Kennt ihr Gründe/Auswirkungen für/von gewalttätige/n Filmen?

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2 Antworten

VORAB:
Gewalt ist eine Realität zwischen den Menschen, ebenso wie das auch zwischen Tieren der Fall ist. Gewalt in jedweder Form. Da muss nicht gleich Blut fließen oder da wird „man“ nicht einmal sogleich handgreiflich. Die Facetten der Gewaltausübung sich reichhaltig und spielen immer mit demselben Druckmittel: Angst.

Geführt wird immer mit Angst! Auch in einer noch so tollen Demokratie wird mit Angst geführt.Jedoch: In der theoretisch besten Demokratie besitzt die Selbstbestimmung einen so hohen Stellenwert, dass bereits kleine Schlechterstellungen zu Wohlverhalten führen. Nach diesem Prinzip funktieren auch alle gängigen Demokratien der Gegenwart und Geschichte: Schmerz wird nicht unmittelbar geübt, sondern mittelbar z.B. durch Bestrafungen über das Tauschzeug „Geld“. Höhere Sanktionen sind statistisch betrachtet selten.

Man muss das unterscheiden, um es zu verstehen. Das DRUCKMITTEL ist die Angst, nicht die Gewalt. Die Gewalt ist „nur“ der Hebel, mit dem der Druck angesetzt wird! Das liest sich vermutlich wie Wortklauberei und Korintenkackerei. Aber ich finde wichtig, dass man sich bewusst macht, womit tatsächlich gearbeitet wird.

Nun kann man mir antworten, dass der (körperliche) Schmerz das Druckmittel bei der Gewaltübung sei. Das ist aber nur bedingt richtig – und in zweiter Linie. Denn Schmerz ist unangenehm. Vor allem aber ist er ein Warnung des Körpers: vor größerem und etwaig nicht absehbarem Unheil. Der Körper schickt ein Warnsignal an das zentrale Nervensystem (resp. das Gehirn). Und man muss die Schmerzsignale in der Tat unterscheiden, denn vielfach zieht man ein Körperteil erst einmal instinktiv zurück, noch ehe die Art des Schmerzsignals analysiert ist.

Ich möchte ein ganz banales Beispiel geben: Man kommt mit einer Brennnessel in Berührung – und zieht schlagartig die Hand zurück. Dann aber realisiert man, dass genau genommen gar nichts passiert ist. Wenn man nun die Brennnessel z.B. braucht, um sich daraus einen starken Aufguss gegen eine Allergie zu machen, dann versucht man, den Kontakt mit den Nesselkapseln zu minimieren, setzt sich aber im Grunde darüber hinweg, weil man weiß, dass die Folgen des Nesselkontaktes gering sind – und man ohne das Risiko des Nesselschmerzes den höheren Erfolg nicht erzielt.

In diesem Sinne funktioniert auch Folter: Wer foltert, stellt subtil oder sogar in offener Darstellung (ob nun gelogen oder nicht) Besserung der Lage in Aussicht. Auf dieser Basis wird die (MENTALE!!!) Schmerzresistenz des Opfers ausgelotet. In den meisten Fällen aussichtslos für den Folterer wird die Lage dort, wo das Opfer sich bewusst wird, dass es ohnehin kein Entrinnen gibt und die Situation ohne Aussicht auf Leben oder Besserung ist. Dennoch bleibt auch ein solches Folteropfer ggf. wertvoll: Nämlich dann, wenn die Folterung öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet wird, um eine Abschreckung in die Bevölkerung hinein zu bewirken.

Womit also, außer über Geldstrafen, lenkt eine Demokratie noch? Z.B. über subtiles Schüren von Ängsten – die wiederum nicht irreal, aber eher unwahrscheinlich sind. Je besser es einer Demokratie gelingt, Ängste für eine Vielzahl seiner Bürger als konkret erscheinen zu lassen, desto leichter fällt es, mithin sehr unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen, obwohl sie die Lebensverhältnisse der Mehrheit negativ beeinträchtigen.

Also zur Frage. ERSTENS:
Man mag Gewaltfilme, weil sie zum einen subtile Angst in der einen oder anderen Weise konkretisieren. Zum anderen (ich nehme einmal Horrorfilme aus, die letztlich den Zuschauer mit der ausweglos ausgelieferten Zentralfigur identifizieren und keine positive Auflösung bieten) wird das Gefühl der Ohnmacht relativiert: Perspektive entsteht durch konkretes und individuelles Engagement! Dass dabei tatsächlich, führte jemand selbst Aktion so aus wie im Film, Gesetze – und eben auch solche einer gemäßigten Staatsführung – gebrochen würden, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass das Gefühl der Ohnmacht – im Kopf (!) – überwunden wird.
Aber auch für am Ende negativ aufgelöste Horrorfilme gilt ein positiver Impuls für den Zuschauer: Es ist „nur“ ein Film. Hier DARF also mal Angst in jeder Form und Schattierung ausgetobt werden. Wenn Angst im „normalen“ Leben eher verpöhnt ist, insbesondere übertriebene Angst… Aber was ist denn „übertriebene“ Angst? Das ist nun einmal sehr subjektiv. Man kann Angstfaktoren statistisch relativieren – aber am Ende schwerlich einem Individuum seine Ängste nehmen, wo Argumente abprallen (regelmäßig vor dem Hintergrund bestimmter traumatisierender Erfahrungen!).

Und zur Frage. ZWEITENS:
Die Auswirkungen sind überwiegend, dass ein solcher Film als Ventil für innere (Angst-) Anspannungen dient. Der Betreffende bzw. Zuschauer kann etwas von der neuronalen Anspannung abbauen. Das Risiko allerdings besteht immer und betrifft eine relativ kleine Anzahl der Zuschauer, dass Gewalt als Mittel zur Problemlösung positiviert, legitimiert, idealisiert wird. Nicht ein egalitärer Staat, sondern ein gemäßigter Staat, nimmt dieses Risiko in Kauf und verbietet Gewaltfilme nicht, weil sie und so lange sie deutlich überwiegend die positive Auswirkung haben, dass "Kopfkino" bedient und die Mehrzahl der Zuschauer dadurch befriedet wird!
Dass letztlich, wer doch zur konkreten Gewalt animiert wird, damit dann als Gewaltopfer dasselbe aktiv tut, worunter es selbst in seiner Passivität leidet, wird von einem Gewalttäter nicht realisiert oder sogar bewusst in Kauf genommen: Die aktive Rolle befreit von dem Gefühl der OHNMACHT. Man hat die Dinge in der Hand.

Dass damit die Ohnmacht nicht wirklich bewältigt ist, muss man hier wohl nicht weiter ausdiskutieren. Ein System, das Gewalt zulässt, löst die Ohnmacht nicht auf, weil die straffe Führung des Systems immer von einer strengen Hierarchie der Gewaltabstufungen gelenkt wird! Im Grunde wird ein jeder in ein Netzwerk sehr geringer Bewegungsspielräume eingeflochten, bekommt dafür aber zumindest geringe Handlungsspielräume, in denen Ohnmacht abreagiert werden kann – im Dienste dieses Systems.

So funktionieren Diktaturen. Und so funktionieren Syndikate.

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Warum mögen manche Menschen es, sich Fußballspiele anzugucken? Warum hören manche Menschen Helene Fischer? Warum lesen manche Menschen gerne Bücher? ... und genau aus dem gleichen Grund mögen manche Menschen fiktive Gewalt in Filmen.

Auswirkungen, wenn man fiktive Gewalt verträgt, sind die, dass man sich mit einem tollen Film seine Zeit unterhaltsam verbracht hat. Wenn man sowas nicht verträgt, dann sollte man die Finger von solchen Filmen lassen und das merkt man normalerweise auch selbst recht schnell, weil man dann u.a. Albträume, schlaflose Nächte hat.

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