Frage von Sinegan, 77

Karl der Große. Welche Bedeutung hatte die kaiserkrönung des der Großens?

Antwort
von Pudelcolada, 19

Heute nennen wir Titel und Amt Kaiser, manche nennen ihn deutsch.
Doch damals kurz vor 800 reden wir von DEM CAESAR, dem amtlichen Beschützer Roms!

In Rom lebte der römische Bischof, der Papst, der geistliche Herrscher des weströmischen Reiches, der im (politischen, militärischen, wirtschaftlichen und sozialen) Widerstreit mit dem genauso christlichen und legitimen Basileus von Byzanz lebte, dem geistlichen Herrscher des ortrömischen Reiches.
Doch anders als der west-römische Bischof war der ost-römische Basileus religiöser und weltlicher Herrscher in Personalunion.

Dummerweise war dem römischen Papst der (indirekte) Zugang zur Herrschaft unter den Fingern zerbröselt, seit die west-römische Zentralmacht zusammengebrochen war, denn ohne Zentralmacht ist eine Staatsreligion ein zahnloser Tiger.

Byzanz und dem Basileus stand der Papst also recht hilflos gegenüber, zum Glück musste sich Byzanz gegen die Araber wehren.
Außerdem schwächte sich die byzantinische Oligarchie durch innenpolitische Machtkämpfe und familiäre Mordserien ständig selbst weiter, konnte also genau wie Italien keine funktionierende Mittelmeerflotte aufstellen.
In keinen der beiden christlichen Lager herrschte Vertrauen, erst recht nicht gegenseitig.

Nachdem die Teilung des christlichen römischen Reiches in Westrom und Ostrom also gescheitert war, Rom als bürgerliches Ideal in Trümmern lag, bot der Papst die römische Herrscherkrone den früheren Vasallen an, denn es musste dringend eine Schutzmacht her.
Und die Franken als regionale Nachfolger der Gallier hatten sich bewährt und außerdem als neue Regionalmacht bewiesen.

Zu diesem Zeitpunkt lag Rom in Trümmern, es ging bei der Verleihung der römischen Krone allein um die politische Legitimitation der Übernahme christlich-römischer Herrschaftsansprüche und Verwaltungsstrukturen.

Herrscher (Künic) im römisch-christlichen Kulturkreis konnte nicht mehr sein, wer allein aufgrund eigener Herkunft und Mannbarkeit von Stammesadeligen gewählt wurde, er musste auch auf die römische Verwaltung Zugriff besitzen.
Und die war römisch-christlich geprägt, monastisch (mönchisch) und klerikal (kirchlich).

Durch die Annahme der römischen Krone wurde Karl also zum legitimen Nachfolger der weströmischen (katholischen) Kirchenherrschaft, durfte demnach kirchliche Würdenträger und Grundherrscher einsetzen.
Karl wurde damit legitimer Herrscher des weströmischen Reiches.

Antwort
von MarkusKapunkt, 24

Karl konnte sich so in Tradition zu den Cäsaren des Alten Roms setzen, was eine deutliche Machtbotschaft war - besonders an den Kaiser des Byzantinischen Reiches, der diesen Titel ebenfalls für sich beanspruchte. Dadurch, dass der Papst als Stellvertreter Christi diese Krönung vornahm, hatte sich Karl auch aus religiöser Perspektive als Herrscher legitimiert.

Auf die Kaiserkrönung Karls des Großen nahmen später wiederum alle Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen Bezug, in dessen Tradition sie sich setzten. Der erste von ihnen: Otto der Große, der sich 962 zum Kaiser krönen ließ.

Kommentar von JoDaTr ,

Der Staat hieß "Heiliges Römisches Reich", nicht "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation"; dementsprechend war die offiziell gebräuchliche Abkürzung "SRI" und nicht etwa "SRING" o.ä.. Der Zusatz "deutscher Nation" war lediglich im späten 15. und im 16. Jh. zeitweise gebräuchlich, wenn es um die Belange speziell des deutschen Reichsteils des SRI ging.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Du und ich wissen das. Aber der Fragesteller vielleicht nicht. Um keine Verwechslungsgefahr mit dem Alten Rom zu provozieren, hab ich die deutschen Nationen drangehängt. Verzeih mir. :)

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 34

Karl d. Gr. und der Papst haben das weströmische Kaisertum wiederaufleben lassen. Damit haben sie eine umfangreiche Rückbesinnung auf die Antike bewirkt, die im weiteren Verlauf das Mittelalter und auch die Frühe Neuzeit entscheidend beeinflusst hat, weniger in politischer, als vielmehr in kultureller Hinsicht.

MfG

Arnold

Kommentar von Pudelcolada ,

Ich meine, die Menschen der damaligen Zeit lebten sowieso rückgewandt.
Sie mussten sich also erst gar nicht auf die Antike besinnen, sondern führten den römischen Gedanken weiter.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Die meisten Menschen in der heutigen Zeit wie auch im Mittelalter lebten in der Gegenwart und waren mit der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme beschäftigt. Außer im Bereich der Kirche und der Klöster war gerade das weltliche Wissen der Antike nicht mehr präsent, sogar das Latein und die liturgisch wichtigen Texte waren z. Zt. Karls sehr reformbedürftig. Die Reformen seit Karl und seinen Nachfolgern sowie die näheren Kontakte zum byzantinischen und islamischen Kulturkreis während der Kreuzzüge führten zu einer immer intensiveren Beschäftigung mit antikem Gedankengut, die schließlich zur Renaissance, zur "Wiedergeburt" der Antike und zum spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Humanismus führte.

Antwort
von Seehodil, 40

Sie stellte den Gründungseckpunkt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation dar und ist ein zentraler Moment der Deutschen Geschichte, der in vielen Belangen bis in die Gegenwart wirkt. 

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Karl war Franke, kein "Deutscher"! Seine Kaiserkrönung ist Teil der französischen ebenso wie der deutschen und der italienischen Geschichte. Ein "zentraler Moment der Deutschen Geschichte" ist seine Kaiserkrönung nicht.

Kommentar von Seehodil ,

Selbstverständlich ist er das. Damit ist völlig ungenommen, dass die Krönung auch auf die Geschichte anderer heutiger Nationen Einfluss genommen hat. 

Wollen wir das jetzt ausdiskutieren? Dann eröffne ich gerne damit, dass die Franken sich aus germanischen Stämmen gebildet haben, nicht aus gallischen. 

Führt aber eh nicht zu mehr als zu einem Schlagabtausch ohne schlussendlichem Ergebnis. 

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Germanen sind keine Deutschen!

Kommentar von Seehodil ,

Es gibt keine Deutschen, wenn wir schon so anfangen wollen. "Deutsch" ist in dieser Betrachtung ein Kunstbegriff, der erst viel später entstand.

Aber ich werde das mit Ihnen jetzt nicht weiter thematisieren.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ich akzeptiere deine geistige Kapitulation.

Kommentar von Seehodil ,

Sie missinterpretieren. Ich bin nur nicht gewillt, meine Zeit auf jemanden zu verschwenden, der glaubt, er müsse in einem Themenfeld mit vermeintlicher Pedanterie um sich werfen, bei dem jedem historisch gebildeten Menschen bewusst ist, dass selbst Koryphäen der Disziplin sich bis heute uneinig sind, was in der Geschichte vor dem 19. Jahrhundert wann als "deutsch" angesehen werden darf und was nicht.

Gerne lasse ich Ihnen nun das letzte Wort, damit Sie noch einen Erfolg für sich feiern dürfen. 

Kommentar von Pudelcolada ,

Ich danke dem Autor für eine völlig belanglose Aussage, die ohne jede Begründung in einen historisierenden Zusammenhang gestellt wird und sich damit in die Tradition der euphemistischen und germanisierenden Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts einreiht.
Die moderne Geschichtsforschung ist ein wenig mehrdimensionaler.

Kommentar von JoDaTr ,

Der Staat hieß "Heiliges Römisches Reich", nicht "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation"; dementsprechend war die offiziell gebräuchliche Abkürzung "SRI" und nicht etwa "SRING" o.ä.. Der Zustz "deutscher Nation" war lediglich zeitweise im späten 15. und im 16.Jh gebräuchlich, wenn es um die Belange speziell des deutschen Reichsteils des SRI ging.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Irgendwie Amüsant, wie man sich so streiten kann, obwohl sich beide Kontrahenten eigentlich recht einig sind und nur in Kleinigkeiten auseinandergehen, ohne eine tatsächliche Meinungsdifferenz zu haben. Ist diese verbale Genitalienanalyse wirklich nötig?

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