Frage von faxfaxfax, 68

Katastrophale Verlegung im Aussenbereich?

Ich gruesse euch Ich bin aktuell dabei die ganze Elektroinstallation im Aussenbereich zu ueberarbeiten

Vorher war nur 2 Adriges 1,5mm^2 Kabel nach aussen verlegt, woran eine Steckdose, mehrere Lampen, und eine Markise dranhingen Es waren sogar ueberall noch NYM Kabel verarbeitet mit aus irgendeinem Grund, ziemlich bruechiger Isolierung

Habe jetzt die Zuleitung neu gemacht mit NYY 2,5 Kabel, 3 Adrig, und RCCB davor

Nun ist mir eine Ueberraschung begegnet, und ich wuerde mal gerne eure Meinung wissen

So war die Markise installiert Da wo der Kabelkanal unten zuende ist war eine Lampe installiert mit 2 Adrigem Kabel, und nach oben hin zur Markise, ging ein 2 adriges flexibles Litzenkabel???? Was soll das?

http://s32.postimg.org/6y8spoqo1/20160518_134542.jpg

Das 2 Adrige Litzenkabel ist ein 3 adriges, mit abgeschnittenem PE Leiter Das Kabel geht weiter zu einer Steckdose an der Decke, wo die Markise eingestoepselt ist

Ist das so VDE konform oder kann man das reklamieren? Fuer mich ist das Katastrophe Das ganze wurde weiterhin mit Luesterklemmen realisiert, ohne Aderendhuelsen oder aehnliches, und das Litzenkabel war extrem zerfranst

Bitte um Rat

Sollte ich das reklamieren? Der Aufbau der Markise liegt schon 3 Jahre zurueck, aber vorher ist das ja nie aufgefallen weil ich nie unter die Lampe geschaut habe

Weiterhin wurde da an der Luesterklemme sogar Zeitungspapier verarbeitet als "isolierung" weil da einfach nur blanke Adern waren

Antwort
von germi031982, 38

Natürlich ist das nicht konform, aber das nach der Zeit noch zu reklamieren dürfte keinen Sinn machen. Vor allen Dingen wenn du das eh neu machst. Auf dem Bild sieht man das es Aufputz ist, daher ist das noch nicht mal so kritisch wie wenn du die Wände aufstemmen müsstest.

Die zweiadrigen Leitungen sind natürlich brüchig, die sind über 40 Jahre alt wenn sie eine schwarze und eine grün/gelbe Ader enthalten. Wenn darin eine schwarze und eine graue Ader sind sogar noch älter (Farbcode von vor 1965). Die klassische Nullung wie sie bei dir in den Steckdosen wahrscheinlich vorliegt darf seit 1973 nicht mehr gemacht werden, Übergangsfrist bis 1974 für Elektroinstallationen die sich zu der Zeit bereits im Bau befanden. Für bestehende Anlagen die aus der Zeit vor dem Verbot stammen gibt es eine Art Bestandsschutz. Man muss nicht auf den aktuellen Stand nachrüsten solange die Anlage noch den damals gültigen Vorschriften entspricht und man keine größeren Änderungen daran vornimmt. Das ist aber obsolet weil du das eh komplett neu machst.

Durch die Einstrahlung der Sonne, abwechselnde Hitze und Kälte, wird das Material im Laufe der Jahrzehnte porös. Das wird deinen Leitungen auch blühen, also so anbringen das sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind. Dann halten die auch länger.

Antwort
von Branko1000, 23

Du solltest dich auf jeden Fall an den Elektriker wenden, der das installiert hat, denn das war alles nicht VDE konform, aber ob das etwas bringt, weiß ich nicht, denn du fängst gerade an schon alles zu erneuern bzw. ändern.

Man darf überhaupt gar nicht flexible Leitung verlegen, denn diese ist nur für Geräte gedacht, denn diese werden oft bewegt und ein normales NYM oder NYY könnte dadurch brechen.

An der Leuchte selbst brauchte man vielleicht keinen Schutzleiter, aber dieser darf nicht abgeschnitten werden, sonder muss in der Leuchte, mit einer Klemme versehen werden, denn vielleicht wird später eine Leuchte mit Schutzleiter installiert.

Lüsterklemmen sind für Verbindungen auch nicht mehr erlaubt, außer an Leuchten, also eine Leuchte darf noch mit Lüsterklemmen angeklemmt werden, aber in einer Abzweigdose dürfen diese nicht benutzt werden.

Wenn der Elektriker flexible Leitung verwendet hat, dann hätte er wenigstens Adernendhülsen bei der Lüsterklemmen verwenden müssen, denn eine Schraubverbindung darf nicht bei flexibler Leitung ohne Aderendhülse nicht genutzt werden.

Kommentar von germi031982 ,

H07RN und H07BB darf auch fest Aufputz verlegt werden. Aber mit den Aderendhülsen hast du recht.

Und Lüsterklemmen darf man benutzen wenn man einen Übergang von Massivdraht auf Litze hat. Natürlich müssen die Lüsterklemmen entsprechend ausgelegt sein, da gibts verschiedene Varianten die unterschiedliche Belastbarkeiten haben. 10 oder 16A. Da darf man natürlich nur die größeren 16A nehmen, die kleinen 10er sind da unzulässig und nur für die Verwendung in Lampen zulässig da dort das Leuchtmittel den Stromfluss begrenzt. Heute benutzt man aber eher die Wago-Klemmen der Modellreihen 221 oder 222. Die sind zwar auch klobiger als die normalen Wago-Klemmen, aber die können zusätzlich zu Massivdraht auch Litze klemmen. Aderendhülsen sind bei diesen Klemmen nicht erforderlich laut Hersteller, ich für meinen Teil crimpe die trotzdem immer drauf. Die brauchen zwar mehr Platz in der Abzweigdose als die konventionellen Wagos, aber weniger als eine Lüsterklemme.

Antwort
von prohaska2, 33

Dreipolige Steckdose muss dreipolig angeschlossen werden. Der Markisenmotor kriegt zwei Pole (meiner zumindest). Und für eine Isolierung im Außenbereich ist Zeitungspapier nicht das Mittel der Wahl.

In meinem Land erlischt die Haftung für Konstruktionsfehler übrigens nie.

Kommentar von germi031982 ,

Mittlerweile muss sie dreipolig angeschlossen werden. Früher war das hier anders. Da wurden Schutzkontaktsteckdosen wie folgt angeschlossen:

Vor 1969:

-L an einen Kontakt der Steckdose, zumeist rechts*

-PEN (damals Null genannt) an den anderen Kontakt (N), und von dort aus eine Drahtbrücke zum Anschluss des Schutzkontaktes.

Zwischen 1969 und 1973:

-L an einen Kontakt der Steckdose, meist rechts*

-PEN an den Anschluss des Schutzkontaktes, von dort aus Drahtbrücke zum anderen Anschlusskontakt der Steckdose (N).

*: Früher wurden die drei Außenleiter (Phasen) die man heute als L1, L2 und L3 bezeichnet noch als R, S und T bezeichnet. Dementsprechend wurden die Phase an den Steckdosen rechts angeschlossen, weil eben R. Heute schließt man die in der Regel links an, eben weil L. Prinzipiell ist es egal, man sollte aber darauf achten das bei allen Steckdosen in einem Stromkreis die Phase auf der gleichen Seite ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nullung#Nullung_ohne_besonderen_Schutzleiter

Bei dem Bild kann man das mal sehen wie sich Aderfarben und Schutzmaßnahmen im Laufe der Zeit gewandelt haben:

http://www.mikrocontroller.net/attachment/141935/Steckdose.PNG

Es gab früher auch die Schutzmaßnahme des nichtleitenden Raumes, die ließ es zu Steckdosen des Typs C zu installieren, die sind den Schuko-Steckdosen ähnlich, verfügen aber über keinen Schutzkontakt. Habe solche Steckdosen erst vor geraumer Zeit aus einem alten Schlafzimmer entfernt. Stammten noch aus den 1950ern...

https://de.wikipedia.org/wiki/Stecker-Typ_C

https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtleitende_R%C3%A4ume

Allerdings sind nichtleitende Räume heute selten, denn die meisten haben heute Heizkörper o.ä. in einem Raum (auch nachgerüstet), und die Heizkörper haben leitfähige Verbindungen nach außerhalb des Raumes und sind in den Potentialausgleich des Hauses eingebunden. Dadurch ist der Raum leitfähig, und die Installation muss modernisiert werden weil die Schutzmaßnahme nicht mehr greift.

Kommentar von prohaska2 ,

Du sprichst von Vorschriften aus fremden Ländern ...

Kommentar von germi031982 ,

Aus welchem Land kommst du denn? Also das war die entsprechende Entwicklung in Deutschland. In fernen Ländern sieht sowas anders aus:

https://www.youtube.com/watch?v=c3jxHHtu6vc

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