Buchfink am 15.04.2009 um 21:07 Uhr
In der Dhammapada steht:
Wer andre Wesen quält, die auch nach Wohlsein streben, so wie er selbst, der hat kein Glück im nächsten Leben.
Wer andre Wesen schont, die auch nach Wohlsein streben, so wie er selbst, der findet Glück im nächsten Leben.
Ein Bekannter hat seit kurzem eine buddhistische Freundin aus Korea. Zur Zeit arbeitet die rosarote Brille noch eifrig daran die Macken des Partners zu übersehen und sein Handeln nicht zu hinterfragen.
Sie lebt vegetarisch, setzt Spinnen und Fliegen, die sich in ihre Studentenbude verirrt haben, behutsam draußen aus, anstatt sie zu erschlagen, und bringt es einfach nicht übers Herz einen Silberfisch-Köder in ihrem winzigen Badezimmer auszulegen.
Er isst seit kurzem auch weder Fleisch noch Fisch, verschweigt ihr aber, dass er für eine Kammerjäger-Firma arbeitet. Sie glaubt immer noch, dass er bei einem Reinigungsbetrieb in Lohn und Brot steht. Nun spielt er mit dem Gedanken, für sie den Beruf zu wechseln und auch Buddhist zu werden.
Aber wie sieht es mit seinem Karma aus? Immerhin kann er den Tod von unzähligen Ratten, Mäusen und Küchenschaben auf sein Konto verbuchen (im Soll natürlich). Ist es wirklich möglich, in den nächsten Jahrzehnten Lebenszeit, dieses Defizit mit genügend guten Taten auszugleichen, sodass bei seinem Tod etwas auf der Haben-Seite übrig bleibt?
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Lach. Das ist ein sehr vereinfachter Ansatz. Es ist sicher auch eine Frage, des Bewusstseins, mit dem man eine "schlechte" Tat tut. Weil ich ein eigenes schlechtes Gewissen auf der eigenen Seele ansammelt und sie darunter leidet. Wenn sie es wahrnimmt.
Sogar der Dalai Lama hat eine Fliege erschlagen, die ihn ziemlich lang geärgert hat. Mit den Worten "Happy Reinkarnation!". Hart aber herzlich.
Auch Buddhisten essen Fleisch, es kommt aber auch auf das Bewusstsein an, mit dem sie es machen. Ob mit Dankbarkeit für die Schöpfung und die Lebewesen. Mit Dankbarkeit auch für die Pflanzen. Oder ohne Wahrnehmung dafür oder sogar als Vergeudung.
Buddhismus ist auch sein Bewusstsein zu entwickeln und zu schulen, um Wahrheit sehen und wahrnehmen zu können und nicht nur Schein.
Nicht so einfach messbar an guten und schlechten Taten. Weil das Leben komplexer ist.
Aber der prinzipielle Ansatz ist schon richtig. Nur: Wenn das Töten der Tiere als Befreiung für andere gesehen wird, dann ist es sicherlich anders zu sehen und eher hinzunehmen, als wenn es nur aus Lust am Töten oder Hass diesen Tieren gegenüber entsteht.
Uuuh - viel Feedback! Also eine heisse Frage.
Mein Yogalehrer, der gerade erst mit weit über die 90 die Erde verlassen hat, hat seinen Schülern oft die Aufgabe gestellt im Garten Ungeziefer zu sammeln und zu vernichten. Ebenso ließ er uns oft Unkraut jäten. Seltsamerweise haben sich etliche "pazifistische" Schüler immer wieder dagegen gewehrt. Das karmische Gesetz heißt nicht, dass man Selbstmord begehen soll, damit man ja niemals niemandem mehr auf die Füße tritt.
Mann/Frau kann mit einer friedlichen Lebenseinstellung lange gut leben. In einigen Situationen kommt dann allerdings Ammendment Nr. 1 zum Zug und man muss sich entscheiden, ob man lieber den Baum eingehen lässt, oder doch die Käferchen schlachtet.
Wir haben dabei gelernt, dass man sich besser für das (metaphysisch) "größere" und "wahrere" Lebewesen entscheidet.
Sehr hilfreich und empfehlenswert ist dabei die Bhagavadgita zu lesen. Ist ziemlich dünn aber essentiell. Arjuna steht mit seinem Wagenlenker Krishna in der Mitte des Schlachtfeldes. Auf beiden Seiten stehen sich seine Verwandten gegenüber (Bürgerkrieg). Obwohl er keine Lust hat zu Kämpfen und niemanden töten möchte, erklärt ihm Krishna, dass er sehr wohl eine Enscheidung treffen muss - nämlich letztendlich für die Seite, die im Recht ist (wäre das immer so einfach!).
Friedliebend zu sein aus Angst um das eigene Karma ist nicht Pazifismus sondern Feigheit vor den Konsequenzen.
Der Kampf kann natürlich auch darin bestehen, die Käferchen zu sammeln und in der Wüste auszusetzen. Dann verhungern sie halt und man hat nur "halb" (?) schuld. Oder man verfrachtet sie in Nachbars Garten. Was ist dann mit dessen Bäumen??
Als ich mal auf einer Berghütte gearbeitet habe, mussten wir öfter Mäuse einfangen - mit Lebendfallen. Ich habe die Mäuschen dann mit dem Skidoo ins Tal gefahren und bei einem reicheren Restaurantbesitzer, dessen Laden besser lief, wieder ausgessetzt. Das wäre eventuell auch ein Kompromiss... ... wenn da nicht der Sprit des Skidoos ... Klimawandel ... dadam dadam dadam ...
Buchfink am 16. April 2009 18:16 Leider fällt mir zu diesem langen und aufwendigen Text nur "Große Klasse" ein.

Der Inhalt des karmischen Denkens wird oft ein bisschen missverstanden... Es geht im Grunde nur um Erfahrungen, auf der sogenannten positiven und auf der sogenannten negativen Seite. Keine davon ist besser, keine ist schlechter. Sie bedingen einander. Das Eine nicht ohne das Andere. Meiner Meinung nach gibt es kein "Karmakonto". Es ist nur so, dass wir irgendwann auch die Gegenseite erleben wollen und je bewusster wir werden, die Mechanismen durchschauen, desto weniger ist es nötig, die Seiten zu durchleben, die wir als unangenehm empfinden. Also seinen Beruf braucht er jedenfalls nicht zu wechseln... ;-) Es kommt immer auf das Bewusstsein an, die Achtsamkeit...
LiloB am 18. April 2009 15:06 Diese Antwort hat mir wirklich gefallen. Langsam wehre ich mich gegen die Vorstellung von einem "göttlichen Buchhalter", der gut und böse notiert. Wir haben ihn in uns, wenn wir ehrlich mit uns umgehen- und wissen sehr genau, wann wir das Minuskonto zu sehr belasten. Auch ohne Strafe im Jenseits oder nächsten Leben!
Angel84 am 19. April 2009 00:01 Meine Worte.... Seh ich auch so :-)

Man kann auf Erden sich den Himmel nicht "verdienen"
78ersven am 15. April 2009 21:10 DH
Buchfink am 15. April 2009 21:12 Oh, bisher wusste ich nicht, dass der Buddhismus über einen himmel verfügt.
Buchfink am 15. April 2009 21:15 Himmel [ich hasse meine neue Tastatur]
holodeck am 16. April 2009 15:05 Na ja, jedenfalls keinen im christlichen Sinne. Allerdings gibt es da schon diverse astrale Dimensionen ;-))
? es geht doch ums nächste Leben und nicht um den Himmel....

Die Logik würde mir sagen: 2000 Ratten im Soll, also müssen 2000 Ratten ins Haben! Also ab zum Tierschutzbund (kenne das im Indischen Glauben, daß gute Taten schlechte auch wieder wett machen können!). Würde seinem "neuen" Gewissen auf jedem Fall guttun, oder?
Buchfink am 15. April 2009 21:13 Brächte ihn das Züchten von Kakerlaken, Mäusen und Ratten vielleicht weiter?
Zumindest so viele, wie er in etwa tötete.
fabielle am 27. April 2009 20:14 Wem er was gutes tut, ist ja eigentlich egal- weil ja nicht gesagt ist, daß die vernichteten Kreaturen im nächsten Leben auch in der Form wiedergeboren werden- vielleicht haben sie sich ja so "wohl verhalten", daß sie jetzt Hunde oder Katzen sind???

Es kommt sicher darauf an, wieviel Zeit er noch hat, den entstandenen Schaden wieder auszugleichen. Vielleicht hilft es, wenn er ab jetzt Menschenleben rettet?
Wenn das nichts hilft, dann muss sie eben alleine ein glückliches neues Leben beginnen.
Vielleicht merken aber auch beide gleichzeitig, dass alles Gewesene völlig egal ist?! ;-)
Buchfink am 15. April 2009 21:27 Und wie wäre es mit Tiere züchten? Natürlich nicht für die Fleischindustrie....
sanne172 am 15. April 2009 21:31 Kleine Kuscheltiere zur Freude kleiner Mädchen?
Eventuell rettet das seine Haut....
Buchfink am 15. April 2009 21:49 Und wenn diese Mädchen die Tiere dann nicht artgerecht halten - geht das dann auf seine Kappe, weil er sie für sein Karma züchtete oder wird das dem Mädchen angelastet?
sanne172 am 15. April 2009 21:57 Dafür ist sind die Mädchen verantwortlich (oder die Mütter?) Besser, er züchtet Buchfinken, die läßt er dann fliegen - da freuen sich alle, denn die mag jeder! :-)
Buchfink am 15. April 2009 22:02 Bei letztem Satz wette ich dagegen.
Und das ist kein "Fishing for Compliments".
sanne172 am 15. April 2009 22:10 Nenn mir einen Grund....
Buchfink am 15. April 2009 22:16
sanne172 am 15. April 2009 22:21 Ich bin kein Ornithologe, aber ich meine, das wäre kein Buchfink....
Buchfink am 15. April 2009 22:24 Okay, das war geblufft.
Ich bin unwahrscheinlich liebenswürdig, nett, humorvoll, intelligent, zuvorkommend und bescheiden.
Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, warum nicht auf der Stelle alle Menschen in Ehrfurcht vor mir erstarren.
sanne172 am 15. April 2009 22:31 Auf diese Attribute reagiere ich mit purer Begeisterung und nicht mit Erstarrung. Vielleicht mußt du deine Erwartungen überdenken? ;-))

hier geht es eindeutig um einen Glauben, sie hat das sozusagen mit der Muttermilch mitbekommen, er wird immer ein Neuling bleiben. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Buchfink am 15. April 2009 21:16 Die Chancen stehen für ihn also ganz schlecht, dass er mit heiler Haut ins nächste Leben kommt?

Nunja. Für mich ist sein Karma flöten gegangen (oder verwechsel ich das jetzt mit Charisma?)
Er müsste entsprechend viele Ratten, Mäuse und Küchenschaben züchten und vorm Übertritt zum Buddhismus alle vorherigen Sünden beichten.
Buchfink am 15. April 2009 21:18 Aber wohin mit diesen Tieren?
Diese Tiere werden unter Garantie von anderen Menschen getötet und so hat er mit der Zucht dieser Lebewesen gleich auch ihren Tod wieder auf dem Gewissen.
Er soll sie ja nicht wieder aussetzen. :-)
Ansonsten bin ich mit deiner Frage überfordert und verweise auf Luises Antwort. :-)

Beim Tod wirst Du nichts mehr auf der Habenseite finden....es ist alles vorbei.
Buchfink am 15. April 2009 21:14 Dessen bin ich mir bewusst, aber ich wollte es aus der Sicht von Buddhisten hören.
Der Buddhismus ist nur eine Anleitung genauso wie der Taoismus wie man ein Leben führen kann das glücklich macht. Das mit der Wiedergeburt und dem Karma muss man ausblenden genauso wie man Gott beim Christentum ausblenden muss etc.
Am Ende muss man sich nur davor fürchten was man tut und wie man denkt - Nicht was nach dem Tod kommt.

Ganz unabhängig von karmischen Verflechtungen können wir einfach aufhören, die armen Tiere anzulocken. Die hören dann sofort auf, sich massenhaft zu vermehren (denn das ist die Besonderheit dieser Arten, die auf menschliche Schwächen spezialisiert sind), und brauchen infolgedessen auch nicht vernichtet zu werden.
Eine wirklich gute und ausführliche Antwort. DH Luise.
Also könnte dieser Bekannte auch bei der Firma bleiben, wenn seine Freundin Deinen letzten Satz akzeptieren würde?
Ja. Wenn er es in dem Bewusstsein tut, damit Gutes zu bewirken, dann ja.
Ist meine Ansicht dazu, aber ob die Freundin das akzeptiert ist dahingestellt.
Ich ergänze mal meine Sichtweise zur Reinkarnationstheorie:
Weil jedes Leben einen erneuten Lernprozess zur Entwicklung der Seele bedeutet, wird man auf die Stufe gestellt, die man lernen muss.
Wenn zum Beispiel die "Grobmotorik von Leben und Leben lassen" noch nicht mal ausgebildet ist, wo könnte man das schöner lernen, als als Tier mit vielen Feinden in freier Wildbahn. Oder in Zuchteinheiten zur Nahrungsmittelgewinnung...
Aber das ist nur ein Ansatz von mir ganz persönlich. Und der ist ganz schön hart.
Man muss in jedem Leben die Probleme, mit denen man immer wieder kämpft, bewältigen. Um einen Schritt weiter zu kommen, zu lernen. Auf dem Weg zur "Erleuchtung, Buddhaschaft" einem Stadium der Einsicht und inneren Gelassenheit, der universellen Liebe, einer eigenen Schwingung, die man ausstrahlt, die dann ein Teil der universellen Schwingung werden kann, weil die Seele ja unsterblich ist.
Jeder Weg führt irgendwann zum Ziel. Früher oder später. Weil die Seele unendlich ist. Da braucht man sich keinen Stress zu machen, man muss es nur selber aushalten, wenn man was falsch macht. Und irgendwann aus den eigenen Fehlern lernen. Früher oder eben später.
Das alles mal ganz kritisch betrachten. Fällt unter die Kategorie: Luise bastelt sich ein Weltbild. ;-)
...und ein einleuchtendes noch hinzu.