Frage von KateClapp1, 51

Keine Ausbildungsvergütung wegen Hartz 4?

Hallo, ich möchte nächstes Jahr eine Ausbildung anfangen und ich bin 16 und wohne daher bei meinem Vater. Wir beziehen Arbeitslosengeld II, da mein Vater arbeitsunfähig ist aufgrund einer Krankheit. Nun hat mir jemand erzählt, dass ich überhaupt nichts von der Ausbildungsvergütung habe weil mein Vater und ich sozusagen ein Haushalt bilden und ich dann das Geld für uns verdiene. Also so würde, dass angeblich das Arbeitsamt sehen, dass ich dann zum Mitverdiener werde. Eigentlich hatte ich vor das ganze Geld zu sparen, um mir meinen Führerschein zu finanzieren und das erste Auto. Stimmt das? Falls ja wäre das einfach mal mega unfair.

Antwort
von EstherNele, 31

Du musst nicht das Geld für Euch verdienen ... das ist einfach Quatsch, Kinder müssen nicht für ihre Eltern aufkommen.

Was du aber tun musst - du musst dein Einkommen einsetzen, um deinen Bedarf davon zu decken.

Das heißt, dein Dad wird für dich weniger oder gar kein Geld mehr vom JobCenter bekommen, weil du dein Einkommen dazu nehmen musst, um deinen Mietanteil (Hälfte der Miete) und eben soweit möglich, deinen Bedarf davon zu decken.

ALG II ist nun einmal eine nachrangige Leistung - das bekommt, wer seinen "Bedarf", so nennt es der Gesetzgeber, aus seinem gesamten Einkommen (das wäre bei dir Kindergeld und Ausbildungsvergütung) immer noch nicht decken kann.

Du hast aber auf dein "Erwerbs"-Einkommen, deine Ausbildungsvergütung, einen Freibetrag, der sich vom Brutto berechnet und dann vom Netto abgezogen wird. Das heißt, das Jobcenter rechnet nicht dein gesamtes Netto an als Einkommen, sondern etwas weniger. Wieviel, hängt von der Höhe deines Einkommens ab.

Aber nimm mal als Faustformel mit, dass du vom Brutto folgenden Betrag frei hast: erst einmal 100 € und dann von jedem weiteren Euro, den du über diese 100 € verdienst, darfst du 20 % behalten.

Beispiel: bei einem Brutto von 500 € hat man erst einmal 100 € Freibetrag.
Von den verbleibenden 500-100€, also 400 €, darf man noch einmal 20%, also 80€, behalten.

Diesen Freibetrag, diese 100€ +80€ = 180€, werden vom Netto abgerechnet. Das Jobcenter will also nicht, dass du dein ganzes Netto, also den Auszahlbetrag, den du monatlich auf dein Konto bekommst, für deinen Lebensunterhalt verwendest, sondern lässt dir ein "Mehr" in Höhe des Freibetrages.

Aus dem Rest sowie dem Kindergeld musst du dann, falls es reicht, deinen Bedarf decken.

Dein Kindergeld wird deinem Dad jetzt auch schon als Einkommen angerechnet, falls du Unterhalt von deiner Mutter beziehst, auch der.

Also würde das anrechenbare Netto, das ich gerade erklärt habe, deinem Vater weniger ausgezahlt. Denn der bekommt jetzt ja auch für dich Geld.

Dein Bedarf liegt ab 2016 bei 306 € (Regelleistung) + deiner Miethälfte. 
Wenn du den aus deinem Einkommen bestreiten kannst, weil du eine entsprechend hohe Ausbildungsvergütung hast, dann wirst du wohl deinem Vater einen Teil abgeben müssen: deinen Mietanteil, Strom, Verpflegung, Telefon.

Du musst also etwas abgeben, denn das kann dein Dad unmöglich aus seinem Regelsatz allein für zwei Personen whoppen.

Aber für ihn musst du nicht aufkommen.

Es gibt zwar noch die eine oder andere Regelung dazu am Rande, aber damit solltest du dich beschäftigen, wenn es soweit ist. Sonst verwirren wir dich hier völlig.

Kommentar von isomatte ,

Soweit ist alles korrekt !

Nur wird das anrechenbare Einkommen zunächst auf den Regelsatz angerechnet und erst wenn dann noch etwas übrig ist auf die Kosten der KDU.

Du hattest die KDU - zuerst genannt,erst muss der Bedarf zum Lebensunterhalt gedeckt sein,erst dann darf auf die KDU - angerechnet werden.

Kommentar von EstherNele ,

Du hast natürlich recht ... danke.

Antwort
von SimonG30, 34

Das Jobcenter nimmt Dir nicht Deine Ausbildungsvergütung ab. Aber die Leistungen Eurer Bedarfsgemeinschaft werden neu berechnet & das Jobcenter wird ggf. für Dich weniger Geld überweisen.

Denn wenn Du Dein eigenes Geld verdienst, wirst Du damit auch einenTeil Deiner Miete & Deiner Lebenshaltungskosten usw. selbst bezahlen müssen.

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Arbeitsamt, Arbeitslosengeld, Ausbildung, 11

Du musst mit deinem Einkommen im SGB - ll nicht für den Unterhalt deines Vaters aufkommen,aber mit deinem anrechenbaren Einkommen deinen Bedarf so gut es eben geht selber decken !

Das bedeutet für dich,dass du bzw.dein Vater dann weniger Leistungen für dich bekommt oder dann gar keine mehr,wenn du deinen Bedarf aus deinem anrechenbaren Einkommen selber decken kannst.

Dann musst du deinem Vater deinen Kopfanteil der KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) selber zahlen,dass würden dann bei 2 Personen 50 % sein und alles was dann noch durch die Personen im Haushalt geteilt werden muss,wie z.B. Abschlag für Haushaltsstrom,Telefon,Internet usw.und dazu dann noch Kostgeld für deine Verpflegung oder du einigst dich mit deinem Vater darauf das du deine Versorgung dann selber übernimmst.

Es kann dann also max. dein volles Kindergeld auf den Bedarf deines Vaters angerechnet werden,wenn du soviel anrechenbares Einkommen hast,dass du dein Kindergeld zur eigenen Bedarfsdeckung nicht mehr benötigen würdest.

Mal ein Beispiel für dich :

Dein Bedarf beträgt ab 2016 min.306 € Regelsatz und dazu dann 50 % der Warmmiete,bei angenommen 600 €,also dann 300 €,dann läge dein Bedarf bei min. 606 € pro Monat.

Auf deine Brutto Vergütung werden dir vom Jobcenter theoretisch Freibeträge auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll berechnet,dass sind dann zunächst mal deine 100 € Grundfreibetrag und ab 100 € - 1000 € Brutto hast du noch einmal 20 % Freibetrag,was dann von 1000 € - 1200 € Brutto geht,stehen dir noch mal 10 % an Freibetrag zu.

So könntest du bei 1200 € Brutto auf 300 € Freibetrag kommen,dieser wird dir dann wieder theoretisch von deinem Nettoeinkommen abgezogen,ergibt dann das anrechenbare Netto und dazu kommt dann dein Kindergeld von dann 190 € und wenn dein Vater noch Unterhalt oder eine Waisenrente für dich bekommen sollte,dann käme das noch dazu und ergibt dann dein gesamtes anrechenbares Einkommen.

Davon wird dann dein angenommener Bedarf von 606 € abgezogen,hättest du dann mehr als 190 € anrechenbares Einkommen übrig,dann würde das volle Kindergeld auf den Bedarf deines Vaters angerechnet,du würdest also au der BG - ( Bedarfsgemeinschaft ) deines Vaters raus sein und müsstest den oben besagten Bedarf selber an deinen Vater zahlen und der Rest würde dir sein.

Hättest du weniger anrechenbares Einkommen,nachdem dein Bedarf berücksichtigt wurde,also angenommen nur 90 €,dann würdest du auch nicht mehr zur BG - deines Vaters gehören,weil er für dich dann ja auch schon keine Leistungen mehr bekommen würde,du bräuchtest aber vom Kindergeld dann selber noch 100 €,deshalb würden ja nur diese 90 € über deinem Bedarf übrig bleiben und diese 90 € würden dann deinem nicht mehr benötigten Kindergeld zugerechnet und deinem Vater dann von seinen Leistungen abgezogen,er müsste diese Kürzung dann mit diesem nicht mehr benötigten Teil deines Kindergeldes ausgleichen.

Das ginge dann wie gesagt solange so weiter,bis dann einmal das volle Kindergeld auf den Bedarf deines Vaters angerechnet würde und dann kannst du theoretisch verdienen was du willst,dann darf nichts mehr auf den Bedarf deines Vaters angerechnet werden,wenn du das nicht freiwillig machen möchtest.

Antwort
von TTurbo, 51

Ich glaub du musst ein Teil davon abgeben (ca. 200€).

Aber weil du noch minderjährig bist bin ich mir da nicht sicher.

Kommentar von TTurbo ,

Aber kannst ja mal auf dem Arbeitsamt anrufen und nachfragen.

Kommentar von KateClapp1 ,

Danke das werde ich mal machen :)

Antwort
von FasDrag3, 35

Das ist soweit ich weiß totaler Quatsch! Da du minderjährig bist, ist das ja so als würden sie dir das erarbeitete Geld wegnehmen :)

Kommentar von KateClapp1 ,

Ich hatte dieses Jahr einen Ferienjob im Sommer in einer Eisdiele und der gesamte Gehalt wurde abgezogen. Das heißt also die interessiert das überhaupt nicht ob ich minderjähring bin oder nicht. ^^

Kommentar von EstherNele ,

Du hast recht, es wird "angerechnet" -  aber nicht weggenommen.

Allerdings nicht alles - auch da darfst du einen Freibetrag behalten.

Wenn du zum Beispiel 400€verdient hättest, dann hätten nur 240 € angerechnet werden dürfen.

Kommentar von EstherNele ,

@FasDrag3
Leider nein- auch da greift die Anrechnungsklausel, das hat mit Volljährigkeit nichts zu tun.

Kommentar von FasDrag3 ,

Oh shit, das wusste ich nicht :/

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community