Frage von Tannenweg, 68

Keine Unterhaltszahlung an Sohn bei Privatinsolvenz?

Ich bin 62 Jahre alt und durch eine Schwerbehinderung in diesem Jahr frühzeitig zum Altersrentner geworden. Ich lebe in einer Wohngemeinschaft als 1/3-Partei und bin geschieden. Da ich einen Antrag für ein Privatinsolvenzverfahren gestellt habe, prüft der Insolvenzverwalter z.Zt. mein "pfändbares Einkommen". Monatlich erhalte ich eine Rente in Höhe von ca. 910 Euro und durch einen Minijob kommen noch einmal maximal 450 Euro hinzu. Mein 22-jähriger Sohn hat im August eine Ausbildung als Tischler begonnen und erhält eine monatliche Vergütung von ca. netto 530 Euro. Bisher habe ich als Unterhaltszahlung an meinen Sohn einen monatlichen Betrag von 200 Euro geleistet, da meine finanzielle Situation einen höheren Betrag nicht zulassen. Nach einem aktuellen Gespräch mit meinem Insolvenzverwalter macht dieser dem zuständigen Amtsgericht nun folgenden Vorschlag: " Ich (der Insolvenzverwalter) beantrage gem. §850c Abs. 4 ZPO nach billigem Ermessen zu bestimmen, dass der Sohn des Schuldners bei der Berechnung des unpfändbaren Teils des Einkommens unberücksichtigt bleibt." Meine Stellungnahme soll ich innerhalb von 10 Tagen an das Gericht senden. Wenn ich das nun richtig verstehe, dann soll ich für meinen Sohn keinen Unterhalt mehr zahlen und stattdessen wird von mir ein Betrag von ca. 150 Euro gefordert, der zum Ausgleich meiner Schuldenbegleichung auf ein gesondertes Konto zu überweisen ist. Habe ich das so richtig verstanden ? Mein Sohn ist ebenfalls eine 1/3-Partei unserer Wohngemeinschaft und meine ursprüngliche Unterhaltszahlung war Teil seines Beitrages zur Wohngemeinschaft. Wenn ich diesen Betrag nun nicht mehr leisten kann (und soll), muss mein Sohn diesen Betrag selbst aufbringen. Muss er sich definitiv damit abfinden, dass ihm evtl. auf Antrag des Insolvenzverwalters sein ihm zustehender Unterhalt entzogen wird? Warum muss mein Sohn finanzielle Einbußen hinnehmen, wenn der Vater mit seiner Schuldenbegleichung nicht mehr klarkommt und deshalb in die Privatinsolvenz gehen muss? In der Vergangenheit wurde ich immer wieder belehrt, dass Unterhaltszahlungen an Kinder vorrangig sind und trotz enormer Schwierigkeiten habe ich mich daran gehalten. Jetzt steht die Privatinsolvenz im Vordergrund und nun auf einmal soll der Kindesunterhalt außen vor bleiben? Ich erwarte mit Spannung die Antworten der Experten, habe aber nicht viel Hoffnung für mich und meinen Sohn.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DwarfEnt, 13

Hallo,

das Gespräch mit dem Treuhänder scheint für Dich nicht sehr gut ausgegangen zu sein.

Der Treuhänder beantragt, dass Dein Sohn nicht als unterhaltsberechtigte Person anerkannt wird. Die Pfändungsfreigrenze ist ohne unterhaltsberechtigte Person bei 1.079,99 EUR, mit einer anerkannten Person ist sie um ca. 400 EUR höher.

Wenn Dein Sohn nicht anerkannt wird, kannst Du Dir den Minijob sparen, weil der komplett gepfändet wird. Das ist schon eine linke Tour vom Treuhänder, da Du ihm ja gesagt hast, dass Du 200 EUR Unterhalt pro Monat bezahlst.

Ich würde Dir vorschlagend, dass Du Dir im Insolvenzgericht einen Termin bei dem für Dich zuständigen Rechtspfleger besorgst. Dem erklärst Du, dass Dein Sohn nur 530 EUR verdient und dass Du Deinen Sohn mit 200 bis 300 EUR unterstützt und daher möchtest Du, dass Dein Sohn als unterhaltsberechtigt anerkannt wird.

Das Thema mit der WG würde ich nicht unnötig kompliziert machen. Du wohnst mit Deinem Sohn zusammen und fertig.

Viel Glück

Antwort
von Gerneso, 51

Wenn ihr als Familie zusammen lebt ist dass keine Wohngemeinschaft.

Ein volljähriges Kind welches bei den Eltern wohnt bekommt keinen Barunterhalt von den Eltern. 

Außerdem hast Du in Deiner Aufstellung das Kindergeld vergessen, welches Du für Deinen im gleichen Haushalt lebenden Sohn ja noch bekommst.

Volljährige Kinder mit Ausbildungsgehalt die bei den Eltern leben dürfen ruhig etwas Kostgeld Zuhause abgeben. Gerade wenn die Eltern selbst knapp sind ist das nicht Zuviel verlangt.

Antwort
von Ronox, 22

Mit dem Antrag soll lediglich erreicht werden, dass dein Sohn bei der Berechnung deines pfändbaren Einkommens als Unterhaltsberechtigter (teilweise) nicht berücksichtigt wird, da er eigenes Einkommen hat. Ist der Antrag erfolgreich, so kann mehr von deinem Einkommen gepfändet werden. Auf eine etwaige Unterhaltspflicht hat das aber keine Auswirkungen. Es handelt sich um einen vollstreckungsrechtlichen Antrag.

Antwort
von YorkFuessel, 26

Das Ganze kann eigentlich nur dann funktionieren, wenn im Gegenzug die von Dir früher geleisteten 200€ Kindesunterhalt bei Wegfall von einer anderen Stelle oder der ebenfalls unterhaltsverpflichteten Mutter Deines Sohnes geleistet werden.

Dein Sohn ist unterhaltsberechtigt weil er unter 25 Jahre alt und in der Ausbildung ist.

Mache bei Deiner Stellungnahme für das Gericht deutlich, wie wichtig Dir die Ausbildung Deines Sohnes ist und wie unglücklich Du es empfindet, dass Dein Sohn nun ggf. seine Ausbildung wegen Dir nun abbrechen muss, falls es so rechtens ist.

Wichtig ist es, fristgerecht zu antworten, damit Du wegen nicht rechtzeitiger Mitwirkung nicht übergangen wirst und ungehört bleibst.

Wenn es nicht wie von Dir weitergeht, dann bitte nochmals nachfragen.

Beste Grüße

Dipl.-Päd. York Füssel,
Wirtschafts- und Vermögensberatung seit 1983es Unterhalt von 200 € 

Antwort
von ChulatasMann, 28

Am besten suhst Du DIr einen Schuldnerberater. Der darf Dir hier entsprechende, Rechtsvebindliche Antworten geben.

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