Frage von fckthisname, 33

Kausalität bei Kant?

Sagt Kant, 1) dass wir die Abfolge von Erscheinungen selbst konstruieren, also selbst entscheiden, ob A notwendig auf B oder B notwendig auf A folgt ODER sagt er, 2) dass die Abfolge A auf B schon gegeben ist, und wir lediglich die sind, die bestimmen, dass A und B notwendig(!) verknüpft sind, also B notwendig folgt, wenn A gesetzt ist?

Antwort
von Ottavio, 8

Ich halte solche "Oderfragen" für wenig hilfreich. Wer sagt denn, das Kant eine der beiden Positionen vertritt? Ich halte sie beide für konstruktivistisch. Kant war kein Konstruktivist.

Im ersten Kapitel der Kritik der reinen Vernunft, sagt Kant, dass es a priori für das Denken des Menschen,notwendige Bedingung sei, dass alles Geschehen in der Zeit stattfindet. Das ist also notwendig für uns. Ob A auf B folgt oder B auf A oder beide gleichzeitig sind, ist gar keine Frage der Notwendigkeit, wir konstruieren sie auch nicht. Wir können es beobachten - als Ding für uns. Als ein solches ist es für uns gegeben, Aber wir können uns natürlich irren in der Interpretation unserer Beobachtung. Insofern ist die Interpretation ein Konstrukt. Aber dieses Wort gebraucht Kant nicht.

An gleicher Stelle sagt Kant ebenso, dass das Gesetz von Ursache und Wirkung eine a priori für das Denken des Menschen notwendige Bedingung sei, also dass alles Geschehen eine Ursache habe, die ihm zeitlich vorausgeht. Dass eine bestimmtes Geschehen A notwendig die Ursache eines anderen, zeitlich im folgenden Geschehens B sei,davon spricht Kant gar nicht. Ich denke, eine solche Behauptung ist sicher ein menschliches Konstrukt. Aber dieses Wort ...

Die Behauptung, dass B notwendig folgt, wenn A gesetzt ist, ist nur in der Logik möglich, also aus logischen Gründen. 

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