Frage von theaskinghippo, 99

Katagana, Hiragana, Kanji... ... warum haben die Japaner mehrere "Alphabete"?

Hallo,

ich werde demnächst japanisch lernen. Ich habe mich jetzt schon ein bisschen über die Sprache informiert, mir stellt sich jedoch die frage warum die Japaner verschiedene Alphabete haben? (kann man sie als Alphabete bezeichnen?) Gibt es einen Zweck warum sie 3 bzw. 4 verschiedene haben?(sie haben ja noch die Rōmaji)

Antwort
von Kharon, 63

Kanji sind ja eigentlich chinesische Schriftzeichen. Das war die erste Schrift, die die Japaner für sich selbst übernommen haben. Da die gebildeten Leute mehrheitlich Chinesich sprechen/schreiben konnten, benutzen sie einfach die chinesischen Zeichen so, dass sie wenn sie vorgelesen wurden klangen wie die japanische Sprache (phonetische Verwendung). Das nannte man Man'yōgana.

Die Bedeutung der Kanji war anfangs noch egal, erst später fingen die Japaner dann an, sie ihrer chinesischen Bedeutung entsprechend zu benutzen, dabei aber die jeweiligen japanischen Aussprache zu verwenden. Deshalb haben die meisten Kanji auch 2 Lesungen: die "original" chinesische und die "neue" japanische.

Dauernd Kanji zu schreiben war aber kompliziert, vor allem im Man'yōgana, wobei im Prinzip jedes chinesische Zeichen verwendet werden konnte, solange die Kombination die richtige japanische Lesung ergab. Im 9. Jh. (glaube ich) hatten dann ein paar Frauen keinen Bock mehr und vereinfachten die chinesische Kalligraphie so weit, dass daraus ein Silbenalphabet wurde. Das sind Hiragana.

Die wurden allerdings für eine Weile nur von den weniger gebildeten Frauen benutzt, weil sich die gelehrten Mänenr dafür zu fein waren. Die meisten bekannten Romane (z.B. das Tale of Genji) dieser Zeit sind beinahe komplett in Hiragana geschrieben.

Katakana sind in etwa genauso alt wie Hiragana, und ebenfalls eine vereinfachte Lautschrift aus dem Chinesischen, dieses mal von buddhistischen Mönchen erfunden. Allerdings sind sie von anderen Kanji hergeleitet als die Hiragana, und wurden sehr lange (von Männern) für offiziele Dokumente wie Gesetzestexte verwendet. Bis zum Ende von WWII war es normal, Gesetze in Kanji und Katakana zu verfassen.

Außerdem benutzt man Katakana heute dazu, um Lehnwörter aus anderen Sprachen (meistens dem Englischen) auf Japanisch auszudrücken.

Ich würde dir gern genauer erklären, wofür man was benutzt, aber ich beherrsche die deutschen Fachwörter ehrlich gesagt nicht...

Grob vereinfacht: Kanji bilden Nomen und den "Kern" von Verben, Hiragana benutzt man für Partikel und okurigana (den konjugierbaren Schwanz des Verbs) und Katakana für Lehnwörter aus anderen Sprachen.

Allerdings gibt es auch viele Wörter, die sowohl in Kanji als auch in Katakan geschrieben werden können. Das hängt dann davon ab, was der Schreiber lieber mag, bzw. an wen sich der Text richtet.


Kommentar von Kharon ,

*sowohl in Kanji als auch in Hiragana

Antwort
von Balurot, 24

Du fragst nach dem Warum. Der Grund für das Entstehen der Hiragana und Katakana liegt darin, dass es im Chinesischen keine Verbendungen oder Endungen von Eigenschaftswörtern gibt, die sich, je nach Zeit, etc. verändern.

Die Schrift kam nämlich im fünften Jahrhundert nach Christus von China nach Japan. Die Japaner passten die Schrift, die sie von den Chinesen übernommen hatten, im Laufe der Jahrhunderte an ihre Sprache an. Dabei entstanden die Hiragana und Katakana. Sie wurden benutzt, um die Verbendungen, etc. zu schreiben.

Ich werde einige Beispiele anführen. Ano yama wa kekkou takai yo. Jener Berg ist ziemlich hoch. Kono yama wa takakunai yo. Dieser Berg ist nicht hoch.

Du kannst sehen, dass sich die Endung des Adjektivs verändert. Solche Endungen wurden zuerst mit Kanji geschrieben. Das war verwirrend, weil man oft nicht wusste, ob ein Kanji ein sinntragendes Zeichen war, oder nur Lautwert hat. Da kamen die Kana gerade recht.

Nach dem zweiten Weltkrieg, im Zuge der Industrialisierung, schrieben manche Firmen ihren Namen mit dem lateinischen Alphabet, damit man sie auch in Amerika und Europa lesen konnte. Das war ein Ausdruck von Internationalität und Größe. Diese Firmen schrieben ihren Namen auch im Inland mit dem lateinischen Alphabet, damit es einheitlich wurde. So verbreitete sich der Gebrauch des lateinischen Alphabets im Inland.

Mit der Verbreitung des Computers fanden die lateinischen Buchstaben in Japan weite Verwendung, weil die Japaner - genauso wie alle Europäer und Amerikaner - mit dem lateinischen Alphabet schreiben. Ihr Umwandler verwandelt die lateinischen Buchstaben in Hiragana und in weiterer Folge (mit dem Drücken der Abstandtaste) in Katakana oder Kanji.

In der Gegenwart werden alle vier Schriftsysteme gleichzietig benutzt. Zum Beispiel: John arbeitet in einer japanische Firma, die Sony heißt. ジョンはSONYという日本の会社に勤めています。Jon wa SONY to iu nihon no kaisha ni tsutomete imasu.

Antwort
von WithoutName852, 22

Ganz einfach ausgedrückt:

Hiragana und Katakana sind "Lautschriften", also aus Silben bestehend. Damit kann man ALLES schreiben, was gesagt wird! Hiragana für die japanischen Begriffe und Katakana für "Ausländisches Zeug" (zB unsere Namen, Fachbegriffe, etc). So wird das halt unterschieden.

Kanji haben sich die Japaner von den Chinesen "geborgt". Ein Kanji hat eine Bedeutung und häufig erkennt man das bereits (木 = Baum • 森 = Wald). Das ist halt leichter zu merken, kürzer und verständlicher (weil mehrere Wörter in der Aussprache gleich, aber im Kanji und in der Bedeutung unterschiedlich sind). Und unterm Strich finde ich den Lesefluss besser... Weil schneller zu verstehen und so ;)

Antwort
von Tegaru, 40

Früher hat man, vereinfacht gesagt, nur mit Kanji geschrieben. Die Japaner, welche bis dahin noch kein einheitliches Schriftsystem für ihre Sprache und deren verschiedene Dialekte besaßen, begannen etwa ab dem fünften Jahrhundert, mit chinesischen Schriftzeichen zu schreiben. Kurz zuvor hatte China die Koreanische Halbinsel erobert und war näher an Japan rangerückt. (Die Koreaner benutzten vor Einführung der Hangeul ebenfalls ausschließlich chinesische Zeichen.)

Dennoch war das Schriftsystem noch stark uneinheitlich. Am Anfang schrieb man ausschließlich Chinesisch, wobei dies auch nur den Gelehrten vorbehalten blieb, welche die Sprache auch oft sprechen lernten.

Später ging man dazu über, die Wortstellung der japanischen anzupassen (Kanbun). Dies war aber teilweise kompliziert zu lesen. Später gab es dann ein System, bei dem die Zeichen rein phonetisch, ohne Hinblick auf die Bedeutung gelesen wurden. Dafür gab es aber für jede Silbe teilweise bis zu ein Dutzend verschiedene Zeichen. Daraus entwickelte ein buddhistischer Mönch dann die Man'yōgana, die Vorläufer der heutigen Hiragana.

Die Kana vereinfachten das japanische Schriftsystem gewaltig, und auch das gemeine Volk konnte nun leichter schreiben lernen. Jedoch dauerte es noch, bis die Kana offiziell in die Schrift aufgenommen wurden, da die Gelehrten des Landes immer noch die chinesischen Zeichen benutzten und dieses Wissen als Privileg ansahen. Im Gegenzug dazu taten sie die Kana als "Bauernschrift" ab.

Aufgrund der vielen Homophone (Wörter, die gleich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben) und der zunehmenden "Entfremdung" der japanischen Sprache durch chinesische Lehnwörter, war es aber zu kompliziert, ein rein phonetisches System anzuwenden, weswegen man irgendwann die phonetischen und bedeutungstragenden Elemente der in den vergangenen Jahrhunderten benutzten Systeme mehr oder weniger kombiniert und vereinheitlicht hat.

Dieses System, welches sowohl Kanji als Bedeutungsträger als auch Kana als Lautträger verwendet, hat sich ungefähr 800 Jahre lang durchgesetzt - bis heute. Es gibt heutzutage allerdings auch so viele sino-japanische Lesungen aufgrund der chinesischen Einflüsse, dass man eben nun bei jedem Kanji meist mehrere Lesungen auswendig zu lernen hat (die sino-japanische und die reinjapanische). Die heute benutzten Hiragana helfen teilweise auch, die richtige Lösung zu bestimmen. Dann entschied man sich anscheinend noch, dass man ein Extra-Alphabet für ausländische Lehnwörter braucht (um die klarer von den japanischen Wörtern zu trennen?), und somit gibt es auch noch Katakana.

Das heutige Schriftsystem des Japanischen mag in seiner Gesamtheit zwar immer noch wahnsinnig komplex sein, aber folgt irgendwo einer gewissen Logik und hat sich bewährt. Würde man ein rein phonetisches System benutzen (zum Beispiel, indem man nur in Hiragana, oder gar Rōmaji schreibt), dann könnte man beim Lesen nicht schnell genug (oder gar nicht) bestimmen, wo die Wortgrenzen sich befinden und was ein bestimmtes Wort zu bedeuten hat. Es würde einfach kein anständiger Lesefluss zustande kommen.

Kurzfassung: Es hat sich über den Verlauf der Geschichte als das am wenigsten komplizierte System bewährt. Man kann so sehen, wo ein Wort aufhört und das andere anfängt, hat nicht so viele Zeichen auswendig zu lernen und muss nicht immer aus dem Kontext "raten", welche Bedeutung ein Wort hat. 

Natürlich muss man sich manchmal beim Sprechen aus dem Kontext die Bedeutung erschließen, aber man redet ja auch nicht so, wie man schreibt, sondern benutzt teilweise andere Wörter oder Umschreibungen, sodass die Bedeutung des Gesagten ein wenig klarer wird.

Kommentar von Tegaru ,

Der Grund für die vielen Homophone ist wohl, dass die japanische Sprache in Moren angeordnet ist, also immer Kombinationen aus Konsonant + Vokal (bis auf das einzeln stehende N, welches aber auch noch nicht so lange existiert). 

Bei der koreanischen Sprache hingegen werden Silben verwendet statt Moren. Jeder Konsonant und jeder Vokal ist eine Einheit für sich und mehrere dieser Einheiten können zu Silben zusammengefasst werden. Vor allem können auch mehrere Konsonanten aufeinanderfolgen. Die Vielfalt der verschiedenen bildbaren Laute ist einfach viel höher. Dadurch ist es im Gegensatz zum Japanischen möglich, eine reine Silbenschrift ohne bedeutungstragende Elemente (Hangeul) zu benutzen.

Antwort
von thinkfirst, 43

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