Frage von grtgrt, 138

Kennt die Naturphilosophie Tatsachen, die nachweislich (und selbst auf Quantenebene) unmöglich Folge mathematischer Gesetzmäßigkeit sein können?

Hintergrund meiner Frage:

Wittgenstein vertrat die Meinung, unsere Welt sei die Gesamtheit aller Tatsachen. Wenn man das akzeptiert, drängt sich die Frage auf, ob nicht vielleicht einzig und allein mathematische Gesetze - kombiniert mit dem absolutem Zufall, der Quantenereignisse hervorruft - alles Geschehen prägen.

http://greiterweb.de/zfo/Philosophie.htm#msgnr0-201 .

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von nutzer131, 63

Was meinst du mit "alles Geschehen prägen"?

Meinst du damit, dass alles, was geschieht, mathematisch beschreibbar ist?

Wir haben bis jetzt noch keine mathematischen Grundlagen um das Bewusstsein zu beschreiben und da wird möglicherweise auch nie was kommen.

Kommentar von grtgrt ,

Da es mit Sicherheit mehr mathematische Gesetzmäßigkeiten gibt, als der Mensch je entdecken wird, gibt es einen Unterschied 

  • zwischen dem, was durch solche Gesetze bestimmt
  • bzw. durch uns Menschen schon bekannte mathematische Gesetze beschreibbar ist.

Meine Frage zielt darauf ab, ob es etwas geben könnte (genauer: ob wir etwas kennen), das durch mathematische Gesetze nachweislich nicht bestimmt und deswegen auch nie durch Mathematik beschreibbar sein wird.

Kommentar von nutzer131 ,

Ja, dann würde ich beim Bewusstsein bleiben.

Du kannst mathematisch nicht beschreiben wie sich etwas anfühlt.

Kommentar von grtgrt ,

Nochmals: Es geht nicht darum, ob uns solche Beschreibung möglich ist, sondern ob sie im Prinzip möglich ist. 

Auch was wir fühlen (genauer: glauben zu fühlen) wird ja durch unser Gehirn ermittelt, letztlich also errechnet.

Auch Bewusstsein zu haben, bedeutet zunächst einfach nur, dass unser Gehirn unterscheiden kann zwischen Dingen und Prozessen, die Teil von uns selbst sind (uns ausmachen, in uns ablaufen) und solchen, die diese Eigenschaft nicht haben.

Kommentar von nutzer131 ,


Nochmals: Es geht nicht darum, ob uns solche Beschreibung möglich ist, sondern ob sie im Prinzip möglich ist.

Das habe ich auch genau so verstanden. Mit "du kannst es nicht" meine ich "man kann es nicht" und damit meine ich wiederum es ist prinzipiell nicht möglich.



Auch was wir fühlen (genauer: glauben zu fühlen) wird ja durch unser Gehirn ermittelt, letztlich also errechnet.

Hm nein, das kann man so nicht sagen. Man kann Gefühle nicht erklären und nicht beschreiben. Stell dir vor du willst einem Blinden erklären wie die Farbe blau aussieht. Das könntest du nicht. Du hast absolut keine Mittel an der Hand um zu beschreiben welches Erlebnis du hast wenn blau siehst.

Du könntest es nicht mal mir erklären, obwohl ich nicht blind bin und ich könnte es nicht dir erklären. Wir können nicht mal feststellen ob wir beide das gleiche erleben wenn wir blau sehen.

Genau genommen ist nicht mal definiert, was es bedeutet wenn zwei verschiedene Bewusstseins "das gleiche erleben".

Das Problem mit dem Bewusstsein ist, das es komplett subjektiv ist. Ich kenne deins nicht und du kennst meins nicht. Ich kann nicht mal sicher sein ob du überhaupt eins hast und du kannst nicht sicher sein ob ich eins habe.

Also ich sehe jedenfalls keine Möglichkeit wie sich das mathematisch fassen lassen sollte. Ich hab jetzt auch keinen Beweis parat, dass es nicht geht, dazu müsste ich vllt etwas länger darüber nachdenken. Aber vom Gefühl her würde ich sagen es geht nicht.


Auch Bewusstsein zu haben, bedeutet zunächst einfach nur, dass unser
Gehirn unterscheiden kann zwischen Dingen und Prozessen, die Teil von
uns selbst sind (uns ausmachen, in uns ablaufen) und solchen, die diese
Eigenschaft nicht haben.

Nein, nein , nein. Das meine ich nicht. Mit Bewusstsein meine ich, dass man überhaupt Qualiaerlebnisse hat. Ich meine wir könnten ja auch einfach so sein wie wir uns Computer vorstellen. Wir machen unsere Berechnungen, die unser Überleben sichern, aber fühlen dabei nie wirklich etwas.

Kommentar von grtgrt ,

Vielleicht wäre es hilfreich, meine Frage zu stellen in der Form:

Ist irgend ein Prozess denkbar, der nachweislich absolut keinem mathematischen Gesetz zu gehorchen hat?

Kommentar von grtgrt ,

Gemeint ist natürlich: ... bis hinunter auf Quantenebene (als der detailreichsten Ebene, die wir kennen).

Chemische Prozesse etwa gehorchen physikalischen und somit auf jeden Fall auch mathematischen Gesetzen. Fraglich ist nur, ob auch in Lebewesen zweifelsfrei vorhandener Geist - wie wenig genau der auch immer definierbar ist - sich irgendwelchen mathematischen Restriktionen unterwirft. Gefühlsregungen (welche ja auf der Ausschüttung von Hormonen beruhen und daher chemisch gesteuert sind) werden es wohl schon tun.

Kommentar von nutzer131 ,
Gefühlsregungen (welche ja auf der Ausschüttung von Hormonen beruhen und
daher chemisch gesteuert sind) werden es wohl schon tun.

Nein, das kann man nicht so einfach sagen. Eben weil man Bewusstsein nicht beobachten kann, bzw. weil man immer nur genau sein eigenes Bewusstsein beobachten kann.

Man kann nicht feststellen ob zwei identische Gehirne auch ein identisches Bewusstsein haben.

Du kannst maximal dein eigenes Gehirn betrachten und dann fühlen wie sich der Zustand deines Gehirns in deinem Bewusstsein anfühlt.

Aber du kannst darauf keine Theorie aufbauen, dass ein exakt so beschaffenes Gehirn auch immer exakt mit diesem Bewusstsein verbunden ist.

Du kannst immer nur diesen einen Versuch durchführen und dementsprechend auch nie ein Gegenbeispiel finden. Man hätte also keine mathematische Theorie, die diesen Zusammenhang beschreibt.

Es lässt sich ja wie gesagt nicht mal beweisen ob andere Menschen überhaupt ein Bewusstsein haben oder ob sie immer nur so tun als ob sie was fühlen, in Wahrheit aber gar nicht wissen was es bedeutet etwas zu fühlen.

Fraglich ist nur, ob auch in Lebewesen zweifelsfrei vorhandener Geist

Was du mit Geist meinst ist mir an dieser Stelle nicht ganz klar. Falls du das Bewusstsein, also die Qualia, meinst, dann ist keineswegs zweifelfrei ob es in Lebewesen vorhanden ist.

Siehe dazu auch

https://en.wikipedia.org/wiki/Philosophical_zombie

und

https://en.wikipedia.org/wiki/Hard_problem_of_consciousness .

Soweit meine Gedanken dazu. Aber deine Frage ist interessant. Mir fällt aber auch nichts außer Bewusstsein ein, das sich einer mathematischen Beschreibung entziehen würde.

Dazu muss man aber auch anmerken, dass wir in der Welt nur nach Dingen suchen die mathematisch/logisch erfassbar sind.

Menschen können nur Dinge begreifen die logisch schlüssig sind. Angenommen es gäbe auch Dinge die mit unserer Logik nicht beschrieben werden könnten, dann würden wir sie vielleicht gar nicht bemerken.

Kommentar von nutzer131 ,

Mit dem letzten Abschnitt meine ich auch: Du wirst nichts physikalisches finden, dessen Existenz du als gegeben akzeptierst obwohl es nicht mathematisch beschreibbar ist.

Die mathematische Beschreibbarkeit ist quasi eine Voraussetzung dafür, dass wir es für real halten.

Ausgenommen davon sind irrationale Vorstellungen wie Götter usw., die teilweise widerspruchsvoll sind und von denen manche Menschen dennoch behaupten, sie würden daran glauben. Ich persönlich kann mir allerdings gar nicht vorstellen wie man an widerspruchsvolle Dinge glaube soll. Widersprüche beinhalten ja schließlich keine Aussage. 

Kommentar von grtgrt ,

Ich persönlich kann mir allerdings gar nicht vorstellen wie man an widerspruchsvolle Dinge glaube soll.

Das sehe ich ebenso, denn etwas echt Widersprüchliches, d.h. etwas, das nicht nur dem Anschein nach widersprüchlich ist, kann ja gar nicht existieren - es kann höchstens gedacht werden, oder gezeichnet werden (wie einige Bilder von Escher beweisen).

Kommentar von grtgrt ,

Gut: Deine Antwort auf meine Frage wäre also:

Bewusstsein ist etwas, das unmöglich Folge mathematischer Gesetze sein kann.

Aber können wir das wirklich behaupten, wo wir doch gar nicht wissen, wie Bewusstsein zustande kommt?

Wie aber steht es mit (platonischen) Ideen?

Wir kennen die Ideenlehre als das Kernstück der Philosophie Platons. Die Ideen sind die wahrhaftigen Objekte der eigentlichen, übersinnlichen Wirklichkeit. Sie können nicht sinnlich wahrgenommen, sondern nur gedacht werden; sie sind ewige, unveränderliche Entitäten außerhalb von Raum und Zeit. Und an der Spitze der Ideenwelt, die von der Welt der sinnlichen Dinge getrennt existiert, befindet sich die alles überragende Idee des Guten. [ siehe http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=8394&n=2&y=5&c=29 ].

Dass die Idee des Guten etwas ist, das sich mathematischer Gesetze wegen ergibt, kann auch ich mir nicht vorstellen.

Vielleicht also müsste meine Frage eher lauten:

Gibt es etwas Materielles (d.h. etwas aus Energie im physikalischen Sinne Bestehendes), welches sich nicht einfach nur mathematischer Gesetze wegen ergeben haben kann?

Antwort
von Rosenblad, 50

Zunächst sollten wir uns davor hüten quantenmechanische Prozesse und Zustandsgrößen auf unsere makroskopische Ebene von niederenergetischen Werten übertragen zu wollen. Desweiteren verweisen mathematische Gleichungen entweder auf axiomatische Theoriewerte deren direkter Nachweis noch zu erbringen ist (wie in den Berechnungen Edward Wittens – siehe: Nathan Seiberg and Edward Witten “String Theory and Noncommutative Geometry” u.a. oder wegen der aufzuwendenden Energiemengen im Feldexperiment nie erbracht werden kann) oder:  "Wir führen niemals selbst eine Computerrechnung durch, sondern wir hängen uns einfach an die große Berechnung an, die schon in Gang ist." (aus: David Deutsch "Die Physik der Welterkenntnis" S. 329) Eine "Berechnung" die über Selbstorganisationsprozesse in spezifischen Systemen "abläuft".

Mathematisch sind immer auch andere Lösungen möglich – so können künstliche Teilchen berechnet werden, die es in der Natur nicht gibt - aber im Attraktorraum der bestehenden Möglichkeiten (Freiheitsgrade) werden nur bestimmte Wahrscheinlichkeiten auch real – lisiert. D.h. mathematische Gleichungen verweisen auf bestehende physikalische Renommiertheiten (Konstanten, „Gesetze“, Zustandswerte).

Mathematische "Gesetze" (die auf bestehende physikalische "Gestze" in spezifischen Inertialsystemen - wie z.B. "unser" Universum" abstellen) sind nicht die determinierende ("prägende") Größe, sondern abgeleitete, da computierte "Werte" .


Antwort
von Ottavio, 44

Wittgenstein behauptet im tractatus logicophilosophicus, die Welt sei alles, was der Fall ist. Das Alles, was der Fall sein kann oder eben auch nicht, ist der Logische Raum. Damit siedelt er die Welt im Logischen Raum an. Das ist m. E. eine zu idealistische Sichtweise und unzutreffend. Die Welt folgt nicht mathematischen Gesetzen. Diese sind (und da hat W. Recht), nichts als Tautologien; sie können wohl etwas darüber aussagen, ob etwas logisch möglich ist, also dem logischen Raum angehört, aber nicht, ob es der Fall ist. Tatsächlich haben die Mathematiker mittels der Axiome und der Logik, Modelle entwickelt, mit der sich Vorgänge in der Welt modellieren, also "erklären" lassen. Sowohl die Axiome als auch die Logik haben sie nach bestem Ermessen selbst entwickelt, z.T. der Welt abgeschaut; nicht die Welt ist es, die sich nach der Mathematik richtet. Wenn sie nicht nach einem Modell funktioniert, das die Mathematiker bereithalten, entwickeln sie halt ein neues, besseres. Meiner nicht völlig laienhaften Einschätzung nach gibt es dabei eine Ausnahme: Das "Gesetz der großen Zahl". Mein Stochastik-Professor (Dombrowski) sprach da von Glaube und Hoffnung. In der Physik entspricht ihm der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik.

Kommentar von grtgrt ,

Dass die Welt sehr wohl - in großem Umfang - mathematischen Gesetzen folgt, zeigt u.A. die Form aller Schneckenhäuser, aber auch die mathematisch leicht beschreibbare stets gleiche Anordnung der Kerne in der Blüte jeder Sonnenblume - und natürlich der Lauf der Gestirne in Abhängigkeit ihrer Masse und ihrer gegenseitigen Abstände.

Mathematik übrigens besteht aus zweierlei:

  • aus mathematischen Gesetzen einerseits (sie können nur entdeckt werden, denn sie existieren und regieren alles, was ist, ganz unabhängig davon, in welchem Umfang der Mensch sie kennt)
  • und mathematischer Methodik andererseits (nur sie wird durch Mathematiker entwickelt).

Das Zusammenspiel Energie tragender Objekte ergibt sich aus dem (mathematisch beschreibbaren) Drang der Natur, sich auf Gleichgewichtszustände hin zu bewegen.

Dass man dort nur selten ankommt, ist der überall präsenten Quantenfluktuation geschuldet, die ständig - und (soweit wir wissen) absolut zufällig - schon aufgebautes Teilgleichgewicht stört.

Wie die Chaostheorie zeigt, kann dabei jede noch so kleine Störung im Ausnahmefall beliebig große Wirkung haben.

Wie die Wahrscheinlichkeitstheorie uns sagt, wird dabei jede noch so unwahrscheinliche, aber mögliche Störung irgendwann tatsächlich eintreten.

Kommentar von grtgrt ,

... und natürlich auch jede noch so unwahrscheinliche, im Prinzip aber mögliche Auswirkung solcher Störungen.

Antwort
von Panazee, 70

Soweit ich weiß nicht. Es kommt aber wohl auch darauf an was man als Tatsache definiert. Es gibt Menschen für die ist die Existenz eines Gottes, der sich über jedwede Unmöglichkeit hinwegsetzen kann, für eine Tatsache.

Zudem sind die Naturwissenschaften noch lange nicht am Ende des möglichen Erkenntnisgewinns angekommen und es gibt sich gegenseitig ausschließende Modelle. In der Regel wird ein Modell verworfen, wenn es mathematisch gesehen nicht plausibel ist. Man müsste also sagen, dass es in der Naturwissenschaft so ist, dass mathematische Plausibilität eine Grunvorraussetzung ist, damit etwas überhaupt in Betracht gezogen wird.

Kommentar von grtgrt ,

Eine Tatsache ist etwas, das tatsächlich ist (ein existierender Sachverhalt).

Es ist eine Tatsache, dass mache Menschen die Existenz Gottes für erwiesen halten. Dies aber macht die Existenz Gottes noch lange nicht zu einer Tatsache.

Antwort
von Grimwulf78, 69

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. So kann man bspw. theoretisch einen Menschen nachbauen, ihm aber kein Leben einhauchen. Somit sind Leben, Bewusstsein etc. Bereiche, an denen unsere bisher erkannten Naturgesetze scheitern.

Ein etwas konkreteres Beispiel ist der Doppelspaltversuch. Ist zwar Populärwissenschaft aber gelöst haben wir das Rätsel immer noch nicht...

Kommentar von grtgrt ,

Oh doch: Der Doppelspaltversuch (auch wenn er erweitert wird zum sog. Quanten-Radierer-Versuch) lässt sich problemlos dadurch erklären, dass man annimmt, die wahre Natur aller Quanten sei es, Feldanregung (Welle) zu sein.

Lies bitte https://www.gutefrage.net/frage/kann-mir-einer-bei-physik-helfen---thema-wellen-... .

Kommentar von Grimwulf78 ,

Stimmt. So weit war ich auch schon mal. Wissen erodiert halt doch manchmal ;)

Chapeaux & danke für das Update!

Antwort
von berkersheim, 77

Abstrakter als die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen ist fast nur noch: Die Welt ist die Welt. In diesem Abstraktionsgrad wird kaum noch etwas ausgesagt, außer die Gegenprobe, ob der Begriff "Tatsache" für diese Definition richtig definiert ist. Man dreht sich also im Kreis ohne wirklichen Mehrwert. Deine Aussage würde ich umdrehen: Je mehr wir erforschen, desto mehr Geschehen finden wir, das wir in Form von mathematischen Gesetzen zum Ausdruck bringen können. Sorum wird ein Schuh draus.

Kommentar von Grimwulf78 ,

Abstrakter als die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen ist fast nur noch: Die Welt ist die Welt. In diesem Abstraktionsgrad wird kaum noch etwas ausgesagt, außer die Gegenprobe, ob der Begriff "Tatsache" für diese Definition richtig definiert ist.

Ausgehend davon dass Worte lediglich Medien im Sinne von "Transportgefäße" sind die die Utopie einer gesellschaftlich einheitlichen Semantik voraussetzen um 1:1 Deine Gedanken in den Kopf Deines Gegenübers zu übertragen, ist jede Kommunikation maximal näherungsweise präzise und somit jede "Tatsache" ein Stück weit subjektiver Wertung unterworfen ergo relativ.

Man kann ein System halt nicht erklären mit den Mitteln des Systems.

Deine Aussage würde ich umdrehen: Je mehr wir erforschen, desto mehr Geschehen finden wir, das wir in Form von mathematischen Gesetzen zum Ausdruck bringen können. Sorum wird ein Schuh draus.

Japp!

Ich, der ich weiß, mir einzubilden, daß ich weiß, nichts zu wissen, weiß, daß ich nichts weiß

Sokrates

Kommentar von grtgrt ,

Der Begriff "abstrakter" ist hier ganz sicher nicht angebracht. Sie meinen "inhaltsleerer". Dass nichts inhaltsleerer sein kann als die Aussage "Die Welt ist die Welt", ist klar, denn diese Aussage ist ja ohne jeden Inhalt.

Sie tun Wittgenstein Unrecht, wenn Sie seine Aussagen

" 1.1  Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge "

" 2.04  Die Gesamtheit der bestehenden Sachverhalte ist die Welt "

als nahezu ebenso inhaltsleer abtun.

Siehe auch http://greiterweb.de/zfo/Philosophie.htm#msgnr0-201 und dort insbesondere Zeilingers (misslungene) Formulierung. 

Kommentar von berkersheim ,

@grtgrt

Nein, mit abstrakt meinte ich auch abstrakt. Abstrakt ist nicht gleich "inhaltsleer". Wittgenstein beschreibt ein statisches Modell von "Welt" als eine Gesamtheit von Tatsachen, nicht nur von Dingen. Damit grenzt er Tatsachen und Dinge ab, mehr nicht. Wie weit das zutrifft, hängt wesentlich davon ab, wie er "Tatsache" definiert. D.h. er muss "Tatsache" so definieren, dass der Aussage: Welt = Summe Tatsachen nicht widersprochen werden kann. Das ist ein Definitionszirkel, mit dem man sonst nicht viel anfangen kann.

Kommentar von grtgrt ,

Mir ist schon klar, dass abstrakt und inhaltsleer zwei grundverschiedene Dinge sind. 

Die Aussage "Die Welt ist die Welt" ist inhaltsleer.

Abstrakt ist sie nicht, denn dazu müsste es etwas geben, von dem sie abstrahiert.

Kommentar von grtgrt ,

Meine Frage will nicht ergründen, was alles mathematisch beschreibbares Geschehen sein könnte. Sie frägt nach Geschehen, welches ganz anderer Art sein müsste.

Antwort
von GanMar, 63

Ich bin mit den Gedanken Ludwig Wittgensteins nun nicht sehr vertraut - hatte er fundierte Kenntnisse von nichtlinearer Dynamik?

Kommentar von grtgrt ,

Ich weiß es nicht. 

Aber meine Frage macht ja auch ganz unabhängig von Wittgenstein durchaus Sinn.

Antwort
von Hamburger02, 37

Nur kurz geantwortet:
Es gab Philosophen wie Wittgenstein oder Bergson, die spätere Enwticklungen korrekt "vorhergesehen" haben.

Deren Thesen wurden durch die Theorie Dissipativer Strukturen bestätigt, für die Ilya Prigogine 1977 den Nobelpreis erhielt.

In dieser Theorie werden die physikalischen Grundlagen der Selbsorganisation und der Entstehung von Emergenzen gezeigt. Mit dieser Theorie kann die Physik des Lebendigen als eine Kombination von Energieentwertung und Zufall ausschließlich mathematisch beschrieben werden.

Kommentar von grtgrt ,

Was versteht Prigogines Theorie unter Energieentwertung?

Kommentar von Hamburger02 ,

Prigogine arbeitet sehr stark mit Exergie und Anergie.

Unter Dissipation (Energieentwertung) versteht man die Umwandlung von Exergie in Anergie. Erfolgt die Entwertung in mehreren getrennten Prozessstufen, spricht man bei den einzelnen Schritten statt von Dissipation auch von der Degradation der Energie.

Die Entwertung von Exergie zu Anergie ist immer mit einer Zunahme der Entropie verbunden. Insofern kann man statt Energieentwertung auch den Begriff Entropieproduktion verwenden.

Antwort
von gromio, 65

Das ist in der Tat eine philosophische Frage.

Es ist nicht möglich, dass allein mathematische Gesetze in Kombination mit dem Absoluten Zufall alles Geschehen prägen.

Denn wenn biologische Lebewesen wie Mensch oder Tier Entscheidungen treffen und entsprechend agieren, führt dies unweigerlich zu Reaktionen bzw. Konsequenzen. Nun kann man sicher nicht davon ausgehen, dass ALLE Entscheidungen, die biologische Lebewesen treffen und ausführen, allein durch mathematische Gesetze und/oder den absoluten Zufall zustandekommen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, wenn man sieht, wie Menschen ztw. handeln.

Und wenn Wittgenstein sagte, was er sagte, was genau will er damit sagen?

und wie definierte DER denn Tatsachen?

Philo-soph-ie halt....

cheerio

Kommentar von grtgrt ,

Für Wittgenstein ist eine Tatsache ein existierender Sachverhalt. Man erkennt das durch Vergleich seiner beiden Aussagen

" 1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge "

" 2.04  Die Gesamtheit der bestehenden Sachverhalte ist die Welt ".

Meine Frage allerdings sollte völlig unabhängig von Wittgenstein gesehen und beantwortet werden (sie kam mir nur seinetwegen in den Sinn).

Kommentar von gromio ,

zu 1.1 

Eine Tatsache ist nicht unbedingt ein Ding, aber ein Ding ist unbedingt eine Tatsache.

zu 2.04

Nicht eindeutig : Was meint er mit bestehend? lokal, regional, global, universell?

Wie dem auch sei, nicht alles ist nur Mathematik und/oder Zufall absolut.

Kommentar von grtgrt ,

Deine Meinung 

Nun kann man sicher nicht davon ausgehen, dass ALLE Entscheidungen, die biologische Lebewesen treffen und ausführen, allein durch mathematische Gesetze und/oder den absoluten Zufall zustandekommen.

wird ganz und gar nicht von allen Wissenschaftlern geteilt. 

Kommentar von gromio ,

Das ist logisch: Menschen sind keine Lemminge, sondern entscheiden frei - nicht durch mathematische Gesetze festgelegt oder von diesen abhängig.

Kommentar von grtgrt ,

Eben das ist noch lange nicht bewiesen (!).

Und selbst wenn es richtig wäre, dass es freien Willen gibt, würde keineswegs jeder - um eine Entscheidung in bestimmter Situation gebeten - gleich entscheiden.

Kommentar von gromio ,

Ja eben, natürlich würde nicht jeder gleich oder sofort entscheiden, ist ja auch so, oft wird lange NICHT entschieden. Ohne freien Willen wäre das wohl nicht so.....

Das ist auch mit dieser Konversation bewiesen: Ich habe entschieden, überhaupt und dann wiederholt zu antworten, genau wie Du. Oder willst du behaupten, das wäre Mathematik und/oder absoluter Zufall?

cheerio

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