Frage von Utopiosus, 31

Kennt jemand die kirchlichen Graduierungen der (evangelischen) Kirche?

Womit beginnt man (z.B. nach dem Studium) und wie geht es dann weiter? Bei Bezeichnungen wie Pfarrer, Priester u.s.w. hätte ich gern eine Art "Rangliste". Dankeschön :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von nachdenklich30, 13

Die Antwort ist sehr komplex, da es keine einheitlichen Bezeichnungen gibt und dafür tausend Ausnahmen von irgendwelchen Regeln.

Evangelisch gibt es in Deutschland den Begriff Priester nicht.

In meiner Landeskirche kommt nach dem Studium und dem ersten kirchlichen Examen die Zeit als Vikar oder Vikarin.
Danach wird man Pfarrer z.A. oder Pfarrerin z.A. ("zur Anstellung", ein Begriff aus dem Beamtenrecht). Wenn einen eine Gemeinde als Pfarrer wählt, fällt das "z.A." weg.

Wer in diesem Beruf arbeitet und nach dem Vikariat keine eigene Pfarrstelle ergattern konnte, darf sich "Pastor" nennen.

In anderen Landeskirchen sind Pastor und Pfarrer Synonyme.

In manchen Landeskirchen kann man dann Probst und Bischof werden.

In anderen Landeskirche nennt man die Superintendent und Präses.

Und auf der Ebene des Superintendenten (dem Vorsitzenden im Kirchenkreis) kann man Scriba (Schriftführer) und Assessor (stellv. Superintendent) werden. Wobei im Kirchenkreis des Kreissynodalvorstand bzw. im Parlament des Kirchenkreises ("Synode") neben den Geistlichen auch gleichberechtigt und zahlenmäßig ebenbürtig Nichtgeistliche sitzen und abstimmen. Insofern ist auch das eine Art Korrektur gegenüber einer religiösen Rangordnung.

Ist dir inzwischen schwindelig? Ich könnte es verstehen. Aber wer Fragen stellt, die fast nicht zu beantworten sind, muss halt mit den Antworten leben. :-)

Kommentar von Utopiosus ,

Mit ist nicht schwindelig, danke der Nachfrage :)

Um das mal herunterzubrechen auf die Begriffe selbst:

Evangelische Kirchen

Es gibt verschiedenartige Strukturen, was ich wissen wollte ist die evangelische Anordnung in Bayern. D.h. sie sind synodal geordnet, sprich (deduktiv/von oben nach unten):

Auf

Landesebene

gibt es die

Kirchenleitung: 

Erzbischof Bischof Landesbischof Kirchenpräsident Präses Landessuperintendent

(Speziell bei der synodalen: 

Ltg.: Synodenpräsidenten oder Präses) 

Danach kommt auf der

Regionalebenen

(z.B. Landkreis Schwaben) die 

Kirchenkreis- oder Kirchenbezirksleitung mit:

Regionalbischof Superintendent Prälat Landessuperintendent
Die Dekanatsleitung ist aufgeteilt in 
Dekan
Superintendent

Die Gemeindeebene, z.B. Stadt Augsburg:

Pfarrer/Pastor
Diakon
Kirchenvorsteher, 
Gemeindekirchenratsmitglied 
Kommentar von nachdenklich30 ,

Ich befürchte, das ist nicht ganz richtig.

http://www.bayern-evangelisch.de/wir-ueber-uns/kirchenleitung.php

Eine lutherische Kirche wie die ev. Kirche in Bayern kann schon deswegen nicht einfach von oben nach unten geordnet sein, weil die Freiheit eines (jeden) Christenmenschen zum lutherischen Selbstverständnis gehört.

Zitat:

"Daher gibt es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern auch landesweit kein übergeordnetes Organ, das mit Richtlinienkompetenz oder Koordinierungskompetenz für die gesamte Kirche ausgestattet wäre. Nach der Kirchenverfassung Artikel 40 geschieht Leitung auf landeskirchlicher Ebene in „arbeitsteiliger Gemeinschaft und gegenseitiger Verantwortung“ von Landessynode, Landessynodalausschuss, Landesbischof und Landeskirchenrat.

Alle vier Organe wirken gleichberechtigt in der Leitung zusammen, jedes Organ nimmt den ihm zugewiesenen Funktionskreis und den jeweiligen Aufgabenkanon wahr. In den Bereichen, in denen die Vertreterinnen und Vertreter gemeinsam an der Entscheidungsfindung beteiligt sind, müssen sie sich unter- und miteinander einigen.

Zwischen Landessynode und Landessynodalausschuss als den synodalen kirchenleitenden Organen einerseits und dem konsistorialen (Landeskirchenrat) und episkopalen (Landesbischof) Organ in der Kirchenleitung andererseits besteht eine strikte Trennung. Der Landesbischof und die Mitglieder des Landeskirchenrates sowie die
Pfarrer und Kirchenbeamten des Landeskirchenamtes können nicht der Landessynode und dem Landessynodalausschuss angehören. Gerade dieses Prinzip des „Gegenübers“, dieses miteinander um Entscheidungen ringen aus unterschiedlichen Positionen, Strukturen und Blickwinkeln heraus, formt eine funktionale Dienstgemeinschaft."

D.h.: Die Synode wirkt von unten nach oben: Die Gemeinden wählen jeweils ihre Gemeindeleitungen, diese wählen Synodale für die Dekanatssynoden (oder wie dieses mittlere Gremium in Bayern heißt) und diese in die Landessynode und bestimmen so das Handeln der Kirche von unten her. Und sie wählen den Bischof, der dann wiederum von oben nach unten wirken kann. Und dies in einer guten Ausgewogenheitl.

Einzelheiten unter http://www.bayern-evangelisch.de/wir-ueber-uns/aufbau-der-landeskirche.php

Antwort
von drachenfreund, 18
Kommentar von Utopiosus ,

Danke für den Link :)

Antwort
von tryanswer, 17

Da gibt es eigentlich nur den Pastor (eine andere Bezeichnung: Pfarrer). Um das Amt zu erlangen bedarf es in der Regel eines Vikariates (Tätigkeit als Vikar; quasi einer Ausbildung). In den Landeskirchen gibt es dann noch Bischhöfe als quasi "theologischer Geschäftsführer". - Damit wäre dasTheama aber auch schon abgeschlossen.

Kommentar von Utopiosus ,

Also es gibt doch weit mehr kirchliche Amtsbezeichnungen/Graduierungen als Pastor/Prister und Vikar? Ich hätte gerne eine Auflistung nach Rang in Bezug auf die gesamte christliche Glaubensgemeinschaft (vorzugsweise natürlich) wie in der Fragestellung verortet, die evangelisch-lutheranische Richtung mit einbezogen.

Kommentar von tryanswer ,

Es stimmt schon, jede Glaubensrichtung hat da ihre eigenen Strukturen. Die kann ich dir aber beim besten Willen nicht alle Aufzählen, daher habe ich mich auf die evang.- luth. und theologischen Ämter beschränkt. Die Eigenart in ihr ist es ja gerade, das es nur ein Predigeramt gibt und nicht diverse Titel wie bspw. bei den Katholischen.

Antwort
von Linuxaffiner, 8

Es gibt bei den evangelischen Kirchen nur eine sehr flache Hierarchie - Pfarrer, Dekan, Regionalbischof (Bayern) und letztendlich der Landesbischof.

Im nichttheologischen Bereich (am unteren Ende) wären noch die Diakone mit einer eigenen Ausbildung zu erwähnen.

LA

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