Frage von zemrajem, 66

Katzenhaltung trotz verbot des Vermieters wegen Psyche?

Hallo! Ich wohne zur Zeit mit meinem Freund seit anfang August in einer ca. 65qm großen 2- Zimmer Wohnung und wollte sehr gerne eine Katze halten. Leide seit ein paar Jahren an starken Depressionen und es geht mir leider immer schlechter. Habe schon zwei verschiedene Antidepressiver probiert bzw. nehme ich noch die eine aber beides wirkte/wirkt nicht so ganz. Ich warte auch leider immer noch auf einen Platz beim Psychologen. Bei uns kommt man echt schwer an einen Platz, da die Psychologen so überfüllt sind und die meisten auch gar keine Patienten mehr annehmen. Daher möchte ich mir schon seit längerem eine kleine Katze anschaffen, damit ich auch nicht mehr so alleine bin und ich habe einfach das Gefühl, dass mir das helfen würde. Ich brauche einfach etwas worum ich mich kümmern muss, was mich braucht und womit ich einfach mal schmusen kann. In unserem Mietvertrag steht, dass Katzen und Hundehaltung nur mit Zustimmung des Vermieters erlaubt ist. Habe dem Vermieter auch schon zwei mal meine Situation erklärt und ihn gefragt ob es gehen würde. Selbst mein Freund hat schon quasi danach gebettelt, weil selbst er einfach nicht mehr weiter weiss. Beide male haben wir ein Nein gekriegt und seine Gründe dafür waren, das er schlechte Erfahrungen mit einem anderen Mieter gemacht hat und man den Geruch einer Katze angeblich total schwer aus der Wohnung raus kriegt. Ich bin echt am verzweifeln! Hab ich irgendwie noch eine Chance doch noch mir ein Kätzchen anzuschaffen? Möchten wirklich ungern uns jetzt wieder eine andere Wohnung suchen, weil wir total zufrieden mit der Wohnung sind und man hier sowieso echt schwer eine vernünftige Wohnung findet. Hoffe ihr könnt mir helfen! Liebe Grüße

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Mietrecht, 13

Hab ich irgendwie noch eine Chance doch noch mir ein Kätzchen anzuschaffen?

Du könntest klagen und hoffen, dass der Vermieter zustimmen.

Oder Du ziehst um in eine Wohnung wo Katzenhaltung kein Problem ist.

Ich würde Dir Kleintiere empfehlen, die kann der Vermieter nicht verbieten sofern sie in angemessener Zahl und artgerecht gehalten werden.

LG

johnnymcmuff

Antwort
von Gerneso, 44

Keine Chance. Der Vermieter will nicht und ER MUSS auch nicht!

Psyche hin oder her. Es handelt sich nicht um einen Blindenhund, den Du nachweislich benötigen würdest, wenn Du blind wärest.

Förderlich für die Gesundheit bedeutet nicht ERFORDERLICH.

Antwort
von nebenkostenblog, 20

Ganz so einfach, wie meine Vorredner das sehen, ist es nicht.

Allgemein: Tierhaltung ist dem Mieter grundsätzlich gestattet, wenn sie innerhalb des vom Vermieter geschuldeten vertragsgemäßen Gebrauchs stattfindet. Das lässt sich nach Ansicht des BGH jedoch nicht allgemein, sondern immer nur im Einzelfall feststellen (BGH VIII ZR 340/06). Abzuwägen sind dabei: Art, Größe, Verhalten und Anzahl der Tiere; sowie Art, Größe, Zustand und Lage der Wohnung.

Zum Sachverhalt: Der Vermieter kann sich die Zustimmung zur Tierhaltung vorbehalten. Dabei darf der Mieter darauf Vertrauen, dass der Vermieter nur bei gewichtigen Gründen die Zustimmung versagen wird (AG Hamburg-Barmbek ZMR 2006, 535). Der Mieter kann aus gesundheitlich-psychischen oder therapeutischen Gründen auf das Tier angewiesen sein (AG LG Hamburg WM 1996, 532). Das muss der Vermieter in seine Abwägung mit einfließen lassen.

Auch zu beachten hat der Vermieter, ob er anderen Mietern im gleichen Haus die Tierhaltung gestattet hat, ob er selbst Tiere hält und ob es für eine eventuelle Ungleichbehandlung einen sachlichen Grund gibt.

Kurzum: Es wäre durchaus vertretbar, den Vermieter unter Beifügung einer ärztlichen Stellungnahme, die die Haltung einer Katze aus therapeutischen Gesichtspunkten für erforderlich erklärt, um Zustimmung zu bitten. Sollte er anschließend die Zustimmung weiterhin verweigern, müsste die Sache vor Gericht geklärt werden.

Unabhängig davon: Kleintiere (Hamster, Kaninchen, etc.) wären grundsätzlich nicht zu verbieten bzw. sind nicht zustimmungspflichtig; auch dann nicht, wenn es im Mietvertrag steht. Vielleicht lässt sich das Problem dadurch lösen, dass statt einer Katze ein Kleintier angeschafft wird?

Kommentar von TrudiMeier ,

Der Mieter kann aus gesundheitlich-psychischen oder therapeutischen Gründen auf das Tier angewiesen sein

Das ist aber bei der FS nicht ärztlich belegt oder nachgewiesen, sondern einfach nur von der FS in den Raum gestellt. Als Vermieter würde ich mich darauf auch nicht einlassen.

Auch zu beachten hat der Vermieter, ob er anderen Mietern im gleichen Haus die Tierhaltung gestattet hat, ob er selbst Tiere hält und ob es für eine eventuelle Ungleichbehandlung einen sachlichen Grund gibt.

Völlig unerheblich. Der Vermieter ist nicht verpflichtet alle Mieter gleich zu behandeln. Er kann 10 Katzen erlauben, die 11te erlaubt er nicht mehr, weil er der Ansicht ist dass 10 Katzen reichen. Völlig legitim.

Vielleicht lässt sich das Problem dadurch lösen, dass statt einer Katze ein Kleintier angeschafft wird?

Sinnvollster und vor allem stressfreiester Tipp!

Kommentar von nebenkostenblog ,

Den ärztlichen Beleg könnte man gegebenenfalls besorgen. Ich halte es von der FS für zu viel abverlangt, hier Ihre Krankheit "nachzuweisen", wie Sie sich auszudrücken pflegen.

Ob Sie sich als Vermieter darauf "einlassen" würden, ist unerheblich - das Gericht würde es zumindest zur Kenntnis nehmen und in die (vom BGH geforderte) Einzelfall-Abwägung aufnehmen müssen.

Ihr zweiter Kommentar ist schlicht falsch. In der Reihenfolge meiner Aufzählung: LG Hamburg MDR 1982, 146; AG Lörrach WuM 1986, 247; LG Berlin WuM 1987, 213.

Kommentar von johnnymcmuff ,

Ihr zweiter Kommentar ist schlicht falsch. In der Reihenfolge meiner Aufzählung: LG Hamburg MDR 1982, 146; AG Lörrach WuM 1986, 247; LG Berlin WuM 1987, 213.

Das sind Urteile kleiner Gerichte und von Ort zu Ort kann  ein Gericht anders entscheiden.

Wichtig ist das BGH- Urteil und die von Dir erwähnte Interessenabwägung.

Ihr zweiter Kommentar ist schlicht falsch.

Falls dieser Absatz gemeint ist, der ist richtig.

Kommentar von nebenkostenblog ,

Dass insbesondere kleinere Gerichte gerne auch anders entscheiden, ist unbestritten. 

Mir war lediglich wichtig deutlich zu machen, dass die Rechtsprechung in Sachen Tierhaltung nicht unbedingt mieterunfreundlich war bzw. ist.

Antwort
von Katzenreiniger, 35
Antwort
von ragazza001, 47

Wenn der Vermieter das nicht will, lässt sich schwer was machen.
Das Argument mit dem Katzengeruch find ich von deinem Vermieter echt mehr als bescheuert. Katzen stinken nicht...höchstens das Katzenklo. Und dass man das regelmäßig reinigen muss, sollte eh selbstverständlich sein. Dein Vermieter soll mal an ner Katze riechen...

Kommentar von zemrajem ,

Danke für deine Antwort!

Finde ich auch total blöd. Für mich ist das auch kein wirklicher Grund für ein Verbot. 

Kommentar von ragazza001 ,

Ich hoffe, dass das mit der Katze doch noch klappt :)

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