Frage von Michaela912, 65

Kennt ihr Bücher zur christlichen Sicht in Bezug auf Spätabtreibung aufgrund einer Behinderung des Embryos?

Hallo, ich suche für meine Seminararbeit Bücher zu Spätabtreibung aufgrund einer Behinderung des Kindes und im besonderen zur christlichen Perspektive. Hab bis jetzt nur welche über normale Abtreibung oder Spätabtreibung nach einer Vergewaltigung. Freue mich über jede Antwort, vielen Dank :) LG :)

Expertenantwort
von isebise50, Community-Experte für Schwangerschaft, 27

Prinzipiell ist ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland nach 218 StGB rechtswidrig und strafbar.

Eine Ausnahme hiervon ist u.a. die kriminologische Indikation. Der Abbruch nach der kriminologischen Indikation ist aber auch nur innerhalb von 12 Wochen nach der Empfängnis zulässig, nicht jedoch ein "Spätabbruch".

Die embryopathische Indikation wurde schon vor rund 20 Jahren gestrichen, wird aber von der medizinische Indikation aufgefangen. Denn wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren stark gefährdet, ist die Beendigung der Schwangerschaft bis zum Beginn der Geburt nicht rechtswidrig und zählt somit nicht zu den Straftaten gegen das Leben.

Im Christentum wird Schwangerschaftsabbruch als Sünde angesehen. Laut dem Katechismus der katholischen Kirche ist das menschliche Leben vom
Augenblick der Empfängnis an absolut zu achten und zu schützen. Schon im
ersten Augenblick seines Daseins seien dem menschlichen Wesen die
Rechte der Person zuzuerkennen, darunter das unverletzliche Recht jedes
unschuldigen Wesens auf das Leben. Demnach sei ein Abbruch
gleichzusetzen mit der Tötung eines Menschen, die direkte Mitwirkung ein
schweres Vergehen. Einzelne katholische Theologen wie Andrea Arz de
Falco, Alberto Bondolfi, Hans Halter, Stephan Pfürtner hinterfragen die
Lehrmeinung der Kirche zum Schwangerschaftsabbruch.

Innerhalb des Protestantismus wird von einigen Theologen die Meinung vertreten, ein Abbruch sei zwar eine Übertretung des biblischen Tötungsverbotes, könne aber unter Umständen ethisch vertretbar sein, als das geringere Übel in einem unlösbaren Dilemma; der selbstverantwortete Gewissensentscheid der betroffenen Frau in ihrer Notlage sei zu respektieren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch#Christentum

Alles Gute für dich und viel Erfolg bei deiner Seminararbeit!

Antwort
von annemarie37, 30

Ich bin nicht bewandert in Büchern "aus christlicher Sicht". Aber hier ein Zitat aus einem Vortrag des katholischen Theologen Stephan Pfürtner (2002). Wenn du willst, kann ich dir den ganzen Vortrag als pdf per E-Mail schicken, wenn du mir deine Mail-Adresse per PN schickst.

Der Vortrag handelt allerdings generell von Abtreibung, das Beispiel hat er nur nebenbei genannt:

"Welch eine geradezu abstrus anmutende Sprache, wenn sie auf einzelne Menschen im wirklichen Leben trifft! Mir steht gerade eine junge Frau aus unserem näheren Freundes­kreis vor Augen, eine junge Ärztin, die mit ihrem Mann seit mehreren Jahren von einem dringenden Kinderwunsch getragen war. Vier Mal kam es bei ihr zu Spontan-Aborten. Dann endlich eine stabile Schwangerschaft. Und nun stellten die Ärzte vor etwa 6 Wochen die Diagnose: Das werdende Kind im 6.Monat hat eine schwerwiegende An-Enzephalie. Es fehlten grosse Teile der Schädeldecke und des Gehirns! Die Frau und die handelnden Ärzte/Schwestern „Tötungsgehilfen“, als sie den Abbruch einleiteten?"

Kommentar von carn112004 ,

Da sollte man aber dazu erwähnen, dass Pfürtner zwar von der Ausbildung her katholischer Theologe war, aber zum Zeitpunkt 2002 wohl nicht Dinge vertreten hat, die der Lehre der katholischen Kirche entsprechen und zu diesem Zeitpunkt eventuell auch nicht mehr als katholischer Theologe anzusehen wäre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Pf%C3%BCrtner

"In seinem Buch „Kirche und Sexualität“ äußerte er sich 1972 kritisch zur Enzyklika Humanae vitae, mit der Papst Paul VI. 1968 die Anti-Baby-Pille und andere Verhütungsmethoden als verwerfliche Handlungen zur Verhinderung der Fortpflanzung beurteilte. Nachdem er von der römischen Glaubenskongregation beschuldigt worden war, im Bereich der Sexualethik
gegen die kirchliche Autorität verstoßen zu haben, folgte er der
Aufforderung der Kirchenleitung und trat 1974 von seinem Lehrstuhl zurück. Er verließ den Dominikanerorden und heiratete 1974 die Ärztin Irmgard Bloos, mit der er zwei Kinder hatte.

Pfürtner lebte mit seiner Familie in Marburg, wo er von 1975 bis zu seiner Emeritierung 1988 einen Lehrstuhl für Sozialethik im Fachbereich Evangelische Theologie innehatte."

Vorrausgesetzt, dass ist derselbe, dann denke ich nicht, dass für einen von Rom zum Rücktritt vom katholischen Lehrstuhl gezwungen, der danach im Fachbereich Evangelische Theologie tätig war, die einfache Bezeichnung als "katholischen Theologen" nicht ein wenig falschen Eindruck vermittelt, zumindest wenn man nicht daruf hinweist, dass seine Aussagen nicht unbedingt als gültig für den Katholizismus angesehen werden können.

Kann aber natürlich auch sein, dass es mehrere Stephan H. Pfürtner gibt, die einen Prof. Dr. in katholischer Theologie innehaben.

Da übrigens eine Zusammenfassung seines Vortrags:

http://www.svss-uspda.ch/de/ethik/pfurtner.htm

Eine Aussage, die man aber unbedingt hervorheben sollte:

"Natürlich könne der Staat nicht völlig auf den Einsatz des Strafrechts verzichten."

Kommentar von annemarie37 ,

Die Frage lautete nicht nach Büchern "aus der Sicht des Vatikans/des Papstes/der katholischen Hierarchie", sondern "aus christlicher Sicht". Das ist nicht dasselbe. Die offiziellen Verlautbarungen der kath. Kirche wiedergeben nicht DIE christliche Sicht.

Kommentar von carn112004 ,

Wenn man jemanden "katholischen Theologen" gehört es dazu darauf hinzuweisen, wenn er seinen katholischen Lehrstuhl aufgeben musste und an einem evangelischen weitergemacht hat.

"Die offiziellen Verlautbarungen der kath. Kirche wiedergeben nicht DIE christliche Sicht."

Die offiziellen Verlautbarungen der kath. Kirche geben die katholische Sicht wieder.

Kommentar von annemarie37 ,

Wenn ein Professor an einer katholischen Uni gezwungen wird, seinen Lehrstuhl abzugeben, bleibt er trotzdem katholischer Theologe.

Das ändert auch nichts daran, dass sehr viele katholische TheologInnen andere Meinungen vertreten als die Dogmatiker in Rom. Selbstverständlich gibt es sehr diverse katholische Sichtweisen. U.a. die starke Organisation Catholics for Free Choice, "Wir sind Kirche", FrauenKirche Zentralschweiz und viele andere mehr. Ebenso wie es innerhalb der reformierten/protestantischen Kirchen und innerhalb des Islam viele verschiedene Sichtweisen gibt. 

Antwort
von kordely, 23

Nach christicher Sicht beide sind Mord, auch nach Vergewaltigung. Anders, und  nicht so beleidigend: Abtreiben (wie Freitod) wird nichts lösen, und es ist niemals die einzige Lösung.

Antwort
von Morgenwind7, 17

Falls du Interessa hast," VillaVie in Arbeit" (findest du über Facebook) kann mit dir in einen interessanten Austausch gehen.

Antwort
von carn112004, 38

Das Haken bei der Suche ist, dass solche Christen, die Abtreibung prinzipiell ablehnen, natürlich nicht speziell was zu Spätabtreibung wegen Behinderung sagen müssen, denn wenn alle abgelehnt werden, dann auch diese.

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