Frage von Pferdefan226, 114

Kein Vertrauen zu Pferd?

Mein Pferd steht wegen einem Haarriss schon 6 Wochen und darf nichts machen. Da er ein Kopper ist und es im Moment ziemlich heiß ist darf er auf ein Mini- Paddock. Laut Ta hat er noch 4 Wochen oder länger vor sich. Nun zu meiner Frage... In den letzten Monaten haben wir uns großes Vertrauen angebaut und kamen immer besser mit einander klar. Durch das Stehen und dadurch das er zu aufgeregt und wild für ein paar Ablenkungen oder Lektionen ist, sinkt das Vertrauen immer mehr und er lässt sich nur noch schwer vom Paddock in die Box führen. Was soll ich tun, dass wenn er wieder gesund ist unser Vertrauen nicht komplett abgestürzt ist und wir wieder miteinander arbeiten können?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 59

Meine Stute hatte bereits 2 Mal das "Vergnügen" einer solchen Fissur. Im Prinzip hat unsere gemeinsame Zeit genau mit der ersten angefangen. Das heißt, auch wir waren uns am Anfang fremd. Doch genau durch diese blöde Situation sind wir zwei zusammen gewachsen. 

Zu diesem Zeitpunkt war sie wohl das sauberste Pferd im Stall;-) Weil ja nicht viel möglich war und sie strengste Boxenruhe in den ersten 4 Wochen hatten musste, hab ich sie einfach jeden Tag laaaaaaaaaaaaange geputzt. Massiert mit einem Gummistriegel, mit ihr gesprochen, sie liebkost und mit sehr viel Ruhe, Zeit mit ihr verbracht. Zeit, die ich ja auch sonst auch fürs Reiten aufgebracht hätte.

Sie ist auch heute noch - mittlerweile ist die Gute schon 18 Jahre alt- ein wirklich lebhaftes Energiebündel. Beide Fissuren in ihrem Leben entstanden durch ihr eigenes Zutun in Folge von Rumbocken - einmal hat sie dabei wohl einen Zaun oder Baum erwischt und einmal hat sie es in der Führanlage geschafft. Trotzdem haben wir eine sehr enge Bindung. Hole ich sie von der Weide, brauche ich im Prinzip keinen Strick. Sie läuft neben mir her und so etwas habe ich Anfangs nie für möglich gehalten.

Wichtig ist, dass Du Dir selber vor Augen führst, dass Du nichts erzwingen kannst, sondern gelassen bleiben solltest. Sei für Dein Pferd da, verbringe Zeit mit ihm. 

Dass er vor sich hin explodiert, kommt er von seiner spärlichen Bewegung auf dem Mini-Paddock, ist doch nachvollziehbar. Pferde haben einen Bewegungsdrang und dieser ist bei Deinem Pferd zur Zeit mehr als eingeschränkt, das lässt ihn kribbelig werden. Nimm das nicht persönlich und schon gar nicht als Beweis mangelndes Vertrauens, sondern sieh das ähnlich wie bei einem kleinen Kind, dass man viel zu lange versucht hat, zum Stillsitzen zu verdonnern. Ein Kind sucht nach solchen Zwangsruhen auch Momente, sich abzureagieren und wird laut und ungestüm. Ähnlich ergeht es zur Zeit Deinem Pferd.

Kommentar von Urlewas ,

Sehr schön gesagt - an das Beispiel mit einem Kind dachte ich zwar auch, aber Du hast es sehr schon zum Ausdruck gebracht!

Kommentar von Sallyvita ,

Dankeschööön:-)

Kommentar von Sallyvita ,

Oh, vielen Dank für die hilfreichste Antwort - da freue ich mich aber sehr drüber! Alles Gute für Dich und Dein Pferd!

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde & Pony, 72

Erstmal das kraftfutter in Rücksprache mit TA reduzieren

Viel gutes heu und frisches schnittgras sowie gesunde Kräuter geben,

Dazu täglich einen obstbaumast frisch in Box oder paddock hängen.

Massage nach linda tellingtonJones machen, das hilft immer, Bücher dazu gibts in der Bibliothek.

Setz dich zi ihm und ließ ihm dein lieblingsbuch vor  , am besten direkt neben das boxengitter von außen, bei meinem Pferd war genau DAS für sie am schönsten.

Viel Geduld Und viel Erfolg

Antwort
von HanabiChan, 58

Hallo :)

Vertrauen aufbauen könntest du jetzt zum Beispiel schon, indem du einfach (ohne Strick und Halfter) mit einer Bürste (vllt hat er eine Lieblingsbürste?) zu ihm gehst und einfach mal in Ruhe mit ihm schmust und ihn bürstest. Pferde, die nicht angebunden sind und das Bürsten des Besitzers als angenehm und beruhigend empfinden, werden sich mit der Stelle, die sie gekrault haben wollen (zb Schulter) zu dem Menschen wenden und sich bereitwillig hinstellen. Da er ja dabei frei ist, kann er selbst entscheiden, ob er das möchte oder mal eine kleine Pause braucht und geht.

Wenn du bald wieder auf einem Reitplatz kannst, ist es da natürlich noch intensiver, da mehr Platz für ihn ist und er sich zwischendurch bewegen kann.

Dabei sollst du ihm nicht hinterherlaufen, wenn er irgendwohin möchte, warte bis er steht (auch beim Paddock), dann geh zu ihm und fang an ihn sanft zu bürsten, wie eine Massage. Das wird ihn ganz sicher beruhigen. Wenn du zwischenzeitlich mal Abstand nimmst, um zb die Bürste zu säubern, wird er ganz sicher zu dir kommen und mehr wollen. Kann auch sein, dass er anfängt sich an dir etwas zu schubbern oder mit den Lippen an dir rumknabbert. So lange er dir nicht weh tut, lass ihn machen. Das baut dann eine gute Basis für eine Freundschaft auf, denn auch Pferdefreunde tun dies und er wird dir dankbar sein, dass du es auch tust, aber nur solange du es elbst willst und als schön und angenehm empfindest zu diesem Zeitpunkt.

Wenn du ihn wieder richtig Bewegen kannst, geh locker mit ihm spazieren. Das ist die Grundlage für vertrauensvolle Ausritte. Beim spazieren Kommuniziert ihr viel mehr miteinander und wenn er mal ein zwei Schritte vorgeht und etwas vorweg läuft, lass ihn machen. Das stärkt sein Selbstbewusstsein um einiges im Gelände und solange er dich nicht durch die Gegend zieht ist alles okay. Geht er dir einen Meter zu weit vorraus, werd langsamer oder bleib stehen, signalisiere ihm, dass er auf dich warten soll, damit ihr gemeinsam weitergehen könnt.

Ich würde vielleicht auch gar nicht am Anfang so viel mit Lektionen machen, sondern eher etwas, was ihn entspannt und nicht anstrengt. Er ist momentan sehr unausgelastet und hat vermutlich Feuer im Popöchen, dann sind Lektionen nicht sehr förderlich, weils ihn antsrengt und noch nervöser macht.

Da ich nicht genau weiß, was du genau unter Lektionen definierst, noch ein Tipp: Denk daran, dass Vertrauen und Freundschaft nicht auf Kontrolle und Lektionen bestehen. Selbstverständlich sollte er dich respektieren genauso wie du ihn respektierst und er in etwa dann anhält und stehen bleibt, wenn du anhälst. Achja und noch ein kleiner Tipp: Belohne bei Lektionen nicht ständig mit Leckerlis (falls du das überhaupt machst), sondern mit einem streicheln an zB der Stirn oder der Schulter, je nach dem wo es dein Pferd lieber hat.

Und bedenke immer, wie es deinem Pferd gerade geht, wie es gelaunt ist, ob es freiwillig mitmacht oder sich eher abwendet. Gib deinem Pferd die Zeit, die es braucht. 
Dein Pferd ist ja momentan leider von der Bewegung her ziemlich eingeschränkt und er träumt vermutlich den ganzen Tag davon, unterwegs zu sein und mit seinen Pferdefreunden herumzulaufen. Geh zu ihm hin und mach ihm Mut, das brauch er am meisten :)

LG :)

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 51

Das pferd hat nicht  mehr und nicht weniger Vertrauen zu dir, weil es jetzt nicht laufen darf, als vorher. Es ist lediglich nicht ausgelastet. Und das wird von alllein  besser, wenn das Pferd wieder gesund  ist.

Kommentar von Urlewas ,

P.s. : die Frage sieht fast so aus, als ginge es dir eigentlich weniger um das Vertrauen des Pferdes zu dir,  als umgekehrt. Dass das unbändige Pferd DIR zur Zeit Angst macht? 

Auch da kann ich dich beruhigen: das wird nachher wieder besser, da mußt du halt jetzt durch. Baldrian könnte helfen - sowohl dem Roß als auch dem Reiter. 

Und versuch, bei aller Vorsicht, die Ängstlickeit beiseite zu schieben,  und das Pferd nicht durch diese Ausstrahlung zusätzlich zu stressen. Mach nur das, wobei Du dich sicher fühlst, und das ohne stockenden Atemvon ganzem Herzen.

Alles andere findet sich wieder. 😊

Antwort
von pesto221, 10

Hey :)

Also, ich denke das Vertrauen wird wieder kommen. Wenn das Tier immer gut behandelt und gepflegt wird, wird es wieder Zuneigung aufbauen. Und sobald es sich wieder mehr bewegen kann, wird es vermutlich schnell besser werden.
Es gibt auch sonst glaube ich noch viele Tipps, die man sich aus dem Internet suchen kann. Es gibt ja viele Infoseiten, denke ich. In Pferdeforen habe ich zum Beispiel auch immer einige nette Leute gefunden, die sich auch noch besser mit der Haltung von Pferden auskannten. Ansonsten wäre vielleicht https://faliserpferdesport.wordpress.com eine Hilfe. Da findet man einige Haltungstipps. :)
So, ich glaube wie gesagt, dass es besser wird, wenn du dich weiterhin gut kümmerst, also, schon mal viel Erfolg :)

Antwort
von Felyz, 68

Ihr beide werden sowieso erstmal langsam anfangen müssen nach so langer Stehzeit. Dabei habt ihr genug Zeit euer Vertrauen wieder zu festigen und langsam in euer altes Training hinein zu kommen :)

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