Frage von FAThemaGlaube, 53

(Keine Glaubensfrage) Wie stehen die heutigen Italiener zum Faschismus bzw. zu Mussolini?

Bin selber Italiener und sehe den Faschismus geteilt: einerseits war er für die Vernichtung vieler Leute verantwortlich, andererseits hat er Italien auch viel Gutes gebracht.

Antwort
von Ruenbezahl, 16

Zu behaupten, dass Mussolini für Italien auch viel Gutes gebracht hat, ist reine Verherrlichung des Faschismus. Es ist das Gleiche, als wenn man Hitler zugute halten wollte, dass er Autobahnen gebaut, das Winterhilfswerk gegründet und den Menschen durch die KdF-Organisation Urlaubsreisen ermöglicht hat. Das angeblich "Gute" dieser Diktatoren diente doch einzig und allein dem Zweck, das Böse noch effizienter durchsetzen zu können. Mussolini brauchte Soldaten und Siedler für die eroberten Gebiete, daher förderte er großzügig die kinderreichen Familien - und gleichzeitig ließ er hunderttausende Eingeborene in Libyen und Äthiopien umbringen, um Platz für die italienischen Siedler zu schaffen.

Mussolini hat zwar versucht, den Analphabetismus in Italien zu bekämpfen, er war dabei aber nicht sehr erfolgreich, was ja auch die Kriegsleistung seiner Soldaten eingeschränkt hat, weil die die Bedienungsanleitungen moderner Waffen und Geräte nicht lesen konnten. Die angeblichen Leistungen für die Wirtschaft bestanden vor allem in der Förderung der Rüstungsindustrie, was hauptsächlich auf Pump geschah. Aus diesem Grund hat Italien ja auch am 23. Juni 1942 der Sowjetunion den Krieg erklärt, weil Mussolini sich dort im Gefolge der Nazis, die den Krieg gewinnen sollten, reiche Beute erhoffte, die den italienischen Staatshaushalt sanieren sollte.

Das Thema Architektur würde eine eigene Antwort erfordern. Unter Mussolini wurde im sogenannten "Stile imperiale" gebaut, eine vollkommen missglückte Neuinterpretation römischer Baukunst; daneben auch im "stile razionalistico", der eigentlich als deutscher Rationalismus (Bauhaus) entstanden war, aber durch die Gruppe der Futuristen, die dem Faschismus die geistig-kulturelle Grundlage lieferten, auch in Italien Verbreitung gefunden hatte. Die Architekten des faschistischen Regimes wie z. B. Piacentini haben ihre Scheußlichkeiten auch nach dem Krieg noch bauen dürfen, und heute werden diese Bauten und faschistische Denkmäler (z.B. für Mussolini) bewacht und aufwändig restauriert, während man die wirklich wertvollen Zeugnisse der Römerzeit verfallen lässt.

Kommentar von FAThemaGlaube ,

ok danke für die aufklärung

Antwort
von voayager, 11

Es gibt nicht die Italiener, denn es gibt solche und wieder andere.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte & Politik, 28


Bin selber Italiener und sehe den Faschismus geteilt:... andererseits hat er Italien auch viel Gutes gebracht.

Was denn beispielsweise?

MfG

Arnold


Kommentar von FAThemaGlaube ,

Italien war Stark zur Zeit des Faschismus, Mussolini tat viel für die Bildung und Wirtschaft.Ausserdem liess er schöne Bauwerke errichten nach Römischen Stil

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Deiner Antwort entnehme ich, dass du dich mit der Zeit des italienischen Faschismus und der Herrschaft Mussolinis bisher nicht näher befasst hast. Ich empfehle dir zwei sehr gute Bücher:

  • Hans Woller: Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert. 2010.
  • Hans Woller: Mussolini. Der erste Faschist. 2. Aufl. 2016.

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