Frage von Kanera12, 84

Kennt ihr das, wenn man sich fast krankhafte Sachen einredet?

Hallo, ihr Lieben!

Ich leide seit ca. 1 Jahr unter einer Angststörung (die ich weitestgehend überwunden habe). In letzter Zeit kommt es jedoch vor, dass ich mir selber Symptome suche, da ich offensichtlich nicht wahrhaben will/wollte, dass ich wieder gesund bin. Somit beginne ich mir ständig Dinge einzureden. Ich habe wochenlang daran geglaubt, dass ich sterben möchte, weil ich es mir eingeredet habe (war aber keines Weges suizidal, bin auch in Therapie, keine Sorge). Gestern habe ich offensichtlich dummer Weise an einem Joint gezogen (früher hat mir sowas nie etwas ausgemacht). Dann habe ich mich auf ein Mal ziemlich komisch gefühlt, und das tue ich noch jetzt. Auf irgendeine Art habe ich das Gefühl, nicht in meinem Körper zu sein, dass es komisch ist WIE ich in meinem Körper bin und so kranke Gedanken, und das löst bei mir ziemlich nervige Ängste aus. Ich komme aber immer so weit, dass ich es mir wieder ausreden kann. Ich blödes Ding hab natürlich gegooglet, und bin dann auf die sog. "Ich-Störung" gestoßen, die mein empfinden des Ichs und meines Körpers gerade ziemlich gut beschreibt. Vermutlich aber auch nur, weil ich es gelesen habe und jetzt auf mich selber anwende. Meine Frage wäre einfach nur, ob ich damit alleine bin? Oder gibt es Menschen, die auch in der Lage sind sich mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft und ihrer Zwangsgedanken Dinge so lange einzureden bis sie sie für absolut real halten? Ich kann mich selber sehr gut einschätzen denke ich und mache bereits seit längerer Zeit Therapie, kümmere mich also auf jeden Fall um diese mehr oder weniger schlimme (weiß ich noch nicht ganz genau) Problematik.

LG, Hannah :)

Antwort vom Psychologen online erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zu Ihrer Frage. Kompetent, von geprüften Psychologen.

Experten fragen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Betonphilosoph, 31

Hallo,

ich denke, dass sich viele, aus verschiedenen Gründen etwas einreden. Beispielsweise, weil mit viel Fantasie fast jedes Krankheitsbild aus dem Internet auf einen zutrifft, wenn man sich auch nur im Ansatz in diese Richtung bewegt und sich dadurch viele noch selbst Angst machen.

Bei dir scheint es aber eher so zu sein, dass durch deine - nehmen wir mal an - sogut wie geheilte Krankheit, sich eine Lücke gebildet hat. Ich denke, du bist deswegen einfach total durch den Wind. Ich würde an deiner Stelle erst einmal abwarten, ob sich das Problem durch die Zeit von alleine löst, Beispielsweise durch viele Unternehmungen draußen oder mit Freunden, da du dort nicht die Möglichkeit hast, mit deinen Gedanken permanent ganz bei dir zu sein und dich in neue Sachen zu verrennen.

Sollte sich das Problem nach einer gewissen Zeit nicht von allein erledigen, würde ich dir den Gang zum Psychologen empfehlen.

LG und viel Glück :P

Antwort
von Leopatra, 33

Hallo Hannah,

wenn ich das so lese, dann kommt es bei mir so an, als ob du durch die Behandlung deiner Ängste, jetzt so etwas wie einen "Platzhalter" geschaffen hast, den du mit anderen Dingen/Befürchtungen auffüllen würdest.

Soll heißen: die Energie, die du früher in deine Ängste gesteckt hast, hat noch keinen guten Weg gefunden, sich anders als in neue Ängste zu flüchten.

Das legt zumindest nahe, dass dein eigentlicher Konflikt, der früher für deine Ängste verantwortlich war, nach wie vor besteht, sich jetzt nur neue Ventile sucht.

Vielleicht solltest du das einmal in deiner Therapie ansprechen?

Viel Erfolg auf deinem Weg!

Leopatra


Antwort
von Kanera12, 2

Danke für die lieben Antworten! Es geht mir schon besser heute. 
@VWMM12, lass dich nicht unterkriegen. Wirklich. Ich habe letztens was gelesen, was ich ziemlich zutreffend fand.

"Waiting for hope is very difficult, but true patience is expressed when we must even wait for hope. I will have reached the point of greatest strength once I have learned to wait for hope."

Es wird der Punkt kommen, an dem es dir besser geht. Vielleicht morgen, vielleicht in 10 Jahren. Aber bis dahin wird es sich lohnen weiterzumachen, und wenn du an dem Punkt bist dann wirst du dich darüber freuen, dass du nicht aufgegeben hast. Das ist etwas, was mir im letzten Jahr viel Halt gegeben hat.

Ich habe es geschafft, mir das Zeug selber auszureden. Ich war sogar Nachts in der Klinik, habe mich dann aber umentschieden, weil ich nicht nochmal wochenlang dort stationär sein wollte und mit Medikamenten zugeschüttet werden wollte :x (Obwohl es mir tatsächlich geholfen hat)

Ich werde mich heute für Studiengänge an versch. Unis bewerben Ich musste wegen dem Mist letztes Jahr mein Studium abbrechen, aber dieses Jahr wird alles besser. Ich hoffe auch für alle anderen, die dieses oder ähnliches Problem haben, dass sie so schnell wie möglich damit fertig werden. Und nie vergessen - es ist nie richtig, aufzugeben :) 

 

Antwort
von VWMM12, 8

Mir geht's genaue wie dir. Ich rede mir auch oft schlechte Sachen ein. Aber dann muss ich feststellen, dass mein leben auch so blöd ist. :/ Hoffe dir geht's besser als mir

Antwort
von voayager, 19

Psychisch labile Menschen sollten kein Cannabis konsumieren.

Kommentar von Kanera12 ,

Danke, das weiß ich jetzt auch :D Ich habe früher viel konsumiert (nein, es war nicht der Auslöser für meine Störung) - habe es sehr lange sein lassen, da ich mir unsicher war. In den letzten Wochen ein paar mal hier und da gezogen, gute Laune gehabt, alles gut gelaufen. Ich denke es kommt auf die Situation an und vor allem auf die emotionale Lage

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community