Frage von Yulica, 42

Keine Pflegekraft für meine Oma, was kann ich tun?

Hallo liebe Forumgemeinde,

ich habe ein Problem:

Meine Oma lebt alleine, und zwar 700km von mir entfernt.

Seit einigen Jahren ist sie pflegebedürftig (Parkinson in fortgeschrittenem Stadium) und hatte immer eine ausländische 24h-Pflegekraft zu Hause, meistens Leute aus Polen. Das war mal mehr, mal weniger gut. Manche waren zuverlässig und nett, das hat dann auch immer mehrere Monate lang funktioniert (in der Regel bis die Pflegekraft nach einer gewissen Zeit wieder nach Polen zurück geht zu ihrer Familie), manche wurden auch gleich wieder von meiner Oma vor die Tür gesetzt, weil sie rauchen/trinken/herumschreien/unfreundlich waren. Dieses Jahr hatte sie eine nette Polin, die aber erst wieder irgendwann im Herbst kommen kann. Ich bin froh, wenn diese Frau wieder zu meiner Oma kommt (bin nicht sicher, ob es wirklich klappt), habe aber auch gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil sie ein 7jähriges Kind zu Hause bei ihrem Mann hat. :(

Jedenfalls ist meine Oma derzeit ohne Betreuung, nur tagsüber kommt für ein paar Stunden mal jemand von einem Pflegedienst vorbei. Das ist eine wirklich prekäre Situation, weil sie nachts nicht alleine sein kann/darf. Des öfteren muss sie selbst auch den Notarzt holen.

Sie sagt, sie habe schon alle Pflegeagenturen durchprobiert und es gebe keine mehr, an die sie sich wenden möchte. Ich nehme an, sie meint nur die Agenturen, die ausländische Pflegekräfte vermitteln, denn die anderen kosten ja noch mehr Geld und das kann sich meine Oma erst recht nicht leisten.

Sie spricht schon seit Jahren davon, dass sie sich wünscht, dass ich sie pflege. Das kann ich jedoch nicht.

Was kann ich tun? An wen kann ich mich wenden? Welche Agentur ist empfehlenswert?

Antwort
von HeikeElchlep1, 25

Wenn keine Pflegekraft gefunden werden kann und deine Oma allein ist, dann ist es verantwortungslos, aber nicht von dir, sondern von deiner Oma. Was deine Oma macht mit dir, wahrscheinlich sogar unbewusst, dir ein schlechtes Gewissen und dir die Verantwortung für ihr Leben aufdrücken und das ist nicht in Ordnung. Wenn du im selben Haus wohnen würdest, dann wäre es noch ein anderes Thema, aber das muss man auch wollen und können. Ich habe drei Pflegefälle im Haus, ich weiß von was ich rede, aber ich möchte es auch so. Wenn deine Oma die Situation nicht mehr alleine einschätzen kann, dann musst du das tun und für sie einen Heimplatz suchen. Denn wenn ihr was passiert, machst du dir Vorwürfe und du kannst dich auch nicht auf dein Studium konzentrieren. Und letztendlich ist es egoistisch von ihr, zu verlangen, dass du sie pflegst und betreust, obwohl sie weiß, dass du noch studierst und dich auf dein eigenes Leben vorbereiten musst. Ich wünsche dir Kraft und Mut, dafür dass du dein Leben einfordern kannst, denn das solltest du, sonst wirst du immer wieder in solche fremdbestimmende Situationen kommen und das ist ein lieb gemeinter lebenserfahrender Rat.

Kommentar von Yulica ,

Danke für deine liebe Antwort.

Ja, was meine Oma da macht ist wirklich nicht in Ordnung, deshalb versuche ich auch immer, mich davon zu distanzieren. Von ihr und von ihren Plänen.

An einen Heimplatz hab ich auch schon gedacht, aber das würde ja auch bedeuten, die Wohnung aufzulösen und das würde auch wieder alles an mir hängen bleiben und wäre ein Haufen Arbeit. Daher wäre ich selbst sehr froh, wenn man wieder eine Pflegekraft finden könnte.

Ich möchte auch nicht, dass andere Leute weiter mein Leben bestimmen. Deshalb will ich schauen, wie man meine Oma versorgen kann, sodass ich mich wieder auf meinen Weg konzentrieren kann.

Kommentar von HeikeElchlep1 ,

Wohnung auflösen, manchmal können die auch lieb gewonnene Dinge mitnehmen, dann gibt es Leute, die Wohnungsauflösungen machen, dass heißt die nehmen alles mit, meist Trödler oder so Verwerter, wir haben damals unseren Schwiegervater zu uns geholt und der Nachmieter wollte die Küche, da haben wir einen Preis angesetzt und wenn er alles nimmt, so wie die Wohnung ist, kostet es nix, der Plan ging auf. Klar ist das erst mal Arbeit für dich, aber das ist Arbeit über einen relativ kurzen Zeitraum, Pflege dauert länger und selbst mit Pflegekraft hast du immer die Unruhe, ob wieder unzuverlässige Menschen da sind.

Antwort
von beangato, 22

So blöd das jetzt auch klingt:

Deine Oma sollte in ein Heim.

Du machst Dich ja momentan selbst fertig. Und Deine Oma scheint eine schwierige Person zu sein - in Bezug auf fremde Menschen.

Sollte ihr mal in der Nacht was passieren und sie kann keinen Arzt mehr rufen, machst Du Dir ständig Vorwürfe.

Wende Dich mal an die AWO.

Kommentar von Yulica ,

Sie ist zwar speziell, aber mit fremden Leuten ist sie eigentlich richtig super drauf, sofern sie nett sind. Wir brauchen einfach Tipps für Pflegekräfte, die über Nacht bleiben können...

Kommentar von beangato ,

Die AWO kann Euch da vlt. helfen.

Antwort
von Volkerfant, 15

Du bist bisher zu gutmütig gewesen und hast deine Zukunft ausser acht gelassen. Das darf nicht sein, sonst bleibst du auf der Strecke. Du musst dich dringend um dich und um deine Zukunftspläne kümmern. Von einem Dankeschön bekommst du deinen Bachelor nicht.

Es gibt Pflegestationen, die auch bei Bedarf öfters ins Haus kommen. Dann gibt es noch die Nachbarschaftshilfe, die putzt und nach der Oma schaut. Es gibt Essen auf Rädern.... Das muss man natürlich alles bezahlen, aber deine Oma bekommt auch eine Rente, oder nicht?

Vielleicht gäbe es auch eine Möglichkeit ins "Betreute Wohnen zu ziehen". Am besten wäre natürlich wieder eine Polin, bis die andere Frau wieder kommt. Die Agentur,  die die Polinnen vermittelt, weiß am ehesten Rat.

Wende dich mal an den zuständigen Pflegestützpunkt, die können deine Oma sehr gut beraten.

Antwort
von Tomysailor, 23

Mit einem richterlichen Beschluss könnte man eventuell bei ein Spezialpflegedienst das ein oder andere erwirken,  wenn die bisher alle immer Deine Oma abgelehnt haben. Deine Oma sollte aber nicht von Dir verlangen das Du sie pflegst,  Du scheinst schließlich nicht vom Fach zu sein und einige Medikamente die Deine Oma nehmen wird sollten von einer Fachkraft kontrolliert verabreicht werden, denn kleine Fehler könnten bei ihr schon eine große Wirkung haben. Wenn deine Oma noch nicht die Pflegestufe 3 hat, dann unbedingt beantragen,  dann gibt es mehr Geld für die Pflege. Damit wird sie für viele Pflegedienste interessanter, grade für die Intensiv- oder 24h-pflegedienste.  Und Du musst auf jeden Fall Dein Leben endlich regeln und zu Potte kommen. 

Kommentar von Yulica ,

Was ist ein Spezialpflegedienst? Abgelehnt? Ich verstehe das gerade nicht. Ich hab da leider keinen Durchblick :(

Die polnischen Pflegekräfte, die bisher meine Oma betreut haben, sind auch keine Fachkräfte. Das kann man einfach nicht bezahlen. Wenn sich jemand anständig um meine Oma kümmert und ihr im Alltag hilft und nachts da ist, dann reicht das, es muss keine medizinische Kraft sein.

Soweit ich weiß, hat sie schon die Pflegestufe 3.

Ich weiß, ich muss zu Potte kommen, deshalb ärgert mich ja die Situation gerade so!

Kommentar von Tomysailor ,

Es gibt da z.B. 24 h Pflegedienste. Da kommt dann einer für eine Woche jeweils für 12 h zur Tagschicht und einer zur Nachtschicht. Nach einer Woche haben die zwei dann eine Woche frei und es kommen die nächsten beiden dann für eine Woche und danach dann wieder die ersten beiden, so dass immer die selben Bezugspersonen da sind.  Diese machen dann auch Spiele oder gehen mit der Oma raus, gucken mit ihr TV oder oder oder. Ist nur schwierig an sowas ranzukommen, weil teuer und zu selten noch. Aber wenn man am Ball bleibt, bezahlen die Kassen das.

Antwort
von Alica04, 22

Hmmmm, sehr schwieriges Thema und das tut mir wahnsinnig leid, weil deine Situation echt furchtbar klingt, aber das einzige was mir einfällt ist ein Pflegeheim. Aber ich schätze mal, das möchte deine Oma nicht?!

Kommentar von oxBellaox ,

meine Oma wollte das auch nicht. nur wenn irgendjemand die Feuerwehr holt bzw. Ämter informiert, dann wird sie einfach weggebracht. Niemand fragt dann noch, ob sie das will.

Handle und suche etwas aus, was ihr gefällt, solange es noch geht. Problematisch wird es erst, wenn wie gesagt jemand hell hörig wird.

Kommentar von Yulica ,

Ja, danke dir, das ist auch furchtbar. Meine Oma ist erst vor einem Jahr in ihre jetzige Wohnung gezogen und fühlt sich sehr wohl da. Wenn sie dort auszieht bleibt der ganze Umzug an mir hängen.

Ich brauche wirklich Tipps zu 24h-Pflegekräften, nicht zu Pflegeheimen!

Antwort
von oxBellaox, 31

Es ist löblich, dass du dich so um deine Oma kümmerst. Dein eigenes leben hat aber Vorrang.

Hole deine Oma doch in eine betreute Wohngemeinschaft in deinem Umkreis. Oder ein schönes Heim. Unbedingt Pflegestufe beantragen, falls noch nicht passiert (Krankenkasse).

Die Rente deiner Oma wird angerechnet, was zu den Heim- bzw. Pflegekosten fehlt, zahlt das Sozialamt.

Kommentar von Yulica ,

Das ist ein gut gemeinter Rat von dir, aber ich kann meine Oma nicht von dort wegholen, wo sie seit 75 Jahren lebt und Freunde hat. Sie ist ja mental topfit und hat einen großen Bekanntenkreis. Sie würde dort nie weggehen, schon gar nicht 700km.

Kommentar von oxBellaox ,

dann ist dein Leidensdruck noch nicht hoch genug - wenn etwas passiert geht es nämlich lötzlich ganz schnell!

Kommentar von Yulica ,

Die Belastung würde für mich doch wachsen, wenn sie in meiner Nähe wäre. Sie wäre in einem Heim zwar versorgt, aber würde sich furchtbar einsam fühlen ohne ihr gewohntes Umfeld, sogar der Dialekt ist ein ganz anderer, die Leute würden sie nicht mal richtig verstehen! Ich wäre die einzige Person, die sie besuchen käme, wohingegen mir ihre Freunde und Bekannte in ihrer Heimat derzeit diese "soziale Last" abnehmen.

Kommentar von oxBellaox ,

das ist für mich alles an den Haaren herbeigezogen. einerseits kann die Oma nicht ohne deine Hilfe, andrerseits sind anscheinend ja genügend Leute da.

Weißt du was? Du schiebst das alles vor, damit es so bleiben kann wie es ist ... den Grund dafür weißt du.

Alles Gute für dich und deine Oma!

Sie kennen die Antwort?

Fragen Sie die Community