Frage von LunaKar, 55

Keine Fortschritte bei stationärer Therapie (Depression)?

Ich bin jetzt seit ca. 4 Monaten in stationärer Therapie in der KJP. Ich mache allerdings anscheinend keine Fortschritte und die Therapeuten wissrn auch nicht so recht, ob ich wirklich was ändern will. Ich will aber keine Suizidgedanken haben, wie sollte ich da denn auch anders denken?! Ich verletze mich auch noch immer selbst, weil ich dann meine Aufmerksamkeit von den Suizidgedanken ablenken kann (Skills helfen oft nicht). Auch deswegen sagen die Therapeuten, dass ich keine Fortschritte mache. Was sagt ihr dazu - warum mache ich keine Fortschritte? Was kann ich gegen die Suizidgedanken machen, ohne mich selbst zu verletzen? Habt ihr eigene Erfahrungen? Liebe Grüße und danke schon mal im Voraus :)

Antwort
von EinNarr, 20

Lasse dich nicht entmutigen. Es mag eine lange Zeit sein, doch aus sich der Genesung ist es leider nicht all zu viel. Die Therapie legt im Kern nicht mehr als Grundsteine und dieser Prozess, aus der jetzigen Situation wirklich heraus zu kommen, ist ein langer. Er lohnt sich aber und wird dir im Endeffekt mehr als nur zu Gute kommen - soviel kann ich aus eigener Erfahrung versprechen.

Einer der Punkte, die mich förmlich angesprungen haben, ist "Skills helfen oft nicht" und das ist etwas woran man durchaus gut arbeiten kann.

Wichtig ist hier vorweg, dass man sich mit dem gegebenen beschäftigt und es auch akzeptiert und das ist unter anderem, dass Skills nie "so gut" sind wie dysfunktionales Verhalten (Substanzmissbrauch, Selbstverletzung et cetera). Weiter ist auch die Akzeptanz der Tatsache relevant, dass den Umgang mit Skills zu lernen ein langer und auch schwieriger Prozess ist. Zu guter Letzt noch etwas positives - Skills helfen und sind einer der wichtigsten Werkzeuge, um aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen.

Wenn man sich das bewusst gemacht hat, dann kann die Arbeit los gehen und da stellst sich mir die Frage, wie intensiv du dich bis dato mit Skills auseinandergesetzt hast und wie viel du schon probiert hast. Also zum Beispiel welcher Skills wann helfen, bei welcher Anspannung und unter welchen Umständen du sie anwenden kannst.

Viele verstehen unter einem Skill zu Beginn nur ein sehr eingegrenztes Feld. Gummiband zum schnippen, Ammoniak und Igelball - das ist aber nicht einmal die spitze des Eisbergs. Musik, Podcasts, Serien, Lesen, selbst die Fingernägel lackieren oder was weiß ich, kann ein Skill sein. Kurz - alles, was dir hilft und weder kurz- noch langfristig nicht schädlich ist, kann ein Skill sein. Auch sich bei jemanden melden kann eine gute Hilfe sein. Ich bin oft zu meiner Mutter, denn wenn jemand da ist, dann wird man sich kaum vor dieser Person verletzen und hat direkt einen Ansprechpartner um zu reden und sich eventuell auch abzulenken.

Nehmen wir dein Beispiel mit den Suizidgedanken. Ich habe gerade in ruhigen Momenten immer wieder damit zu kämpfen, weswegen gerade die Nächte immer wieder problematisch waren. Die Konsequenz daraus ist, das ich Abends zum einschlafen immer einen Podcast laufen habe mit einem Thema, dass mich interessiert und zwar so leise, dass ich mich konzentrieren muss um alles zu verstehen. So lenke ich meine Gedanken recht gut weg von dem Rest, denn ich muss mich konzentrieren respektive fokussieren auf den Podcast und denke dann auch über das gehört nach.

Somit ist eine 0,99c PodcastApp aktuell mein wirkungsvollster Skill gegen Suizidgedanken in der Nacht.

Bei der Selbstverletzung ist es eine Skillskette. Musik über Kopfhörer (hab mir eine extra Playlist angelegt), dann Ammoniak, Atemübung und eine Zigarette rauchen (kein Skill nach Definition aber wurde in der Klinik anerkannt). Je nachdem wie es um meine Anspannung steht, kann es mal schneller und mal länger dauern aber ich fahre insgesamt recht gut damit - und das hat gedauert.

Mein Tipp an der Stelle an dich: Setze dich nochmal hin und schaue dir deine Skills an und schaue auch, was dir sonst noch helfen könnte. Probiere dich aus, erstelle eine erste Skillskette und teste sie. Nur so kommst du auf einen grünen Zweig. Eventuell kannst du dort auch deinen dortigen Therapeuten mit einbinden.

Weiter im Text. Die Selbstverletzung. Ich weiß nicht womit du dich selbst verletzt. Wenn du noch Gegenstände bei dir hast (Rasierklingen, Messer, Anspitzerklinge et cetera), die du nur hast weil sie zur Selbstverletzung dienen - gebe sie ab und werde sie los. Gerade noch "am Anfang" ist es schwer, den schweren Weg zu gehen, wenn eine Rasierklinge im Blickwinkel liegt.

Das mögen erst einmal nur zwei vermeintliche Kleinigkeiten sein aber diese Schritte zu gehen ist wichtig, denn sie machen etwas mit der Einstellung. Sie sind ein Zeichen an sich selbst, dass so viel sagt wie "So, nun wirklich mal ran an das Thema und loslegen."

Kurzum - setze für dich Zeichen, dass du jetzt wirklich ran willst. Wenn du angespannt bist, dann setze auf die Skills und melde dich bei jemanden - gerade in einer Klinik besteht diese Möglichkeit. Auch wenn es der schwerste der möglichen Wege ist, musst du dich, wenn es bergauf gehen soll, dazu "zwingen" ihn zu gehen.

Bei spezifischen Fragen zu Skills kannst du dich auch gerne bei mir melden - schreibe mich einfach an (musst nur vorher eine Freundschaftsanfrage schicken).

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und hoffe es geht für dich bergauf.

Liebe Grüße.

Antwort
von PlueschTiger, 19
  • Eine wichtige Voraussetzung für jede Heilung ist, der glaube an diese. So wie es einen Placebo Effekt gibt, gibt es auch das Gegenteil davon.
  • So banal es Klingen mag, du musst dich Entscheiden das mit Suizidgedanken und selbst verletzen Schluss ist. Das klingt einfacher als es ist. Die Entscheidung muss tief ins Bewusstsein gelangen, so wie wenn du mit jemanden einen nicht wieder rückgängig machbaren Pakt eingehst.
  • Leider musst du selbst an dir Arbeiten, denn von Therapeuten brauchst du manchmal nicht viel erwarten.
  • Du selbst musst offen und ehrlich zu den Therapeuten sein und zu dir selbst.
  • Versuche selbst auf die Gründe deines Handelns zu kommen. Beobachte deine Gedanken und Gefühle wenn dir wieder danach ist und versuche tiefer im Bewusstsein zu kramen. Mitunter ist das was man auf dem ersten Blick erkennt nur ein Teil von viel mehr und ganz anderen Gefühlen. so etwas am besten im Beisein eines Therapeuten und bei ruhe.
Antwort
von Leoba32, 12

hey, ich denke mal du hast schon einiges versucht bei 4 Monaten in Behandlung. Was mir geholfen hat war Sport. ich weiß man kann sich nur schwer aufraffen, aber es hilft ungemein! Wenn dein Körper ausgeglichen ist wird es dein Geist auch sein. versuch mal mit Training, bis du echt fertig bist. du wirst sehen danach wird's dir besser gehen. 

viel Glück ja, das wird schon!

Antwort
von Coza0310, 20

Du musst in dem Moment, wo Du Suizidgedanken hast oder ritzen willst mit jemanden sprechen, der oder dem Du vertraust.

Zum zweiten wäre vielleicht über ein Antidepressivum nachzudenken.

Kommentar von LunaKar ,

Ich nehme bereits ein antidepressivum, das alledings nicht so wirklich zu helfen scheint. Ich versuche auch immer, mich an jemanden zu wenden, wenn es mir sehr schlecht geht...

Kommentar von Coza0310 ,

Welches in welcher Dosierung?

Antwort
von Jackymausl, 28

Also die ambulante Therapie hat bei mir auch erst nach längerer Zeit geholfen, nach einem Jahr ging es mir erst wieder besser bzw gut. Und sonst versuche es doch mal stationär, vielleicht hilft es dir besser :)

Kommentar von Jackymausl ,

Oh Entschuldigung ich dachte deine ambulante Therapie schlägt nicht an, hab mich vertan sorry :(

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