Ich bin 35 Jahre alt und arbeite seit meinem 15. Lebensjahr durchgehend. Ich hab mich ständig weiterentwickelt, Kurse besucht und auch neben fulltime Job in der Mindestzeit ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen. So, jetzt hab ich einen kleinen Sohn mit 2 1/2 und würde gerne wieder ganztags arbeiten. Nur - irgendwie will mich keiner haben. Ich verwende die gleichen Bewerbungsschreiben wie bei meiner letzten Jobsuche die sehr schnell zum Erfolg führte - also glaube ich nicht daß es daran liegt, daß meine Bewerbung so schlecht ist. Ich bin schon erstaunt. Ich meine, ich habe ein Kind bekommen und keine Gehirnamputation hinter mir! Was habt ihr für Erfahrungen?
Also ich hatte mal ein Bewerbungsgespräch und da sagte mir die Leiterin des Unternehmens geradewegs ins Gesicht: "Eine Mutter? Will ich nicht, die sind dauernd abwesend, weil ihr Kind krank ist usw." Ich gebe es im Lebenslauf nicht mehr an.
Was ist mit Deinem ehemaligen Arbeitgeber passiert? Der kennt Dich ja am besten. Oder hast Du alle zwei Jahre Firma gewechselt?
Mein alter Chef würde mich sicher wieder nehmen. Das Problem für mich ist, daß ich früher Pendlerin war und 1 1/2 Stunden pro Strecke im Zug gesessen bin. Das heißt, das sind 3 Stunden Freizeit die ich dann verfahre. Ausserdem war der Job sehr Überstundenlastig (als ich ging, wurden 2 neue Mitarbeiter als Ersatz für mich eingestellt, das sagt eh schon alles...)War früher kein Problem, aber mit Zwerg ist das jetzt schon was anderes. Es gibt auch immer wieder Stellen, die in meiner Nähe sind. Ich auch die nötige Ausbildung und Erfahrung mitbringe, aber wie gesagt... irgendwie klappts nicht!

Ich schreib dir mal, wie Personalleiter denken
1) 35 Jahre, könnte bald noch ein Kind wollen
2) wenn das Kind krank ist, fehlt sie
3) Muß pünktlich nachhause, also wenig flexibel
Dieses Denken ist leider Realität
Frauen- und kinderfeindliche Realität
albundysohn am 15. September 2008 23:41 Ist so und kann man nicht ändern.
Bei uns gehen die meisten Frauen in öffentlich Ämter arbeiten, da dort bei Einstellungen auch soziale Aspekte berücksichtigt werden. In der Privatwirtschaft ist es so und wenn man ehrlich ist, ist es auch in der heutigen Zeit irgendwie verständlich
Aha..so fest ist das schon in den Köpfen.
albundysohn am 15. September 2008 23:54 Denke mal, du sitzt an der Stelle und mußt entscheiden. Du brauchst jemanden in einer wichtigen Position und hast bei selber Qualifikation die Wahl zwischen Mann und Frau mit Kind. Jeder der sagt er nimmt die Frau, hat dies noch nie entscheiden müßen oder handelt, sorry für das Wort, unverantwortlich seinem Unternehmen gegenüber
Das ist beschränktes Denken. Ich bin selbständig und für mich wäre weder das Alter noch eine Mutter ein Hindernis für eine Anstellung. Erstes steht für Erfahrung und das Zweite für Organisationstalent und Belastbarkeit.
albundysohn am 16. September 2008 00:03 Ob es beschränktes Denken ist, sei mal dahingestellt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Realität ist aber so. Und gib bitte nicht mir die Schuld :-)
Ich verteile keine Schuld, sondern ich mache die verantwortlich, die einfach mit dem Wind segeln.
Verständlich? Dann kann nur jemand sagen, der nur bis zur nächsten Wocher weiterdenkt und sich noch nie überlegt hat, wer seine Rente einmal zahlen soll!
Es ist Dein Sohn.... micht wollte 21 Jahre keiner haben, mein Sohn ist auch behindert. Und selbst jetzt, kein Kind ist lebt mehr bei mir, bin ich 2.Wahl. L.G.
Stimmt, erst ist man verhindert und dann zu alt.
Auch das ist eine Schande, nicht nur wie man mit Müttern umgeht, sondern auch mit Müttern von behinderten Kindern, die ungleich viel Kraft aufbringen, nicht zuletzt weil sich ihre Männer aus Identifikationsgründen aus dem Staub machen.
Du spricht mir aus der Seele:=)))) L.G.
Das kommt auf den Job an. Wenn man leicht ersetzbar ist ist es leichter. als wenn man viel Verantwortung trägt.
Leider ist das in Deutschland so. Arbeitsuchende mit kleinen Kindern werden nicht so gern genommen. Sie könnten ja öfter fehlen.
albundysohn am 15. September 2008 23:46 Überall, nicht nur in Deutschland
Nicht in den Skandinavischen Ländern :)
Und genau das versteh ich nicht. Da gibt es so viele Leute die wegen Zehenfieber zuhause bleiben oder weil sie Regelschmerzen haben oder verspannt sind... Das hat dann nichts mehr mit Arbeitsverhinderung zu tun sondern ist eine Charakterfrage. Nämlich: wie engagiert und verantwortungsbewusst bin ich? Ich selbst bin schon einige Male so richtig krank in die Arbeit gegangen, weil ich einfach einen Termin hatte der wichtiger war. Mein Chef hat dann natürlich geschimpft, weil er richtigerweise meinte, daß ich den Rest der Belegschaft anstecke. Das Vorurteil, daß Mütter öfter fehlen ist sicher leider richtig, aber meiner Meinung nach falsch.

Lass dich nicht unterkriegen und sei nicht gefrustet! Die bereits genannten Argumente treffen m.E. nur auf einen Teil der Unternehmen zu. Ich führe ein mittelständisches Unternehmen und ich suche grundsätzlich immer die Person mit der besten Qualifikation und mit der Persönlichkeit, die zu meinem Unternehmen passt. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, dass Du den Wiedereinstieg als Nahziel anstrebst, d.h. geh doch evtl. den Weg über eine Teilzeitstelle. Wenn Du Dein Leistungsvermögen erst mal unter Beweis gestellt hast, ist es einfacher die persönliche AZ zu erweitern. Der zweite Rat ist, wenn Du diesen Punkt als Bremse ansiehst, geh offensiv damit um und stelle Deinen Standpunkt in der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch klar. Dann ist kein Spielraum für irgendwelche Interpretationen. Viel Erfolg!

Angenommen ich hätte ein Firma und müsste jemanden einstellen. Ich habe dich und eine Frau zur Auswahl, die keine Kinder hat.
Aus wirtschaftlichen Gründen würde ich definitv die andere Frau einstellen.
So hart das klingen mag, aber ja: dein Kind ist eine Jobbremse.
Ja, aber die andere Frau wird vielleicht auch ein Kind bekommen und fällt dann für ein paar Monate aus. Meines ist schon da!
wandpilz am 15. September 2008 23:56 wird vielleicht heisst nicht muss. Du hast schon eins. Sie kriegt vielleicht keines. Im Gegensatz dazu kann dein Kind krank werden. Dann fällst du aus.
und zu Playoff: was interessiert mich soziale Verantwortung (wirklich hohle Phrase)? Ich habe eine Firma. Mir geht es ums Geld. Meine soziale Verantwortung ist das Gehalt, welches meine Angestellten bekommen.
Dann bist du lediglich ehrlich. Aber was ist mit deiner sozialen Verantwortung?
Die soziale Verantwortung trägt ein Unternehmer nicht generell der ganzen Gesellschaft gegenüber, sondern zunächst einmal primär gegenüber den Menschen, die bei ihm in Brot und Lohn stehen. Also wird er Entscheidungen treffen, die dem Unternehmen nutzen und damit auch denjenigen, die dort arbeiten. Denn nur, wenn es dem Unternehmen und dem Unternehmer gut geht, ist er in der Lage, jeden Monat pünktlich die Gehälter auszuzahlen.
Der Dame sollte man von Rechts wegen den staatlichen Pensionsanspruch streichen. Wenn sie keine Kinder will bzw. die Nachteile den anderen aufbürdet, denn soll sie sich doch ihre Pension selbst zahlen!