Denkanstöße gegeben, um aus meinem Teufelskreis rauszukommen. 

Es stimmt schon, dass man zu eingefahren ist, wenn man sich immer nur im Kreise dreht. Aber da hilft vielleicht ein therapeutischer Ansatz, um sich da raus zu bewegen. 

Es gibt Probestunden. Und da kannst du herausfinden, was für dich wohl das Passende wäre. 

Alles Gute

Virginia

Kommentar von JaniXfX ,

Hallo Virginia,

leider schleicht der Glaube, dass nach 3 Stunden schon eine Veränderung spürbar sein müsste, sehr durchs Volk. Wenn Therapeuten schon binnen so kurzer Zeit an den "Schrauben" des Seelenlebens drehen würden, würden Klienten empört hinausrennen. Stattdessen veranschlagt eine richtige Psychoanalyse auch bis ca 200 Std.

Kommentar von Virginia47 ,

Dessen bin ich mir schon bewusst. Aber das war ein Selbstdarsteller nach dem Herrn. In den 50 Minuten Therapiestunde erzählte er mir 45 Minuten, wie toll er ist. Die restlichen fünf Minuten dienten der erneuten Terminvereinbarung. Nicht ohne Eigenlob. Das war mir einfach zu wenig. 

Meine Einwände zu bestimmten Themen beachtete er überhaupt nicht. 

Er war der Meinung, dass man das Vergangene ruhen lassen sollte. Da meine Probleme aber aus der Kindheit und Jugend rührten, fand ich das wenig hilfreich. 

Da empfand ich meinen Psychologen von vor Jahren hilfreicher. Da ging ich mit einem Lächeln raus, das dann immer länger anhielt. Da fühlte ich mich wirklich verstanden und gut betreut. 

Antwort
von derMannohnePlan, 12

Es gibt einen anderen Weg als die Liege beim Psychiater. Vielleicht hilft es Dir ja Dich ein wenig hiermit auseinander zu setzen:

http://doormann.tripod.com/jkliebe.htm

Kommentar von JaniXfX ,

Das ist eine unpassende Antwort. Die Psychologie ist eine Wissenschaft. Ohne Religion, ohne Esoterik. Übrigens: Psychiater ungleich Psychologe, ungleich Psychotherapeut.

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