Frage von Sandrisimo, 88

Kennt ihr homöopathische Mittel zur Schwangerschaftsförderung? Sollte auch mit 44 Jahren noch helfen.?

Antwort
von uteausmuenchen, 88

Hallo Sandrisimo,

nein, ich kenne keine solche Mittel, habe mich aber vor längerer Zeit einmal sahr intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Sogenannte homöopathische Arzneien enthalten ab einer recht niedrigen Verdünnung von C12 keinerlei Wirkstoff mehr. Es handelt sich um reinen Zucker. Die gezielte Wirkung eines Stoffes in seiner Abwesenheit steht im Widerspruch zum naturwissenschaftlichen Wissen in Physik, Chemie,... Homöopathika sind Placebos.

Placebos haben auch auf unerfüllten Kinderwunsch keine gezielte Wirkung. Placeboeffekte kann es aber sehr wohl geben. Und in manchen Fällen helfen die einem auch. Aber eben nur in manchen Fällen, wenn die Voraussetzung passt.

Tatsächlich empfehlen Homöopathen ihre Mittelchen auch bei unerfülltem Kinderwunsch. Die Carstens Stiftung behauptet sogar, es gäbe eine Studie, die hier Wirksamkeit nachgewiesen habe.

Macht man sich die Mühe, die Studie selbst zu lesen, dann kommt man aber zu ganz anderen Eindrücken. Tatsächlich schreibt die Studienautorin selbst in ihrer eigenen Studie, dass sie es für möglich hält, dass die in der Arbeit dokumentierten Erfolge Placeboeffekte sind. - Also etwas ganz anderes als es die Carstens-Stiftung beschreibt.

Frau Gerhard kommt vielmehr zu der Aussage, dass sie bei einem Teil der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch in ihren Untersuchungen keine körperlichen Ursachen finden kann. Oft legt sie diesen Paaren eine Psychotherapie ans Herz. Diese wird nicht selten abgelehnt - man wolle ja ein Kind und habe nicht psychische Probleme.
Und tatsächlich erzielen in der Studie in dieser Gruppe die Homöopathika mit die besten Ergebnisse. Frau Gerhard wirft deshalb noch in der Frage auf, ob es die ausführlichen Anamnesegespräche waren, die den Paaren geholfen haben.

Die Möglichkeit, sich aussprechen zu können, zu reflektieren, den Focus zu verschieben, den Druck aus einer Situation zu kriegen, das kann einem tatsächlich helfen. Das weißt Du bestimmt auch. Anamnesegespräche können hier u.U. helfen, weil sie gemacht werden ohne das Stigmata der Psychotherapie.

Und genauso sollte man das auch anpreisen. Nicht die Globuli helfen (die sind Placebos), aber die Gesprächssituationen können einem unter Umständen helfen, den Druck zu nehmen. Und ja, natürlich kann das auch eine echte Psychotherapie leisten. Die sogar ohne den widerlegten Globuli-Überbau der Homöopathie. Beides hilft aber nur dann, wenn vorher abgeklärt wurde, dass bei beiden Partnern körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können. Der Weg sollte also zuerst zu einem seriös arbeitenden Frauenarzt führen.

Falls Du zur tatsächlichen Datenlage weiterlesen möchtest, hier ist der ausführliche Bericht zur Studie von Frau Gerhard:

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=1227

Grüße

Kommentar von isebise50 ,

Der Streit um die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln ist so alt wie Christian Friedrich Samuel Hahnemann. Ich bin voll bei dir bezüglich der Nützlichkeit des Placebo-Effektes bzw. des eigenen Glaubens und der menschlichen Zuwendung zur Gesundung. Dennoch habe ich (subjektiv) privat wie beruflich viele positive Ergebnisse mit der Homöopathie erlebt. Wobei die Patientinnen (und Säuglinge erstrecht) nicht wussten, was ich ihnen gab und was das Mittel bewirken soll, kam am Ende genau das in der Homöopathie beschriebene "Ergebnis" heraus.

Vielleicht (oder zum Glück oder bestimmt) gibt es mehr Dinge im Himmel und Erden, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt und der Mensch reduziert sich eben nicht nur auf Physik und Chemie.

Ich möchte das Zitat von Hippokrates Wer heilt, hat recht! nicht als Begründung für die Funktionstüchtigkeit der Homöopathie missbrauchen, sondern es zum Wohle des Kranken so interpretieren: Hauptsache es wird besser, egal wo durch oder durch wen!

Kommentar von MalNachgedacht ,

Der Streit um die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln ist so alt wie Christian Friedrich Samuel Hahnemann. 

Während wohl hingegen niemand behaupten würde, dass Aspirin, die Antibabypille oder ein Narkotikum nicht besser als Zuckerpillen wirken würden.

Dass der "Streit" über die Wirksamkeit homöopathischer Mittel nun schon über 200 Jahre anhält ist schlicht der Tatsache zu verdanken, dass es Homöopathen in diesen 200 Jahren nicht geschafft haben auch nur für ein einziges ihrer Mittelchen zu belegen, dass es besser als Zuckerpillen wirkt.

Könnten sie das dann gäbe es keinen Streit um die Wirksamkeit.

Ich bin voll bei dir bezüglich der Nützlichkeit des Placebo-Effektes bzw. des eigenen Glaubens und der menschlichen Zuwendung zur Gesundung. Dennoch habe ich (subjektiv) privat wie beruflich viele positive Ergebnisse mit der Homöopathie erlebt. Wobei die Patientinnen (und Säuglinge erstrecht) nicht wussten, was ich ihnen gab und was das Mittel bewirken soll,

Die Patienten (oder auch Säuglinge) müssen auch gar nicht wissen was sie da bekommen - das Gefühl dass sich jemand um sie kümmert und ihnen hilft reicht schon aus. Und dieses Gefühl kennen auch Säuglinge....

 kam am Ende genau das in der Homöopathie beschriebene "Ergebnis" heraus.

Die Beschreibungen der Homöopathie lassen meist reichlich Interpretationsspielraum - und die Homöopathie als Lehre bietet für alles eine Erklärung. 

Geht es dem Patienten nach der Gabe eines Mittels besser hat das Mittel gewirkt

Geht es dem Patienten nach der Gabe eines Mittels schlechter sit das eine durch das  Mittel verursachte "Anfangsverschlimmerung"

Tut sich gar nichts - dann muß die Potenz des Mittels geändert werden oder das Mittel geändert werden.

Egal was passiert - Homöopathie liefert immer eine "Erklärung" dafür - und wer an Homöopathie glaubt ist auch geneigt diesen Erklärungen zu glauben..,.

Vielleicht (oder zum Glück oder bestimmt) gibt es mehr Dinge im Himmel und Erden, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt und der Mensch reduziert sich eben nicht nur auf Physik und Chemie.

Ganz bestimmt gibt es solche Dinge - d.h. aber nicht das man sich nun irgendwelche Weisheiten einfach ausdenken darf und dann (unter Bezug auf Wilhelm Schüttelspeer) behaupten dass diese stimmen müssen.

Und mal ganz davon abgesehen, dass Homöopathen keine überprüfbare Erklärung für die Wirkungsweise ihrer Mittel haben - sie also nicht nachvollziehbar erklären können WIE ihre Mittel wirken so läßt sich vollkommen unabhängig davon überprüfen OB ihre Mittel wirken.

Man muss ja nur prüfen, ob sorgfältig individuell ausgewählte Globuli zu besseren Erfolgsquoten bei der Behandlung von Kranken führen als wenn man die sorgfältig individuell ausgewählten Globuli (ohne das Wissen des Patienten und des behandelnden Homöopathen) "heimlich" durch Zuckerpillen austauscht.

Das hat man in Studien auch schon mehrfach gemacht (z.B. Walach in der Münchner Kopfschmerzstudie) - mit dem Ergebnis dass es vollkommen egal war ob man Zuckerpillen oder Globuli verabreicht.

Ich möchte das Zitat von Hippokrates Wer heilt, hat recht! nicht als Begründung für die Funktionstüchtigkeit der Homöopathie missbrauchen, sondern es zum Wohle des Kranken so interpretieren: Hauptsache es wird besser, egal wo durch oder durch wen!

Nur wird es eben mit Homöopathie nicht immer besser - und eine Methode deren Mittel nicht besser als Zuckerpillen wirken mag bei Schnupfen oder blauen Flecken "helfen" (beides heilt auch durch Abwarten und Tee trinken) aber bei ernsten Erkrankungen kann so eine Zuckerpillen-Behandlung tödliche Folgen haben, die mit wirksamen Arzneimitteln vermeidbar gewesen wären.

http://whatstheharm.net/homeopathy.html

Kommentar von uteausmuenchen ,

isebise50,

Dennoch habe ich (subjektiv) privat wie beruflich viele positive Ergebnisse mit der Homöopathie erlebt.

Das glaube ich Dir unbenommen. Besonders dann, wenn ausheilbare Beschwerden homöopathisch "behandelt" werden, ist das ja sogar unvermeidbar: Ein Placebo verhindert ja nicht den natürlichen Heilungsprozess bei leichten Erkrankungen.

Allerdings - so unvorstellbar uns das auch erscheint - auch überraschende Genesungen sind kein Indiz für eine erfolgte Wirksamkeit.

Der Münchner Professor Ring erzählt gerne die Anekdote, dass er jedes Jahr zu Weihnachten eine Dankeskarte bekommt von einem ehemaligen Patienten. Jedesmal schreibt er "Sie haben mich geheilt." - Was der Patient bis heute nicht weiß: Er war in der Placebogruppe der Studie.

Vielleicht (oder zum Glück oder bestimmt) gibt es mehr Dinge im Himmel und Erden, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt

Der arme alte Shakespeare wird so oft von Homöopathen missbraucht, die sich vor dem Beleg ihrer Behauptungen drücken wollen...

Dabei erweist sich gerade Hamlet - aus diesem Drama stammt das Zitat ja - als echter Naturwissenschaftler. Er glaubt dem Geist seines Vaters nicht blind, sondern ersinnt das Theaterstück als Test der Aussagen. In der letzten Szene des 2. Aktes heißt es entsprechend

".. Ich will seine Blicke
Beachten, will ihn bis ins Leben prüfen;
Stutzt er, so weiß ich meinen Weg. Der Geist,
Den ich gesehen, kann ein Teufel sein;
Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden
In lockende Gestalt, ja, und vielleicht,
Bei meiner Schwachheit und Melancholie,
Da er sehr mächtig ist bei solchen Geistern,
Täuscht er mich zum Verderben.
Ich will Grund,Der sichrer ist.
Das Schauspiel sei die Schlinge,
In die den König sein Gewissen bringe."

Hamlet testet die Behauptung des Geistes, denn er will "Grund, der sichrer ist", er erkennt die Möglichkeit, dass er (Hamlet) sich getäuscht haben könnte ("Bei meiner Schwachheit und Melancholie, (...) Täuscht er mich zum Verderben.").

Auch bei Hamlet bedeutet das Zitat also nicht, dass Offenheit zu bedeuten hat, dass man auf vernünftige Beleglage zu verzichten hat. Hamlet erweist sich also als echter Naturwissenschaftler.

Unsere persönlichen Eindrücke können uns täuschen. Und das anzuerkennen und saubere Tests zu fordern, das ist erheblich bescheidener als die Behauptung, die winzige Menge eigener Erfahrung widerlege ganz sicher alle Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft und alle Erfahrungen von zig tausenden Patienten aus den Vergleichsstudien.

Hauptsache es wird besser, egal wo durch oder durch wen!

Du weißt aber immer erst im Nachhinein ob ein Placebo genügt. Zumindest der Therapeut sollte sehr wohl wissen, wann er ein Placebo gibt - und wann eine gezielt wirksame Therapie. Sonst kann es für den Patienten gefährlich werden.

"Wer heilt, hat recht" ist deshalb ein sehr bedenklicher Immunisierungsspruch der Branche. Man kann nicht einfach postulieren, dass es jedem Patienten egal ist, ob er mit oder entgegen bestem Wissen beraten wird. Der Patient hat ein Recht darauf zu wissen, ob ein Verfahren, das ihm/ihr empfohlen wird, nach bestem Wissen und Gewissen nicht mehr  ist als ein Placebo.

Grüße

Antwort
von mexp123, 77

Von diesen globuli kannst du jede nehmen, da die nur aus Traubenzucker bestehen. Aber können dank dem Placebo Effekt schon was bringen (da es ja sehr mit dem hormonellen zusammenhängt). Du kannst den Apotheker mal fragen, der gibt dir dann Kügelchen für die Schwangerschaft und kriegt 20€ für ein Gläschen zuckerkugeln.
Aber ich persönlich würde lieber selber guten Glauben haben, dass es klappt (das funktioniert genauso gut) und wenn das nicht geht dann mal mit dem frauenarzt reden.

Kommentar von Pfaffenhofener ,

Naja, was soll der Frauenarzt schon groß sagen? Stichwort gebährfähiges Alter...

Kommentar von mexp123 ,

So alt ist das auch noch nicht. Ich hab bekannte die haben auf natürlichem Wege noch mit 45 ein (mehr oder weniger Unfall-)Kind bekommen.
Mein Bruder kam auch auf die Welt, da war meine Mama schon 40, also so übertrieben find ich es jetzt nicht.

Und der Frauenarzt kennt sich da jetzt besser aus als ich, ob man durch hormonelle Mittel da noch was ändern kann, oder ob künstliche Befruchtung das einzige ist, wie sie noch schwanger werden kann.

Antwort
von Bennykater, 43

Hallo Sandrisimo,

es gibt mit Sicherheit Mittel, die bei Kinderwunsch helfen können. Am besten spricht man darüber mit dem Gynäkologen. Die biologische Uhr stellt heutzutage nicht mehr das große Problem dar wie in früheren Tagen, da lässt sich einiges machen. Am besten lasst Ihr Euch da gut beraten.

Was können homöopathische Mittel? Nicht viel. Allenfalls können Sie Euch unterstützen im Geduldigsein. Mehr nicht. Diese Mittel enthalten keinerlei Wirkstoffe - man nimmt damit lediglich Zucker zu sich. Auch wenn die Homöopathen gerne etwas anderes behaupten, es gibt keinerlei gut gemachte klinische Studien, die eine entsprechende Wirkung belegen könnten. Die Untersuchungen, die das von sich behaupten, beweisen eher das Gegenteil.

Das kannst du zum Beispiel hier sehr gut nachlesen:

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=1460

Und leider ist es in der Praxis so, dass während der Zeit, in der man einfach nur abwartet und auf die Zuckerkügelchen vertraut, die biologische Uhr halt weitertickt. Diese Zeit hätte man meistens sinnvoller mit wirkungsvollen Therapien verbringen können.

Meine Antwort ist daher ganz klar: Homöopathische Globuli sind Scheinmedikamente, die beruhigen können, wenn man an eine Wirkung glaubt. Mehr nicht. Schwangerschaften fördern damit? Nein. Sonst hätten die Hersteller längst Nobelpreise für ihre Produkte bekommen. Haben sie aber nicht. Warum wohl?

Alles Gute für Euch!

Antwort
von BurkeUndCo, 34

Zur ersten Frage: Klar, da gibt es beliebig viele homöopathische Mittel. Da die Wirksamkeit bei einem homöopathischen Mittel durch nichts nachgewiesen werden muss, sondern allein auf der Behauptung des Anbieters beruht, kann man Dir fast jedes Mittel für jeden Zweck verkaufen.

Bei der zweiten Frage: "Sollte auch ... noch helfen." wird es schon schweieriger. Natürlich wirken diese Scheinmedikamente dank Placebo-Effekt, aber genauso gut kannst Du eine Tüte Lutschbonbons verzehren, oder eine Kerze anzünden, oder ...  Eine echte Heilwirkung, die über den Placebo-Effekt hinausgeht, konnte bisher noch für kein echtes hoch-Potenz-Homöopathikum nachgewiesen werden.

Also spar Dir Dein Geld für bessere Medikamente und echte medizinische Hilfe auf.

Antwort
von MaggieSimpson91, 70

In der Ukraine ist alles noch so Unverantwortliche möglich... Wobei du da ja noch eine Teeniemutter wärst.

Antwort
von DeCnJackZ, 25

Im Internet bekommt man sofort die Wahrheit über die Homöopathie zu lesen.
Der Placebo-Effekt ist jetzt quasi futsch, jetzt wo sie wissen, dass Homöopathie Humbug ist.

Aber das konnten sie ja nicht wissen.

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