Frage von Gemueseman, 54

Kennt ihr antike Geschichten/Geschichten aus anderen Kulturen, die mit dem Thema des Geschlechtertauschs/der Geschlechterollen spielen?

Hallo Community,

so, man mag ja z.B. in der griechischen Götterlandschaft den Sohn von Hermes und Aphrodite, den zwitterartigen Hermaphrodite, kennen. Aber gibt es noch weitere antike Beispiele aus europäischen, sowie anderen Kulturen? Über Antworten freue ich mich sehr!

LG Gemueseman

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, 18

Bei Sagen und Märchen ist die Datierung, wann sie entstanden sind, oft besonders schwierig, weil sie zuerst mündlich erzählt wurden. Texte der nordischen Mythologie sind im Mittelalter aufgeschrieben worden. Inwieweit die Geschichten schon bei den Germanen des Altertums erzählt wurden, ist schwierig einzuschätzen.

Märchen über Frauen in Männerkleidern gibt es bei Völkern Europas, Asiens und Amerikas.

Griechen

Zweigeschlechtlich/zwitterartig ist Hermaphroditos (Ἑρμαφρόδιτος; lateinisch: Hermaphroditus); Sohn der Göttin Aphrodite und des Gottes Hermes. Nach einer Erzählung umarmte ihn die Nymphe Salmakis (Σαλμακίς; lateinisch: Salmacis) beim Baden in einer Quelle, zog ihn in die Tiefe, und als er sich ihr verweigerte, bat sie die Götter um Vereinigung, wodurch die Körper zu einem Zwitter verschmolzen (Ovid, Metamorphosen 4, 274 – 388). Die Göttin Aphrodite (Ἀφροδίτη; lateinisch: Venus) ist in Amathous auf Zypern auch als in männlicher Form als Aphroditos (Ἀφρόδιτος; lateinisch: Aphroditus) verehrt worden (Macrobius, Saturnalia 3, 8; Servius zu Vergil, Aeneis 2, 632).

Teiresias (Τειρεσίας; lateinisch: Teresias/Tiresias), als blinder Seher in der Stadt Theben bekannt, ist nach einer Erzählung in eine Frau verwandelt worden. As er Schlangen bei der Paarung sah (und verwundete [mit einem Stock schlug oder trat]), wurde er in eine Frau verwandelt; nach 7 Jahren bzw. im 8 Jahr sah er wieder (dieselben) Schlangen bei der Paarung (und verwundete sie; bzw. er hat zuerst eine Schlange getötet, später eine andere) und wurde zum Mann (Hesiod, Fragment 275 Merkelbach-West [Melampodie]; Ovid, Metamorphosen 3, 316 – 353; Apollodor 3, 6, 7, 4 - 3, 6, 7, 6/3, 71 – 3, 72; Hyginus Fabulae 75; Antoninus Liberalis, Metamorphosen 17, 5; Phlegon, Peri thaumasion [Περὶ θαυμασίων: Über wundersame Dinge; lateinischer Titel: De mirabilibus] 4; Tzetzes zu Lykophron, Alexandra 683; Eustathios zu Homer, Odyssee 10, 494). Aufgrund seiner Erfahrung wurde er bei einem Streit zwischen Zeus und Hera befagt, ob der Mann oder die Frau beim Sex mehr Lust empfinde. Teiresias antwortete, die Frau genieße dabei mehr Lust. Hera strafte ihn mit Blindheit, Zeus schenkte ihm zum Ausgleich Sehergabe und langes Leben. Zur Blindheit gibt es auch andere, davon abweichende Erklärungen mit anderen geschichten.

Kaineus (Καινεύς; lateinisch: Caeneus) war nach einer Erzählung als Mädchen Kainis (Καινίς; lateinisch: Caenis), Tochter des in Larisa lebenden Lapithenfürsten Elatos, geboren worden. Der Gott Posedon (lateinisch: Neptunus) vergewaltigte sie und war nachher bereit, ihr einen Wunsch zu erfüllen. Die Bitte war, zu einem Mann zu werden. Poseidon verlieh außerdem Unverwundbarkeit der Haut und die Gabe, nicht von Eisen getötet zu werden. Kaineus kämpfte auf seiten der Lapithen gegen die Kentauren und wurde schließlich mit Felsblöcken und Baumstämmen überschüttet und niedergedrückt (Ovid, Metamorphosen 12, 169 – 209; 459 – 535; Scholion zu Apollonios Rhodios, Argonautika 1, 57 – 64a; Antoninus Liberalis, Metamorphosen 17, 4; Antiocheia (Phlegon, Peri thaumasion [Περὶ θαυμασίων: Über wundersame Dinge; lateinischer Titel: De mirabilibus] 5). Nach Ovid meinten einige, er sei so gestorben, der Seher Mopsos (Μόψος; lateinisch: Mopsus) dagegen sieht einen in die Luft auffliegenden Vogel mit gelbem Gefieder und deutet ihn als Kaineus. Bei Vergil, Aeneis 6, 448 – 449 sehr Aeneas in der Unterwelt Kaineus als Frau, durch das Schicksal in die alte Gestalt zurückverwandelt.

Iphis (Ἶφις) wird als Mädchen, Tochter des Ligdos (Λίγδους; lateinisch: Ligdus) und der Telethousa (Τελέθουσα; lateinisch: Telethusa) in Phaistos auf Kreta geboren. Der Vater wünscht sich einen Sohn und kündigt an, eine Tochter zu töten. Die Mutter gibt das geborene Kind als Jungen aus und der Vater nennt es Iphis. Als Iphis das Mädchen Ianthe heiraten soll, fleht die Mutter die Göttin Isis um Hilfe an. Iphis wird von einem Mädchen in einen jungen Mann verwandelt (Ovid, Metamorphosen 9,666-797; anscheinend eine Gestaltung des Iphis-Stoffes).  

Leukippos (Λεύκιππος; lateinisch: Leucippus) wird als Tochter des Lampros und der Galateia geboren. Weil der Vater einen Sohn wünscht und angekündigt hat, eine Tochter auszusetzen, gibt die Mutter das von ihr geborene Kind als Jungen aus. Als die Pubertät kommt, ist die Sache nicht mehr gut zu verbergen. Galateia betet zur Göttin Leto (lateinisch; Latona) und aus dem Mädchen wird ein Junge (Antoninus Liberalis, Metamorphosen 17 [nach Nikandros]).

Der kretische Jäger Siproites (Σιπροίτης; lateinisch: Siproetes) sieht die Göttin Artemis (lateinisch. Diana) beim Baden und wird in eine Frau verwandelt Antoninus Liberalis, Metamorphosen 17, 5).

Hypermestra (Ὑπερμήστρα) bzw. Mestra (Μήστρα), Tochter des Erysichthon, des Königs von Thessalien, wird von ihrem Vater verkauft. Sie bitte den Gptt POsiedon (lateinisch, Neptunus), dem sie sie sich als Jungfrau hingegeben hatte, um Hilfe. Dieser verleiht ihr ein männliches Aussehen. Später kehrt ihre Gestalt zurück. Hypermestra/Mestra nutzt die von ihr entdeckte Fähigkeit mehrfach, um sich in ein Tier zu verwandeln. Später heiratet sie Autolycus (Αὐτόλυκος; lateinisch: Autolycus (Ovid, Metamorphosen 8, 738 – 878 und 843 – 884; Antoninus Liberalis, Metamorphosen 17, 5).

Sithon (Σίθων) war bald Mann, bald Frau (Ovid, Metamorphosen 4, 279 – 280).

Griechen und Römer

Eine Frau in Chalkis wurde zu einem Mann (Anthologia Graeca 9, 602).
Nach Plinius, Naturalis historia 7, 36 [4] können Frauen zu Männern werden. So geschah die mit Arescusa in Argus, die zu Arecon wurde, mit einer Frrau in Casinum und einer Frau in Thrysdus.

Zu einem Mann wurden ein 13-jähriges Mädchen in Antiocheia (Phlegon, Peri thaumasion [Περὶ θαυμασίων: Über wundersame Dinge; lateinischer Titel: De mirabilibus] 6), Philotis in Mevania, deren Familie aus Smyrna kam, und Sympherousa in Epidauros, die dann Sympheron hieß, (Phlegon, Peri thaumasion [Περὶ θαυμασίων: Über wundersame Dinge; lateinischer Titel: De mirabilibus] 7), Aitete in Laodikeia (Phlegon, Peri thaumasion [Περὶ θαυμασίων: Über wundersame Dinge; lateinischer Titel: De mirabilibus] 9).

Vom Geschlechtsrollenmuster weichen die Amazonen ab.

Einen zeitweiligen Geschlechtsrollentausch enthalten einige der Erzählungen über Herakles (Ἡρακλῆς; lateinisch: Hercules) und Omphale (Ὀμφάλη), Königin der Lyder. Herakles wird als Strafe für die Tötung seines Gastfreundes Iphitos in die Fremde verkauft. Dies ist zur Sühne erforderlich, um eine Krankheit loszuwerden, wie das Orakelvon Delphi mitgeteilt hat. Herakles ist für eine festgesetzte Zeit Sklave. Nach einer Fassung spinnt er Wolle und verrichtet weitere typische Frauenarbeit und trägt Frauenkleidung, während Omphale sich Löwenfell und Keule aneignet (Ovid, Fasti 2, 319 – 326; Ovid, Heroides 9, 53 – 128; Poperz 4, 9, 45 und 3, 11, 27; Seneca, Hercules Oetaeus 371 -377; Seneca, Phaedra 717 – 357; Statius, Thebais 10, 646 – 649; Lukian, Theon dialogoi [Θεῶν διάλογοι; Göttergespräche; lateinischer Titel: Dialogi deorum) 15, 2; Lukian, Pos die histirian syggraphien [Πῶς δεῖ ἱστορίαν συγγράφειν; Wie es nötig ist Geschichte zu schreiben; lateinischer Titel: quomodo historia concribenda sit] 13, 2)

Inder

Alte indische Geschichten erzählen von Geschlechtsumwandlungen.

1) Bad in einem verwunschenem See oder Fluß

2) Fluch oder Segen einer Gottheit

3) Geschlechsttausch mit dem halbgöttlichen Wesen Yaksa

4) Eine in den Mund genommene Pille

5) besonderer Ring
Ardhanarishvara ist in der Religion/Mythologie der Hindu eine zweigeschlechtliche Gottheit.

König Bhangaswana, der zuerst keine Kinder hat, dann nach einem Opfer 100 Söhne zeugt, wird beim Baden vom Gott Indra in eine Frau verwandelt. Er übergibt die Herrschaft in seinem Königreich an seine Söhne, lebt mit einem Asketen in einer Einsiedelei im Wald und gebiert 100 Söhne. Diese bekommen dann auch Anteil am Königreich. Indra stachelt sie auf, sich nicht mehr friedlich zu verhalten. Einige werrden in den Auseiandersetzungen getötet. Dann wird Indra gnädig, räumt Bhangaswana die Möglichkeit einer Wiedergeburt der gestorbenen Söhne ein, wobei dieser zuerst die Söhne wiederhaben möchte, die er als Frau geboren hat. Bhangaswana darf sich sein Geschlecht aussuchen und bleibt Frau (Mahabharata 13, 12).

Sikhandin war zuerst eine Frau Shikhandin und hat dann sein Geschlecht getauscht (Mahabharata). In der Schlacht zu Kurukshetra will Bhisma, der gegnerische Feldherr, Sikhandin als eigentlich eine Frau nicht bekämpfen und wird von Sikhandin und dem dahinter versteckten Arjuna mit Pfeilen durchbohrt. An einem späteren Kampftag wird Sikhandin von Ashwatthama getötet.

Ida bzw. Ila ist (nach Ramayana 7, 78 -81) Sohn des Königs Kardana, wird in eine Frau verwandelt. als sei einen Hain betritt, wo Shiva meditiert, heiratet Budha (Personifizierung eines Planeten, der dem Merkur entspricht) und gebiert ihm den Sohn Pururavas. Nach einem Pferdeopfer wird Ida/Ila zum Mann zurückverwandelt.

Nach Puranas (Linga Purana; Bhagavata Purana; Devi-Bhagavata Purana; Kurma Purana, Markandeya Purana; Padma Purana), Mahabharata 1, 75 und dem Mahabharata-Zusatz/Anhang Harivamsha Purana 1, 10 ist Ida/Ila Tochter des Manu Vaivasvata. Bei einem Opferitual ist ein Fehler geschehen und statt eines Sohnes wurde eine Tochter geboren. Die Götter Mitra und Varuna sind gnädig und bewirken eine Umwandlung in einen Sudyumna genannten Mann. Ein Fluch des Gottes Shiva führt zu einer Verwandlung in eine Frau, die Budha heiratet und über ihren Sohn Pururavas eine Ahnin der Chandramvamshi (Monddynastie) wird. Nach der Geburt verwandelt der Gott Vishnu Ida/IIla wieder den Mann Sudyumna. Dieser zeugt mehrere Söhne.

Germanen

Loki kann sowohl seine Gestalt als auch sein Geschlecht umwandeln. Als ein Riese einen Vertrag abschließen will, für die Götter die Burg Asgard (altnordisch: Ásgarðr) zu bauen, wenn er bei Einhaltung eines kurzen Zeitraums die Göttin Freyja sowie Sonne und Mond bekommt, und seinen Hengst als Unterstützung Svadilfari (altnordisch: Svaðilfari) einsetzen möchte, rät Loki zu diesem Vertrag. Drei Tage vor Ablauf der Frist ist der Bau entgegen der Erwartung der Götter fast vollendet, wobein der Hengst gewaltige Arbeit geleistet hat. Loki verwandelt sich in eine Stute, um Svadilfari abzulenken und gebiert dann aus dieser Begegnung später den Hengst Sleipnir. Den Riesen, der knapp den Erfolg verfehlt hat und wütend wird, erschlägt der Gott Thor (altnordisch: Þórr), der von einer Fahrt zurückgekommen ist (Gylfaginning 42; Hyndluljóð 40).

In gegenseitigen Schimpfreden hält Odin (altnordisch: Óðinn) Loki vor, 8 jahre unter der Erde gelebt, als Maaagd Kühe gemoln und Kinder geboren zu haben (Lokasenna 23). Ähnlich ist der Vorwurf von Njörd (altnordisch: Njǫrðr; auch als moderne Schreibweise Njördr), Loki sein weibisch und habe Kinder geboren (Lokasenna 33).

Literatur zum Nachforschen:

Bernhard Kummer, Geschlechtswechsel. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens: herausgegeben von von Hanns Bächtold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffman -Krayer. Unveränderter photomechanischer Nachdruck. Mit einem neuen Vorwort von Christoph Daxelmüller. Band 3: Freen – Hexenschuß,. Berlin ; New York : de Gruyter, 2000. Unveränderter photomechanischer Nachdruck der Ausgabe Berlin und Leipzig, de Gruyter, Guttentag, Reimer, Trübner, Veit, 1931, 3., unveränderte Auflage. Spalte 752 - 755

Michio Sato, Geschlechtswechsel. In: Enzyklopädie des Märchens : Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Begründet von Kurt Ranke. Herausgegeben von Rolf Wilhelm Brednich zusammen mit Hermann Bausinger, Wolfgang Brückner, Lutz Röhrich, Rudolf Schenda. Redaktion: Ines Köhler, Ulrich Marzolph, Elfriede Moser-Rath, Christine Shojaei Kawan, Hans-Jörg Uther. Band 5: Fortuna – Gott ist auferstanden. Berlin : New York : de Gruyter, 1987, Spalte 1138 - 1142

Rainer Wehse, Frau in Männerkleidung. In: Enzyklopädie des Märchens : Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Begründet von Kurt Ranke. Herausgegeben von Rolf Wilhelm Brednich zusammen mit Hermann Bausinger, Wolfgang Brückner, Lutz Röhrich, Rudolf Schenda. Redaktion: Ines Köhler, Ulrich Marzolph, Elfriede Moser-Rath, Christine Shojaei Kawan, Hans-Jörg Uther. Band 5: Fortuna – Gott ist auferstanden. Berlin : New York : de Gruyter, 1987, Spalte 168 - 186

Antwort
von Goldtiger, 5

Ja eine alte traditionelle Geschichte aus dem alten thailand. hör zu und lerne. 

Es war einmal ein lachender, urinierender Pandabär, der sehr unglücklich mit seinem Geschlecht war. Er wollte nicht länger ein lachender, urinierender Pandabär sein, nein er wollte eine lachende urinierende Pandabärin sein. Er ging zu seinem Sensej HonilzfovcykjfjfhdhhdhehongmingpingpongKACKENthai und fragte nach seinem weisen und angesehenen Rat.

Dieser lachte ihn dann aus und der Panda verschwand auf unerklärliche Weise. Man vermutet, dass der Geist der Erfüllung der Wünsche (alladin oder so) ihn in seinen richtigen Körper gebracht hatte. Den Sensej traf das jedoch sehr tief und nachdem er sich 24 h nicht aus seinem Hongshu (seiner Sensej- Hütte) getraut hatte, veranstaltete er ein riesenfest, weil der panda jetzt glücklich, lachend, urinierend und weiblich war (wo auch immer)!!!! Es gab sogar Pandagulasch, den der sensej wie aus dem nichts herbeigezaubert hatte!!! Er ist wahrlich ein großer Meister der Magie! 

Daraus sollst du lernen: Iss mehr fleisch! Namaste und eine angenehme und geile nacht.  

Antwort
von bountyeis, 16

 Aus Ovid Metamorphosen kenne ich die Geschichte von Kainis

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaineus

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