Kaufberatung Studiomonitore, verzicht auf Hifi-Anlage?

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4 Antworten

Hallo xNeGaTiiV,

ich produziere daheim gerne Musik.

Dann sind neutral abgestimmte Lautsprecher wichtig... aber gibt es die tatsächlich?

  1. Was passiert mit einem neutral abgestimmten Lautsprecher im Hörraum? 
  2. Welchen Einfluss hat der Hörraum auf die neutrale Abstimmung des Lautsprechers?
  3. Ist ein aktiver Monitor generell neutraler, besser als andere passive oder aktive Lautsprecher? Woher kommt dieses neutrale Verhalten? Könnte es sein, dass eigentlich nur ein neuer Markt mit entsprechenden Aussagen geschaffen wurde?
  4. Was spricht gegen einen guten HiFi-Verstärker kombiniert mit guten Lautsprechern, die nicht die Bezeichnung "Monitor" tragen?
  5. Ist die verbaute Verstärkertechnik besser als das, was in einem guten HiFi-Verstärker verbaut ist? Oder vielleicht eher schlechter... denke an das erwähnte Grundrauschen bei den Rookit...kennst du einen guten HiFi-Verstärker mit einem nennenswerten Grundrauschen? Oder bietet sie mehr Anpassmöglichkeiten?

Du siehst, dass ich vieles in Frage stelle und immer alles auf Plausibilität überprüfe.

Zu 1, 2: Er klingt in jedem Raum unterschiedlich und verliert seine "Neutralität" ganz schnell in Abhängigkeit von Aufstellung und Raum. Die Raumakustik ist mindestens genau so wichtig wie die neutrale Abstimmung, die in einem Raum stimmen mag, in einem anderen aber nicht.

Zu 3: nein, ist er nicht. Aber er unterscheidet sich eventuell von anderen Lautsprechern durch eine psychoakustische Größe, nämlich die "Lästigkeit". Es gibt Lautsprecher, die extrem fein auflösen und nach einiger Zeit das Gehör des Tontechnikers so sehr belasten und ermüden würden, dass ein 8-Stunden Arbeitstag manchmal extrem lang werden würde.

Wenn du Haut immer wieder über lange Zeit reizt, wird sie Wund und du bekommst schon ein unangenehmes Gefühl, wenn du am Tag drauf daran denkst, dass diese Hautreizung gleich wieder fortgesetzt werden würde.

Übertrage dieses Phänomen auf das Gehör des Tontechnikers, das ebenfalls permanent "berührt" wird und so gereizt werden kann, dass er dieses unangenehme Gefühl nicht mehr aushält und sich schnell nach anderen Monitoren umsieht.

Ein guter Studio-Monitor löst gut auf, färbt nicht, hat eher unspektakuläre Bässe, keine übertriebenen Höhen, eine gute räumliche Abstimmung und einen guten Phasengang, damit die Ein-und Ausschwingvorgänge zeitlich richtig kommen und der Obertonaufbau stimmig ist. Er darf also nicht auf Dauer das Gefühl der Aufdringlichkeit entwickeln.

Kritisch sind immer die Übergänge von einem Chassis zum nächsten, und weil es extrem schwierig ist, das wirklich in den Griff zu bekommen, findest du unter den Monitoren überwiegend 2-Wege Konstruktionen, wobei tatsächliche die verbaute aktive Weichentechnik viel mehr Möglichkeiten der optimalen Anpassung eröffnet als bei passiver Weichentechnik. Hier sehe ich einen Vorteil bei aktiven Nahfeld-Monitoren.

Mir wurde dazu geraten mir Studiomonitore zu zulegen, da diese den Klang nicht verfälschen.

Vielleicht kannst du diese Aussage jetzt besser einordnen, sie kann jedenfalls etwas angezweifelt werden!

Zu 4, 5: Wenn es für den Raum und den gewünschten Aufstellungsort geeignete Lautsprecher sind, können sie selbstverständlich verwendet werden, und die meisten guten HiFi-Verstärker, die ich kenne, sind technisch absolut ausgereifte, von der Wiedergabequalität annähernd perfekte Teile, dass man vergleichbare Verstärkertechnik nur in sehr teuren Studio-Monitoren findet. Ein Vorteil ist die feinere Anpassbarkeit der Nahfeld-Monitore durch entsprechende schaltbare Filter, die im HiFi-Bereich nicht üblich sind.

Müsste ich also auf meine Hifi-Anlage verzichten?

Nicht unbedingt. Diese Frage kannst du erst nach einem Hörvergleich beantworten. Eine HiFi-Anlage ist immer gut, um eine Abmischung nicht nur am Nahfeld-Monitor und am Kopfhörer anzuhören, sondern in einer realen Bedingung, die viele andere Musikliebhaber so oder so ähnlich zu Hause einsetzen.

Nachteil: die generell im HiFi-Bereich zu findende unsymmetrische Signalverbindungstechnik, die störstrahlunsanfälliger ist, Brummstörungen treten häufiger auf gegenüber generell symmetrischer Signalleitungstechnik im Profi-Bereich (XLR balanced). Wenn aber alles richtig bedacht wird, ist HiFi-Technik auch verwendbar.

Mein Standpunkt ist, dass du grundsätzlich eine Hörvergleich bei dir in deinem Raum mit den in Frage kommenden Komponenten machen musst und dann erst selbst entscheiden kannst, was für dich optimal ist. Eventuell wirst du feststellen, dass dein vorhandenes Equipment durchaus brauchbar ist...oder eventuell sogar besser?!

Generell würde ich einiges Geld in gute Studio-Kopfhörer investieren... ein anderes Thema.

wie würde ich die Studiomonitore installieren?

Du schließt sie am Audio-Interface an. Du kannst sie aber auch an einem HiFi-Verstärker anschließen mit einem Vorverstärkerausgang. Einige HiFi-Verstärker lassen sich zwischen Vor und Endstufe auftrennen, an dieser Stelle können aktive Monitore sehr gut angeschlossen werden.

Monitore möchte ich dir erst dann empfehlen, wenn du mir dein Budget mitteilst und den Raum beschreibst, in dem sie aufgestellt werden sollen.

Grüße, Dalko

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Kommentar von xNeGaTiiV
12.10.2016, 16:25

Vielen Dank für dein Wissen! Die Frage bezüglich des Anschließens hatte ich mir mit der Zeit selbst beantwortet. Mittlerweile habe ich einen 2-Kanal Mixer daheim, mit dem das Anschließen von Aktiven Nahfeld Monitoren kein Problem sein sollte. 

Desweiteren habe ich mich immer noch nicht für den Kauf eines bestimmten Modells entschieden, denn die Arbeit geht auch mit der Hifi-Anlage voran.

Für den Kauf würde ich pro Box vorerst nicht mehr als 300€ ausgeben. Der Raum in welchem ich Arbeite befindet sich in einem 50er Jahre Bau, hat dementsprechend eine sehr schlechte Akkustik und wenn ich in einer bestimmten Frequenz huste, schallt es sogar ein wenig. Genaue Quadratmeter-Angaben kann ich dir nachträglich geben. LG

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Ich würde dir ganz einfach zu zwei aktiven Monitoren raten. Diese besitzen meist sowohl cinch als auch xlr Anschlüsse, sind also mit deinem Audiointerface kompatibel. (mit den richtigen Kabeln)

Was du mit "auf Hifi-Anlage verzichten" meinst ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar. Falls du meinst ob du gleichzeitig auf Monitor und Hifi hören kannst, ja klar geht das, es macht allerdings keinen Sinn.

Ich habe zuhause die KRK Rokit 6. Die sind ein wenig Basslastiger als andere und haben mir vom allgemeinem Sound her sehr gut gefallen. Leider haben sie jedoch ein relativ hohes (so wie mein Meckerniveau) Grundrauschen wenn du keine Musik hörst. Da der Sinn von Boxen aber ist, dass man etwas damit hört stört mich das nicht so, da man dann nichts mehr von dem rauschen hört.

Ich würde dir entweder zu den meinen KRK Rokit Monitoren raten:
http://www.thomann.de/de/krk_rp6_rokit_g3.htm?ref=search_rslt_rokit_322726_0

oder aber zu den etwas Höhenlastigeren Yamahas:
http://www.thomann.de/de/yamaha_hs_7.htm?ref=search_rslt_yamaha+monitore_313050_7

Hab ich mir beide Live angehört und beide für gut befunden. Welche Größe du kaufst hängt natürlich von dir ab, allerdings würde ich nicht unter 6" gehen, da du hier einfach nicht so kräftige tiefe Frequenzen bekommst...

Wie bei allen Boxen gilt auch hier Live anhören, da niemand deinen Sound-Geschmack mit einberechnen kann. Einfach deinen Laptop mit in einen Laden nehmen und anhören. Ansonsten gibt es bei Thomann ja auch noch das Rückgaberecht. Ich hab zwar noch nie davon Gebrauch gemacht aber Thomann ist allgemein unheimlich gut was den Kundenservice angeht. Da würde ich mich trauen mir die Boxen zuschicken zu lassen, einmal an zu hören und gegebenenfalls wieder zurück zu schicken...

Falls du noch Fragen hast bitte Frag.

Liebe Grüße, JutenMorgen!

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1. Hifi Anlage kannst du mit den alten/bisherigen Boxen noch als 2. System angeschlossen lassen. Die (aktiven) Studiomonitore schließt man einfach am Interface an - für die benötigst du die Anlage nicht mehr.

Bei passiven Monitoren benötigt man einen Verstärker, der bei aktiven halt in der Box schon verbaut ist. In dem Fall kann man die Hifi-Anlage benutzen oder besser einen qualitativ passenden Verstärker kaufen. Beste und weitverbreiteste Option ist aber sicher die mit aktiven Monitoren.

2. PC - Interface - aktive Monitore/Kopfhörer/Micro/Intrumente oder:

PC - Interface - Verstärker/"Anlage" - passive Monitore

3. Preis-Leistungs-Empfehlungen meinerseits wären: M-Audio BX8 und Adam F7

beste Grüße

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Kommentar von Beatinfected
21.04.2016, 21:23

vielleicht wär in dem Kontext folgendes noch interessant für dich: die Art der Kabel/Anschlüsse:

  • Chinch: nur im Amateuer-Bereich anzutreffen, billige Anschlüsse, keine symmetrische Verkabelung möglich. Finger weg wenns um gutes Audio-Equipment gehen soll.
  • Klinke: micro (1,x mm) wird bei Handys etc benutzt - für dich irrelevant, "normal" (3,x mm) kennt man als Standard-Anschlusse überall - aber auch nicht ausreichend für sehr gute Audioübertragung.
  • Klinke groß (6.x mm): symmetrische Verkabelung möglich. Mit XLR die besten Anschlüsse für hochwertige Audiogeräte.
  • XLR: symmetrische Verkabelung möglich, keine Störungen beim Ein-und-Ausstecken. Qualitativ ebenbürtig mit Klinke 6mm - evtl dank der Anschlussform sogar ein bischen besser.
  • symmetrische/unsymmetrische Kabel: kurzfassung: unsymmetrische Kabel sind anfällig für elektrische Störungen von Außerhalb, symmetrische nicht. Symmetrische Kabel sind zu bevorzugen wenn die Kabel lang sind und/oder sich elektrische Geräte in der Nähe der Kabel befinden. Zu beachten: Symmetrische Kabel benötigen auch symmetrische Anschlüsse, ansonsten funktionieren sie wie unsymmetrische. (sprich: bei der Monitor-wahl drauf achten, ob überhaupt symmetrische Anschlussmöglichkeiten vorhanden sind)
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ich würde auch KRK Rokit G 3 5-8 empfehlen. Adam ist mit Magnetostaten auch sehr höhenbetont

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